Sie zerstört. Sie rettet. Sie fehlt. Sie macht aus Opfern Tä die Liebe, die Lüge.
Laura hat schon als Kind verstanden, wie Mitleid funktioniert. Barbara füllt ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und einem Mann, den es nicht gibt. Heike sitzt seit dreißig Jahren in einem Haus, das ihrer Schwiegermutter gehört, und träumt von einem Garten, den sie nie haben wird. Christina verkleinert mit ihrer Kunst die Welt, weil sie sie sonst nicht aushält.
Ein Roman, der die Grenzen von Richtig und Falsch ausleuchtet. Komisch. Grausam. Zärtlich.
Hätte für die letzte Geschichte vielleicht eine Triggerwarnung oder einen Hinweis, oder sowas gar nicht so schlecht gefunden (und hätte vorm Ende probably nur 3 Sterne gegeben aber die letzte Geschichte war so ein Tritt in die Magengrube, gut, guuuuut)
»Die meisten Menschen sind ein Leben lang in Beziehungen und lieben einander ab und zu, manchmal ein bisschen, spontan gar nicht, dann wieder mehr, aber für sie war es nun eindeutig. Da waren keine Zweifel. Sie liebte ihn nicht mehr. […] Sie hasste ihn auch nicht. Alle Gefühle ihm gegenüber waren einfach weg, wie ein Schluckauf, der plötzlich verschwindet.« Christina (165) Das kann nur Ronja von Rönne: Liebe mit Schluckauf vergleichen. Und wie gut sie das kann 😮💨 In »ALLES LIEBE« schreibt Ronja von Rönne von den Momenten, in denen Menschen sich entscheiden und entscheiden müssen. Ob das immer die richtige Entscheidung ist, bleibt dabei wertoffen, wird einfach menschlich beschrieben: Wir sind Menschen, wir lieben, wir leben und wir entscheiden uns. Zunächst wirken die Kapitel wie eigenständige Kurzgeschichten. Erst nach und nach entfaltet sich daraus ein Roman – und genau darin liegt für mich Ronja von Rönnes große erzählerische Kunst.
Nichtsdestotrotz waren einige Teile des Romans gar nicht mal so einfach zu lesen. Das Lesen fühlt sich an wie eine Shaktimat: unbequem, manchmal schmerzhaft – und gerade deshalb möchte man nicht aufhören. Ein Roman, der unbequem ist, der verschiedene Perspektiven zeigt und unsere moralischen Vorstellungen und Empathie fordert. Am sympathischsten war mir Christina, wie sie anfängt für sich selbst einzustehen und ihren Weg zu gehen.
»Wie sagt man jemandem, dass man ihn nicht mehr liebt? Vielleicht genauso, wie man zum ersten Mal wIch liebe dich« sagt. Spontan, ohne Anlass …« (166)
Ronja von Rönne erzählt nicht von DER großen Liebe und DER einen Wahrheit – sondern davon, wie kompliziert das Leben und die Liebe sein kann. I LIKE! Große Empfehlung für Ronja von Rönne’s Schreiben und neustem Roman ❤️🩹
Im Mittelpunkt dieses Buches stehen vier Frauen mit ihren schmerzhaften Lebenskonstrukten. Laura lernt bereits als Kind, wie sich Mitleid für die eigene Wirkung nutzen lässt und erschafft sich eine Lügenwelt, um überhaupt gesehen zu werden. Barbara kompensiert ihre Einsamkeit, indem sie ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und der Behauptung über einen fiktiven Partner füllt, weil sie anders nicht zu überleben weiß. Heike verharrt seit drei Jahrzehnten im Eigentum ihrer Schwiegermutter und sehnt sich vergeblich nach einem gestaltbaren Garten, während Christina ihre Realität durch Miniaturkunst schrumpft, um in der echten, großen Welt nicht unterzugehen. Ergänzt werden diese Schicksale durch Matti, der unter seiner Arbeitskollegin leidet und einen unrühmlichen Weg wählt, um sich zur Wehr zu setzen.
Das Buch war völlig anders als erwartet. Statt des erhofften stringenten Romans bekam ich lose verknüpfte Kurzgeschichten, die sich erst ganz am Ende miteinander verbinden. Jede einzelne Erzählung über Selbstzweifel, Täuschung, Lügen, Einsamkeit und Schmerz hat mich emotional berührt, gleichzeitig hätte ich mir eine in sich direkt zusammenhängende Geschichte gewünscht. Die Schicksale hallen lang in mir nach, gerade weil die Protagonisten fernab jeglicher Stereotypen agieren. Richtig identifizieren kann ich mich nicht mit den Figuren, auch wenn ich manche ihrer Gedanken nachvollziehen konnte, nicht aber die extremen Handlungen, die daraus resultierten. Und trotz des Aufbaus mit den Kurzgeschichten hat das Buch eine unglaubliche Sogwirkung auf mich entwickelt.
Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet. Sie wirken plastisch, scharf umrissen und in all ihren psychologischen Abgründen absolut greifbar. Ronja von Rönne nutzt einen modernen, pointierten Schreibstil, der perfekt auf die jeweilige Figur zugeschnitten ist. Durch die klare Sprache entsteht eine unmittelbare Nähe zu den Welten dieser Menschen. Dennoch wäre mit ein stärkerer Zusammenhang der fünf Lebenswelten lieber gewesen, und ich hätte ein festes Romangefüge den fünf einzelnen Geschichten vorgezogen. Die thematische Klammer um Selbstliebe und die unschönen
Alles Liebe war für mich völlig anders als erwartet. Statt eines klassischen Romans bekommt man einzelne Geschichten, die sich erst nach und nach zu einem Ganzen verbinden. Das fand ich richtig clever gemacht. Jede Erzählung hat mich auf ihre eigene Weise emotional berührt… über Selbstzweifel, Einsamkeit, Liebe und Verlust. Das Hörbuch, gelesen von Ronja von Rönne selbst, hat der Geschichte für mich zusätzlich eine besondere Atmosphäre verliehen.
