Ein Buch zur Ferienzeit – so schrecklich komisch wie Ein Sommer in Niendorf
Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in Heidelberg mal einen richtig schönen Kurzurlaub gönnen. Vielleicht vertreibt das ja auch den seelischen Smog über dem Eheleben. Das Boutiquehotel ist für das viele Geld gar nicht so toll; dafür haben die beiden gleich einen neuen Stamm-Italiener ausgemacht. Das Restaurant voller Flair befindet sich auf einem alten Flussschiff im Neckar.
Während die Ehe der beiden im Verlauf einer Woche zusehends aus der Form gerät, wird auch der abendliche Gang auf das Restaurantschiff immer mehr zur Enttäuschung, zur Strafe, zur Höllenqual. Das Teuflische bricht mit verheerender Macht in den Alltag, am Ende steht eine Katastrophe – und das alles zum Schlager-Oldie Memories of Heidelberg in Dauerschleife.
The musician, actor and writer Heinz Strunk (legal name Mathias Halfpape) was born in Hamburg in 1962. His memoir "Meat is my Veg" has sold half a million copies. It has since been adapted into a prize-winning radio play, an operetta at the Hamburger Schauspielhaus and also a feature film. "The Golden Glove" topped the bestseller lists for months and was nominated for the Leipzig Book Fair Prize 2016. In autumn 2016, he received the Wilhelm Raabe Prize. Strunk is a founding member of the cult comedian trio "Studio Braun" and had his own television show on VIVA.
This is classic Strunk, and I just love this guy: The novella starts out as a psychological portrait of a loveless marriage, and then quickly escalates into a grotesque finale. Our protagonist is Bertram Grieger, a middle-aged administrative worker from Oldenburg / Lower-Saxony who weighs 119 kg and suffers from binge eating disorder. He has been married to Isolde for 17 years, a woman who merely tolerates him - she has stopped wanting to have sex with him many moons ago. To celebrate the 80th birthday of Isolde's mother Erika, the couple has traveled to Heidelberg, where they stay at a luxury resort that turns out to be a haunted house much like their relationship: Empty, lonely, without the necessary maintenance (hello, Edgar Allan Poe) - they can choose to light the fireplace themselves, no one will do it for them (metaphor alert!). Then, Isolde's mother gets hospitalized...
Strunk is an expert when it comes to diving into the darkest corners of human consciousness, the sadness, the whackiness, the failure, the shame - and then he juxtaposes what he finds with wicked humor. Bertram is a sad figure, trying to numb his feelings of depression with food, always pondering how he shall go on living, but, much like his wife, fully unable to take responsibility and/or action: In a way, they are already dead in their claustrophobic union, in a rigor mortis, and Bertram knows it. Isolde lets out her frustration by constantly nitpicking, but it's not like she doesn't have some points. But the couple just goes on, because that's what you do, and Bertram complains, but remains a coward. His twisted mirror image is Isolde's brother, Dr. Godehard Knoch, a stick-thin, equally but differently unhappy man.
This whole scenario is mirrored in the restaurant ship they visit every evening they are staying in Heidelberg (the book takes us through a week from Thursday to Thursday): The action starts through the reaction of the family running the ship, and prompts the couple to project, argue, and plot. The title-giving "Memories of Heidelberg" is a German Schlager (a popular folk song) that is played every night, originally sung by Peggy March in 1968 (you can listen to it here), and if you're familiar with Strunk's oeuvre, you know that Schlager and doom are closely connected in his plots (if you haven't, you need to read the autofictional Fleisch ist mein Gemüse about Strunk's time as a saxophone player in a party band). The restaurant ship serving Italian cuisine is also even funnier when you're aware of the many times Greek restaurants feature in his books, and in what contexts. And of course, there's the trademark aesthetic of disgust: In Strunk's work, all bodies display a form of body horror. And then there's the obsession with weird expressions - so many Strunkisms, I'm here for it.
The self-awareness of Strunk renders the novella even smarter, and the unexpected surreal ending is hilarious. It's clear that the story of Bertram and Isolde (as opposed to Tristan and Isolde), the unhappy couple that doesn't have the courage to either work on their relationship or separate, is a rather common one in real life, and Strunk (who has never been married) turns it into a Gothic grotesque. I was glued to these pages, this is such a recognizable voice and such sharp literature. And the story features a Cocker Spaniel! What's not to love?
