Kathrin Weßlings neues Buch ist eine Sammlung von Stories über die unerträgliche Fragilität der Liebe und des Liebens. »Morgen ist es vorbei«, das sind 14 Geschichten über die Liebe. Über die Sehnsucht, sich im anderen zu verlieren. Und über den Schmerz, verlassen zu werden. Kathrin Weßling erzählt mit großer psychologischer Klarsicht und zugleich mit hoher emotionaler und sprachlicher Kraft von gebrochenen Herzen und von solchen, die andere brechen, von Tränen und vom Kämpfen, vom Hoffen und vom Warten, von Erleichterung und Glück, vom Wahnsinn wilder Herzen eben. Die Protagonisten ihrer Stories wissen: Liebeskummer ist ein Bumerang aus Stacheldraht. Der kommt zurück, egal, wie sehr du schreist und rennst und bebst und kämpfst. Und manchmal ist da diese winzige Ahnung, die dich nicht schlafen lässt: Morgen ist es vielleicht vorbei. Und manchmal ist der einzige Gedanke, der dich durch die langen Nächte in der Stadt rettet: Morgen ist es besser, morgen wird ein besseres Morgen sein, morgen ist es endlich vorbei.
In 14 Kurzgeschichten erzählt die Autorin einfühlsam und ungeschont von Trennungen. Das Realisieren, das Verarbeiten, den erfolglosen Versuch, darüber hinwegzukommen. Obwohl die Thematik in jedem Kapitel ähnlich ist und es sich deshalb manchmal ein bisschen repetitiv anfühlt, schafft sie es, jedem einen eigenen Twist zu geben. Die Erzählstimmen genug zu verändern, dass sich jede Figur und jede Perspektive unterschiedlich anfühlt. Jeder Figur eine eigene Möglichkeit zu geben, mit dem Verlust zurechtzukommen - oder eben nicht. Denn zurechtkommen tun die wenigsten, vielmehr wird schonungslos gezeigt, wie die Figuren von Trennungen und Liebeskummer zerstört werden, sich selbst verlieren, sich in der Welt nicht mehr zurechtfinden und nichts mehr mit sich anzufangen wissen.
Wie das bei Kurzgeschichtensammlungen meistens ist, sprachen mich einige mehr an als andere, aber bei jeder war ich beeindruckt von der Sprachgewalt der Autorin, die es jedes Mal schafft, den Schmerz der Figuren so auf die Seite zu malen, dass es mich als Leserin direkt ins Herz traf. Ich würde gerne schreiben, zurück bleibt die Hoffnung, aber das stimmt nicht. Die Hoffnungslosigkeit der Geschichten wird auf den Leser übertragen und alle wollen sich einreden: Morgen ist es vorbei, dabei wissen sie, dass es nicht stimmt.
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes! Das habe ich schon beim Durchstöbern der Leseprobe erkannt. Jede einzelne Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und durch ihre Intensität und Wortgewalt schlichtweg umgehauen. Kathrin Weßling schreibt sich hier das blutende Herz aus der Brust und bringt Geschichten zu Papier, die das Leben tagtäglich schreibt. Ich bin mir sicher, dass sich jeder Leser in mindestens einer Geschichte wiedererkennen wird. Kathrin Weßlings Sprache ist reich an Metaphern und einzigartig hart und schön. In diesem Buch stecken so viel Wahrheit und intelligente Sätze, das ich mir am liebsten endlos viele Zitate herausgeschrieben hätte.
Alle Stories handeln von der Kehrseite der Liebe, von Einsamkeit, Schmerz, Leid, Sehnsucht oder Verlangen. Happy Ends sucht man hier vergeblich, aber genau das ist es, was den Reiz der Geschichten ausmacht: die schonungslose Ehrlichkeit, erzählt in fast schon beiläufig schlichten Worten, die den Leser dennoch mitten ins Herz treffen. Ich bin sofort in jede einzelne Story hineingetaucht und wurde von den Worten der Autorin eingesaugt und nicht mehr losgelassen.
Damit ich mich auf jede Geschichte einlassen konnte, habe ich mir für das schmale Büchlein sehr viel Zeit genommen. Ich wurde mit einer einzigartigen, wundervollen und ausdrucksstarken Sprache belohnt, die mich sehr neugierig auf das Erstlingswerk von Kathrin Weßling (Drüberleben) gemacht hat. Ich bin mir sicher, dass auch dieses Buch bald bei mir einziehen wird.
