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Wirf einen Schatten
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den sechziger Jahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie – sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.
304 pages, Hardcover
Published July 22, 2026
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Displaying 1 - 30 of 56 reviews
August 3, 2026
Als ihn seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn Hals über Kopf verlässt, scheint für den Kleinbauern Joseph das Leben zu Ende zu sein. Seine Grübelei wird jedoch unterbrochen, als die noch sehr junge „Birdie“ vor der Tür steht, mit hohem Fieber und offensichtlich auf der Flucht. Für einen Mann mit konventionellem Rollenbild, der sich bisher hauptsächlich um Haus und Hof gekümmert hat, versorgt Joseph die kranke junge Frau überraschend souverän. Er grübelt jedoch weiter über die Trennung von Lis, sowie das Sterben seiner Eltern und seines älteren Bruders, das ihn bereits mit Anfang 20 in die Rolle des Hofinhabers zwang. Da Birdie zur Zeit der Handlung mit 20 noch nicht volljährig war und inzwischen gesucht wird, eskalieren schon bald die Dinge auf dem Hof.
Elena Fischers Stil gefällt mir ausgesprochen gut, mit dem sie in einem Satz eine ganze Szene darstellen kann. Das Dorf liegt deutlich in einer bergigen Gegend in Süddeutschland, in der die Kirchen Zwiebeltürme haben und der Abdecker Wasenmeister genannt wird. Nicht gefallen hat mir dagegen, dass die 1987 geborene Autorin für die Zeit der Handlung 1958-1964 unglaubwürdige Verhältnisse in der Landwirtschaft darstellt und ihren Figuren zu moderne Einstellungen in den Mund legt. Die für die 1960er unpassenden Einstellungen reichen von der Haltung einer gelernten Krankenschwester zur Klinikgeburt, über lesbische Schwärmereien in der katholischen Provinz, einen Gesellenbrief im Bauhauptgewerbe, der in den 1960ern so in Deutschland unmöglich war (stammte Edda aus der DDR oder Österreich?) bis zu Josephs altertümlicher Arbeitsweise mitten in der Strukturkrise der Landwirtschaft. Mit drei Arten von Nutztieren (ohne Spezialisierung und Rationalisierung), Melken von Hand und Tränken seiner Tiere mit Wasser aus der Regentonne wäre Joseph längst bankrott gewesen und hätte seinen Hof im Nebenerwerb führen müssen.
Fazit
Elena Fischers Sprache, ein komplizierter Zeitverlauf des Romans in unterschiedlichem Tempo der Zeitstränge und ihre Figuren haben mich gut unterhalten, in der mir vorliegenden unkorrigierten Version hätte der Roman jedoch ein sorgfältigeres Lektorat verdient.
Elena Fischers Stil gefällt mir ausgesprochen gut, mit dem sie in einem Satz eine ganze Szene darstellen kann. Das Dorf liegt deutlich in einer bergigen Gegend in Süddeutschland, in der die Kirchen Zwiebeltürme haben und der Abdecker Wasenmeister genannt wird. Nicht gefallen hat mir dagegen, dass die 1987 geborene Autorin für die Zeit der Handlung 1958-1964 unglaubwürdige Verhältnisse in der Landwirtschaft darstellt und ihren Figuren zu moderne Einstellungen in den Mund legt. Die für die 1960er unpassenden Einstellungen reichen von der Haltung einer gelernten Krankenschwester zur Klinikgeburt, über lesbische Schwärmereien in der katholischen Provinz, einen Gesellenbrief im Bauhauptgewerbe, der in den 1960ern so in Deutschland unmöglich war (stammte Edda aus der DDR oder Österreich?) bis zu Josephs altertümlicher Arbeitsweise mitten in der Strukturkrise der Landwirtschaft. Mit drei Arten von Nutztieren (ohne Spezialisierung und Rationalisierung), Melken von Hand und Tränken seiner Tiere mit Wasser aus der Regentonne wäre Joseph längst bankrott gewesen und hätte seinen Hof im Nebenerwerb führen müssen.
Fazit
Elena Fischers Sprache, ein komplizierter Zeitverlauf des Romans in unterschiedlichem Tempo der Zeitstränge und ihre Figuren haben mich gut unterhalten, in der mir vorliegenden unkorrigierten Version hätte der Roman jedoch ein sorgfältigeres Lektorat verdient.