Ich bin immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten. Das gelingt Ronja von Rönne mit "Alles Liebe" in einer ganz hervorragenden Weise. Skurrile Figuren mit Tiefgang und ein unerwartetes Ende. Themen die unangenehme sind, und einen aufregen, aber gleichzeitig mitfühlen lassen. Ich habe wenig erwartet und viel bekommen.
Zehn Tage türkische Riviera all inclusive in einem seelenlosen Bunker, wie es sie an nahezu jedem europäischen Strand gibt. Laura und ihre Freundin Miriam liegen die meiste Zeit auf dem Hotelbett. Während Miriam schläft, zappt Laura sich durch die Homeshopping-Kanäle und sieht aufgedrehten türkischen Frauen dabei zu, wie sie Make-up oder Handstaubsauger verkaufen, als wäre es das wichtigste auf der Welt. Lauras Eltern waren schon nach zwei Tagen gelangweilt, weil sie sonst immer nach Kroatien campen und wandern fahren. Dennoch haben sie Miriam und ihre Mutter an diesen bequemen Ort eingeladen.
Miriam war in der Schule regelmäßig eingeschlafen, nicht dieses typische gelangweilte Schülerinnen-wegdösen, sondern als hätte sie jemand ausgeknipst. Das kam den Lehrern seltsam vor, die Miriams Mutter nötigten, der Sache auf den Grund zu gehen. Die vermuteten Wachstumsschmerzen hielten den blau-lilafarbenen Flecken auf Lauras Schultern nicht stand. Eine einfache Blutuntersuchung ergab, dass sie von der einen Fraktion Blutkörperchen zu viele und von der anderen zu wenige hatte. Akute lymphatische Leukämie also. Und wegen der zehntägigen Gnadenfrist vor der ersten Chemo waren sie jetzt hier.
Barbara kennt Miriams Mutter aus der Selbsthilfegruppe, ihre Tochter Klara ist noch schlechter dran als Miriam und wurde zum Pflegefall. Noch dazu hat Klaras überforderter Vater die Flucht ergriffen. Barbara kommt kaum noch aus dem Haus und bestellt das meiste, das sie brauchen im Internet. Sie sammelt Versandkataloge und blättert sie immer wieder gerne durch. Die fröhlichen Gesichter beflügeln ihre Fantasie. So wie der attraktive junge Mann, der sie schon öfter von den Fotos anlächelte. Sie nennt ihn Rolf und schneidet seine Silhouetten aus, um sie an die Küchenwand zu hängen.
Fazit: Ronja von Rönne, die Journalistin, Moderatorin und Autorin, hat ein Kaleidoskop an Menschen geschaffen, die am Leben zu verzweifeln scheinen. Da ist Laura, die augenscheinlich ihre an Leukämie erkrankte Freundin dazu benutzt, sich wichtigzumachen. Barbara, die unter ihrer Einsamkeit leidet, sich aus Katalogen einen Mann fürs Leben bastelt und eine Obsession entwickelt. Benni, der seiner Freundin den beruflichen Erfolg neidet. Die Autorin setzt mit großem Gespür für die Bedürfnisse von Menschen, kleine individuelle Miniaturen zusammen und gibt ihnen eine Bühne, die sie im wirklichen Leben bräuchten. Dabei lässt sie ihre Figuren einfach lügen und betrügen, ohne die moralische Keule auszupacken. Der Sprachstil ist witzig, spritzig und treffsicher und hat mir viel Freude bereitet. Einziger Wermutstropfen, dass hier Kurzgeschichten etwas unbeholfen lose miteinander verwoben wurden, um dem Ganzen den Anschein eines Romans zu geben. Nichts destotrotz habe ich das sehr gerne gelesen.
Alle Charaktere sind seltsam und ich war oft wütend weil ich dachte, wie kann man nur so sein?!,.. jedes Kapitel war eine in sich geschlossene Geschichte aber am Ende wurden sie doch alle zusammengeführt. Ich hätte mir eher eine direkt Zusammenhängende Geschichte gewünscht. War irgendwie nichts für mich..
In Alles Liebe erzählt Ronja von Rönne die Geschichten von fünf Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Erst nach und nach wird deutlich, was sie verbindet. Die Leserschaft begleiten Laura, Barbara, Heike, Fedor und Mattis an unterschiedlichen Punkten in deren Leben. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit und die kleinen wie großen Lügen, die Menschen sich selbst und anderen erzählen. Dabei zeigt die Autorin eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Beweggründe dafür sein können und welche Folgen daraus entstehen. Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Jedes der fünf Kapitel fühlte sich wie ein kleiner Film an, der mich komplett in das Leben der jeweiligen Figur hineingezogen hat. Lange bleibt offen, wie die Geschichten zusammenhängen, und genau das hat mich neugierig weiterlesen lassen. Ich wollte unbedingt wissen, ob die Protagonisten ihre Lügen aufrechterhalten können oder ob irgendwann alles zusammenbricht. Besonders das Kapitel über Mattis hat mich tief bewegt. Es ist ein Schlag in die Magengrube, insbesondere für viele Frauen, weil es schonungslos zeigt, wie schnell Glaubwürdigkeit infrage gestellt und Schuld verschoben wird. Ich denke eine Triggerwarnung wäre hier sinnvoll. Ronja von Rönne beschreibt Themen wie die benannte Glaubwürdigkeit, Schuldzuweisungen, das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und den Wunsch dazuzugehören auf eine Weise, die erschreckend real wirkt. Gerade weil sie nichts dramatisiert, sondern die Realität so nüchtern schildert, haben mich alle Kapitel gedanklich beschäftigt. Ronja von Rönne schafft es, ihren Figuren viel Tiefe zu geben. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle jederzeit nachvollziehen, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer verstanden habe und teilweise ihr Verhalten mich wütend machte. Genau das macht aber die Charaktere so menschlich und nahbar. Für mich war Alles Liebe ein emotionales, kluges und zugleich kurzweiliges Buch, das mich zum Nachdenken gebracht hat wie schmal der Grat zwischen Wahrheit und Selbsttäuschung manchmal ist. Ein Roman, der mich nachhaltig beeindruckt hat.