Lieblingszitate:
Und noch immer: Schweigen. Ihr Schweigen, das sie dir wie Schmirgelpapier über’s Herz zieht. Ihr Schweigen, das dich zu dem müden Reh macht, das vor den Scheinwerfern ihrer Wortlosigkeit erstarrt ist. (S. 36, „Wilde Wesen“)
Und irgendwann gibst du auf und läufst mit einem Stacheldraht im Herzen herum, macht ja nichts, macht ja überhaupt gar nichts, das geht vorbei. (S. 37, „Wilde Wesen“)
Und wenn man schon seit Tagen, seit Wochen und Monaten hungrig ist, dann kommen einem die kleinen Bonbons, die Menschen wie Tom sind, beinahe ein bisschen vor wie Nahrung. Aber am Ende wird einem bloß schlecht und man ist noch immer hungrig, den Bauch voller Sehnsucht, den Kopf voller Schmerz, weil Zucker bloß gierig macht und nicht ruhig. (S. 124, „Schwimmen“)
Für dieses rundum gelungene Buch, das ganz nach meinem Geschmack ist, vergebe ich fünf Sterne.
Fazit:
Wer melancholische, überraschende Texte mag und sich im Strudel der verschiedensten Emotionen verlieren möchte, die man beim Lesen von „Morgen ist es vorbei“ unweigerlich durchlebt, der sollte dieser Kurzgeschichtensammlung unbedingt eine Chance geben. Für dieses dünne, aber wortgewaltige, ausdrucksstarke Buch solltet ihr viel Zeit einplanen – ihr werdet mit einer unglaublich intensiven Sprache belohnt. Absolute Leseempehlung!
Kathrin Wessling kann schreiben, sie kann mit Worten umgehen. Es gab viele Zeilen, die ich mir gerne markiert hätte, wenn es kein Bibliotheksbuch gewesen wäre. Sie schreibt direkt, trotzig und dennoch mit einer Poesie dahinter. Trotzdem kann ich das Buch nicht besser bewerten, weil
1. zum Teil waren mir die Geschichten einfach zu ähnlich. Natürlich ist das Grundthema Liebeskummer, Verlust, etc., aber irgendwann verschwimmen die Geschichten ineinander und ich kann weder sagen, welche ich am besten mochte, noch was in Geschichte x genau passierte. Ja, es sind Momentaufnahmen, die mir leider nicht im Gedächtnis bleiben.
2. Die vierte Geschichte “Wilde Wesen“. (Vorsicht, Spoiler für das Ende der Kurzgeschichte!)
ein großartiges buch. die ganze traurigkeit und melancholie und wut, die mit einer endenden oder nicht erwiderten liebe verbunden ist, wird in unfassbar schönen und wahren worten ... ja, geradezu gemalt. ich habe geschmunzelt, tränen verdrückt, mich an die eigenen geschichten erinnert und dabei im stillen gehofft, dass es auch ganz anders sein kann. und wird.
Ein Buch, das ich empfehlen kann und genießen konnte. Etwas schwach fand ich die immer wieder kehrenden Bilder - Hafen, Bar nachts zwischen 2 und 4, zu viel Kaffee, zu viel Zigaretten usw. Vllt realitätsnah aber literarisch etwas eintönig. Trotzdem muss ich fünf Sterne geben, weil mich die Geschichten so sehr gefesselt haben. Und "Wilde Wesen" ist mir jetzt noch ein Rätsel.
Geschichten über allein sein, Verlassen werden und das was davor passiert. Nicht lustig, dafür sehr "ehrlich" geschrieben, teils mit guten Chancen Erinnerungen zu triggern.
Liebeskummer hat unendlich viele Gesichter und es ist egal, ob der Kummer selbstverschuldet ist oder nicht. Kathrin Wessling erzählt in ihren Geschichten von Trauer und Wut, Verzweiflung und auch Hoffnung, manchmal wider besseren Wissens. Die meisten Geschichten sind fast schon atemlos erzählt, so als ob man sich den Kummer nicht nur von der Seele reden, sondern förmlich schreien will damit es danach vielleicht ein bisschen leichter wird. Aber wird es das wirklich?