June 26, 2026
Mir tut es ja immer irgendwie weh, wenn ich Autor*innen, die ich äußerst sympathisch finde und deren andere Bücher ich wirklich gerne gelesen habe, eine schlechte Bewertung geben muss. So ist es jetzt auch bei Elena Fischer. Ihr Debüt Paradise Garden hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich war so gespannt auf Wirf einen Schatten, ihren zweiten Roman. Als ich dann zu lesen anfing, war mir dann leider schnell klar, dass es diesmal anders sein würde.
Natürlich fällt es mir leichter, mich in ein junges Mädchen in der heutigen Zeit hineinzuversetzen, als in einen von seiner Frau verlassenen Bauern in den Sechzigerjahren. Doch das allein war nicht das Problem. Mir war an der Geschichte einfach vieles zu konstruiert, die Zufälle waren mir zu groß. So klopft es genau in dem Moment an die Tür, als Joseph sich erschießen möchte. Dann ist da Birdie, auf der Flucht vor ihrer Familie, die einfach so über Nacht im Haus eines wildfremden Mannes bleibt, ohne irgendwelche Ängste. Und dann ist da noch die Geschichte mit Ada, Josephs Schwägerin. Das war für mich alles ein bisschen zu viel und zu unglaubwürdig.
Zwischen den Kapiteln, die aus Josephs Perspektive erzählt werden, werden die Ereignisse aus der Vergangenheit antichronologisch erzählt. Das fand ich wiederum recht gelungen und es verlieh dem Roman etwas eigenes. Insgesamt war das Buch meiner Meinung nach lediglich durchschnittlich, etwas, das man liest, danach jedoch schnell wieder vergisst.
Natürlich fällt es mir leichter, mich in ein junges Mädchen in der heutigen Zeit hineinzuversetzen, als in einen von seiner Frau verlassenen Bauern in den Sechzigerjahren. Doch das allein war nicht das Problem. Mir war an der Geschichte einfach vieles zu konstruiert, die Zufälle waren mir zu groß. So klopft es genau in dem Moment an die Tür, als Joseph sich erschießen möchte. Dann ist da Birdie, auf der Flucht vor ihrer Familie, die einfach so über Nacht im Haus eines wildfremden Mannes bleibt, ohne irgendwelche Ängste. Und dann ist da noch die Geschichte mit Ada, Josephs Schwägerin. Das war für mich alles ein bisschen zu viel und zu unglaubwürdig.
Zwischen den Kapiteln, die aus Josephs Perspektive erzählt werden, werden die Ereignisse aus der Vergangenheit antichronologisch erzählt. Das fand ich wiederum recht gelungen und es verlieh dem Roman etwas eigenes. Insgesamt war das Buch meiner Meinung nach lediglich durchschnittlich, etwas, das man liest, danach jedoch schnell wieder vergisst.
September 23, 2026
3.5 Sterne. Angenehm zu lesen
August 13, 2026
Nach Paradise Garden, das für mich ein absolutes 5-Sterne-Buch war, waren meine Erwartungen an Elena Fischers neuen Roman natürlich hoch. Wirf einen Schatten hat mich ebenfalls überzeugt!
Die Geschichte beginnt mit einer sehr schweren Ausgangssituation: Joseph steht kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Suizidalität ist für mich ein Triggerpunkt, weshalb mir der Einstieg nicht leichtgefallen ist. Doch dann klingelt es an seiner Tür und eine junge Frau steht völlig hilflos und fiebrig vor ihm: Birdie.
Joseph, der nach dem Weggang seiner Frau Lis und ihres gemeinsamen Sohnes Samuel allein auf dem Hof zurückgeblieben ist, liebt sein stilles Leben auf dem Land und die Natur. Lis dagegen ist ein Stadtkind. Beide haben geheiratet, bevor ihnen wirklich bewusst war, wie unterschiedlich ihre Vorstellungen vom Leben sind. Ihre Geschichte zeigt sehr eindrücklich, dass Liebe allein manchmal nicht ausreicht, wenn zwei Menschen völlig unterschiedliche Lebensentwürfe haben.
Birdie bringt schließlich Bewegung in Josephs Leben. Seine liebevoll schroffe Art und sein Drang, ihr zu helfen, haben mir sehr gut gefallen. Was sie auf den Hof geführt hat und wovor sie geflohen ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten – das sollte man selbst entdecken.
