Alice wartet. Sie wartet auf Rio, einen Anruf, eine Erklärung, wo er ist, mal geht sie ihn suchen, mal setzt sie sich in ihr rostiges Auto, um selbst zu verschwinden. Das Kunststudium, in dem sie sich kennengelernt haben, ist lange her, der Erfolg ausgeblieben. Rio verliert sich in kleinkriminellen Machenschaften rund um seine Drogensucht, Deal um Deal hält ihn der Stoff auf Trab. Alice jobbt als Kellnerin, klammert sich an unfertige Liebeslieder und verteidigt mit ihrem schwächelnden Fiat den letzten Rest Fassade zwischen Bruchbuden und Raves, Gefängnis und Sozialamt. Die Wende wird erst möglich, als Freundinnen einschreiten.
Sieben Jahre später steht Alice vor Rios Tür, um mit ihm über damals zu reden. Sie arbeitet an einem Roman, will ihre Geschichte verstehen. Aber die Erinnerung bleibt unzuverlässig, und Rio hadert mit der Deutungsmacht der Erzählerin. Alice weicht in die Erfindung aus, doch auch dort lauern die alten Untiefen ihrer Beziehung.
Alice kann sich schwer trennen, weder von ihrem drogenabhängigen Freund noch von ihrem kaputten, rostigen Fiat. Obwohl sowohl der Wagen wie auch die Beziehung alles andere als gut laufen, an Unwucht leiden, hält sie eisern daran fest und versucht beide immer wieder zu retten. Sieben Jahre später versucht Alice schreibend, die Beziehung und ihre Abgründe zu verstehen. Die Erzählung mäandert zwischen den Jahren 2017, dem letzten Beziehungsjahr, und 2025, als Alice ihren Text über die Beziehung fertigstellt. Der Text ist unbequem, die kaputte Verbindung und Alices emotionale Abhängigkeit schwer nachzuvollziehen oder auszuhalten. Die Sprache des Romans ist wunderbar.
ganz ganz toll gschribe - buechpris buechpris buechpris :))
Ich kriege das Wasser nicht gegen den aufsteigenden Verdacht herunter Ich schliesse den Browser und öffne das Küchenfenster Hagelschaden gegen Dachschaden
Mein Rating schwankt zwischen zwei und vier. Das Buch ist vor allem zu Beginn einzigartig und thematisch stark. Ein Thema, das in Vergessenheit geraten ist und trotzdem für das soziale Umfeld aktuell immer noch sehr relevant. Einige Passagen sind wirklich gut geschrieben. Insgesamt sind aber die kurzen Sätze, die wie notierte Gedanken hin und her rasen, doch etwas anstrengend zu lesen und zu verstehen. Einiges ist missverständlich und lässt den Leser verwirrt zurück. Manchmal kommt es mir vor, dass man es nicht verstehen soll. Was man nicht versteht, kann auch nicht als schlecht bewertet werden.
Sehr eindrücklicher und immer wieder poetisch schön geschriebener Roman. Es geht um eine junge Künstlerin, die in einer Beziehung mit ihrem drogenabhängigen Freund ist. Die Sorge um ihn ist schwer auszuhalten und die Abhängigkeit von ihr an seine Nähe ist gross. Das Buch ist keine leichte Kost.