Der neue Roman von Ingo ein raffiniertes erzählerisches Spiel über Hoffnung und Erwartung!
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler im Juni 2025 nach Mecklenburg, in jene seenreiche Landschaft, die er im Sommer 1979, von dem sein Lesungstext handelt, den »Norden« genannt hat. Eine unerwartete Begegnung scheint seine Novelle lebendig werden zu lassen, und wirft damit die Frage auf, was war und was wirklich ist. War er damals zu jung und zu unbeschwert für die große Liebe, und ist sie heute zu alt? Sind nur Illusionen und Utopien verloren gegangen oder auch Ansprüche und Hoffnungen, die einer Gegenwart fehlen, in der die alte Angst vor einem Krieg wieder real erscheint?
Vielleicht ist die Liebesgeschichte in Das Wasser im August auch eine Schule des Sehens, des Erkennens und Schreibens, und der Versuch, sich der Welt, der Menschen und der eigenen Geschichte so genau und so lebendig wie möglich zu versichern.
Eine Rückkehr zu den Ursprüngen des eigenen Schreibens – die Erinnerung an einen Sommer des Jahres 1979, in dem das Leben noch offenstand.
Ingo Schulze is a German writer born in Dresden in former East Germany. He studied classical philology at the University of Jena for five years, and, until the German reunification, was an assistant director (dramatic arts advisor) at the State Theatre in Altenburg 45 km south of Leipzig for two years.
After oversleeping the events of the night of November 9 1989, Schultze started a newspaper with friends. He was encouraged to write. Schultze spent six months in St Petersburg which became the basis for his debut collection of short stories 33 Moments of Happiness (1995). He has lived in Berlin since the mid 1990s.
Schulze has won a number of awards for his novels and stories, which have been translated into twenty languages, among them into English by John E. Woods.
Der Erzähler wird zu einer Lesung in Mecklenburg eingeladen. Er liest aus einer noch unabgeschlossenen Novelle, in der er von einem Jugenderlebnis im August 1979 berichtet. Er verbrachte Ferien mit Freunden am Tollensesee und lernte dort Sonja kennen, eine deutlich ältere Zahnärztin, in die er sich verliebt. Zugleich unternimmt er erste Versuche als Schriftsteller.
Es ist eine coming-of-age-Geschichte, auch ein Porträt des Künstlers als junger Mann, die dadurch Tiefenschärfe gewinnt, dass sie von einem deutlich älteren Mann erzählt wird. Im Publikum erscheint die Frau, in die er sich damals verliebt hat. Die Wiederbegegnung schwankt zwischen erwünschter erneuter Annäherung und schonungloser Erkenntnis, wie es damals wirklich gewesen ist.
Das hat einen gewissen Charme, ist auch facettenreich erzählt. Gleichwohl springt der Funke nicht über, oder doch nur an sehr wenigen Stellen.
Ausgerechnet zum Geburtstag des ehemaligen Mitschülers, an den er keine guten Erinnerungen hat, soll der Erzähler aus seinem unfertigen Manuskript vorlesen. Er fährt auf Einladung der Ehefrau in seine ehemalige Heimat, die er damals nur „Den Norden“ genannt hat. Mit dem Kopf voller Erinnerungen macht er sich auf den Weg und mit jedem Kilometer fallen die vergangenen 40 Jahre von ihm ab.
Ingo Schulze hat es mir anfangs mit seinem Protagonisten nicht einfach gemacht. Er war mir zu umständlich und hatte die Neigung, jede seiner Entscheidungen bis ins kleinste Detail zu zerpflücken und immer wieder aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Deshalb war ich fast ein wenig schadenfroh, als seine Anreise trotz allen Gedanken, die er sich darüber gemacht hat, fast an einer Autopanne scheitert.
Aber genau das war auch der Moment, an dem sich in die Geschichte hineingefunden und mich mit ihrem Protagonisten arrangiert habe. Jetzt könnte er die Veranstaltung, bei der er ohnehin kein gutes Gefühl hatte, guten Gewissens wegen höherer Gewalt absagen. Aber das tut er nicht. Vielmehr schafft er es mithilfe von zwei neuen Freunden, gerade noch pünktlich zu erscheinen.