Besonders schön fand ich Elena Fischers Sprache. Sie schreibt sehr bildreich und abwechslungsreich und schafft dabei einen wunderbaren Kontrast zwischen dem wortkargen Joseph und der offenen, lebensfrohen Birdie.
Ganz besonders mochte ich die leise, heimliche Anziehung zwischen Joseph und seiner Schwägerin Ada. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab und wird nicht ausgesprochen. Genau das liebe ich an Geschichten: wenn nicht alles erklärt wird und Raum für eigene Gedanken und Interpretationen bleibt.
Wirf einen Schatten ist eine berührende Geschichte über Einsamkeit, unterschiedliche Lebensentwürfe, Verlust und die unerwarteten Menschen, die manchmal genau im richtigen Moment in unser Leben treten.
Die Geschichte beginnt mit einer sehr schweren Ausgangssituation: Joseph steht kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Suizidalität ist für mich ein Triggerpunkt, weshalb mir der Einstieg nicht leichtgefallen ist. Doch dann klingelt es an seiner Tür und eine junge Frau steht völlig hilflos und fiebrig vor ihm: Birdie.
Joseph, der nach dem Weggang seiner Frau Lis und ihres gemeinsamen Sohnes Samuel allein auf dem Hof zurückgeblieben ist, liebt sein stilles Leben auf dem Land und die Natur. Lis dagegen ist ein Stadtkind. Beide haben geheiratet, bevor ihnen wirklich bewusst war, wie unterschiedlich ihre Vorstellungen vom Leben sind. Ihre Geschichte zeigt sehr eindrücklich, dass Liebe allein manchmal nicht ausreicht, wenn zwei Menschen völlig unterschiedliche Lebensentwürfe haben.
Birdie bringt schließlich Bewegung in Josephs Leben. Seine liebevoll schroffe Art und sein Drang, ihr zu helfen, haben mir sehr gut gefallen. Was sie auf den Hof geführt hat und wovor sie geflohen ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten – das sollte man selbst entdecken.
Besonders schön fand ich Elena Fischers Sprache. Sie schreibt sehr bildreich und abwechslungsreich und schafft dabei einen wunderbaren Kontrast zwischen dem wortkargen Joseph und der offenen, lebensfrohen Birdie.
Ganz besonders mochte ich die leise, heimliche Anziehung zwischen Joseph und seiner Schwägerin Ada. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab und wird nicht ausgesprochen. Genau das liebe ich an Geschichten: wenn nicht alles erklärt wird und Raum für eigene Gedanken und Interpretationen bleibt.
Wirf einen Schatten ist eine berührende Geschichte über Einsamkeit, unterschiedliche Lebensentwürfe, Verlust und die unerwarteten Menschen, die manchmal genau im richtigen Moment in unser Leben treten.
July 29, 2026
Heimatroman mit Bauernhofromantik. Leider total altbacken.
July 23, 2026
Das Buch unterscheidet sich sehr vom ersten Buch, dass Elena Fischer geschrieben hat und trotzdem haben sie eins gemeinsam: es sind mitreißende Geschichten, am liebsten hätte ich ohne Pause gelesen.
August 21, 2026
Tolle Schreibweise. Schöne Geschichte. Die so langsam ist und trotzdem so aufregend und mitreißend.
June 20, 2026
"Es war geisterhaft still.Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen."
"Seit fast sechs Monaten hatte er nichts von Lis gehört. Auf dem Land waren sechs Monate ein halber Zyklus Leben. Mehr als eine Jahreszeit, genug, um über Gedeih und Verderb eines Hofes zu entscheiden. Hier, in den Bergen, in den Dörfern, auf den Höfen, konnte man sich keine Fehler leisten. Der größte Fehler war, nicht mit der Natur zu arbeiten. Wie lange war ein halbes Jahr in der Stadt? Er wusste es nicht. Vielleicht lange genug, um sich an ein neues Leben zu gewöhnen, das im Grunde ja nur das alte war."
"Wie maß man Mut? In der Anzahl der Zweifel, die einem auf dem Weg kamen, den man doch beharrlich weiterging?"
"Wenn andere sich wiedersahen, erzählten sie einander, was sie in der Zwischenzeit erlebt hatten; sie beide hingegen erzählten einander, was sie geträumt hatten. So war es einfacher. Vielleicht."
