Du kannst nicht zerbrechen, was schon längst in Scherben liegt.
Als Eleanor in einer fremden Villa erwacht, erinnert sie sich an nichts mehr. Nicht an ihren Namen, ihre Familie oder an den Mann, der behauptet, ihr Verlobter zu sein. Während sie nach der Wahrheit über ihr Schicksal sucht, begegnet ihr immer wieder eine finstere Gestalt. Er nennt sich Scherbenkönig und übt eine ungeahnte Anziehungskraft auf sie aus, der sie jedoch auf keinen Fall nachgeben darf. Denn seit sie ihr Gedächtnis verloren hat, geht alles, was sie berührt, zu Bruch. Sogar Herzen ...
1994 in einem kleinen Dorf der Südpfalz geboren fand Emily Bähr schon früh ihre Liebe zu Büchern und Geschichten aller Art. Der Wunsch, einmal nach England zu ziehen ließ viele ihrer Geschichten eben dort spielen, so nun auch ihre erste Veröffentlichung »Ewig und Du«. Mit diesem Werk verließ sie zum erstem Mal den gewohnten Bereich der Dystopien und wagte sich an eine romantische Komödie - mit Enten.
In „Glassbreaker“ begleiten Leser*innen die junge Eleanor, die urplötzlich ohne jegliche Erinnerungen in einer ihr vollkommen fremden Villa erwacht. Sie kann sich weder an ihren Namen und ihre Herkunft noch an ihren Verlobten erinnern und wird gleichzeitig von dem Gefühl verfolgt, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht… Während ihre Mitmenschen versuchen, sie in Watte zu packen und vor ihrer eigenen Vergangenheit zu schützen, beginnt Eleanor zunehmend, ihre Realität und schließlich sogar ihren eigenen Verstand anzuzweifeln. Denn seit ihrem Erwachen geht nicht nur alles zu Bruch, was sie berührt. Schließlich wird sie in Fenstern, Spiegeln und anderen Reflexionen außerdem von einer mysteriösen Gestalt heimgesucht, die sich selbst den Scherbenkönig nennt. Ein scharfzüngiger und schlagfertiger Mann, der ebenso viele Fragen aufwirft, wie er Antworten liefert und Eleanor dabei hilft, mehr über ihre Vergangenheit und die Geheimnisse hinter ihrer vermeintlichen Realität herauszufinden… 🪞🩵
Eine besondere Stärke der Geschichte liegt für mich in ihrer Atmosphäre. Die Handlung besitzt etwas Märchenhaftes und beinahe Traumähnliches. Eine schillernde Glaswelt, prunkvolle Orte und funkelnde Oberflächen treffen auf scharfe Kanten, dunkle Geheimnisse und das stetige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Gleichzeitig scheint ein unsichtbarer Schleier über der gesamten Geschichte zu liegen, durch den die Handlung ähnlich wie in einem Traum nur verschwommen und bruchstückhaft zu erkennen ist. Realität und Illusion verschwimmen miteinander und zwischen funkelnden Glassplittern und verzerrten Spiegelbildern fällt es zunehmend schwer, Wahrheit und Täuschung voneinander zu unterscheiden..
Da Eleanor selbst keinerlei Erinnerungen an ihr vorheriges Leben besitzt, entdecken Leser*innen die Welt gemeinsam mit ihr und wissen häufig genauso wenig wie sie, wem oder was sie eigentlich glauben können. Und genau dadurch wird für mich die größte Stärke gleichzeitig zu einer Schwäche des Buches. Denn durch Eleanors fehlende Orientierung und ihre Wahrnehmung wirkt die Geschichte oftmals nicht vollumfänglich greifbar.
Inmitten all dieser Geheimnisse steht Eleanor außerdem zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Männern. Auf der einen Seite befindet sich ihr Verlobter: ihr vermeintlicher Held und Retter, der scheinbar alles für sie riskiert hat und gerade dadurch zunehmend verdächtig erscheint. Auf der anderen Seite wartet der Scherbenkönig, ein geheimnisvoller, moralisch grauer Charakter, dem Eleanor eigentlich nicht vertrauen sollte und zu dem sie dennoch eine ungewöhnliche Anziehung verspürt.
„Glassbreaker“ ist eine Geschichte, die in ihrer märchenhaften und geheimnisvollen Atmosphäre stellenweise an „Caraval“ erinnert. Eine Geschichte voller glänzender Fassaden, verzerrter Spiegelbilder und scharfkantiger Wahrheiten, bei der man sich nie vollkommen sicher sein kann, ob man gerade das tatsächliche Bild vor Augen hat, oder lediglich dessen verzerrte Reflexion.