das buch ist mir durch zufall in die hände gefallen. ich habe viel werbung für das buch gesehen und eines tages lag es dann plötzlich in unserem wohnzimmer, weil meine mitbewohnerin es geschenkt bekommen hatte. aus ner mischung aus mere-exposure effekt und gelegenheit hab ich das buch angefangen zu lesen und war einfach neugierig, aber hatte keine erwartungen. trotzdem war es auf jeden fall sehr anders als ich dann doch erwartet hatte und anders als die romane, die ich bisher gelesen habe. um nichts zu spoilern, gehe ich darauf aber nicht näher ein, weil dann der roman glaube ich, nicht mehr (so gut) funktioniert. der schreibstil hat mir gut gefallen und insgesamt hatte es auf mich eine sehr packende wirkung, sodass ich es sehr schnell durchgelesen hatte. die figuren fand ich sehr ausgefallen, aber doch irgendwo nachvollziehbar. es ist zwar teils düster, aber trotzdem hat es sich für mich nicht gruselig angefühlt, sondern faszinierend, was mich echt wundert, weil ich n schissi bin und schnell sachen gruselig finde. ich kann mir gut vorstellen, dass ich noch öfter zumindest an manche charaktere denken werde.
für den letzten teil wäre eine triggerwarnung gut.
Alles Liebe ist eine sehr unterhaltsame und zum Nachdenken anregende Kurzgeschichtensammlung, die in einem sehr gelungenen Schlussteil ihren Höhepunkt findet. Alle Geschichten handeln um die Liebe und um Anerkennung, um Schicksale und den Umgang damit.
Es gibt eine Frau, die nach dem Tod ihres Kindes ist die Kaufsucht abrauscht, eine andere Frau leidet unter ihrer Schwiegermutter, eine andere Frau hat in ihrer Jugendzeit ausgenutzt, dass ihre Freundin an Krebs erkrankt ist, und eine weitere Frau erstellt Miniaturkunst und reizt damit das Ego ihres Mannes. Wie sind all diese Einzelfälle miteinander verwoben? Ist es wirklich "alles Liebe" oder vielleicht auch etwas Hass?
Ich habe das Hörbuch gehört, das von der Autorin ganz hervorragend gesprochen ist! Ganz ganz große Empfehlung, auch weil ich es total spannend fand und es sich dadurch, dass es nicht allzu lang ist, super gut auch zwischendurch anhören lässt.
Ich habe beim Hören mehrmals (bzw. ständig) über den Titel des Buches nachgedacht, ob er vielleicht eher ironisch gedacht ist. Sowas liebe ich total, weil das Buch somit auf jeden Fall länger im Kopf bleibt.
Es war mein erstes Buch von Ronja von Rönne, aber definitiv nicht mein letztes!
Liebe den Schreibstil und die Frauenrollen. Fand’s von der ersten Seite an packend und hätte am liebsten bei jeder Person noch deutlich mehr gelesen. Guter read für zwischen drin auch wenn es natürlich schweren Themen sind.
Dieser Roman verwebt mehrere Lebensgeschichten zu einem dichten, vielschichtigen Gesamtbild, das gleichermaßen berührt, verstört und zum Nachdenken anregt. Jede der Figuren bringt ihre eigene Perspektive auf die Welt mit – geprägt von Sehnsüchten, Brüchen und ganz eigenen Strategien, mit der Realität umzugehen.
Besonders beeindruckend ist, wie kunstvoll die einzelnen Geschichten ineinandergreifen. Jede für sich hätte das Potenzial für einen eigenen Roman, und doch entfaltet sich ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel. Nach und nach entsteht ein Geflecht, das am Ende überraschend stimmig zusammenläuft und den Blick auf das große Ganze lenkt.
Der Ton des Buches bewegt sich gekonnt zwischen Komik, Grausamkeit und Zärtlichkeit. Gerade diese Mischung macht den Reiz aus: Leichte, fast absurde Momente stehen neben tiefgehenden, schmerzhaften Einsichten. Dabei werden immer wieder zentrale Fragen verhandelt – nach Wahrheit, Wahrnehmung und danach, was wir bereit sind zu sehen oder zu verdrängen.
