Der Autor fängt relativ kompetent an indem er erst einmal Wissenschaftler kritisiert, die sich von vorneherein eine Meinung zu einem Thema bilden ohne unvoreingenommen an etwas heranzugehen, egal wie der Ruf dieses speziellen Themas sein mag. Da hat er natürlich nicht Unrecht, auch wenn Wissenschaftler es besser wissen sollten sind sie schließlich auch nur Menschen und nicht gefeit davor sich zu bestimmten Themen ganz schnell eine subjektive Meinung zu bilden.
Mit der anfänglichen Kompetenz geht es dann aber schnell den Bach runter. Kurz nach der obigen Aussage lässt der Autor so ganz nebenbei fallen, dass die Materialisten blind sind und nicht zugeben, dass die Jahrhundertkatastrophe (damit meint er wohl den ersten Weltkrieg, das Buch ist 1924 erschienen) und die generellen Missstände nicht politischen Machtspielen etc. geschuldet sind, sondern schwarzer Magie. Klar wer kennt sie nicht, die Gruppe von machthungrigen Superreichen die Säuglingsblut trinken und das Weltgeschehen lenken. Eine wunderbar simple, schwarz-weiße Theorie, damals schon genauso beliebt wie heute. Das ging dann weiter mit der Schmerzunempfindlichkeit von Hexen, Medien etc., was der Autor darauf zurückführt, dass man einem Medium in Trance auch mit einer Nadel das Ohr durchstechen kann ohne dass diese Person den Schmerz wahrnimmt. Ja, fehlende Empfindsamkeit während eines sogenannten Trancezustandes oder sagen wir der Korrektheit halber lieber im Zustand der Meditation wurde bei buddhistischen Mönchen in der Tat festgestellt. Die Wirkung von Meditation ist mittlerweile ein wissenschaftlich unumstrittenes Gebiet, das neurobiologisch erforscht wird. Der Autor driftet von dieser Tatsache dann aber wieder mal in eine gelinde gesagt seltsame Richtung ab. Diese Schmerzunempfindlichkeit trat laut seiner Aussage auch bei Hexen während der Hexenverfolgungen auf, weshalb man durch die Folter ja feststellen wollte welche Personen Schmerzen empfinden und somit unschuldig sind. Auch Ehebrecherinnen die durch das Eintauchen der Arme in siedendes Öl überführt werden sollten, blieben unversehrt wenn sie unschuldig waren da ihr eigener Glaube an ihre Unschuld ihnen derartige Kräfte verlieh. Mal davon abgesehen, dass die Opfer der Hexenverfolgung eben keine Hexen, sondern viele Randständige aber auch ganz normale Leute von nebenan und außerdem i.d.R. gläubige Christen waren, hat auch der Placebo-Effekt seine Grenzen. Es werden dabei auch andere historische Fakten außer Acht gelassen, u.a. dass der zweifelhafte Wahrheitsgehalt von Geständnissen unter Folter auch damals schon bekannt war, es aber einfach ein "schneller" und "sicherer" Weg war die Person verurteilen bzw. aus dem Weg räumen zu können.
Ich beschäftige mich seit meinem 13. Lebensjahr immer mal wieder mit Okkultismus und werde immer schnell kritisch wenn ein Autor aus dem Lager der Mystiker Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, gebe den Leuten aber Chancen mich vom Gegenteil zu überzeugen. Manfred Kyber ist das mit diesem Quatsch ganz und gar nicht gelungen.