Ein ehrliches Buch darüber, wenn aus etwas Schönem etwas Schreckliches wird.
Tolles Buch, sehr berührend geschrieben. Da verzeihe ich auch inhaltliche Patzer (Jeapardy funktioniert genau umgekehrt, schwarz ist nicht die Summe aller Farben). Und anscheinend hat Sex viel mit Fingern drin zu tun. Da muss ich mal meine Freundinnen befragen.
Macht Bock sich wieder zu verlieben und sich das Herz brechen zu lassen und all die Gefühle zu fühlen, die Hoffnung, das Verlangen oder die Sehnsucht danach geliebt und begehrt zu werden, das Vermissen. Das Buch ist so ehrlich und authentisch und sensibel, ich liebe alles daran
Kurzweilige Kurzgeschichten über das Paarungsverhalten unserer Generation. Erschreckend und beruhigend zugleich - wir sind nicht alleine in diesem Wahnsinn.
Meinung: Bei diesem Buch lasse ich die Inhaltsangabe ausnahmsweise mal weg, mir fällt es immer schwer ein Buch inhaltlich zusammen zu fassen, das "nur" aus Kurzgeschichten besteht, der Klappentext sagt meiner Meinung nach schon ziemlich genau aus was einen hier erwartet.
Generell bin ich jetzt kein großer Fan von Kurzgeschichten, obwohl ich sie zuweilen durchaus mal lesen kann und mag, aber ich bin seit Drüberleben ein großer Fan von Kathrin Weßling und so war für mich klar, dass ich "Morgen ist es vorbei" unbedingt lesen möchte - denn lange genug auf ein neues Buch hab ich ja gewartet. :D
Auch die Thematik der Kurzgeschichten war für mich persönlich sehr interessant, letztendlich hatten die meisten Menschen wohl schon einmal richtigen Liebeskummer und ich fands schon immer faszinierend wie unterschiedlich die Menschen damit umgehen. Die einen überwinden es schnell, die anderen suhlen sich in ihrem Unglück und wissen nicht wie sie daraus kommen sollen und dieses Büchlein erzählt vor allem von den Menschen, die zu letzterem gehören.
Warum ich Kathrin so gerne mag ist schnell erzählt und lässt sich auch in diesem Buch wieder finden; sie ist in dem was sie schreibt unglaublich direkt, wenn es sein muss benutzt sie auch einmal derbe Worte und trotzdem steckt hinter all dem eine gewisse Poesie und dann schafft sie es trotz allem auch zart und verletzlich zu wirken und die Worte die sie wählt sind schön. Sie ist in dem was sie schreibt sehr vielseitig und verknüpft das sehr geschickt miteinander, so dass es alles natürlich wirkt und nicht gezwungen. Zumindest empfinde ich es so - auf jeden Fall sind ihre Bücher allein deswegen schon das Lesen wert. :)
Auch wenn die Geschichten alle eins gemeinsam haben, so sind sie doch sehr unterschiedlich. Nicht nur wegen den unterschiedlichen Erfahrungen, die ihre Protagonisten machen, auch deren Schmerz äußert sich immer anders. Bei Kurzgeschichten ist es natürlich so, dass es immer welche gibt die mehr gefallen, weil das alles subjektive Wahrnehmung ist. Denn auch wenn der Großteil mir gefallen hat, gab es doch mehrere die mich rein inhaltich nicht angesprochen haben. Dennoch haben sie alle die Kraft gehabt mich zu berühren, mich teils runterzuziehen und zurückzuwerfen, in den Schmerz der einmal war. Für mich war es also nicht immer leicht das Buch zu lesen und ich musste auch einmal eine längere Pause einwerfen, aber nur weil dieses Buch die Kraft besitzt seinen Leser mitzureißen, es ist also eher ein für das Buch und kein Kritikpunkt. Bei den Geschichten selbst, gerade bei den kurzen, gibt es immer viel zwischen den Zeilen zu entdecken und manchmal verbirgt sich da der ganze Sinn. Schön fand ich auch, dass Kathrin Weßling ziemlich Klischeefreie Protagonisten entworfen hat, hier und da mag das vielleicht nicht ganz zutreffen, aber im großen und ganzen ist dieses Buch nicht sexistisch oder ähnliches. Eine Sache die mir natürlich gut gefallen hat. :)
Fazit: Das Buch ist unglaublich stark und vermittelt sehr gut, das was es vermitteln will. Es ist kraftvoll und doch spricht es zu Zeiten eher leise vor sich hin und der Schmerzensschrei wird zu einem flüstern, aber dieses flüstern hallt nacht. Mir hats gut gefallen und ich bin wieder vollkommen begeistert von Kathrin Weßling und das obwohl ich kein Fan von Kurzgeschichten bin.