Alles Liebe hat Roman auf dem Cover stehen, ist aber eher eine Sammlung lose verbundener Kurzgeschichten - Figuren, die im Zentrum der anderen Kapitel standen, tauchen mehr oder weniger kurz in den Geschichten, in denen es um eine wieder andere Konstellation geht, auf. Somit haben mir einige Stories mehr gefallen als andere, weil ich die Figuren und deren Konflikte eben interessanter fand. Die letzte Geschichte, die zusammen mit der ersten eine Art Klammer bildet, ist wohl die, die am härtesten trifft. Es ist aber auch ein bisschen das Klischee von in diesem Fall the girl who cried wolf. Ich habe mich dabei gefragt, zu welchem Urteil ich hier kommen soll. Es geht in dem Abschnitt um die Vergewaltigung einer Journalistin durch einen Kollegen, geschildert aus der Perspektive des Kollegen. Unter den Titel "Alles Liebe" passt dieses Kapitel meiner Meinung nach gar nicht. Sexualisierte Gewalt mit Liebe in einem Atemzug zu nennen, puh, da bin ich schon raus. Es ist klar, dass dieser Protagonist seine Kollegin hasst - anfänglich werden Lesende seine Position verstehen - Laura ist eine "Journalistin", die skrupellos Stories verfolgt und gerne auch mal die Wahrheit verdreht. Man sympathisiert mit dem Journalisten, dem das zu weit geht und der durch sie aufs Abstellgleis befördert wird. Er stellt Nachforschungen an und findet heraus, dass Lauras ganzes Leben aus Lügengeschichten besteht, nicht einmal ihr Studium hat sie abgeschlossen. Da wartet man natürlich auf die große Enthüllung, die Konfrontation, aus der er als Held hervorgeht. Die kommt aber nicht, stattdessen vergewaltigt er Laura auf einer Betriebsfeier und benutzt dann die Ergebnisse seiner Nachforschungen, um sie in der Gerichtsverhandlung als unglaubwürdig darzustellen. Es kommt dann, wie es kommen muss, und er bleibt straffrei. Irgendwie verfolgt mich das Kapitel ein bisschen, weil ich mich frage, was ich damit jetzt anfangen soll. Liebe ist hier nirgendwo, okay. Soll ich denken, dass Laura mehr oder weniger Mitschuld an ihrem Schicksal hat? Nein, sicher nicht. Soll mir klar werden, dass es kein perfektes Vergewaltigungsopfer gibt, dass unmoralischen Menschen Dinge zustoßen können, die sie trotzdem nicht verdienen? Dass man jeder Frau glauben muss? Das ist mir irgendwie zu banal, zumal bei dieser Vorgeschichte niemand ihr geglaubt hätte und, was dazu kommt und was die Geschichte für mich einfach schwächt, ist die Tatsache, dass es beinahe scheißegal ist, was die fiktionale Laura alles so erfunden hat, weil so vielen Frauen nicht geglaubt wird und weil in so einem He said, she said-Fall selbst Mutter Theresa schlechte Karten gehabt hätte. Ich stehe also irgendwie ratlos damit da. Irgendwie kommen die Männer in dem Roman übrigens fast alle (bis auf einen verwitweten älteren Herrn, der nur eine kleine Nebenrolle spielt) super schlecht weg. Alles Liebe... eher alles Arschlöcher.
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Ich hatte eine Leseprobe von dieser Geschichte gelesen und diese hatte mich sofort in den Bann gezogen, schon auf den ersten Seiten! Als ich gesehen habe, dass es das Hörbuch gibt, war ich deshalb direkt Feuer und Flamme und wollte unbedingt mehr über Laura und die anderen Frauen in der Geschichte erfahren!
Die Geschichte dreht sich um Laura, diese hat schon als Kind verstanden, wie Mitleid funktioniert. Barbara füllt ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und einem Mann, den es nicht gibt. Heike sitzt seit dreißig Jahren in einem Haus, das ihrer Schwiegermutter gehört, und träumt von einem Garten, den sie nie haben wird. Christina verkleinert mit ihrer Kunst die Welt, weil sie sie sonst nicht aushält.
Der Schreibstil ist so unglaublich toll, dass ich einfach immer weiter hören wollte und wirklich in jeder freien Minute das Hörbuch angemacht habe! Es entwickelt eine richtige Sogwirkung, die einen so schnell nicht los lässt!
Eigentlich meint man, dass das Buch aus alleilei einzelnen Geschichten besteht, in der die eine Person eine andere Person aus einer vorigen Geschichte kennt. Jede Story für sich war auch schon wirklich sehr interessant zu lesen, das Ende des Hörbuch toppt das Buch aber nochmal und macht mich sogar ein wenig sprachlos, da man dann erst merkt, dass das Hörbuch eine Art Kreislauf ist. Absolut spitzenklasse gemacht!
Auch die Sprecherin kann hier absolut punkten, denn sie spricht die Geschichte sehr lebendig und hat eine angenehme Stimme. Ich habe ihr zu jeder Zeit gerne zugehört.
Fazit: Ein wirklich tolles Hörbuch, dass am Ende nochmal richtig zeigt was es kann! Ich kann es jedem nur empfehlen, der einmal in die eher düstere Welt von "Liebe" eintauchen möchte!
Normalerweise kann man seinen Mitmenschen nur vor den Kopf schauen, doch bei "Alles Liebe" von Ronja von Rönne schauen wir hinter die Fassade von fünf unterschiedlichen Menschen. Es sind eher Kurzgeschichten über das Leben jeder einzelnen Person, die am Ende dann doch miteinander verbunden wurden.
Im Mittelpunkt stehen natürlich die Geschichten der einzelnen Charaktere, denn es sind Menschen mit Ecken und Kanten, die ihre ganz eigenen Probleme in ihrem Leben haben und unterschiedliche "Lösungen" hierfür entwickeln. Es sind Geschichten, die nachhallen, denn während sie einerseits erschrecken, schockieren und einen den Kopf schütteln lassen, so sind sie andererseits gar nicht so abwegig und könnten so genau um uns geschehen. Die menschlichen Abgründe, die hier erläutert werden, könnten, nein, sind real. Und vermutlich ist das auch der Grund, warum ich nun, Tage nach Beendigung des Buches, noch darüber nachdenke.
