Neben der sogenannten Todeskiefer, einem ehemals als Hinrichtungsstätte genutztem Baum des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge, liegt ein Einzelgrab. Wer ist dort beerdigt? Ein sowjetischer Häftling heißt es, der anderen zur Flucht verholfen und sich dann geweigert habe, sich an ihrer Hinrichtung zu beteiligen. Die SS habe ihn erhängt und direkt neben dem Baum verscharrt. Lange glaubte man seinen Namen zu kennen: Oberst Andrej Iwanowitsch. Doch mal lautete sein Nachnahme Kalmykow, mal Smirnow. In der DDR wurde die Geschichte lange Zeit verbreitet. Pioniere legten Kränze am Grab des Obersts nieder. Teile dieser Erzählung entsprechen wohl nicht der historischen Wahrheit oder entspringen einer Bricolage unterschiedlicher Geschichten. Eine Gruppe von Studierenden, ein Dozent und ein Gedenkstättenleiter haben sich auf die Suche nach den Fragmenten gemacht, die in diese Erzählung Eingang gefunden haben. Sie erzählen hier den Werdegang der Erzählung und erkunden, welche Wahrheit in ihr steckt.
+ interessante und mir neu vorkommende Fragestellung an diese Form der Recherche und Erinnerungsarbeit + umfassende und trotzdem kompakt dargestellte Recherchearbeit + mehrere mir sehr einleuchtende Ideen zur Vermittlung der Erinnerungsarbeit und literaturwissenschaftlichen, bspw. das Glossar der Approximativen Wörter am Ende o auch wenn der Schreibstil über große Teile des Buches zusammenpasst und eine wissenschaftsjournalistische Schreibart annimmt, findet sich doch bei manchen Kapiteln trotz einem effektiven und substanziellen Stil eine erstaunliche Sensibilität im Umgang mit der Thematik und bei anderen Kapiteln... weniger. Die Sensibilität ist trotzdem da und durchzieht das Buch als Ganzes, ist aber nicht in jedem Teil gleich ausgeprägt.