„Ein Hurrikan, der durch das Leben zieht. Der kurz berührt und dann das hinterlässt, was nicht nichts ist.“
In den Geschichten von „Morgen ist es vorbei“ geht es genau darum: um das Nichts, das bleibt, wenn die Liebe zerbricht. Wenn einer geht und den anderen zurück lässt. Gleich der Einstieg geht definitv unter die Haut und ist schmerzlich schön. Stakkatoartige Sätzen, die so rhythmisch aufgebaut sind, dass man sie einfach laut lesen möchte, sie fühlen möchte. Worte werden genutzt, wiederholt, verdreht, bis sich ihr Sinn erneuert, verändert, verkehrt. Es gibt mal männliche, mal weibliche Protagonisten, mal die Beobachter-Perspektive, mal die Anrede in der 2. Person. Es gibt die Briefform, aneinandergereihte Fragen, Abschnitte mit Tagebuch-Charakter.
"Und manchmal ist der einzige Gedanke, der dich durch die langen Nächte in der Stadt rettet: Morgen ist es besser, morgen wird ein besseres Morgen sein, morgen ist es endlich vorbei."
Selten habe ich derart lebensnahe, sensible Texte über die Liebe gelesen, die in einem großartigen Schreibstil niedergeschrieben sind. Wessling kann unheimlich gut beschreiben, Gefühle transportieren, ohne kitschig oder zu emotional zu werden. Jeder Satz scheint gut durchdacht zu sein, was aber nie bemüht oder künstlich wirkt, sondern im Gegenteil: wahnsinnig echt und lebensnah.
Fast jeder Satz tut weh, aber das ist ein Kompliment.
Es handelt sich bei diesem Buch um eine Sammlung von Kurzgeschichten der Autorin, die das Thema Liebeskummer ins Zentrum stellen.
Die Bewertung finde ich nicht ganz einfach. Auf der einen Seite steht die wunderschöne Sprache, mit der so unglaublich treffend dieses Gefühl beschrieben wird, das wohl jeder von uns kennt. Immer wieder schoss mir beim Lesen „Ja! Das trifft es, genau so fühlt Liebeskummer sich an!“ durch den Kopf, die Metaphern und Bilder, die vermittelten Gefühle und die Art, wie die Charaktere versuchen, mit ihrem Verlust umzugehen – das alles fand ich sehr, sehr gelungen. Auf der anderen Seite ähneln sich die meisten der „Geschichten“ stark. Bis auf wenige Ausnahmen bestehen sie eher aus Gedanken und ein paar Momentaufnahmen, nicht aus Geschichten im eigentlichen Sinne. Eine erkennbare Handlung gibt es selten. Auch die Charaktere begannen für mein Empfinden bald, irgendwie ineinander zu fließen, da der Schreibstil meist sehr ähnlich blieb. Dadurch wurde das, was mir in einer einzelnen Geschichte so gut gefallen hat, gestreckt über ein ganzes Buch irgendwann zunehmend eintönig und langweilig.
Daher gebe ich dem Buch letztlich nur 3 Sterne (es gibt diverse Stellen darin, die für sich allein genommen deutlich mehr verdient hätten!), würde es aber definitiv weiterempfehlen.
The writing was really gorgeous, there was a certain honesty within it that completely dismantled you and it made really look forward to the author's other works. Sometimes, especially with the stories in the middle, there was a certain disconnect because it almost seemed like they blurred together and didn't really stood on their own, both with the writing and the characterisation, yet there were also some incredibly powerful once, with my favorites being:
-Immer noch ja -Schwimmen -Wir kämpfen, wir kentern doch