Bevor man zu diesem Buch greift, sollte man sich bewusst machen, dass hier wirklich schwere Themen aufgegriffen werden und ich kann mir deshalb vorstellen, dass das Buch definitiv nicht für jeden geeignet ist!
Trotzdem lässt sich das Buch wirklich gut lesen, es ist kurzweilig und neben all der Schwere und den ernsten, tiefen Themen, gibt es auch immer wieder humorvolle, leichtere Passagen.
Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch super für einen Buchclub geeignet ist, denn ich hatte nach Beendigung des Buches den Wunsch, über die einzelnen Charaktere zu sprechen - über ihre Entscheidungen, Handlungen, Beweggründe... Ich glaube, das Buch bietet eine wirklich gute Basis für intensive Gespräche und ausgiebige Analysen.
Vielen Dank an den dtv Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars über Netgalley.
In „Alles Liebe“ erzählt Ronja von Rönne fünf sehr unkonventionelle Geschichten darüber, was Liebe mit Menschen macht, oder eher was Menschen bewegt um Liebe und Anerkennung zu erfahren. Dabei nimmt sie fünf sehr verschiedene Perspektiven auf die Liebe ein. Wie in der Geschichte von Laura, die Lügen erzählt um Anerkennung und letztendlich Liebe zu bekommen, die Geschichte von Barbara, einer Träumerin, die ihr perfektes Bild von Liebe nur in ihren Tagträumereien wieder findet, oder in den anderen Geschichten, die von Genügsamkeit handeln und wann diese Genügsamkeit kippen kann.
Ich fand das Buch sehr unkonventionell und spannend, weil es weit weg von dem ist was man sich von einem Roman über die Liebe erwartet. Geschichten und Charaktere, bei denen man sich fragt, wie solch ein groteskes Ausmaß der „Liebe“ existieren kann. Es ist schwer sich mit den Geschichten und Figuren zu identifizieren. Im Gegenteil fragt man sich, ob es solche Geschichten auch im echten Leben gibt und wenn ja, was Menschen dazu treibt so zu sein. Manchmal möchte man die Figuren gerne einfach wachrütteln.
So betrachtet war die Erzählperspektive perfekt gewählt. Obwohl man die Perspektive der Hauptfiguren einnimmt, bleibt der Schreib- und Erzählstil relativ neutral und wenig emotional. Die fünf Geschichten sind nur lose miteinander verknüpft. Dadurch behält man als Leser immer eine gewisse Distanz, die ich auch geschätzt habe. Alles andere hätte mich emotional mehr in die Geschichte gezogen und damit auch die Verzweiflung, dass man die Charaktere und die Situation nicht ändern kann.
Insgesamt eine interessante, mal etwas andere Leseerfahrung. Ich würde das Buch weiterempfehlen.
// Vorabexemplar von vorablesen.de zur Verfügung gestellt //
Dieses Buch hat mich hinsichtlich einer Bewertung wahnsinnig ratlos zurückgelassen. Auf der einen Seite hat es sich total flüssig heruntergelesen, Sprache gefeilt fließend, Geschichten ausreichend spannend, vertraut, wohlig. Auf der anderen Seite war genau dieses Gefühl irgendwie sonderbar: Das Buch spielt nicht nur anfangs zu Beginn der 00er Jahre, es liest sich auch wahnsinnig wie ein Buch aus dieser Zeit. Assoziationen an z.B. Kurzgeschichten von Jostein Gaarder haben sich mir aufgedrängt, sowohl stilistisch als auch thematisch, und das ist jetzt keineswegs eine Beleidigung, denn ich habe diese Geschichten damals geliebt, aber es fühlt sich dadurch auch sonderbar "unmodern" an, gerade angesichts der jungen Autorin. Die letzte Geschichte löst zwar auf, warum sie "so weit" in der Vergangenheit ansetzen muss, aber ich habe mich durch das Buch hinweg nach etwas mehr "Modernität" für Sprache und Themen gesehnt. Teilweise blieben die verhandelten Konflikte eher oberflächlich und wurden nur lange auserzählt, hätten aber mit einem Satz zusammengefasst werden können. Und auch da springt jetzt meine innere Kritikerin wieder rein und denkt "ist doch nicht schlimm, es muss ja keineswegs Sinn von Literatur sein, mit jedem Satz etwas neues zu erzählen" - ich war nur irritiert, weil ich nicht glaube, dass die Autorin platte Aussagen wie "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht" treffen wollte. Auch hätte ich die Geschichten vermutlich nicht unter dem Aufhänger der "Liebe" versammelt, aber vielleicht oute ich mich damit auch, dass ich den ganzen Hintergrund des Buches nicht verstanden habe. Insgesamt ein Buch, was mich trotz oder wegen sehr guter Lesbarkeit mit einem zu vertrauten / hab ich schonmal so gelesen - Gefühl zurück lässt, was ich einfach nur ein bisschen schade finde, weil ich Ronja von Rönne durchaus mehr Experimentierfreude und Frische zutraue.
Nach Liebe und Anerkennung sehnen wir uns vermutlich alle. Doch wie viel von uns selbst sind wir bereit aufzugeben, um gesehen zu werden? Und können Anerkennung und Liebe anderer wirklich ersetzen, was wir uns selbst verweigern? Genau diesen Fragen widmet sich - zumindest meiner Interpretation nach - Ronja von Rönne in ihrem Roman "Alles Liebe“.
