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Orca

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Die Fleischtheke des Supermarkts am Tag, Stille bei Nacht: So sieht Coras Leben aus. Bis ihre Kindheitsfreundin Olympia verhaftet wird und alles zurückkommt. Der Sommer, in dem sie sich wiedergetroffen haben, in dem alles gesummt hat in ihr, das Seewasser noch auf der Haut, der Glitzer auf der Cap, die verzierten Fingernägel. Die langen Tage im großen, leeren Haus mit Olympia, die Cora erkennt, wie sie ist. Und wie schnell sie Olympia nicht mehr nur für sich hat nach der illegalen Party, auf der sie zum ersten Mal eine Grenze überschreiten, nach der Olympia so viel Zeit mit Ariel und ihrer Aktivistengruppe verbringt. Während Cora versucht, in der Schule und zu Olympia den Anschluss zu halten, schlägt eine radikale Idee ihre Triebe aus – und Cora verstrickt sich in ein Lügengespinst, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

Eindringlich und betörend erzählt Franziska Gänsler von der Freundschaft zweier junger Frauen, ihrer Loyalität und dem unbedingten Willen, dazuzugehören. Sie zeichnet die Träume einer ganzen Generation.

304 pages, Kindle Edition

First published August 17, 2026

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Franziska Gänsler

4 books24 followers

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5 stars
72 (36%)
4 stars
87 (44%)
3 stars
33 (16%)
2 stars
3 (1%)
1 star
2 (1%)
Displaying 1 - 30 of 35 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
564 reviews617 followers
September 14, 2026
Muskelbepackte Freundinnen finden nicht zueinander. Seltsamer Täterblick.
Shortlist deutscher Buchpreis 2026.

Inhalt: 1/5 Sterne (Teenagerin sucht Anschluss)
Form: 2/5 Sterne (gut lesbar-Alltagssprache)
Erzählstimme: 1/5 Sterne (reflexionsloses Ich)
Komposition: 2/5 Sterne (atmosphärisch-beliebig)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (unreflektiert-unstimmig)
--> 7/5 = 1,4 = 1 Stern(e)


Die Gegenwartsliteratur behandelt zuletzt häufiger als früher Freundschaftsgeschichten und mögliche Liebesbeziehungen zwischen Frauen. Orca stellt sich neben Fiona Sironic‘ Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft, Bettina Wilperts Herumtreiberinnen oder eben Virginie Despentes‘ Baise-Moi – Fick mich. Frauen und Gewalt wird trotz dieser Beispiele selten in dieser Deutlichkeit zum Erzählstoff gewählt, und noch seltener geht es um Krafttraining, Wehrhaftigkeit und körperliche Stärkung, um sich zu behaupten. Orca vereinigt nun diese Stoffe, leider jedoch auf eine unstimmige, konfuse, etwas allzu auf Libido und jugendliches Liebesbedürfnis reduzierte Art und Weise:

Erst als Ariel unsere Art zu trainieren kritisierte, veränderte sich der Rhythmus. ‚Ey, hört das mal auf. Bodyweight- training, Cardio, das ist alles Bullshit, das überreizt den Körper, am Ende baut man damit keine Muskelmasse auf. Splittraining ist, was ihr machen müsst. Lifting.‘ Es nervte mich. Auch, wie leichtfertig Olympia auf diese Aussagen einstieg, wie schnell sie über Bord warf, was unser Ding gewesen war. ‚Seit dem Wald bin ich da voll eingestiegen. Ey, nie wieder will ich mich so schwach fühlen wie da, wie ein gejagtes Tier.‘ Olympia nickte. ‚Checke ich voll.‘

Orca handelt von drei Frauen: O(lympia)-R(ena)-C(aro)-A(riel). Rena, die jüngere Schwester von Olympia, spielt keine so große Rolle. Ariel, ein paar Jahre älter als die etwa sechzehnjährigen Olympia und Caro, hat ihr Jurastudium aufgegeben, um sich für den Klimaschutz einzusetzen. Olympia ist nach der 10. Klasse von der Schule gegangen, seitdem planlos, und Caro bemüht sich noch, die Schule mit dem Abitur auf einem Elitegymnasium zu beenden. Alle suchen einen Ort der Verbindlichkeit, der Zusammengehörigkeit, und sie finden ihn in dem Haus eines verstorbenen Künstlers, dessen Ehemann sich für die Apokalypse vorbereitet. Als sich das gegenseitige Nägel-Machen erschöpft, suchen sie andere Wege, die Gemeinschaft zu zelebrieren und finden diesen in der Ausübung von Gewalt:

Dieser Mann war nicht mehr als ein Objekt, ein Ding. Etwas, das sowieso schon kaputt war. Erst als wir ihn schon zu Boden geschlagen hatten, kamen Ariel und Rena dazu. […] Ariel starrte hinunter, auf diese seltsame Form am Boden, den Bauch, das nasse T-Shirt, dann trat auch sie einmal zu. […] ‚Du nicht.‘ Olympia nahm Rena am Arm, wollte sie zu-rückhalten, aber sie erwischte ihn noch, trat mit ihrem bunten Flip-Flop gegen das, was ihr am nächsten war, den Hinterkopf, das rote Haar.

Von der Gesamtstruktur des Romans her gesehen, entwickelt sich die Gewalt aus Langeweile und dem Bedürfnis aus Nähe heraus, nämlich über ein geteiltes Feindbild zu einer Einheit zu verschmelzen. Die Ich-Erzählerin selbst überblickt dieses Szenario nicht. Von einem Liebesbedürfnis zum nächsten geworfen, reiht sie die Ereignisse unreflektiert aneinander. Der Coming-of-Age-Roman gelingt dort, wo sich eine Zweisamkeit herstellt, misslingt dort, wo ein Plot angestrebt wird, der der Verzweiflung einen semantischen oder ideologischen Unterbau zu verschaffen versucht. Den gibt es schlicht nicht. Orca ist die Story einer Liebe, die um ihr Überleben mit den Mitteln der Gewalt kämpft, eine schwache und teilweise ermüdend langatmige Version von Chuck Palahniuks „Fight Club“.