Besonders Liebhaber*innen atmosphärischer Romantasy-Geschichten, die sich gerne zwischen Geheimnissen, moralisch grauen Charakteren, verlorenen Erinnerungen und einer verbotenen Anziehung verlieren, könnten hier auf ihre Kosten kommen. Wer hingegen von Beginn an ein umfangreich erklärtes Worldbuilding und ein hohes Erzähltempo erwartet, könnte mit der Geschichte seine Schwierigkeiten haben. Insbesondere die vielen offenen Fragen und Eleanors Erinnerungslücken sorgen dafür, dass Leserinnen lange nur einen bruchstückhaften Einblick in die Welt und ihre Zusammenhänge erhalten. Wer sich jedoch darauf einlassen kann, gemeinsam mit Eleanor zwischen den Scherben nach der Wahrheit zu suchen, bekommt eine ungewöhnliche Romantasy-Geschichte mit einer ganz eigenen Ästhetik. 🤍💭
Als Eleanor in einer fremden Villa erwacht, kann sie sich nicht an ihr bisheriges Leben erinnern und damit auch nicht an den Mann, der behauptet, ihr Verlobter zu sein. Eleanor ist eine toughe Protagonistin, die mir auf Anhieb sympathisch war. Ich habe sie unglaublich gern auf der Suche nach ihren verlorenen Erinnerungen begleitet, gemeinsam mit ihr gerätselt, wem sie vertrauen kann und wem nicht, und dabei ganz oft mit ihr gefühlt und -gelitten. Besonders die Art, wie sie von ihrem Verlobten behandelt wird, hat mich wirklich oft wütend gemacht.
Und dann ist da noch Riven, der mysteriöse Scherbenkönig, den Eleanor als Spiegelung im Glas sehen und hören kann, und der ihr dabei hilft, die Wahrheit über sich und das, was mit ihr passiert ist, herauszufinden. Während Eleanor feststellen muss, dass Gegenstände und schließlich sogar Menschen unter ihrer Berührung zu Bruch gehen, kann Riven Dinge erschaffen - diesen Gegensatz fand ich total schön und hat für mich die magische Atmosphäre der Geschichte noch mehr verstärkt.
Obwohl ich die Dynamik zwischen Eleanor und Riven mochte, konnte mich der Slow Burn leider nicht vollständig abholen. Auch hätte ich mir bei beiden mehr charakterliche Entwicklung gewünscht, da ich das Gefühl hatte, dass ihr Potenzial, über sich hinauszuwachsen, nicht richtig ausgeschöpft wurde. Ihre Schlagabtausche fand ich aber sehr unterhaltsam und waren mein kleines Highlight der Geschichte.
Das Worldbuilding blieb mir insgesamt etwas zu blass. Ich hätte mir mehr Einblicke in das Leben der Menschen, die verschiedenen Boroughs und besonders die geheimnisvolle gläserne Welt des Scherbenkönigs gewünscht, um mich vollständig in diese düstere, märchenhafte Welt hineinträumen zu können.
Insgesamt ist "Glassbreaker" ein spannender und märchenhafter Auftakt mit einer nahbaren Protagonistin, die in einer ungerechten Welt gemeinsam mit dem geheimnisvollen Scherbenkönig versucht, ihre verlorenen Erinnerungen zurückzuerlangen. Das Ende hat mich sprachlos und mit einigen offenen Fragen zurückgelassen, und ich bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. 👀
Eleanor erwacht ohne Erinnerungen in einer fremden Villa. Auf der Suche nach ihren Erinnerungen, taucht immer wieder ein geheimnisvoller Mann auf, der Scherbenkönig. Außer ihr scheint niemand ihn sehen oder hören zu können.
Das Setting, der Schreibstil und die Charaktere mochte ich sehr gerne. Ich hatte immer wieder mal das Gefühl es schwingt ein leichter Alice im Wunderland Vibe mit und davon bin ich großer Fan!
Eleanor und der Scherbenkönig haben eine sehr spannende Dynamik und diese wird während des Verlaufs zunehmend interessanter zu beobachten. Vor allem der Fakt, dass sie in unterschiedlichen Welten leben, lässt die Beziehung sich auf eine ganz eigene neue Art entwickeln.
Am besten gefallen hat mir das Setting. Es hatte auf der einen Seite was von Steam Punk mit Industrie, Asche und Ruß, aber auf der anderen Seite diese gotischen Elemente mit Buntglasfenstern. Die Mischung hat eine sehr interessante und schöne Welt geschaffen. Und das ist nur die eine Welt. Die zweite hat es auch noch mal in sich, aber auf ganz andere Art und Weise.
Das Ende hat noch mal alles auf den Kopf gestellt und macht auf jeden Fall Lust auf den zweiten Teil.