Vielschichtig verwoben erzählt sie die Lebensgeschichten unterschiedlicher Charaktere, die auf ihre eigene Weise darum ringen, angenommen zu werden. Da ist Laura, die seit ihrer Kindheit versucht, die Wahrnehmung ihrer Mitmenschen zu manipulieren, oder Heike, bei der erst ein Schicksalsschlag den jahrelang angestauten Groll an die Oberfläche bringt. Getragen von Ronja von Rönnes feinfühligem Blick und ihren facettenreichen Charakteren flog ich mühelos von Seite zu Seite - von Schicksal zu Schicksal. Ihr Roman lädt schmerzhaft dazu ein, zu ergründen, wie wir Liebe definieren und ob sie nicht manchmal nur ein Synonym für emotionale Abhängigkeit ist. Ungeschönt setzt sich die Autorin mit den Abgründen menschlicher Beziehungen auseinander.
Fazit: "Alles Liebe“ ist ein tiefgründiges Spiegelbild menschlicher Sehnsüchte Mich hat der Roman so gefesselt, dass ich ihn innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Ein bedrückendes, aber lohnendes Leseerlebnis, das noch lange nachhallen wird und in mir die Frage aufgeworfen hat: Möchte ich die Leinwand für die Erwartungen anderer sein - oder lieber ein eigenes Bild, dessen Farbenreichtum gerade dadurch entsteht, dass ich meine Fähigkeiten und Schwächen miteinander mische, anstatt sie mühsam zu verbergen?
Ronja von Rönne schafft es in „Alles Liebe“ ein ganz negatives Bild in verschiedenen Perspektiven zu transportieren.
Da ist zum Beispiel Luisa, deren Freundin Miriam an Krebs erkrankt ist, immer mehr abbaut und ein Schuljahr verliert, um den Krebs zu bekämpfen. Gleichzeitig merkt Luisa, dass sie, als die Freundin der Krebskranken plötzlich sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommt, wenn sie sich nicht nur ein bisschen um sie kümmert, sondern in der Schule auch als Berichterstatterin fungiert. Diese Aufmerksamkeit scheint ihr zu Kopf zu steigen. Sie scheint insbesondere eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit zu sein, die Mirjam bekommt. Barbara, wiederum ist die Mutter eines krebskranken Kindes, das anders als Mirjam den Krebs nicht überlebt. Sie verzieht sich mehr und mehr in die eigene Welt in ihrem Kopf, zieht sich komplett aus der Außenwelt zurück.
Oder Fedor, erfolgloser Künstler, dessen Frau Christina mit ihrer Kunst, die Fedor verachtet, erfolgreich ist.
Ronja von Rönne zeichnet ein sehr klares und direktes Bild, der Emotionen dieser Menschen, die das, was da gerade um sich herum passiert, ausschließlich auf sich selbst beziehen und sich in den Mittelpunkt zu rücken scheinen.
Klare Leseempfehlung, aber auch Triggerwarnung, ich habe mir sehr oft „ hat sie nicht gemacht!!!“ gedacht… Aber gerade das ist der Charme dieses Buches, das ganz unverblümt die rohen Emotionen der Menschen wiedergibt.
Fünf Kurzgeschichten über fünf Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Allen gemein ist eine etwas andere Sicht auf die Liebe.
Jede Geschichte beleuchtet einen Aspekt, der für mich nicht unbedingt mit Liebe beschrieben werden kann. Für menschliche Abgründe geht es dann doch zu weit, aber irgendwo dazwischen würde ich das Buch einordnen. Klassische Liebesgeschichten mit Happy End sind es auf jeden Fall nicht.
Dafür baut die Autorin geschickt Persönlichkeiten auf, die jeweils ihre ganz eigene, teilweise abstruse Geschichte erzählen. Und trotzdem denkt man bei jeder einzelnen: Das könnte durchaus so passiert sein. Crazy, aber absolut nachvollziehbar.
Anfangs wusste ich noch nicht so richtig, wohin die Reise gehen sollte. Der Titel hatte mich tatsächlich auf eine ganz andere Fährte gelockt. Doch nach und nach verfiel ich dem Sog und habe die Geschichten förmlich eingeatmet.
Jede einzelne lässt einen über einen anderen Aspekt nachdenken: Lügen, Einsamkeit, Wahrnehmung, Liebe ... Und dann ist da noch dieser zunächst unscheinbare rote Faden, der sich durch die Geschichten zieht. Irgendwann wird er einem bewusst und in der letzten Geschichte schließt sich der Kreis auf eine richtig schöne Art.
Ich fand es großartig und hätte noch eine ganze Weile weiterlesen können. Für mich perfekt für den Sommer – gerade weil es mal etwas abseits der üblichen Liebes- und Feelgoodgeschichten ist.