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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): Cora Melchior, Einzelkind, Tochter von Journalisten, hat sich mittels eines Förderprogrammes SLAY auf ein Elitegymnasium emporgearbeitet, das Europagymnasium, findet dort aber keinen Anschluss. Sie ist zu arm, hat aus Frust eine Mitschülerin namens Svea geschlagen. Im Lockdown der Corona-Pandemie arbeitet sie daran, sich ein rich-kid-look mit Fälschungen zu erschleichen und trifft eine alte Freundin namens Olympia Mitterwald (O) wieder.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
Zweiteilung:
- Erzählgegenwart: C arbeitet in einem Supermarkt an der Fleischtheke, hört von der Verhaftung von O, die drei Jahre verschwunden ist, arbeitet weiter, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Wochen vergehen. Sie arbeitet eine neue Mitarbeiterin ein, Natalie Taubert, mit der sie sich zunehmend gut versteht und mit der sie schließlich ausgeht. Auf dem Date sagt Natalie ihr, dass sie 100% hinter O steht, C dafür bewundert, O zu kennen. C wird von Os Mutter bedrängt, für O auszusagen, die Schuld für das, was geschehen ist, auf sich zu nehmen. C wird von ihrem Job freigestellt, da sie zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. C verkriecht sich bei den Eltern, hört Musik, verloddert. Am Ende beschließt C sich für O zu opfern, da O eine Galionsfigur der Protestbewegung geworden ist.
-Erzählvergangenheit: Nach einigen Jahren trifft C O wieder. O kümmert sich um die Oma während der Pandemie. O schlägt ein sterbendes Kaninchen tot. Sie kümmert sich auch um das Haus von Albert Elson, wässert den Garten, füttert die Katzen, reinigt deren Klo. O hat 10. Klasse abgeschlossen, weiß nicht, was sie mit ihrem Leben tun will. C fühlt sich wohl in der Nähe von O, weicht nicht von ihrer Seite. Sie schauen ein Video auf Youtube an, das Orcas zeigt, wie sie höchstwahrscheinlich aus Langeweile Yachten angreifen. Sie trainieren gemeinsam im Haus, leben dort. Elson kündigt plötzlich den Job und verbietet ihnen Eintritt. Sie dringen trotzdem ein und finden betäubte, blutende Hoodie-Träger in einem Zimmer, völlig abgeschossen. Als die Schule wieder anfängt, geht C mit ihrem Vater am Haus vorbei mit dem Hund in den Wald. Sie sieht dort ein Mädchen, das in das Haus geht. Später sieht sie dasselbe Mädchen auf einer heimlichen, wegen der Pandemie verbotenen Party, auf die sie mit O gegangen ist. Das Mädchen heißt Ariel. Auf der Party schlägt O die Gastgeberin, rammt deren Gesicht auf die Stufen, bricht deren Nase, weil die Gastgeberin (Lilian Brecht) ihr eine Schlange nicht überlassen wollte. Die Party eskaliert. O und C lernen die Leute in Elsons Haus kennen: Jarek, Lech, Silvia, betreiben Klimaaktivismus. O findet sofort Zugang und Anerkennung. Die Gruppe bleibt aber skeptisch C gegenüber, die beschließt, sich zu beweisen, härter, weniger intellektuell zu sein. Als sie sich beim Gewächshausbau einen Fingernagel ausreißt und weiter arbeitet, erhält sie von Ariel erste Anerkennung. Os Oma stirbt. Ein Jahr ist seitdem Wiedersehen vergangen, O nun 17. Bei einer Protestaktion wird Silvia von einem Autofahrer brutal von der Straße gerissen und dabei verletzt. Um sich Anerkennung zu verschaffen, ermittelt C den Namen, lockt ihn in den Wald. Dort wird er brutal von O, Ariel, Rena (Schwester von O) und Cora zusammengeschlagen – sie nennen sich nun O(lympia)-R(ena)-C(aro)-A(riel), Orca. O sticht ihnen das Tattoo. Um Ariel zu beeindrucken, ermittelt sie den Namen der Gastgeberin, bei der die Party eskalierte, eine Unternehmerin namens Eleonore Brecht (EB). Ariel verändert das Training von O und C, mehr Schnellkraft, Gewichte, um sich Muskeln anzutrainieren. O und sie beginnen eine Ausbildung bei Alpha Security, indes C noch in der Schule zu glänzen versucht. Nach einer Karrieremesse geht C den beiden aus dem Weg, um sich nicht zu entblößen. Später wartet sie auf sie am Bahnhof. Sie verspäten sich. C eifersüchtig, läuft weg. Später vertragen O und sie sich. O erzählt, sie haben EB aufgelauert, aber nichts zu tun gewagt. C will Anerkennung und spricht von „direct action“. Attacken wie bei den Orcas. C erstellt eine Liste von Opfern, die sie demütigen wollen. Erster Versuch mit Daniel Kron. C wird beinahe vergewaltigt, wendet den Grasfroschweibchentrick an (reißt den Mund auf, stellt sich tot – wie das Kaninchen). C steigt im Ansehen. C muss im Altersheim ein Praktikum absolvieren, lernt Lilian Brecht (LB) kennen, die Photographin werden will, sehr mädchenhaft daherkommt. LB zeigt C ihre Mappe in EBs Haus. C bewacht LB, indes sie sich einen Drogentrip verabreicht. C wird, nachdem sie stundenlang auf LB aufgepasst hat, von EB überrascht. Durch das Praktikum und die Freundschaft mit LB verliert C an Ansehen in Elsons Haus. Ein neuer Typ spaltet die Gruppe, Ben, der O anbaggert, sich wichtig macht. C gerät unter Druck, da „direct action“ außer Worten noch nichts gebracht hat. C will aber LB nicht verraten. O lässt sich auf Ben ein, der C mit LB gesehen hat. C verprügelt ihn und droht ihm. Er hält still. Nimmt Ariel und O mit auf ein Treffen in der Schweiz, das sich als halbseiden herausstellt – Möchtegern-Trotzkisten, die mit 3D-Druckern Patronen herstellen. C eifersüchtig, beschließt über LB Informationen über ein Liquid-Nitrogen-Gas-Inverstoren-Meeting zu gelangen. LB und sie küssen sich. LB überredet ihre Mutter, ihnen Akkreditierungen für die Veranstaltung zu verschaffen, auf der die Leute im Elson-Haus protestieren werden. Keine Spur von O und Ariel. Es kommt zu Protesten auf der Veranstaltung, wichtige Investoren fliehen und werden von EB zu sich nach Hause eingeladen. Möglichkeit für C bei Ariel und O wieder etwas gutzumachen. Sie planen eine Protestaktion in EBs Haus. Vorher fliegt auf, dass C nicht reich ist, LB verärgert, dass C gelogen hat. Kurzer Besuch bei C von LB, dann Trennung. C besucht beim Investorentreffen LB, will sich versöhnen. LB will auch, bedröhnt sich wieder. C schaltet die Überwachungskameras mittels LBs Telefone aus. Bei der darauffolgenden Attacke kommt EB und Ariel ums Leben, O flieht, C hat ein Alibi, kommt frei.
●Kurzfassung: Caro fühlt sich ungeliebt, allein, wird gemoppt auf der Schule, sucht Anschluss und findet diesen bei Olympia, die wiederum einen Sinn im Leben sucht, und diesen im Klimaaktivismus und einer Gruppe von Preppern findet. Um Olympia für sich zu gewinnen, radikalisiert sich Caro und findet Wege, um den Aktivismus eskalieren zu lassen. Olympia muss untertauchen. Drei Jahre später wird sie als Terroristin vors Gericht gestellt, und Caro, um Olympia zu schützen, nimmt die Hauptschuld auf sich – ORCA ist ein Acronym für Caro.
●Charaktere: (rund/flach) Jugendliche, entsprechend flippig.
●Überflüssige Szenen/Charaktere: Ben erscheint sehr schwach und stereotyp, auch Lech und Jarek, auch Elson, der nur als Hausgeber wichtig erscheint, sonst gar nicht. Die Männer des ganzen Romans könnten ersatzlos gestrichen werden (wie der Vater von Lilian).
●Besondere Ereignisse/Szenen: die Gewaltszenen, die Tötung des verletzten Kaninchen, das Zusammenschlagen des Mannes, die brutale Szene auf der Party, das Stürmen von Eleonore Brechts Haus … memorabel auch die Drogenszenen mit Lilian.
●Diskurs: Gewalt, Manipulation von Jugendlichen, Haltlosigkeit
… die Ich-schwache Ich-Erzählerin besitzt zu wenig Tiefe, zu wenig Format, um den Text zu halten; teilweise an Action-Film-Sequenzen angelegt, erinnert das Buch sehr an: Fiona Sironic‘ „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“, Bettina Wilperts „Herumtreiberinnen“, auch an eine weniger durchdachte Version von „Fight Club“ von Chuck Palahniuk. Außergewöhnlich ist das Bodybuilding-Setting, das Immunisieren durch Körperstärke. Von der Stimmung erinnert es teilweise auch an eine unsentimentale Variante à la „Der Markisenmann“, da es nicht großstädtisch wirkt. Sehr ähnlich zu Mascha Unterlehberg: „Wenn wir lächeln“ und sowieso Virginie Despentes: „Baise-Moi – Fick mich“.
… also aggressive junge Frauen, die sich an der Gesellschaft rächen, nur hier mit dem starken Unterton der Langeweile, weshalb sofort „Clockwork orange“ von Anthony Burgess in den Sinn kommt. Alles aber ohne gesellschaftlichen Hintergrund. Es geht schlicht und ergreifend um eine von Caro verspürten und von Olympia nicht-erwiderten Liebe. Die Ich-Erzählerin erlaubt nicht, dass die Geschichte Schwung aufnimmt. Erst das, was zwischen Lilian und ihr passiert, hat poetische Dichte, aber interessiert zu keinem Punkt.
--> 1 Stern(e)