"Lesen kann die Nacht in uns vertreiben."
"Ihr Lachen hatte ein Unbehagen in ihm ausgelöst, auf das er nicht den Finger legen konnte."
"Beim Essen oder beim Gehen war es leichter, über Unangenehmes zu sprechen. Vielleicht lag es daran, dass der Körper etwas zu tun hatte."
"«Joseph sah in den Himmel, dachte nach. So, wie es beinahe unmöglich war, Gefühle in Worte zu fassen, war es beinahe unmöglich, einen Traum in Worte zu fassen. Es war immer bloß eine Annäherung."
"Alles, was offen war zwischen ihnen, offen und leicht, ist nun geschlossen."
"Er denkt: Wann kennen wir jemanden? Wenn wir seit zwanzig Jahren Bett und Tisch mit ihm teilen? Wenn wir wissen, auf welche Art jemand gerne ein Ei isst?"
"Manchmal, wurde ihm stattdessen klar, weiß man erst in dem Moment, in dem man etwas ausgesprochen hat, dass es das Richtige ist, auch, wenn man noch nicht genau weiß, wie es weitergeht."
"Seit fast sechs Monaten hatte er nichts von Lis gehört. Auf dem Land waren sechs Monate ein halber Zyklus Leben. Mehr als eine Jahreszeit, genug, um über Gedeih und Verderb eines Hofes zu entscheiden. Hier, in den Bergen, in den Dörfern, auf den Höfen, konnte man sich keine Fehler leisten. Der größte Fehler war, nicht mit der Natur zu arbeiten. Wie lange war ein halbes Jahr in der Stadt? Er wusste es nicht. Vielleicht lange genug, um sich an ein neues Leben zu gewöhnen, das im Grunde ja nur das alte war."
"Wie maß man Mut? In der Anzahl der Zweifel, die einem auf dem Weg kamen, den man doch beharrlich weiterging?"
"Wenn andere sich wiedersahen, erzählten sie einander, was sie in der Zwischenzeit erlebt hatten; sie beide hingegen erzählten einander, was sie geträumt hatten. So war es einfacher. Vielleicht."
"Lesen kann die Nacht in uns vertreiben."
"Ihr Lachen hatte ein Unbehagen in ihm ausgelöst, auf das er nicht den Finger legen konnte."
"Beim Essen oder beim Gehen war es leichter, über Unangenehmes zu sprechen. Vielleicht lag es daran, dass der Körper etwas zu tun hatte."
"«Joseph sah in den Himmel, dachte nach. So, wie es beinahe unmöglich war, Gefühle in Worte zu fassen, war es beinahe unmöglich, einen Traum in Worte zu fassen. Es war immer bloß eine Annäherung."
"Alles, was offen war zwischen ihnen, offen und leicht, ist nun geschlossen."
"Er denkt: Wann kennen wir jemanden? Wenn wir seit zwanzig Jahren Bett und Tisch mit ihm teilen? Wenn wir wissen, auf welche Art jemand gerne ein Ei isst?"
"Manchmal, wurde ihm stattdessen klar, weiß man erst in dem Moment, in dem man etwas ausgesprochen hat, dass es das Richtige ist, auch, wenn man noch nicht genau weiß, wie es weitergeht."
August 13, 2026
Diese Frau kann schreiben, meine Güte. 🤌
August 22, 2026
Meine Meinung
Eine Geschichte, die die Seele erreicht.
Vor ein paar Jahren habe ich eine Geschichte gelesen, an die ich mich gerne erinnere. Sie handelt von einer einsamen Bäuerin, die einem jungen Mädchen Obdach gewährt. Das Mädchen hilft ihr dafür bei sämtlichen Arbeiten.
Nun durfte ich "Wirf einen Schatten" lesen. Die Geschichte ist ähnlich und doch anders. Sie konnte mich genauso begeistern.
Joseph lebt einsam auf seinem Hof. Seine Frau Lis hat ihn verlassen und den gemeinsamen 4-jährigen Sohn Samuel mitgenommen. Er will seinem Leben ein Ende setzen; wird aber von der 20-jährigen Birdie daran gehindert. Die steht schwer erkrankt vor seiner Tür und braucht dringend Hilfe. Zu ihrer Familie hat sie den Kontakt abgebrochen. Joseph hilft Birdie und rettet ihr damit das Leben. Was Birdie nicht weiß: Sie hat Josephs Leben gerettet.