Ich habe noch nie einen Roman von Ronja von Rönne gelesen und die Erfahrung war 🤯 „Alles Liebe“, erschienen bei dtv, ist eine der krassesten Leseerfahrungen des Jahres für mich, im positiven Sinne: Ronja von Rönne erzählt in fünf Kapiteln von fünf Menschen, die mit sich und der Welt hadern. Und wir mit ihnen. Laura hat mich sowohl in der ersten als auch in der letzten Geschichte absolut wahnsinnig gemacht (und in der letzten Geschichte hat mich wahnsinnig gemacht, dass es moralisch verwerflich ist, wie sie mich in ihrer dortigen Rolle IMMER NOCH wahnsinnig macht 🙈), Barbara und ihre tragische Lebensgeschichte haben mich so berührt, Heike hat mir so leid getan, Fedor hätte ich am liebsten an die Wand geklatscht und Mattis, ja Mattis hat einfach mehrfach meinen moralischen Kompass zerquetscht. Und wenn DAS ALLES ein Buch mit mir macht, dann ist es ein sehr gutes Buch. Ronja von Rönne hat so ein Talent, die Abgründe von Menschen zu beschreiben: ihre Figuren sind nicht gefällig, sondern roh und schmerzhaft und gerade deshalb krallen sie sich einem in‘s Herz. Und wie meisterhaft sie in der letzten Geschichte alle losen Fäden wieder aufnimmt und zusammenflicht: es ist unfassbar. Wenn Ihr also einen Roman über Liebe und Lüge lesen wollt, der Euch so richtig herausfordert, ist „Alles Liebe“ eine absolute Empfehlung für Euch!! Ich werde mir auf jeden Fall die anderen Bücher von Ronja von Rönne besorgen 🙌🏼
Ronja von Rönnes neues Buch "Alles Liebe" hat mich wirklich umgehauen. Die 5 kurzen Geschichten sind alle lose miteinander verbunden und alle, wirklich alle, haben mich am Ende der jeweiligen Geschichte sprachlos zurück gelassen. Es geht um Laura, die als junges Mädchen feststellt, wie es sie aufwertet in den Augen der Mitschüler, Lehrer und anderer Eltern, wenn sie Mitleid erweckt und spannende Geschichten erzählen kann. Um Barbara, die sich aus ihrem einsamen und unfassbar traurigen Leben in eine Phantasiewelt flüchtet. Es geht um Heike, die sich mit einer lieblosen Ehe und einer passiv-aggressiven Schwiegermutter herumschlägt. Es geht um Christina, die feststellt, dass Liebe auch einfach aufhören kann. Und es geht um Mattis, der den Bogen wieder zu Laura schlägt, die nun erwachsen ist und nie aufgehört hat, zu lügen und Geschichten zu übertreiben. Die Geschichten sind klar und pointiert geschrieben, die Figuren gut umrissen und plastisch geschrieben. Jede Geschichte, jedes Schicksal trifft beim Lesen direkt ins Herz - und die kunstvolle Verwebung der Kurzgeschichten miteinander macht den Roman wirklich zu einem Meisterwerk. Ich habe Angst bekommen, ich habe gelacht, ich habe mit gefühlt und getrauert und ich habe Gänsehaut bekommt - ein Roman, der mich mitten ins Herz getroffen hat. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Ronja von Rönnes neuer Roman "Alles Liebe" erzählt fünf Geschichten von Menschen, die komplett unterschiedliche Leben führen. Fünf Schicksale, die sich nur an der ein und anderen Stelle überschneiden - aber trotzdem komplett für sich alleine stehen. Da ist Laura, die ihre krebskranke beste Freundin ausnutzt, um beliebt zu werden. Heike, die ihr Leben an der Seite ihres Mannes und dessen Mutter vor sich hin lebt, aber eigentlich nur gesehen werden möchte. Fedor, dessen Liebe zu Christina manchmal gar nicht so einfach von Hass zu unterscheiden ist. In "Alles Liebe" spielt Ronja von Rönne mit Grenzen, testet sie aus, lotet aus, was moralisch vertretbar ist. Der Titel des Buches findet sich in den Geschichten in dem Sinne wieder, dass alle Charaktere aus Liebe oder dem Fehlen von ihr so handeln, wie sie es tun. Es geht um Schmerz, Trauer, Einsamkeit, Familie und Hingabe. Ronja von Rönne zeigt, was Liebe alles sein kann: ein Antrieb, ein Anker, eine Lücke, eine Lüge, eine Gefahr, ein Traum. Ich wusste irgendwie zu Beginn nicht, wie ich mir die Geschichte dieses Buches vorstellen muss, aber die einzelnen kleinen Geschichten haben mich super unterhalten. In jedem Kapitel finden sich auch augenzwinkernde Beobachtungen, die Ronja von Rönne gezielt einsetzt. Eine ganz große Empfehlung für eine snackable Lektüre!
Erzählende Literatur erfindet immer die Wirklichkeit, selbst Autobiografisches kann (und will?) längst nicht 1:1 sicher stellen, dass die Erinnerung sich nicht ins Fiktionale verschiebt.
In "Alles Liebe" begegnen uns nicht nur verschiedene erfundene, allesamt recht trostlose Lebenssituationen, sondern auch Personen, die aktiv Illusionen herstellen, um ihre Wirklichkeit auszuhalten, auszuschmücken - überbordende Fantasie als notwendige Seelenrettung. Diese Menschen sind in Not, teils schlicht aus unermesslicher Einsamkeit, teils auch aus einem übermäßigem Ego heraus. Und die Fantasien verselbständigen sich, schaffen eine kaum mehr kontrollierbare eigene Realität.
Das Cover ist heller und fröhlicher, als das, was hier erzählt wird - und was genau das mit "Liebe" zu tun hat ... erfordert meines Erachtens zumindest den einen oder anderen Gedankenspagat. Vordergründig geht es eher um die vermisste, verpasste, nicht gelebte Liebe und die Sehnsucht nach dem Geliebtwerden. Oder doch "nur" nach Anerkennung und Bewunderung? Eigene Liebesfähigkeit ist den Figuren jedenfalls weitgehend abhanden gekommen. Sie sind eher schlicht auf der Suche nach sich selbst.
Es sind originelle Texte zum Nachdenken, bisweilen etwas sehr konstruiert und dadurch auch manchmal etwas hölzern. Aber anregend - und auch ein bisschen verstörend zuweil - ist dieses Buch.
In "Alles Liebe" erzählt Ronja von Rönne in fünf Geschichten von Menschen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Liebe, Wahrheit und Selbsttäuschung auseinandersetzen.