Form:
●Eindruck: in seiner Alltäglichkeit gut lesbar, aber extrem langweilig.
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) schematisch, hängt dazwischen
●Wortschatz/Auffälligkeiten/Innovation: keine
●Sprachform:
Poetisch: nein
Episch: nein
Experimentell: nein
Werbesprache: nein
kl. Schriftsprache: nein
Umgangssprache: ja, etwas gehoben
●Einschätzung: besitzt überhaupt keine interessanten sprachlichen Eigenschaften, aber liest sich flüssig, daher
--> 2 Stern(e)


Erzählstimme:
●Eindruck (reflektiert, situiert, perspektiviert): Präsens in der Erzählgegenwart (mit Zeitsprüngen) – und Präteritum, ohne Präsens, in den erinnerten Passagen, der Erzählvergangenheit, also sowohl situiert wie unsituierte Erzählweise. Selbstkommentierender Bewusstseinsstrom.
●Erzählform:
Kamera: wegen der reflexionslosen Ich-Erzählerin strukturähnlich
Allwissend: nein
Personal: nein
Ich-Erzählend: ja, aber reflexionslos
Auktorial: nein
Unentschieden: nein
●Einschätzung: die Ich-Erzählerin besitzt eine zu große Unbewusstheit sich selbst gegenüber. Sie weiß nichts von sich, und deshalb weiß sie auch nichts von Zusammenhängen. Ihre Erinnerung bleibt rein faktisch, als Reihung von Ereignissen, die sie aber auch im Nachhinein nicht überschaut, d.h. ihr erzähltes Ich und das erlebende Ich fallen insofern auf einen Nullpunkt zusammen, beide haben und erleiden Impressionen. Es gibt keine Übersicht. Sie ist schlichtweg überfordert, und deshalb ungeeignet als Erzählinstanz (nur dort nicht, wo sie lieben darf, lieben kann und geliebt werden will).
--> 1 Stern(e)


Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): die Situation rundum das Haus von Elson passt, mysteriös, geheimnisvoll, ein Freiraum für die beiden Freundinnen. Das Haus, die Freiheit transportiert sich, dagegen dann das Haus von Eleonore Brecht gesetzt, passt auch, das Eingeschlossen-Sein von Lilian, dem sie mit Drogen entkommt, während Olympia und Cora den Freiraum mit Gewalt füllen. Es geht vor allem um die Langeweile, dieser zu entkommen, und wie die Pandemie die Isoliertheit vorangetrieben hat, so dass sich Zellen bilden, in denen die Jugendlichen sich Luft machen.
●Operative Geschlossenheit/Rahmen: Enge/Offenheit; Dazugehören/Nicht-Dazugehören.
●Extradiegetische Abschnitte: nein
●Lose Versatzstücke: nein
●Kompositionsform:
Interferierend: nein
Synthetisch: nein
Brüchig-offen: nein
Seriell-offen: nein
darstellend: ja
●Einschätzung: gemäß der Anlage hätte es eher wie ein Zola-Roman komponiert und geschrieben werden müssen. Die Ich-Erzählung passt gar nicht, um die Komplexität abzubilden, Cora ist zu jung und unwissend, und der Erzählton passt deshalb auch nicht, um das Kriminalistische herauszuarbeiten. Die Komposition geht hier völlig schief. Sie passt eher zum Verliebtsein, zum Drogennehmen etc … völlig daneben geht die Zweiteilung Vergangenheit/Gegenwart, die überhaupt nicht durch ein Ich überwunden wird. Die Konstellation der Häuser, die Freundschaft mit Olympia und Lilian geben aber genug Struktur, um den Text nicht völlig zerfahren zu lassen:
--> 2 Stern(e)


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: Was ich diesem Buch übelnehme, ist, dass die Opfer der Gewalttaten in den Hintergrund geraten. Olympia wird gefeiert, aber durch das Stürmen des von Eleonores Haus sind zwei Menschen gestorben, und sie hat Lilian die Nase gebrochen, und mit Cora zusammen einen Mann zusammengeschlagen, der wiederum Silvia übel zugerichtet hat. Gewalt auf Gewalt, aber das Feiern von Olympia als Galionsfigur ist dann zu viel. Überhaupt gibt es einen sehr üblen Blick auf die Alten in dem Buch, auf die „Normalos“, auf die Eltern etc …
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) da es nur um Lieben und Geliebt-Werden geht, ja.
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) ja
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein
●stimmig?(Komposition: ja/nein) nein
●ein zweites Mal lesen? nein – es besitzt schlichtweg keine gedankliche Tiefe
--> 1 Stern(e)


Ästhetik: (jeweils 0-5)
●Kant (Werbesprache-humorvoll-icherzählend-seriell-offen): 0
●Lukacs (Schriftsprache-diskursiv-auktorial-darstellend): 4
●Adorno (experimentell-allegorisch-personal-brüchig-offen): 0
●Hegel (episch-heroisch-allwissend-synthetisch): 0
●Cyberästhetik (poetisch-transgressiv-Kamera-interferierend): 0
●Einschätzung - stimmig?: wie oben bereits gesagt, nein. Unstimmig. Hätte zumindest personal, aber eigentlich allwissend erzählt werden müssen, mit Umgebung, Erklärung, Zusammenhänge, um aus dem privaten Gefühl der Langeweile und Isoliertheit und Sinnlosigkeit eine Geschichte werden zu lassen.

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Profile Image for Prusseliese.
542 reviews34 followers
September 8, 2026
Ein aktueller coming of Age-Roman, der mich fesseln konnte: es geht um Aktivismus und gesellschaftliche Regeln (Corona, "Klima-Kleber", Hambacher Forst, LNG), Klassizismus und die Verschiebung moralischer Grenzen. Manchen Jugend-Begriffen konnte ich nicht ganz folgen, aber sei es drum.
Was das Lesen aber unnötig mühsam gemacht hat, ist die Verwendung mehrerer Schriftarten und innerhalb derer das kursiv-setzen von wörtlicher Rede. Warum??
Profile Image for theresa ᯓ★.
106 reviews29 followers
August 24, 2026
4.25 ⭐️ // Orca war ein mitreißender, thematisch aktueller und toll erzählter roman.

wir folgen der erzählerin cora im heute, wo sie an einer fleischtheke arbeitet und mit der vergangenheit umgeht, und in der corona-zeit, in der ihre kindheitsfreundin olympia wieder in ihr leben tritt und sich um sie herum alles entwickelt, womit sie dann in der gegenwart umgehen muss. reinzugehen, ohne dass ich genau wusste worum es geht, war für mich super spannend und engaging, deshalb keine weiteren infos zum inhalt.

