Absurde Geschichten aus dem echten Leben: Sandy erwartet ein Kind vom Ex-Freund ihrer Mutter, der der Vater ihres kleinen Bruders ist. Dass die Mutter auch noch vom Ex-Freund der Tochter schwanger ist, macht das Ganze nicht einfacher für Familienpsychologin Sophie Seeberg. Als Gerichtsgutachterin erlebt sie tragische, aber auch skurrile Momente. Wenn beispielsweise eine Mutter erklärt, dass ihre Schanin „nur schwere Knochen“ habe, während diese in kurzer Zeit mehrere Tafeln Schokolade verdrückt. Seeberg erzählt auch in ihrem zweiten Buch einfühlsam aus ihrem Berufsleben und bewahrt sich ihren besonderen Sinn für Humor.
In „Die Schanin hat nur schwere Knochen“ schildert die Gerichtsgutachterin und Psychologin (neben einigen Seminaren oder Tagungen) in erster Linie Fälle, bei denen sie als Gutachterin beauftragt wurde, die Familiensituation zu analysieren und dem Gericht das weitere Vorgehen nahezulegen. Wie auch schon im Vorgänger „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey“ hat sie sich dabei eine gute Mischung aus lustigen aber auch bedrückenden Fällen ausgesucht. Von der Titelgebenden Schanin, die zwar in wenigen Minuten eine Tafel Schokolade verdrückt, dabei aber nach Ansicht ihrer Mutter nicht dick, sondern nur schwerknochig ist, über die im Wohnzimmer campende Familie (inklusive Vorzelt und Campingkocher) bis zum psychopathischen Vater ist alles dabei.
Gleich zu Beginn möchte ich festhalten, dass sich „Die Schanin hat nur schwere Knochen“ trotz des Titels und des Covers nicht über bildungsferne Hartz4-Empfänger lustig macht. Wer eine solche Lektüre sucht, muss sich anderweitig umsehen. Natürlich gibt es auch im neusten Buch der Autorin Sophie Seeberg wieder einiges zu Lachen, aber eigentlich nur in Szenen, in denen die entsprechenden Familien ansonsten als sehr sympathisch dargestellt werden. Die Autorin schafft es so auf eine sehr herzliche Art, dass der Leser mit den betroffenen Familien lacht, und nicht über sie. Während der Lektüre habe ich nicht nur gelacht, sondern auch mehr als nur einmal geweint, denn auch sehr traurige Schicksale werden geschildert, auch wenn jeder der von Sophie Seeberg für das Buch ausgesuchten Fälle auf die eine oder andere Art ein Happy End hat (wie auch schon im ersten Band).
Wie auch schon im ersten Band hat mich auch hier beeindruckt, dass die Autorin den zu begutachtenden Familien auf Augenhöhe und mit viel Respekt zu begegnen versucht. Nie hatte ich das Gefühl, dass sie sich für etwas Besseres hält, und immer ist ihr das Wohlergehen der Familie (und insbesondere der Kinder) wichtiger, als selber gut da zu stehen. Ich kann für jede Familie, die begutachtet werden muss, nur hoffen, dass eine Sophie Seeberg (die natürlich zum Schutze der im Buch geschilderten Familien unter einen Pseudonym schreibt, ebenso sind alle im Buch erwähnten Namen Pseudonyme) ihr Gutachten schreibt.
Wer beim Lesen gerne lacht, weint oder den Kopf schüttelt, der ist mit dem neusten Werk von Sophie Seeberg gut beraten. Es ist für das Verständnis nicht notwendig, den Vorgänger zu kennen, da ich ihn aber ebenso toll fand wie das hier besprochene Buch, empfehle ich ihn gleich noch mal. Ich kann hier nur eine volle Punktzahl vergeben und hoffen, dass meine gute Bewertung dazu beiträgt, Sophie Seeberg auch weiterhin schreiben zu lassen.