Ein Ehepaar, mehr aus Langeweile und Lethargie denn echter Verbundenheit zusammengehalten, verbringt einen Kurzurlaub in einem scheinbar ausgestorbenen Hotel in Heidelberg - und geht jeden Abend ins gleiche Restaurant vor Ort. Was als angenehmes Dinner beginnt, wird schnell kurios und dann erbärmlich - der Fremdschämpegel ist am Anschlag. Ein ganz wunderbarer Beziehungsroman in klassischer, bester Strunk-Manier, Bonusstern für die Stellen, an denen ich nicht nur geschmunzelt, sondern mich aufgrund der slapsttickhaften Absurdität vor lautem Lachen regelrecht geschüttelt habe, das passiert mir beim Lesen eher selten.
Mehr zum Buch in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: #352: Hobosexual.
Na zumindest hab ich jetzt einen neuen Schlager-Ohrwurm. Der alte, seit dieser schrägen Party vor einer Woche, war eh nicht mehr auszuhalten.
Memories of Heidelberg ist ein 100-Prozent klassischer Heinz-Strunk-Text. Für sich sicherlich gut. Aber er hat uns jetzt schon viele Geschichten wie diese erzählt.
Wagnerianischer Schlager-Horror. Sicherlich wieder ein Roman, der mit der literarischen Tuba hinter seinen überquellenden, verloddernden Figuren herläuft, aber ich fühlte mich dem tristen, greisen deutschen (Ehe-)Wesen sehr nahe und schäme mich natürlich dafür, dass ich so oft gelacht habe.
"Die Crossini heben sie für morgen früh auf. Isolde zieht sich für ihre Abendtoilette ins Bad zurück, Bertram nascht heimlich noch ein paar Schoko-Bons. Man kann auch auf kleiner Flamme köcheln und immer noch ein wenig Freude am Leben haben."
0,5 wenn überhaupt...wo die ganzen guten Rezensionen herkommen, frage ich mich. Ich hoffe stark, dass das ganze Buch als Satire gemeint war und selbst wenn, war es trotzdem schrecklich. Ein Mann der seine Frau hasst, seine Ehe hasst, sich selbst, eigentlich die gesamte Menschheit, der andere stets nur nach ihrem Äußerlichen beurteilt und uns mitteilen muss, welche Frau wie geil aussieht, was für glossy Lippen sie hat, was für geile Füße, das er seine Frau immernoch bumsen würde, aber leiden kann er sie nicht mehr. Sein Selbsthass- und ekel projiziert sich stets auf alle anderen und das weckt keinerlei Mitleid in mir, eher Wut, ja Rage sogar, vielleicht noch Bedauern (aber eher nicht). Der Schreibstil eine Mischung aus denglischem Hipster-Geschwafel, was 0 zu dem Prota passt und "kreativen" Beleidigungen für alles und jeden, den das Auge erblickt. Vielleicht bin ich zu dumm, das Genie hinter diesem Buch zu verstehen, aber dann bin ich es gerne.
"Memories of Heidelberg sind memories vom Glück. Doch die Zeit von Heidelberg, Die kommt nie mehr zurück."
"Nah am Wasser gebaut zu haben, ist ein Zeichen von nahender Senilität, wie stinkende Handtücher, Medikamentenschachteln auf dem Küchentisch und offen stehende Hosen."
"Man kann auch auf kleiner Flamme köcheln und immer noch ein wenig Freude am Leben haben."
"Das Leben ist ein Game mit 10000 Leveln, und dies ist gerade mal Level vier. Zusammenreißen, durchhalten, aushalten!"
"Mein Glück, falls ich jemals welches hatte, ist jetzt aufgebraucht. Jahrelang geschieht nichts, und dann geschieht alles auf einmal. Vielleicht geschieht es auch nur deshalb, weil so lange nichts mehr geschehen ist. Er hat ein geordnetes Leben in Europa, der Insel des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands, in der Komfortzone zwischen Weltkrieg und Klimawandel verbracht. Sein ganzes Leben lang ist er verschont geblieben. Rezessionen, Sonntagsfahrverbot, Steuererhöhungen waren das welthistorisch Schlimmste, was ihm widerfahren ist. Vierzig Jahre lang hat er innerhalb einer geordneten Kette von Tagen gelebt wie hinter einer Mauer, und jetzt ist die Mauer weg."
Buch folgt einen realtiv stricken Schema: übernachtung in Hotel mit unfreuntlichen Service, Essen auf iteliensichen Bootrestaurant wo die beiden immer schlechter behandelt werden und auf dem sie jedes mal eine Zufallsbegegnung mit seltsamen Charakteren haben.
Auf der Originalitätsskala: ist ok. Nicht völlig schlecht, nicht völlig unoriginell, nicht völlig gleich mit an deren Strunk Büchern, es gibt sehr viel weniger Wiederholungen als in seinen anderen Romanen. Dafür ist es kurz, ich meine: unter 200 Seiten als Buch, 3 Stunden als Hörbuch.