was ich aber sagen kann: eigentlich hasse ich bücher, in denen die pandemie eine rolle spielt. hier hat die corona-zeit jedoch einen sinnigen rahmen für die handlung geliefert und tatsächlich etwas zur geschichte beigetragen, weshalb ich diesen aspekt tolerieren konnte. in anderen romanen (heavy zb in August Blue von deborah levy) wurde die pandemie oftmals nur thematisiert, um einen aktualitätsbezug herzustellen & relevant zu sein - was nie funktionier...! hier jedenfalls gut gemacht.

coras erzählstimme und auch die zwei zeitlinien wirkten auf mich durchdacht und harmonisch, was für die geschichte einen sog entwickelt hat, dem man sich nur schwer entziehen konnte. dementsprechend schnell habe ich den roman gelesen.

meine erste buchpreis 2026 nominierung - freue mich auf den rest!*
Profile Image for Laura.
8 reviews
September 13, 2026
Dazugehörigkeit, existentielle Zukunftsängste, Radikalisierung. (K)ein Buch für Pessimist*innen.
3.5🌟
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
305 reviews56 followers
August 28, 2026
Cover, Titel, die Diskrepanz zwischen beiden und der Einstieg von „Orca“ haben mich gleich gekriegt.

Protagonistin und Ich-Erzählerin Cora arbeitet an der Fleischtheke im Supermarkt. Alle 40 Minuten läuft „Walking on Sunshine“ im Einkaufsradio - Hölle. Die Witze der Kund*innen über Vogelgrippe sind so vorhersehbar wie die Beschallung - Hölle. Der Job ist öde, für Cora und ihre Kolleg*innen sind wiederkehrende Zahlenfolgen beim Abwiegen noch das Spannendste am Arbeitstag.

Bis zu dem Tag, als Cora die Schlagzeile liest: „Mutmaßliche CEO-Mörderin in Berlin festgenommen“.
Cora erzählt, wie sie Olympia Mitterwald, den „Terror-Teen“, kennengelernt hat. Das war, als Cora noch auf einer Privatschule voller rich kids an einem Förderprogramm teilnahm. Durch Mirror Replicas, Luxusartikelfälschungen, versuchte Cora, sich Klassenzugehörigkeit und Ansehen bei ihren Mitschülern zu verschaffen. Cora ist eine hochintelligente, scharfe Beobachterin, die bei ihren Peers als Freak gilt. Sie hat Schwierigkeiten, Freunde zu finden.

Obwohl Olympia aus noch prekäreren Verhältnissen stammt, ist Cora fasziniert von ihr. Gemeinsam erlebten sie einen Sommer als Haussitter einer Luxusvilla. Als der Besitzer der Villa zurückkehrte, brachte er eine Handvoll Aktivist*innen mit, mit denen er den Sommer über in einem Protestcamp gegen einen Autobahnbau demonstriert hatte. Cora und Olympia lernten Ariel kennen, eine Aktivistin, mit der sie in der Villa, die zum neuen, sich ständig erweiternden Hotspot für die Klimabewegung wurde, zu trainieren begannen. Das Dreiergespann, bei dem sich Cora erneut als fünftes Rad am Wagen vorkam, radikalisierte sich zunehmend.

Mehr will ich gar nicht verraten. „Orca“ ist die Geschichte einer Freundinnenschaft inklusive eines Gefühls des ewigen Ausgeschlossenseins. Cora ist ein zutiefst komplexer weiblicher Charakter. Die Klimabewegung bildet nur die Rahmenhandlung für eine Coming-of-Age-Story, die bis auf Längen in der Mitte absolut fesselnd und zum Ende hin spannend wie ein Thriller ist.

Cora, der main character des Romans, will der main character in ihrem Leben sein, diese Rolle erfüllt jedoch ihre Freundin Olympia. Irgendwie bekannt, dieses Gefühl. „Orca“ ist ein lässiger, aktueller, manchmal böser Read, dem ein bisschen mehr Tiefe zum Thema politischer Aktivismus ganz gut getan hätte.

Griffen die Orcas im Mittelmeer die Yachten der Superreichen aus Protest an oder wollten die nur spielen? Leseempfehlung!
Profile Image for Jule.
457 reviews23 followers
September 11, 2026
Das Buch hatte so eine Sogwirkung auf mich, dass ich erst rückblickend bemerkt habe, dass ich im Prinzip eine Coming-of-age-Erzählung gelesen habe (wollte ich eigentlich erstmal vermeiden). Es geht um Radikalisierung und damit verbunden um die Frage von Zugehörigkeit und Beziehungsdynamiken. Die rückblickende Erzählweise und der Zeitenswitch sind gut komponiert.
Aber bitte macht doch keine verschiedenen Schriftarten in ein Buch, was is das für ein komischer Trend.
Profile Image for Alina - berlinerin.liest.
99 reviews54 followers
September 16, 2026
Spannende Themen und ich fand auch Widerstand, Klima & Klasse großartig verwebt, andererseits war mir die Sprache (persönlich) zu nüchtern, Cora als Gesamtperson nicht immer greifbar und vor allem: als Vegetarierin fand ich die ganzen Beschreibungen vom Fleisch wirklich wirklich schwer zu lesen… 🫍
65 reviews
September 14, 2026
ein buch, das eine luigi mangione goodreads-rezension zitiert??
Profile Image for Tobi.
35 reviews
September 1, 2026
Schubsen die Orcas die Boote aus Überzeugung oder aus Langeweile? 🫍
Profile Image for suki.
130 reviews11 followers
Read
September 3, 2026
die letzten tage bin ich durch „orca“ von franziska gänsler geflogen und hatte die beste zeit.

dieser bildhaft beschriebene roman mit großem spannungsbogen hat mich eingesogen in coras welt, treiben lassen im pool der reichen mit der aussicht auf ein erfolgreiches leben und irren lassen zwischen dem gleichzeitig bestehenden wunsch nach zugehörigkeit zu den so anders lebenden aktivist:innen. dieses ständige ringen um anerkennung und der unsicherheit in jungen freundinnenschaften, gepaart mit themen von klasse, aktivismus und radikalisierung und gespickt mit popkulturellen referenzen haben mich abgeholt, obwohl ich normalerweise nicht so gerne coming-of-age geschichten lese.
die authentischen dialoge und emotioinal vielschichtigen charaktere, die zwischen fleischtheke, villen, dem wald zwischen ihnen, sportkeller und reddit-foren wandelten haben gut für mich funktioniert, was „orca“ zu einem super ferien-buch gemacht hat.

ich bedanke mich bei netgalley und kein&aber für das rezensionsexemplar!
Profile Image for Klara.
127 reviews5 followers
September 16, 2026
Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob mir die Richtung gefällt in die das geht, aber wow, einfach wow!

Die Freundinnenschaft zwischen Cora und Olympia ist so gut beschrieben, die Gruppendynamik der Aktivistengruppe so treffend und realistisch - beides so oder so ähnlich schon erlebt.

Die Charaktere fühlen sich so menschlich und echt an (irgendwie insbesondere auch Lilian!), und zwar nicht nur die Hauptcharaktere, sondern alle. Cora ist so eine spannende und zwiespältige Hauptfigur, es hat so Spaß gemacht, in ihre Gedanken einzutauchen! Definitiv meine Lieblingshauptfigur seit langem.