Die einzelnen Kapitel stehen zunächst für sich, ergeben zusammen aber ein spannendes Gesamtbild, in dem sich die Lebenswege der Figuren kreuzen und das Grundthema immer wieder zum Tragen kommt: Welche Lügen erzählen wir anderen und welche uns selbst? Dabei gelingt es der Autorin, diese ernste Themen in einem leichten Ton zu erzählen.
Die Figuren selbst boten mir zwar nur wenig Identifikationspotenzial, dennoch hatte jede Geschichte ihren eigenen Reiz. Manche wirkten auf mich stimmiger, andere etwas absurder, aber die Vielfalt machte das Lesen abwechslungsreich. Durch den kurzweiligen Schreibstil habe ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen.
Alles in allem ist "Alles Liebe" ein ungewöhnlicher Roman über die Wahrheit, der an manchen Stellen auch wehtut. Nicht jede Geschichte hat mich gleichermaßen überzeugt, aber die gelungenen Verbindungen zwischen den Figuren und die vielen Denkanstöße machen das Buch für mich zu einer klaren Leseempfehlung.
"Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist ein Roman, der in Episoden von verschiedenen Formen von Liebe erzählt. Doch es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Angst, Schmerz, Wertschätzung und dem Wunsch nach Anerkennung und Sichtbarkeit, was immer wieder zu Lügen führt. Laura hat eine beste Freundin, die an Krebs erkrankt, doch denkt sich immer neue Geschichten aus, um interessant zu wirken. Barbara erfindet eine Beziehung zu einem Katalogmodell, Heike lebt jahrzehntelang im Haus ihrer Schwiegermutter und träumt von Gartenprojekten, die sie nie umsetzen darf. Christina ist Künstlerin und verkleinert in ihren Werken die Welt, weil ihr alles zu groß erscheint.
Ich mochte die unterschiedlichen Figuren und die Beschreibung ihrer Leben sowie ihrer Beziehungen - zu sich und zu anderen - sehr gern. Während zu Beginn jede Erzählung für sich steht und jede offen bleibt, findet Ronja von Rönne zum Schluss eine Verbindung zwischen den einzelnen Figuren und spinnt so ein großes Netz aus Liebe, Lügen und (unausgesprochenen) Wahrheiten.
Ein Roman, der mich bewegt hat, in dem viel Identifikationspotential steckt und der zum Nachdenken anregt.
Ganz anders, als ich nach dem Klappentext und der Leseprobe erwartet hatte. Und definitiv auch ganz anders, als andere Bücher, die ich bisher gelesen habe. Ich kannte bisher nur eines der Vorgängerbücher von Ronja von Rönne (Ende in Sicht), welches mir sehr gut gefallen hatte und weshalb ich aufgeschlossen war gegenüber weiterer Lektüre der Autorin. Das aktuelle Buch habe ich schnell und flüssig lesen können. Der Schreibstil ist angenehm und locker zu lesen - wie auch beim letzten Buch der Autorin. Ich habe das aktuelle Buch nach dem Lesen aber erstmal "verdauen" müssen, da die Geschichten darin doch sehr unerwartet und aufwühlend (besonders die letzte) für mich waren. Ich möchte nicht zu sehr spoilern, deshalb nur die kurze Bemerkung: "Hä?" Das war mein Gedanke beim Beenden des Buchs. Der Titel "Alles Liebe" erweckt komplett andere Assoziationen als das, was der Inhalt einem letztendlich bietet. Alles in allem empfand ich das Buch eher als "Schwere Kost" und kann es definitiv nicht als lockere Sommerlektüre empfehlen.
Als ich den Roman begonnen habe, war mir nicht klar, dass darin fünf Kurzgeschichten enthalten sind. Während die ersten beiden noch miteinander verkettet sind und tiefgründig und mit Galgenhumor von einer schweren Krankheit erzählen, konnten mich die anderen Geschichten, die nahezu keine Verbindung miteinander haben, nicht abholen. Dafür waren die Geschichten schlichtweg zu kurz, und es wirkte teilweise aufgesetzt, trashig. Die Figuren hätte ich gerne näher kennengelernt, nicht nur die eine Seite, die die Autorin zeigen will. Ihr scheint es hauptsächlich darum zu gehen, verschiedene Fragen der Moral abzuhandeln. Dennoch bleibt es wichtig, bei diesem flüssigen Schreibstil auch zwischen den Zeilen zu lesen, sonst verpasst man etwas. Für mich hat der Roman wichtige Momente gehabt, jedoch konnte er mich nicht mit den Gedanken gefesselt halten. Insgesamt nette, wortgewandte Unterhaltung mit einer moralischen Perspektive, die auch ihre Anhänger finden wird. Man sollte sich nur zügig auf Kurzgeschichten einlassen können.
Alles Lügen "Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist etwas ganz Besonderes, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe. Der Roman ist in mehrere Kurzgeschichten aufgesplittet, die dabei verschiedene Menschen und deren Schicksale beleuchten. Am Ende spinnen sich die Kurzgeschichten in der letzten Geschichte zusammen, das war ganz wunderbar gemacht von der Autorin. Auf den ersten Blick haben die Geschichten erstmal nicht unbedingt etwas mit Liebe zu tun, das Handeln der Personen lässt sich aber immer durch Liebe erklären. In erster Linie geht es tatsächlich um das Lügen - aus Liebe, wegen der Liebe, für die Liebe, aus Selbstliebe. Weder Laura, Barbara, Heike, Fedor noch Mattis sind hundertprozentig liebenswert - ich habe sie bemitleidet, gehasst, gemocht. Am Ende haben sie aber alle aus Liebe gehandelt - ob das jetzt moralisch richtig oder falsch ist, muss der Leser aber für sich entscheiden ;)