Bei seiner Lesung vermischen sich Fiktion und Realität. Vieles von dem, was er im Sommer 1979 erlebt hat, findet sich in seinen Zeilen wieder. Bei der Geburtstagsfeier trifft er auf Menschen, die ihn in jenem Sommer begleitet haben und die sich in seinem Manuskript wiederfinden. Manchmal überfordern ihn die alten und neuen Freunde und die Begeisterung seines Publikums für sein Manuskript.
Ich kann die Begeisterung des Publikums nachvollziehen, die gerade davon fasziniert sind, dass sie nicht wissen, wie die Geschichte letztendlich ausgeht. Gleichzeitig muss ich der Erzähler eingestehen, dass seine Erinnerungen nicht immer der Realität von damals entsprechen. Er kann sich mit seinem alten Feind aussprechen, der die Zeit damals ganz anders gesehen hat. Das ändert nichts daran, wie man sich damals gefühlt hat, aber es lässt den Erzähler nachsichtiger werden.
Der Erzähler mag manchmal mit der Situation ein wenig überfordert gewesen sein, mir hat der Roman trotz meiner anfänglichen Bedenken gut gefallen.
A personal novel with experimental stylistic choices and an appeal that I see on a theoretical level, but that didn't work for me at all.
Das Wasser im August (which translates to The Water in August) takes us to Mecklenburg in Germany, where the narrator is invited to read from his unfinished manuscript about a summer in 1979. Reality and memory begin to blur as the old author reads from his novel in which a young author is finding his place in the German Democratic Republic.
It's stylistically daring. I've never read anything quite like this! A big part of this novel is what the narrator reads out loud from his novel, but the narratives shift and move so seamlessly that it always takes you split second to realise where you're currently at. As it's clear that the novel-within-a-novel is heavily autobiographic, this has a lot more in common with James Joyce's coming of age story than Stephen King's Misery. We involuntarily begin asking ourselves what has changed, as the sixty-something year old author reads from his story where the protagonist is basically himself but a lot younger. Was he too carefree to feel true love and is he too old today? What has changed about his hopes and illusions from back in the day?
It poses a lot of questions, but gives few answers. I was hoping for a little more reflection and deeper introspection here. I felt like Schulze left me as a reader hanging with this — there are a lot of conflicts, but few resolutions and while the parallels between the narrator's and his protagonist's lives are obvious, there are few take-aways messages to gather from that. Both struggle with women for example: the protagonist falls in love with an older dentist and the narrator has his childhood sweetheart sitting in the audience. But neither woman is fleshed out by Schulze and no big statements about love or relationships are made here. There's also a lot of conflict-namedropping that I didn't like at all: the war in Ukraine gets mentioned, the horrors of Gaza... but none of these themes are in any way further discussed or contextualised.
I suppose the best way to describe this novel is sentimental, but unfortunately it became one of those books where I checked how many pages I had left to read. To me, this didn't give me anything to connect with: the themes weren't deeply explored enough, while the characters weren't really tangible enough.
„Alles ist veränderbar.“ Ingo Schulze schafft mit seinem neuen Werk etwas Raffiniertes. Daher musste er bei mir etwas nachwirken. Zwei verschachtelte Geschichten, die geschickt weitererzählt werden. Handlung beinahe belanglos. Doch die Botschaften und Kleinigkeiten sind sehr gezielt platziert und wirken. Wie der Satz als Zitat gegen Ende des Buches.
Ich mag den Autor - sehr sympathisch, ich finde auch seine Themen und Figuren interessant und detailliert gezeichnet.....aber irgendwie zieht es mich nicht in die Handlung wie andere Bücher. Ich surfe, kann etwas schnorcheln aber untertauchen kann ich dabei leider nicht. Als hätte ich keinen Bleigürtel
Die eingangs spannende Metaelepsen-Erzählung verliert sich leider in allzu ausschweifender Sprache, die bisweilen fast schon prätentiöse Züge bekommt. Sicherlich einer der stilistisch gewagteren Titel der diesjährigen Longlist, nur leider mehr name- und conflictdropping denn tatsächliche Verhandlung der Themen. Das prosadoische Geschick Schulzes ist aber in jedem Falle erkennbar.