Die Autorin konnte mich von Anfang an in das Geschehen hineinziehen. Die Authentizität der Figuren überzeugt und auch die Handlung könnte sich im realen Leben genauso zugetragen haben. Das Setting spiegelt das Leben auf einem Hof wider. Ich habe die Schafe 🐑 blöken gehört und das Muh der Kühe hat mir Landfeeling pur beschert. Joseph pflegt ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Tieren. Er bringt jedem Lebewesen – egal ob Tier oder Mensch – Wertschätzung entgegen.
Joseph ist ein sehr sensibler Mann, der ein schweres Päckchen aus seiner Vergangenheit zu tragen hat. Er kann seinem Sohn die Liebe nicht zeigen, die er für ihn empfindet. Nach der Trennung von Lis kommt eine Entfremdung dazu. Mit dem Bau eines Baumhauses möchte er seinem Sohn ein Stück näherkommen.
Da Samuel sich ein paar Tage zuvor im Wald verlaufen hatte, zeigt er sich verängstigt. Aber genau diese Tragödie hat Vater und Sohn eine tiefe Verbundenheit spüren lassen.
In den 60er-Jahren war die Trennung von einem Ehepartner ein Skandal. Bei Joseph und Lis hat es aber nicht so dramatisch auf mich gewirkt. Die persönlichen Gefühle waren natürlich schwer verletzt. Aber die Menschen in ihrem Umfeld schienen nicht zu werten. In meiner Erinnerung war das zu dieser Zeit sehr schwer; vor allem für eine Frau, die ihren Mann verlassen hat.
Der Schreibstil kommt stellenweise poetisch und dann wieder humorvoll daher.
>>Ihr schlechtes Gewissen Gott und den Eltern gegenüber kam und ging. Es verließ sie im selben Moment, in dem der Sohn des Fleischers seine Hände unter ihre Bluse steckte, und kam in dem Moment zurück, als er sich die Hose zuknöpfte. << Zitat aus dem Buch. Gedanken von Birdie.
Der Roman erzählt von Menschen, die (wieder) zueinander finden. Von Joseph, der lernen muss, Gefühle zu zeigen und zuzulassen. Der lernen muss, Klartext zu reden. Der verstehen lernen muss, dass das Ende einer Liebe ein neuer Anfang zu einer alten Liebe sein kann. Der unbedingt einen Schatten werfen muss. Ich weiß, ich erzähle in Rätseln. Ich beneide alle, die die Antworten darauf noch nicht bekommen haben. Eine wunderbare Geschichte wartet auf Euch.
Von mir eine klare Empfehlung. Herzlichen Dank, Elena Fischer.
Eine Geschichte, die die Seele erreicht.
Vor ein paar Jahren habe ich eine Geschichte gelesen, an die ich mich gerne erinnere. Sie handelt von einer einsamen Bäuerin, die einem jungen Mädchen Obdach gewährt. Das Mädchen hilft ihr dafür bei sämtlichen Arbeiten.
Nun durfte ich "Wirf einen Schatten" lesen. Die Geschichte ist ähnlich und doch anders. Sie konnte mich genauso begeistern.
Joseph lebt einsam auf seinem Hof. Seine Frau Lis hat ihn verlassen und den gemeinsamen 4-jährigen Sohn Samuel mitgenommen. Er will seinem Leben ein Ende setzen; wird aber von der 20-jährigen Birdie daran gehindert. Die steht schwer erkrankt vor seiner Tür und braucht dringend Hilfe. Zu ihrer Familie hat sie den Kontakt abgebrochen. Joseph hilft Birdie und rettet ihr damit das Leben. Was Birdie nicht weiß: Sie hat Josephs Leben gerettet.
Die Autorin konnte mich von Anfang an in das Geschehen hineinziehen. Die Authentizität der Figuren überzeugt und auch die Handlung könnte sich im realen Leben genauso zugetragen haben. Das Setting spiegelt das Leben auf einem Hof wider. Ich habe die Schafe 🐑 blöken gehört und das Muh der Kühe hat mir Landfeeling pur beschert. Joseph pflegt ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Tieren. Er bringt jedem Lebewesen – egal ob Tier oder Mensch – Wertschätzung entgegen.