Vergleicht man es mit anderen Strunk Büchern der letzen Jahre: das schlimmste, demprimierenste Buch war ganz klar "Es war immer so schön mit dir", davon ist das Buch hier weit weg. Es ist allerdings auch wet weg von "Ein Sommer in Niendorf", das wäre der beste Strunk Urluabsroman.
Ein zutiefst nihilistischer Roman, der die Endzeitstimmung im Land satirisch überspitzt spiegelt. Zwangsläufig entwickelt sich ein Endzeitszenario, das atmosphärisch an den Tod in Venedig erinnert. Die Handlung jedoch wird irgendwann vorhersehbar, wobei der Autor keine Ursachen oder eine Erklärung für den hervorsehbaren Niedergang anbietet. Vielmehr heißt es: "Es gibt überhaupt keinen Grund, für gar nichts." Wie in Stanislaw Lems Solaris scheint Strucks Ziel zu sein, dass sein Roman sich jeder eindeutigen Interpretation entzieht.
Memories of Heidelberg ist eine Kurzgeschichte mit Strunks typischem interessantem und wortgewantem Schreibstil. Es geht um Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Ehepaar aus Oldenburg, die regelmäßig nach Heidelberg fahren. Doch diesmal geht es in ein anderes Hotel als sonst und das gefällt Bertram schonmal gar nicht.
Um ehrlich zu sein habe ich das Buch nur beenden können weil es kurz war und ich den Schreibstil gut fand. Bertram ist ein sehr bedauernswerter Mensch der sich gehen lassen hat und aber gleichzeitig über alle anderen urteilt. Er traut sich nicht ehrlich mit seiner Frau zu sein die auch echt nicht nett zu ihm ist. Man liest einfach über eine Ehe die schon lange hätte beendet werden müssen. Vielleicht soll es auch einfach keine schöne Geschichte sein aber ich wüsste nicht warum man das Buch dann lesen sollte. Auch das Ende war viel zu schnell und chaotisch wie als wollte der Autor einfach fertig sein mit dem Buch.
Summer holidays 2026 #1: It's not a holiday without Heinz Strunk ❤️
Mampf, kau, spachtel. Spachtel, schling, gulb, schluck. so habe ich dieses viel zu duenne buch WEGGEATMET.
Unbesprechbar. Liebe alles. Elevated.
"Aber er isst ja sowieso lieber allein, weil er in der Abgeschiedenheit des Zimmers nirgendwo anecken kann, niemand, der sich an den Mengen stört, noch an der Art, wie er sie zu sich nimmt: Ein herzhaft-süß- salzig-fleischiger VERTILGER ist er, im gelben Trikot des Allesfressers, ein knusperndes Knäuschen, ein nagender Riesenmümmelmann, ranziger Butterberg, ein Einspeichler mit Naschwerkzeug, Knabberapparat, Käpt’n Nuss, Knochensauger. Ein Mandelfriedhof, der in einem Meer aus Nüssen, Fett und Zuckerwatte versinkt. Der BMI nördlich von 32. Allein mein Wanst wiegt so viel wie ein hungerndes Kind."
Mich überfordert es letztlich, dass es keine kausalen Zusammenhänge gibt. Dass es keine Erklärung für das Geisterhotel gibt, dass nicht aufgeklärt wird, warum die Schiffs-Gastronomen so ablehnend sind, obwohl sie an den Protagonisten offensichtlich gut verdienen.
Der Schreibstil gefällt, der Erzählstrang hat auch was Fesselndes, so eine Mischung aus Ekel und Neugier, wie es weiter geht...
Aber vielleicht ist ein Buch, das keine Interpretationen zulassen will oder ermöglicht, nicht das Richtige für mich.
Bin eigentlich Heinz Strunk Ultra (guilty pleasure) aber langsam muss er sich mal was neues überlegen. Hab jetzt die letzten drei Bücher gefühlt immer wieder die gleiche Geschichte gelesen. Wer nen typischen Strunk möchte, ist gut aufgehoben.
Ich musste beim Lesen an seine Kurzgeschichte „Tempo 100“ denken, die eigentlich schon sehr gut veranschaulicht, was hier über 170 Seiten „zerzählt“ wird. Die Kurzgeschichte hat mich mehr erreicht - aber wer Strunk mag, findet auch daran Gefallen.
Ein richtiges Strunkbuch, von außen derb, aber hinter der dicken, fetten Schale jede Menge wahres Leben. Sehr kurzweilig....und wie kriege ich den bmöden Schlager wieder aus den Ohren?