Wenn Gefühle Worte finden, die lange keinen Namen hatten
Ist es nicht das, was alle Künstler tun?
Tränen, die nie geflossen sind,
Füllen die Farbe, die wir verwenden.
Alina April Smith hat recht. Künstler jagen häufig Gedanken, Gefühlen nach, die erdachten Figuren gehören. Doch gerade bei ihr spürt man sehr intensiv den direkten Zugang zu ihrer Persönlichkeit. Das ist das Besondere an ihrer Lyrik.
Ein außergewöhnliches Lyrikdebüt – zweisprachig auf Deutsch und Englisch – für alle, die in Gedichten nicht Worte suchen, sondern sich selbst.
When feelings find words that have long gone unnamed.
Isn't that what all artists do?
Tears that never flowed
Fill the paint we use
Alina April Smith is right. Artists often pursue thoughts and feelings that belong to fictional characters. Yet with her, in particular, you feel a very intense, direct connection to her personality. That is what makes her poetry so special.
An extraordinary bilingual poetry debut in German and English for anyone who doesn't seek words in poems, but rather themselves.
Gedichte können faszinieren, aber auch schwer zugänglich sein. Obwohl Weit vom Boden entfernt von Alina April Smith zu den ersten Gedichtbänden gehört, die ich gelesen habe, fiel mir der Zugang hier überraschend leicht. Besonders überzeugt hat mich die bildreiche Sprache, die Gefühle greifbar macht und zugleich Raum für eigene Deutungen lässt.
Smiths Gedichte sind reich an Metaphern, die ich als gelungen und ausdrucksstark empfunden habe. Ihre Sprache wirkt künstlerisch, ohne dass ich mich als Leserin ausgeschlossen fühle. Die unterschiedlichen Motive und sprachlichen Gestaltungen verleihen den einzelnen Gedichten einen eigenen Charakter. Dadurch bleibt die Lektüre abwechslungsreich, während wiederkehrende Bilder Verbindungen zwischen den Texten schaffen.
Besonders das Motiv der Schmetterlinge ist mir im Gedächtnis geblieben. Ich lese es als Sinnbild für Verliebtheit und entstehende romantische Gefühle, aber auch für die Sehnsucht nach einem Menschen. Im Gedicht „Für mich“ verbindet sich die Vorstellung, dass ein geliebter Mensch Schmetterlinge geschickt haben könnte, mit einer zärtlichen Hoffnung. Umso eindringlicher wirkt dieses Motiv in „Leere“. An die Stelle der versprochenen Schmetterlinge treten hier Motten, die das Zuhause befallen. Für mich verwandelt sich dadurch ein Bild romantischer Nähe in eines der Beschädigung und des Verlusts. Das „hohle Herz“, das voller Löcher ist, führt diese Vorstellung weiter. Besonders berührend finde ich das Ende, an dem selbst die Erinnerung an das Gesicht des anderen verblasst.
Auch „Mach sie blau, mach sie stark“ hat mich angesprochen. Dass sowohl Gewitter als auch Sonne das lyrische Ich zum Weinen bringen, vermittelt eine Verletzlichkeit, in der selbst das vermeintlich Tröstliche keinen sicheren Halt bietet. Besonders eindrucksvoll ist das Bild einer offenen Flasche, die das Ungesagte enthält und dennoch zu schwer ist, um zu fliegen – ein Widerspruch, der dem Gedicht für mich eine besondere Wirkung verleiht.
In „Das Messer steckt noch fest“ richtet sich der Blick auf das Verhältnis zwischen Schmerz und künstlerischem Schaffen. Farbe und Tinte werden zu Mitteln, mit denen sich das ausdrücken lässt, was emotional unausgesprochen bleibt. Gerade die Vorstellung, dass ungeweinte Tränen in die verwendete Farbe einfließen, hat mich berührt.
Außerdem empfinde ich die Zweisprachigkeit des Bandes positiv. Die Texte auf Deutsch und Englisch öffnen ihn für eine breitere, internationale Leserschaft. Für mich passt diese sprachliche Offenheit zu Gedichten, die unterschiedliche Zugänge zu Gefühlen eröffnen.
Weit vom Boden entfernt hat mir gezeigt, wie unmittelbar Lyrik wirken kann. Die Vielfalt der Gedichte und die ausdrucksstarken Metaphern haben mir den Zugang sehr erleichtert. Besonders die Bilder von Schmetterlingen, Motten und ungeweinten Tränen bleiben mir über die Lektüre hinaus lebendig.
/ Poetry can be fascinating, but it can also be difficult to access. Although “Weit vom Boden entfernt” by Alina April Smith was one of the first poetry collections I ever read, I found it surprisingly easy to engage with. I was particularly impressed by the vivid language, which makes emotions tangible while leaving room for my own interpretations.
Smith’s poems are rich in metaphors, which I found to be effective and expressive. Her language feels artistic without making me, as a reader, feel excluded. The varied themes and stylistic choices give each poem its own distinct character. This keeps the reading experience varied, while recurring images create connections between the poems.
The motif of butterflies, in particular, has stayed with me. I interpret it as a symbol of love and budding romantic feelings, as well as longing for another person. In the poem “For me,” the idea that a loved one might have sent butterflies is intertwined with a tender hope. This motif is all the more poignant in “Emptiness”. Here, the promised butterflies are replaced by moths that infest the home. For me, this shifts the image from romantic intimacy to damage and loss. The “hollow heart,” which is full of holes, takes this idea further. I find the ending particularly moving, where even the memory of the other person’s face fades.
“Make it blue, make it strong” also resonated with me. The fact that both thunderstorms and sunshine bring the poetic “I” to tears conveys a vulnerability in which even what is supposedly comforting offers no secure footing. Particularly striking is the image of an open bottle that contains the unsaid yet is too heavy to fly—a contradiction that, for me, gives the poem a special impact.
In “The knife is still stuck,” the focus is on the relationship between pain and artistic creation. Paint and ink become the means by which what remains emotionally unspoken can be expressed. I was particularly moved by the idea that uncried tears flow into the paint.
I also view the collection's bilingual nature positively. The texts in German and English open it up to a broader, international readership. For me, this linguistic openness fits well with poems that offer different ways of accessing emotions. “Weit vom Boden entfernt” showed me how immediate poetry's impact can be. The poems' diversity and expressive metaphors made it easy for me to connect with them. The images of butterflies, moths, and unshed tears, in particular, remain vivid in my mind long after I've finished reading.
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