Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Damentoilette: 22 Liebeserklärungen | »Geschnatter auf der Damentoilette für immer.« Sophie Passmann

Rate this book

161 pages, Kindle Edition

Published June 25, 2026

Loading...
Loading...

About the author

Friederike Schilbach

5 books2 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
4 (26%)
4 stars
5 (33%)
3 stars
3 (20%)
2 stars
3 (20%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Alina_liest07.
141 reviews6 followers
June 28, 2026
Auch auf Grund der aktuellen Debatte im Feuilleton, losgetreten durch die Bemerkungen rund um das „Geschnatter auf der Damentoilette“ von Denis Scheck, ist dieser von Friederike Schillenbach herausgegebene Sammelband hochaktuell – aber in gewisser Weise auch zeitlos.

22 Autor:innen erzählen von ihren Erfahrungen und Gedanken zur Damentoilette – einem ganz besonderen Ort zu dem wohl fast jede Frau ebenfalls mindestens eine eigene Anekdote oder Geschichte hat.
Die Auswahl der Autorinnen ist großartig und vielfältig u.a. Gabriele von Arnim, Jovana Reisinger und Dana Vowinckel um nur einige meiner Lieblinge zu nennen. Die Beiträge sind so vielfältig wie die Beitragenden und reichen von anekdotischen und humorvollen Geschichten und Essays voll weiblicher Solidarität zu (gesellschafts)-kritischeren Beiträgen, vor allem den Text von Vowinckel ist mir hier sehr in Erinnerung geblieben.

Fazit: Eine großartige Idee, großartig umgesetzt! „Die Damentoilette“ ist einer meiner liebsten Anthologien der letzten Jahre, ich habe mich an vielen Stellen und in vielen Erzählungen wiedergefunden – große Empfehlung, auch zum Verschenken!
Profile Image for Sarah.
195 reviews15 followers
June 30, 2026
"Oder um es mit dem Gedicht "To The Woman Crying Uncontrollalbly In The Next Stall" von Kim Adonizzio zu sagen: listen I love you / joy is coming -"

"Wohlfühlen aber ist im öffentlichen Raum für FLINTA oft genug eine Herausforderung, zuweilen nicht einmal vorgesehen. Die Damentoilette als Rückzugsraum ist deshalb auch ein politischer Ort, der die Frage verhandelt, wie sicher, befreit und integriert wir in dieser Gesellschaft sein dürfen. Was wir dort machen, besprechen, fühlen oder denken, muss einem besonderen Schutz unterliegen, der uns an vielen anderen Orten fehlt."

"Die Damentoilette ist unser Refugium. Eines, das nicht alle respektieren wollen. Wozu auch, für Männer ist die ganze Welt eine öffentliche Toilette."

"Eigentlich bin ich am liebsten allein in einer öffentlichen Toilette. Wenn da niemand ist, mit dem ich interagieren kann oder muss, erholt sich mein Geist ein paar Minuten vom sozialen Gewirr. Auf's Klo zu müssen war vielleicht auch nur ein Vorwand dafür, weil ich nicht rauche."

"Zu diesem warmen Licht, das sich manchmal, in den besten Momenten, für einen flüchtigen Augenblick über alles legt und die Welt, das Universum, dich selbst in einer kristallenen Klarheit erscheinen lässt."

"Die Spiegel auf Damentoiletten sind keine einfachen Spiegel. Nebeneinander stehen wir, blinzeln hinein, doch was uns entgegenblinzelt, das sind nicht wir, sondern das Patriarchat."

"Die Damentoilette kann ein magischer Ort sein und ein grausamer. Frauen können toll sein oder scheiße. Ein Gespräch über Lippenstift kann existenziell sein. Man kann auf Damentoiletten über Bücher sprechen, über Klumpen im Menstruationsblut, darüber, wo man Ferien machen wird oder wie man seinen Partner verlässt. Man kann anderen Menschen das Gefühl geben, dass sie hässlich sind, dass sie am Rand stehen, dass sie nicht dazugehören."

"Wir gehen mal kurz ums Eck, sagen wir, oder fragen, wo wir uns die Hände waschen können, murmeln, verschwinden zu müssen. Ich muss mal kurz verschwinden, sagen wir, ich muss mal, sagen fast immer nur Kinder."

"In Korea hat das Thema Verdauung einen sehr hohen Stellenwert. Es wird offen und mit einer unerschütterlichen Selbstverständlichkeit darüber gesprochen. Kot gilt nicht als etwas Ekliges, sondern als etwas Cutes. Es gibt Themencafés mit poop-shaped Snacks und man erkundigt sich beiläufig nach der Qualität des letzten Stuhlgangs. Eine Sternschnuppe heißt auf Koreanisch sinngemäß: »ein Stern, der einen anderen Stern auskackt«. Und ein aufgerollter Dutt wird liebevoll »Kackehaar« genannt. Es erstaunt also nicht, dass die Toilette in Korea ein kleiner, heiliger Ort ist."