Definitiv ein großes Jahreshighlight, das mMn auch absolut das Zeug zur Schullektüre hat. Man könnte ja dafür z.B. Corpus Delicti oder irgendwas von einem alten weißen Mann rauskicken.
Profile Image for Tutankhamun18.
1,567 reviews33 followers
September 6, 2026
Cora erzählt rückblickend von einem Sommer, der ihr Leben verändert hat. In der Gegenwart arbeitet die etwa zwanzigjährige Cora an der Fleischtheke eines Supermarkts. Als sie in den Nachrichten sieht, dass ihre frühere Freundin Olympia verhaftet wurde, kehren Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit zurück.

Cora stammt aus weniger wohlhabenden Verhältnissen, besucht aber dank eines Stipendiums eine Privatschule. Dort fühlt sie sich neben ihren reichen Mitschülerinnen und Mitschülern ständig als Aussenseiterin und versucht verzweifelt, dazuzugehören. Als sie Olympia wiedertrifft, entsteht zwischen den beiden eine intensive Freundschaft. Durch Olympia kommt Cora auch mit Ariel und einer Gruppe junger Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten in Kontakt. Nach einer illegalen Party und ersten Grenzüberschreitungen radikalisiert sich das Umfeld zunehmend. Cora möchte unbedingt Teil dieser Gemeinschaft sein und Olympias Aufmerksamkeit behalten, beginnt aber gleichzeitig, Dinge zu verheimlichen und eigene Aktionen zu planen. Aus ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit entsteht schliesslich ein immer grösseres Geflecht aus Lügen und moralischen Grenzenüberschreitungen.

Cora möchte fast um jeden Preis Teil einer Gruppe sein. Schon an ihrer Privatschule spürt sie deutlich die sozialen Unterschiede zwischen sich und den wohlhabenden Jugendlichen um sie herum. Ihre Freundschaft mit Olympia bietet ihr erstmals das Gefühl, wirklich gesehen zu werden. Gleichzeitig macht gerade dieses Bedürfnis nach Anerkennung sie besonders verletzlich. Je mehr sie fürchtet, Olympia an Ariel und die Aktivistengruppe zu verlieren, desto weiter ist sie bereit zu gehen. Der Roman erzählt Radikalisierung deshalb nicht nur als politische Entwicklung, sondern auch als etwas, das aus Einsamkeit, Unsicherheit und dem Wunsch nach Gemeinschaft entstehen kann.

Auch Klimaaktivismus und Radikalisierung stehen im Zentrum. Gänsler interessiert sich weniger dafür, den Aktivismus moralisch eindeutig als richtig oder falsch einzuordnen, sondern vielmehr dafür, wie aus nachvollziehbarer Zukunftsangst und politischem Engagement immer radikalere Handlungen entstehen können. Körperliche Stärke und das Gefühl, tatsächlich handeln zu können, werden für die jungen Frauen zu einer Form von Handlungsmacht. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie schnell sich politische Überzeugungen mit persönlichen Bedürfnissen, Loyalitäten und Konkurrenz vermischen können.

Die Beziehung zwischen Cora und Liliane zeigt eine andere Form von Nähe zeigt als Coras intensive Bindung an Olympia. Bei Liliane wird deutlicher, wie stark Cora zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Bedürfnis nach Abgrenzung schwankt. Sie sucht Nähe, beobachtet aber gleichzeitig ständig, wie sie selbst auf andere wirkt. Dadurch wird auch sichtbar, wie unsicher Cora in Beziehungen ist und wie sehr sie ihren eigenen Wert über die Anerkennung anderer definiert. Liliane funktioniert deshalb als eine Art Gegenfigur zu Olympia. Während Olympia für Cora mit Bewunderung, Idealisierung und Konkurrenz verbunden ist, wirkt die Beziehung zu Liliane alltäglicher und macht Coras Unsicherheiten umso deutlicher.

Gänsler erzählt konsequent aus Coras Ich-Perspektive, wodurch wir sehr nah an ihrer Unsicherheit, ihrem Neid und ihrem Bedürfnis nach Anerkennung sind. Gleichzeitig ist Cora keine vollkommen zuverlässige Erzählerin: Sie interpretiert die Reaktionen anderer ständig und versucht teilweise auch sich selbst zu erklären oder zu rechtfertigen. Dadurch entsteht eine interessante Distanz zwischen dem, was Cora glaubt, und dem, was Leserinnen und Leser möglicherweise in ihrem Verhalten erkennen.

Auffällig sind ausserdem die vielen Kontraste: privilegierte Privatschule und prekäre Arbeit, politischer Idealismus und persönliche Eifersucht, Klimaschutz und Fleischtheke, Aktivismus und Passivität, Reichtum und finanzielle Unsicherheit. Gerade die Fleischtheke ist dabei ein starkes Bild: Die erwachsene Cora befindet sich an einem Ort, der fast maximal weit entfernt von dem idealistischen Selbstbild ihrer Jugend wirkt.

Ich fand den Schreibstil gut, vorallem der Anfang war sehr schön geschrieben. Auch konnte ich mich gut in den Charakter von Cora einlesen. Es war spannend ihre Anziehung zu Olympia, Liliane und letzlich auch Nat zu sehen.

Irgendwie fand ich den Roman aber etwas kurz, sehr gerne hätte in Cora länger in ihre jetztige Gegenwart begleitet. Es ist doch gerade extrem spannend was sie jetzt macht mit dem was passiert ist. Ehrlicherweise macht sie nicht, einfach überleben, aber dies hätte ich sehr gerne Begleitet. In der Gegenwart wirkt es so als ob Cora endlich eine natürliche Beziehung hat. Nat scheint Cora eine stabilere Form von Nähe zu bieten, ohne dass Cora dieselbe starke Bewunderung, Konkurrenz oder Abhängigkeit entwickelt wie gegenüber Olympia. Gerade dieser Kontrast ist interessant, weil er zeigt, dass Cora zwar älter geworden ist, ihre Unsicherheit und ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit aber nicht ganz verschwunden sind. Gerne hätte ich genau diese Freundschaft weiter verfolgt!



Profile Image for Tobias.
52 reviews1 follower
September 13, 2026
Mit der Erwartungshaltung „Shortlist Deutscher Buchpreis“ eingestiegen und dann sofort gedacht: Meine Güte, nicht schon wieder „Das war der beste Sommer meines Lebens, aber am Ende ist etwas ganz Furchtbares passiert.“

Irgendwie ist es das am Ende auch. Aber eben nicht nur.

Es steckt deutlich mehr drin: Zugehörigkeit, Identität, Ideologie, Einsamkeit, Aktivismus, Selbstwirksamkeit.
Das alles in einem fast aktuellen Setting (Corona und klimaproteste)

Und allein die Beschreibung der Arbeit an der Fleischtheke macht das Buch schon lesenswert.

Ein Buch über das man sich sehr gut unterhalten könnte ;)
Profile Image for Bex.
8 reviews
September 6, 2026
4.5 sterne
So stark, hat mich sehr gefesselt. Extrem vielschichtiger Roman, ich werde noch rine weile drüber nachdenken
Profile Image for Steffli.
8 reviews
August 29, 2026
Irgendwas zwischen 4 und 5 ✨
Zu Recht auf der Longlist.
Profile Image for Marie On.
Author 1 book2 followers
August 25, 2026
„Walking on Sunshine“ tönt es aus den Lautsprechern. Cora hat die Theke eingeräumt, der Ansturm kann beginnen. Morgens stehen die ungeduldigen Alten schlange. Cora hat mittlerweile ein Händchen dafür 100 g Leberwurst mit einem Streich abzuschneiden oder 250 g Schweinehack mit nur einem Schöpfer zu erwischen. Sie hat sich Angel Numbers ausgedacht und wenn sie 333 g Brät oder 222 g Kochschinken auf Anhieb abwiegt, weiß sie, dass es ein guter Tag werden wird. Die Kunden sprechen über Olympia Mitterwald, die mutmaßliche CEO-Mörderin und beste Freundin, die Cleo je hatte. Sie wurde in Berlin festgenommen. Seit dieser Nacht, die alles veränderte, hat sie nichts mehr von Olympia gehört und doch jeden Tag gewartet, dass sie wieder auftaucht, wie ein Omen. Gleichzeitig hofft sie, Olympia und ihre Erinnerungen an sie zu vergessen.