Mir gefiel das Buch wirklich gut. Von Herzzerreißend, dramatisch über lustig, skurril bis beängstigend war alles dabei. Sehr interessant einen Einblick in so manche Familienverhältnisse zu bekommen die auch noch so erzählt sind wie von Frau Seeberg. Ich glaube sie ist eine wirklich tolle Familienpsychologin und ich hoffe für die betroffene Familien das es ganz viele von ihrer Sorte gibt!!!
Ich weiß nicht wieso, aber das 2. Buch der Serie konnte ich nicht durchhören. Während das erste Buch noch meine Neugier gestillt hat, hatte das 2. Buch zu viel Überheblichkeit im Ton der Autorin. Im 1. Buch gab sich die Autorin zumindest weniger urteilend oder es hat mich nicht gestört, weil ich die Thematik interessanter fand.
Ich hatte dieses Buch angefangen zu lesen, weil ich eigentlich etwas lustiges für zwischendurch suchte. Tatsächlich machte mich das Buch eher betroffen. Es gab nur wenige Stellen, an denen ich lachen musste. Die hatten es dafür aber in sich. Oft taten mir die Familien und vor allem Frau Seeberg eher leid. Meine Hochachtung an alle Familienpsychologen. Ein Lehrstück, was einem Familien antun können. Ich bin nur leider mit einer anderen Erwartung rangegangen.
Sophie Seeberg hat mit ihrem zweiten Buch noch rührendere, schockierendere und merkwürdigere Geschichten aus ihrer jahrelangen Berufserfahrung für den Leser herausgesucht. Auch hier wieder die Warnung, dass das Buch nicht unbedingt etwas für sehr empfindliche Menschen ist. Man erfährt mitfühlend beschrieben von menschlichen Schicksalen, die kaum schlimmer sein könnten.
Aber gleichzeitig ist da diese unglaublich starke Frau, die immer für die beste Lösung kämpft und dabei selbst gar nicht zu merken scheint, was sie alles leistet. Denn immer wieder betont sie, dass sie in den Situationen vielleicht professioneller hätte reagieren können, sollen, müssen. Mit sich selbst geht sie am Härtesten ins Gericht und genau das macht die Autorin so sympathisch in ihren Erzählungen. Sie ist eben nicht die unfehlbare Expertin auf ihrem hohen Ross, die sowieso alles kann und immer Recht hat, nein. Sie gesteht immer ihre Fehler ein, ist dabei mit sich selbst viel zu kritisch und erscheint damit umso liebenswerter. Einfach, weil sie auch Mensch bleibt und gleichzeitig nie vorschnell urteilt. Denn nicht immer sind die Situationen, wie sie anfangs erscheinen.
Vorurteilsfrei, und stets lebendig erzählt die Autorin von ihren Erlebnissen und nimmt den Leser so mit zu einer Reise durch die Gefühlswelt. Denn während manche Situationen einen zum Lachen oder ungläubigen Kopfschütteln bringen, gab es auch das eine oder andere, dass selbst mir Tränen in die Augen gejagt hat. Und ich empfinde mich sonst eher als in einem erschütternden Maße abgestumpft. Aber am Ende bleibt vor allem das Gefühl, etwas mit der doch sehr unerbitterlichen Welt versöhnt zu sein, weil man weiß, dass es da draußen Menschen gibt, die selbst, wenn sie selbst bedroht werden, nicht aufgeben und für die Schwachen der Gesellschaft, Kinder und auch deren Eltern, kämpfen.
Nachdem ich das erste Buch bereits letztes Jahr gelesen hatte und somit wusste, dass sich hinter dem lustig Klingendem Titel und dem Comic-Einband keine komischen Storys, sondern eher berührende Geschichten verbergen, war das zweite Buch besser zu lesen als das erste. Die Situationen bei denen ich lachen musste waren weit weniger als diejenigen, bei denen ich Tränen in den Augen hatte. Eine sehr schöne Sammlung von Geschichten, sehr kurzweilig geschrieben.
Der erste Band ("Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!") hat mir persönlich besser gefallen; trotzdem ein tolles Buch, wenn man einfach mal abschalten will.