"Damentoiletten, ob nun in einer Tanzhalle in East L. A. oder in deutschen Büros, sind Orte des Rückzugs. Umkleidekabinen für die nächste Szene, für den nächsten Aufzug im Lebenstheater. Wo Frau weibliche Solidarität erfahren und die Maske fallen lassen kann. Zweifellos gibt es auch hier Rivalitäten, Sticheleien und gemeine Seitenblicke. Aber außer man hat es mit einer kompletten Soziopathin zu tun, weiß jede Frau, dass wir alle diesen Ort brauchen. Denn wir alle benötigen ab und zu eine Verschnaufpause von dem anstrengenden Theater da draußen. Im Alltag gibt es wohl kaum einen besseren Ort für einen Nervenzusammenbruch als die Damentoilette. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem Hilfe und Empathie widerfährt, ist hier am größten."

"Insofern habe ich die Damentoilette selten so erlebt, wie sie oft gefeiert wird, nämlich als eine Art Frauenschutzbunker, in dem Trost und Weisheiten ausgetauscht werden, man sich gegenseitig Mut und Anerkennung spendet. Ich sehe sie eher als einen Ort der Selbstkonfrontation, und das natürlich nicht nur für Frauen. Dass mit einem etwas nicht stimmt - Krankheit, körperlicher Verfall, allgemeine Desorientierung -, realisiert man oft zuerst im Badezimmer."

"Ich glaube nicht, dass ein Mann, der sich vor Frauen fürchtet, zwangsläufig ein Feminist ist. Genauso wenig wie ein Mann, der Männer hasst. Männer zu fürchten und Männer zu hassen, ist generell eine vernünftige Option, also vor allem für Männer. Frauen zu fürchten und Männer zu hassen, gehört in bestimmten Szenen vielleicht zum guten Look, aber es klingt ziemlich traurig."

"Es hätte so oder so ausgehen können. Manchmal kann das Teilen von Scham ein Akt größter Zärtlichkeit und Verbindlichkeit sein. Und manchmal führt es dazu, dass du um jeden Preis schrumpfen und verschwinden willst. Es hätte so oder so ausgehen können, aber es ging in die Richtung, in die kalte, ängstliche Eier gehen. Rückzug, schrien sie, Rückzug."
Profile Image for Wolf Macbeth.
213 reviews1 follower
July 2, 2026
SCHUTZRAUM IM PATRIARCHAT

Ein Buch auch für Männer – nicht, weil man danach „weiss, was auf Damentoiletten passiert“, sondern weil man merkt, wie viel Gesellschaft, Scham, Körper und Patriarchat in so einem scheinbar banalen Raum stecken.

"Die Damentoilette" ist eine Anthologie mit 22 verschiedenen Stimmen. Viele Texte sind eher essayistisch geschrieben, was ich am Anfang nicht ganz erwartet habe. Ich dachte eher an klassische Kurzgeschichten. Aber die Mischung passt eigentlich gut, weil jede Stimme wieder einen anderen Blick auf diesen Ort wirft.

Was mir beim Lesen besonders klar wurde: Die Damentoilette ist oft ein Schutzraum. Dort sind die Männer draussen, dort kann man kurz weg von der Party, vom Blick, von der Rolle, die man spielen muss. Man kann reden, weinen, sich sammeln, sich helfen, manchmal auch einfach verschwinden.

Aber das Buch zeigt auch: Ganz draussen bleibt das Patriarchat trotzdem nicht. Es steckt noch im Blick auf den eigenen Körper, im Spiegel, im Lippenstift, im Kontrollieren, wie man aussieht, ob man schwitzt, ob man auffällt, ob man „richtig“ wirkt. Die Damentoilette kann also ein Raum gegen das Patriarchat sein – aber sie schützt nicht vor dem Patriarchat im Kopf.

Besonders stark fand ich die Beiträge von Dana Vowinckel und Gabriele von Arnim. Gerade dort wurde für mich sichtbar, dass es nicht nur um Toiletten geht, sondern um Körper, Scham, Solidarität und darum, wie tief solche Rollen gelernt werden.

Für mich war das Buch nicht durchgehend gleich stark, aber es hat mich zum Nachdenken gebracht. Und das ist ja schon viel. Es zeigt einen Raum, über den Männer oft Witze machen, aber vielleicht viel zu selten wirklich nachdenken.
Displaying 1 - 4 of 4 reviews