Während der Pandemie hatte sich Cora das ganze Zeug angeeignet. Bei Rabbit fand sie gut gemachte Imitate von Prada und Burberry. Mit den Tutorials lernte sie, welche Fälschungen den Originalen am nächsten kamen. Sie lernte sich die Fingernägel zu stylen, so dass es professionell aussah, testete Gesichtspackungen, Peelings, Spülungen. Sie lud sich Fashion-Apps ebenso runter wie Fitness-Apps und stellte ihre Ernährung um, kurz sie erfand sich neu, um in Zukunft mit ihren stinkreichen Mitschülerinnen auf einer Wellenlänge zu schwimmen.

Sie schlendert mit ihrem Proteinshake über den Parkplatz neben dem Supermarkt Richtung Wiese und hört es, bevor sie es sieht. Ein Schrei, dann ein Aufbäumen, braunes Fell, aufgerissenes Maul, gelbe Kaninchenzähne, der Bauch verklebt, Blut sickert in die Erde. Cora geht in die Hocke, um mehr zu sehen, dann verdunkelt sich der Himmel über ihr. „Ist das deins?“ „Nein.“ Ein Mädchen, so alt wie sie beugt sich über ihre Schultern. Basecap mit Strasssteinen, Minirock mit Navyprint, Top gerade so bauchfrei, schwarze schwere Cowboystiefel, lange rosa Haare, die sie an den Schläfen gekonnt mit Gel fixiert hat. Cora erhebt sich, schaut ihr genau ins Gesicht. „Ach“, gegenseitiges Erkennen. „Du bist doch Olympia“. „Cora“. Olympia umarmt sie. Sie hatten sich zuletzt als Kinder gekannt, wohnten im selben Haus, bevor Cora mit ihren Eltern wegzog.

Fazit: Die Autorin Franziska Gänsler hat in ihrem dritten Roman eine Coming-of-Age Geschichte erzählt. Ihre Protagonistin Cora fühlt sich nirgendwo dazugehörig. Sie ist klug, belesen und kopiert jeden, der ihr in die Quere kommt, um Anerkennung zu finden. Ein Stipendium ermöglicht ihr einen Platz an einem Gymnasium, das den Rich Kids vorbehalten ist. Als sie ihre Freundin aus Kindheitstagen wiedertrifft, geraten beide an eine Gruppe von Umweltaktivisten, die die klimatischen Veränderungen ernst nehmen. Cora will so unbedingt dazugehören, dass sie Aktionen in Eigenregie plant, sich aber aus Zeitmangel in Unglaubwürdigkeiten verstrickt. Sie kämpft mit allen Mitteln um die Aufmerksamkeit ihrer Freundin, die ihr zu entgleiten droht. Franziska Gänsler erzählt inhaltsreich und dabei hat sie mich auf den ersten 150 Seiten verloren, die mir zu langatmig waren. Die Stärke liegt bei der Ich-erzählenden Protagonistin, während die anderen Charaktere blass bleiben, die immer lachen, lachen, lachen. Die Sprache ist überzeugend jugendlich, die allgemeine Unsicherheit, die mit Überheblichkeit überspielt wird, kommt bei mir an. Die gegenwärtigen Kapitel werden mit „Walking on Sunshine“ eingeleitet, woran ich mich gut orientieren konnte. Die letzten 100 Seiten nimmt der Roman gewaltig an Fahrt auf, so dass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen konnte. Wer also bereit ist, die erste lange Hürde zu nehmen, wird mit einem spannenden Plot belohnt. Es geht um Zugehörigkeit, Identität und Loyalität. Orca ist gerade (2026) für den Deutschen Buchpreis nominiert worden.
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September 13, 2026
"Olympia Mitterwald steht für mehr als eine Person, es steht für die Tat. Es steht für etwas, das sie Terror nennen."

Olympia, das ist Coras Freundin aus Kindertagen, die sie während der Pandemie zufällig wiedertrifft. Olympia, das ist aber auch die Frau, die drei Jahre später am Berlin Hauptbahnhof verhaftet wird. Die, über die vor der Fleischtheke getratscht wird, hinter der Cora jetzt Fleisch verkauft und über das, was Jahre zuvor geschehen ist, nachdenkt. Damals, als sich die beiden Mädchen eher zufällig einer Gruppe von Klimaaktivisten angeschlossen haben. Damals, als die Wut auf jene, die die Natur mit ihren profitoptimierten Konzernen ausbeuten, immer weiter hochkochte. Die Frage, was man tun kann, wenn die Welt von morgen in Flammen steht. Insofern ist "Orca" ein Roman über Klimaaktivismus, der von friedlichem Protest in immer gewaltsamere Formen zu kippen droht. Viele Stellen rufen Assoziationen zu real existierenden Protesten wie etwa von Extinction Rebellion oder der letzten Generation auf.

Spannend (und vielleicht ist "Orca" auch deshalb auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises zu finden): Typisch männlich konotierte Eigenschaften werden von weiblichen Protagonistinnen übernommen. Cora und Olympia (und später auch Freundin Alice) machen Krafttraining, wollen hart wirken, arbeiten bei Sicherheitsdiensten und sehen physische Gewalt als legitimes Mittel an. Franziska Gänsler entwirft hier also Figuren, die weit ab von jenen Klischees sind, die wir gemeinhin mit Gewalt und Aktivismus verbinden. Und überhaupt kommen Männer im ganzen Roman nur als Nebenfiguren vor. Die Handlung wird von Mädchen und Frauen getragen.

Dieser eher feministisch-aktive Blicke auf den Klimaprotest allein würde den Roman schon zu etwas Besondere machen. Aber da ist noch mehr: Die Ausgestaltung der Hauptfigur Cora. Sie ist keineswegs eine überzeugte Kämpferin für das Klima, die durch ihren Aktivismus zunehmend verblendet. Ganz im Gegenteil, denn der Leser fragt sich oft, was Cora überhaupt bei der Gruppe hält. Warum sie da mitmacht und immer mehr Vorschläge für Direct Action, die Protestformen mit Gewalteinsatz, sammelt. Das Mädchen ist eigentlich eine Suchende, die nirgends dazugehört und so sehr nach Bestätigung sucht. An ihrer elitären Privatschule darf sie nur lernen. weil sie in einem Förderprogramm Mitglied ist. Die Eltern ihrer Mitschüler finanzieren ihr das Lernen. Doch richtig dazu gehört Cora nicht zu dieser Welt aus Markentaschen und teurem Make-up. Für die Protestgruppe im Elson-Haus ist sie zu wenig "da". Zumindest wird ihr das immer dann vorgeworfen, wenn sie für die Schule lernen muss. Und so erscheint der weitere Handlungsverlauf mehr wie ein Reinschlittern in die Aktivistenszene als eine überzeugte Handlung. Und auch Cora selbst scheint sich manchmal zu fragen, wohin es sie da treibt.

Gänsler erzählt eindrücklich, manchmal kaum aushaltbar von Gewalt und Protest. "Orca" birgt eine Geschichte, die ich so noch nie zuvor gelesen haben und die ein klares Schwarz-Weiß unmöglich macht. Der einzige Wermutstropfen: Der Beginn liest sich sehr wie eine Adaption des Films "Parasiten". Ist man über diesen Teil hinaus, liest man aber eine originäre Geschichte, die im Kopf bleibt.
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August 11, 2026
Cora Melchior arbeitet notgedrungen an der Fleischtheke eines Supermarkts; eine andere Arbeit konnte sie nach dem überstürzten Abbruch der Schule nicht finden – schon gar nicht nach den skandalösen Ereignissen, in die sie uns als Icherzählerin in eingeschobenen Rückblenden blicken lässt. Als die Schulen zum Ende der Corona-Pandemie wieder geöffnet wurden, konnten sich Coras Eltern nur schwer auf die ungewohnte Freiheit umstellen. Ihre Tochter war damals 17, besuchte ein privates Elite-Gymnasium und wollte endlich einmal irgendwo dazugehören, ohne dort mit Markenware die erwarteten Codes der wohlhabenden Oberschicht bedienen zu müssen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Olympia zog sie den ungewöhnlichen Job an Land, für den betagten Villenbesitzer Albert Elsons Haus, Garten, Katze und Hühner zu versorgen. Eingearbeitet worden sind sie von Elson offenbar nicht, seine Anweisungen schickt er per Nachricht. Er scheint eine Art Elite-Prepper zu sein und will in großer Eile seine Fähigkeiten an die nächste Generation weitergeben, auf seinem Grund autark zu wirtschaften. Außer der abklingenden Pandemie scheint sich das Land im dysfunktionalen Zustand zu befinden. Elson engagiert sich als Waldbesetzer, für Urban Foraging, lässt Krafttraining auf dem Niveau von Security Personal unterrichten – und er hat unendlich viel Raum, Aktivisten aller Art in der Villa unterzubringen. Elson war sich jedoch nicht bewusst, dass in Sichtweite sein absolutes Gegenstück residiert, Dr. Eleonore Brecht, die auf Investitionen in Flüssiggas spezialisiert ist. Cora weiß inzwischen alles über die Bewohner der Nachbarvilla und lernt – Zufall oder nicht – sogar die gleichaltrige Tochter Lilian Brecht kennen. Während in der Villa Elson unheimliche Dinge geschehen und Cora durch Lilian einmal mehr mit der Welt der Luxus-Markenartikel konfrontiert wird, müssen Mitglieder diverser Grüppchen von Aktivisten sich entscheiden, wie weit sie für ihre Ideale zu gehen bereit sind.

Wie sich das Myzel zusammensetzt, das die Aktivisten gern bilden würden und was eigentlich Dramatisches passiert ist, erfahren Franziska Gänslers Leser:innen erst scheibchenweise. Coras gerade 20 Jahre alte Generation scheint aus Eigenbrötlern zu bestehen, jeder auf der Suche nach Zugehörigkeit. Cora möchte nicht mehr unsichtbar sein, weil sie die falsche Kleidung trägt, Lilian sucht eine Gefährtin und Dr. Eleonore sollte endlich vertrauen können.

Fazit
Neben der hinreißend recherchierten Atmosphäre hinter einer Wurst-Theke hat Franziska Gänsler beunruhigend präzise den Zustand gezeigt, wenn ein Fehler im Bild schon längst Misstrauen wecken sollte – und genau das nicht passiert, weil niemand bisher aus Fehlern lernen konnte. Auch wenn Icherzählerin Cora anfangs etwas zu zurückhaltend wirkte, überschlagen die unerhörten Ereignisse sich dann u
10 reviews
August 18, 2026
Hochaktuell, klug und vielschichtig – auf den Punkt!

„[…] kam Olympia auf die Orcas. Sie fragte mich, ob ich das mitbekommen hatte? Dass die angefangen hatten, Jachten zu attackieren? Orcas sind eh einfach krass, sagte sie, extrem schlau. Und matriarchal organisiert.“

„Orca“ erzählt von Cora und ihrer Freundschaft zu Olympia und Ariel, von ihren Unsicherheiten und Selbstzweifeln sowie dem unbedingten Wunsch nach Zugehörigkeit, der über den Versuch der Anpassung hinaus in Coras Selbstaufgabe und -auflösung mündet. Gleichzeitig geht es um Klassenunterschiede, Klimaschutz und Aktivismus, von gewaltfrei bis radikal, wobei diese Themen nicht bloß ergänzendes Beiwerk sind, sondern die Geschichte selbst.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, die sich im Verlauf annähern: In der Gegenwart arbeitet Cora im Supermarkt an der Fleischtheke, Olympia wurde verhaftet und wartet auf ihr Urteil. In der Vergangenheit besucht Cora dank eines Stipendiums eine Privatschule mit dem Ziel zu studieren. Sie freundet sich mit Olympia und Ariel an, und gemeinsam werden sie Teil einer Gruppe von Klimaaktivist:innen. Nach und nach erfahren wir, welche Ereignisse letztlich zu Olympias Verhaftung geführt haben.

Diese Erzählweise hatte eine starke und natürliche Sogwirkung auf mich. Die Handlung bleibt bis zum Schluss unvorhersehbar, ohne dass eine künstliche Spannung oder Dramatik erzeugt würde. Dazu beigetragen hat sicherlich die düstere und bedrückende Atmosphäre, die der gesamten Geschichte zugrunde liegt.

Was mir weiterhin gut gefallen hat, waren die starken Bilder, die Franziska Gänsler verwendet, wie beispielsweise der Kontrast zwischen Lilianes Haus und Elsons Haus – Stahl, Beton und Glas vs. naturnahe Materialien und ein Selbstversorger-Garten – oder Coras Faible für Markenfälschungen als Ausdruck ihres Zwangs zu Anpassung und Imitation.

Coras Unsicherheit und ihre innere Zerrissenheit waren für mich sehr gut nachvollziehbar – auch hier wieder verbildlicht durch ihren Besuch einer Privatschule und ihre gewaltbereite Initiative Direct Action – auch wenn sie dies nicht unbedingt sympathisch(er) gemacht hat. Prinzipiell sind die Charaktere und ihre Beweggründe nachvollziehbar, ihre konkreten Handlungen jedoch nicht immer vertretbar. Gelungen fand ich hier, dass diese Ambivalenz einfach da war, ausgehalten werden musste, ohne dass den Lesenden Erklärungen oder Verurteilungen geboten würden.

„Orca“ ist ein hochaktueller, kluger, komplexer und vielschichtiger Roman, der mich absolut überzeugt und begeistert hat. Ich möchte jetzt unbedingt auch die vorigen Werke von Franziska Gänsler lesen – sowie alle zukünftigen, klar.
34 reviews1 follower
August 17, 2026
Franziska Gänslers „Orca“ hat mich mit einem zwiespältigen Eindruck zurückgelassen. Thematisch fand ich das Buch zunächst sehr vielversprechend. Im Mittelpunkt steht für mich weniger die äußere Handlung als die Frage, wie weit ein Mensch bereit ist zu gehen, um dazuzugehören und von anderen angenommen zu werden.

Die Darstellung der Hauptfigur, Cora, fand ich dabei total gelungen. Sie hat nie wirklich gelernt, ein eigener Mensch zu sein und ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen. Stattdessen beobachtet sie ihr Umfeld extrem genau und passt ihre Persönlichkeit den Menschen an, deren Anerkennung sie gerade sucht. Durch ihre ausgesprochen gute Auffassungsgabe gelingt ihr das auch erstaunlich gut. Gleichzeitig liegt darin aber auch ihre größte Schwäche. Cora merkt kaum, dass sie durch den ständigen Versuch, anderen zu gefallen, zunehmend unauthentisch wirkt und sich selbst verliert. Moralische Grenzen werden dabei immer unwichtiger und sie besitzt ein bemerkenswertes Talent dafür, sich ihre eigene Realität so zurechtzulegen, dass ihr Verhalten für sie selbst nachvollziehbar bleibt. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie als Figur für mich interessant, auch wenn sie mir dabei nicht unbedingt sympathisch war.

Gänsler schafft es sehr gut, diesen beinahe verzweifelten Wunsch nach Zugehörigkeit einzufangen. Freundschaft, Abhängigkeit, Selbstinszenierung und die Sehnsucht nach Anerkennung greifen dabei ineinander. Auch der Schreibstil hat mir grundsätzlich gefallen. Das Buch lässt sich flüssig lesen und die Atmosphäre sowie Coras innere Unsicherheit werden überzeugend vermittelt.

Trotzdem konnte „Orca“ bei mir keinen richtigen Sog entwickeln. Dafür war mir die Geschichte insgesamt zu vorhersehbar. Viele Entwicklungen konnte ich früh erahnen, wodurch die Spannung für mich deutlich nachließ. Obwohl ich problemlos weiterlesen konnte, fehlte mir zunehmend die Neugier darauf, was als Nächstes passieren würde. Gerade bei einer Geschichte, deren Figuren immer tiefer in problematische Entscheidungen geraten, hätte ich mir mehr Überraschungen und stärkere Wendungen gewünscht.

Am Ende bleibe ich deshalb zwiegespalten zurück. Als psychologische Betrachtung einer jungen Frau, die unbedingt dazugehören möchte und dabei ihr eigenes Ich aus den Augen verliert, fand ich „Orca“ durchaus gelungen. Als Geschichte konnte mich der Roman dagegen weniger überzeugen. Ich empfehle das Buch vor allem Leser*innen, die sich für komplexe Figuren, Identität, Freundschaft und Gruppendynamiken interessieren und weniger Wert auf einen ausgeprägten Spannungsbogen legen.
Profile Image for Christiane Fischer.
612 reviews7 followers
August 30, 2026
ORCA
Franziska Gänsler
ET: 17.08.26

Cora arbeitet an der Fleischtheke eines Supermarktes, obwohl sie eine Privatschule mit besten Voraussetzungen besucht hat. Ihre Noten waren stets hervorragend, deshalb erhielt sie ein begehrtes Stipendium. Doch das Leben verläuft manchmal anders als geplant. Vielleicht wäre für Cora auch alles anders gekommen, hätte sie kurz vor ihrem Schulabschluss ihre alte Freundin Olympia nicht wiedergetroffen.

In Rückblenden erfahren wir, wie die beiden Freundinnen auf eine andere Bahn geraten. Sie schlagen einen Weg ein, der zunehmend radikaler und schließlich auch gesetzwidrig wird. Eigentlich wollen sie nur Umweltaktivistinnen werden und die Welt retten. Doch aus idealistischen Vorstellungen entwickelt sich etwas, das sie immer weiter von ihren ursprünglichen Zielen entfernt – bis Olympia verhaftet wird und ihr im schlimmsten Fall eine Höchststrafe droht.

Franziska Gänsler hat einen hochaktuellen Roman geschrieben, der sich mit Klimaaktivismus, Radikalisierung und der Frage beschäftigt, wie weit man gehen darf, um für seine Überzeugungen einzustehen. Dabei zeigt sie eindringlich, wie leicht aus dem Wunsch, etwas zu verändern, ein gefährlicher Weg werden kann – und wie schnell man seine eigenen Grenzen überschreitet, wenn man unbedingt dazugehören möchte.

Für mich hat die Autorin dieses Spannungsfeld perfekt umgesetzt. Bis zur letzten Seite bleibt vieles im Ungewissen, und gerade diese Unsicherheit hat mich beim Lesen immer weitergetrieben. Besonders gut gefallen hat mir, dass Gänsler nicht mit einfachen Antworten arbeitet, sondern ihre Figuren und ihre Entscheidungen differenziert betrachtet.

Ein starkes, beklemmendes und hochaktuelles Buch – und für mich zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Chancen auf den Buchpreis? Zumindest über eine Nominierung für die Shortlist würde ich mich sehr freuen.

Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books58 followers
August 24, 2026
Wciągnęła mnie bez reszty: ten dziewczyński świat, pragnienie, a właściwie wewnętrzny przymus akceptacji i przynależności do grupy za wszelką cenę. Wiem, książek o podobnym temacie jest sporo, ale Gänsler jak mało kto wiarygodnie portretuje swoje bohaterki, ze wszelkimi psychologicznymi niuansami. A wszystko to dzieje się nie w jakiejś próżni, tylko tu i teraz, w świecie pogłębiającej się przepaści między bezwstydnie bogatymi, a normalsami, którzy przędną cienko, w świecie rozgrzanym zmianami klimatu, pandemią, poczuciem beznadziei i braku przyszłości. I nie jest to tylko psychologiczne bla bla, jest konkretna, dobrze opowiedziana fabuła, ze spektakularnym finałem.
Profile Image for Sarah.
211 reviews15 followers
August 24, 2026
"Ich freue mich auch, wenn ich eine identische Zahlenreihe habe. Ich habe Bennet den Begriff "Angel Number" dafür beigebracht und die Philosophie, dass jede dieser Zahlen eine Nachricht vom Universum ist, die sich über Google dechiffrieren lässt. Wir weisen uns mit den vinylbehandschuhten Zeigefingern darauf hin, wenn eine Ladung Brät 333 g aufzeigt, oder die letzte Scheibe Kochschinken den Stapel auf 222 g pusht, und wir wissen dann was gemeint ist.

333 - a message of luck or change in your career, success, ambition or focus
222 - a powerful message that your life is being created with divine assistance"
Profile Image for yellowdog.
895 reviews
August 17, 2026
Free Olympia

Orca ist ein Roman, der von jungen Frauen erzählt, die Aktivistinnen sind.
Ein Thema dabei ist die Gefahr der Radikalisierung und den Folgen.

Hauptfigur ist die stille Cora, die Olympia und deren Freunde kennen lernt, die sich für die Umwelt einsetzen und sogar auf der Straße festkleben.
Cora entwickelt schnell ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Doch es gibt auch eine gewissen Gewaltpotential, das zur Eskalation führen wird. Auch Cora verstrickt sich darin.

Franziska Gänsler schreibt sensibel und verschafft dem Leser Zugang zu ihren Figuren.
Profile Image for Maris.
14 reviews1 follower
August 29, 2026
die zwei parallelen zeitstränge waren im nachhinein super miteinander verbunden, aber der erhoffte sog/catch, von dem ich in anderen rezensionen gelesen hatte, blieb leider aus

zwischendurch musste ich sehr an „die wut die bleibt“ denken, die letzte paar sätze haben mich dann aber doch noch einen stern mehr geben lassen
6 reviews
September 1, 2026
ich fand das buch schön zu lesen und entertaining aber verstehe iwie noch nicht so ganz was es mir sagen will, ja es geht iwie um protest und inneren widerstand aber ich finde sogar dass wenn man darüber diskutieren will ob protest gewaltvoll sein muss um relevant zu sein bisschen diffus
Profile Image for Clare.
8 reviews
Want to Read
July 20, 2026
Sehr in den Bann ziehende Lesung am 20.07.26 beim Zukunftsparlament
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