Joseph ist ein sehr sensibler Mann, der ein schweres Päckchen aus seiner Vergangenheit zu tragen hat. Er kann seinem Sohn die Liebe nicht zeigen, die er für ihn empfindet. Nach der Trennung von Lis kommt eine Entfremdung dazu. Mit dem Bau eines Baumhauses möchte er seinem Sohn ein Stück näherkommen.
Da Samuel sich ein paar Tage zuvor im Wald verlaufen hatte, zeigt er sich verängstigt. Aber genau diese Tragödie hat Vater und Sohn eine tiefe Verbundenheit spüren lassen.
In den 60er-Jahren war die Trennung von einem Ehepartner ein Skandal. Bei Joseph und Lis hat es aber nicht so dramatisch auf mich gewirkt. Die persönlichen Gefühle waren natürlich schwer verletzt. Aber die Menschen in ihrem Umfeld schienen nicht zu werten. In meiner Erinnerung war das zu dieser Zeit sehr schwer; vor allem für eine Frau, die ihren Mann verlassen hat.
Der Schreibstil kommt stellenweise poetisch und dann wieder humorvoll daher.
>>Ihr schlechtes Gewissen Gott und den Eltern gegenüber kam und ging. Es verließ sie im selben Moment, in dem der Sohn des Fleischers seine Hände unter ihre Bluse steckte, und kam in dem Moment zurück, als er sich die Hose zuknöpfte. << Zitat aus dem Buch. Gedanken von Birdie.
Der Roman erzählt von Menschen, die (wieder) zueinander finden. Von Joseph, der lernen muss, Gefühle zu zeigen und zuzulassen. Der lernen muss, Klartext zu reden. Der verstehen lernen muss, dass das Ende einer Liebe ein neuer Anfang zu einer alten Liebe sein kann. Der unbedingt einen Schatten werfen muss. Ich weiß, ich erzähle in Rätseln. Ich beneide alle, die die Antworten darauf noch nicht bekommen haben. Eine wunderbare Geschichte wartet auf Euch.
Von mir eine klare Empfehlung. Herzlichen Dank, Elena Fischer.
August 12, 2026
Eine einfache, fast alltägliche Geschichte über "normale" Menschen, aber mit Tiefgang und eindringlich und eindrucksvoll erzählt - einfach toll. Elena Fischer gelingt es, uns die Innenwelten ihrer Figuren und deren Entwicklung wunderbar in kurzen Dialogen und Handlungen zu zeigen. So scheint das Allgemeinmenschliche im Alltäglichen auf.
August 30, 2026
Traurig und schön zugleich:)
September 6, 2026
Bauer Joseph kann nicht mehr. Nachdem ihn seine Frau Lis vor einigen Monaten samt dem gemeinsamen Sohn Samuel verlassen hat, sieht er keinen Grund mehr weiterzuleben. Am Weihnachtsabend des Jahres 1963 beschließt er also, seinem Leben ein Ende zu setzen. Just als er seinen Plan in die Tat umsetzen will, steht plötzlich die junge Birdie vor seiner Tür, schwerkrank benötigt sie dringend seine Hilfe. Mit Widerwillen hilft er ihr, doch je mehr Tage sie miteinander verbringen, desto mehr Lebensgeister werden in Joseph wieder geweckt.
Elena Fischer erzählt mit "Wirf einen Schatten" eine einfühlsame Geschichte über das Leben in der Peripherie, das für die einen stimmig scheint und für die anderen zum Gefängnis wird. Es geht darum, wie bedrückend Konventionen sein können, wie belastbar Nichtgesagtes ist und wie nur ein Mensch das eigene Leben schlagartig verändern kann. Besonders hervorzuheben ist die geglückte Erzählperspektive. Einerseits wird in der erzählenden Gegenwart (1963/64) chronologisch die Beziehung von Joseph, Birdie sowie Josephs Schwägerin Ada erzählt, zu der er eine ganz besondere Verbindung hat. Ein weiterer Erzählstrang wird rückwärts geschildert, nämlich jener von Joseph, seiner Frau Lis und ihrem Sohn Samuel (und auch Ada). Nichts an den entgegenlaufenden Zeitstrahlen ist verwirrend, sondern alles überaus stimmig und einfach gut gelungen. Außerdem ist die Sprache der Autorin ein besonderer Genuss - sie erzählt beinahe schon in poetischem Stil, in einer Leichtigkeit, die etwas von der Schwere der damaligen Zeit nimmt, ihr etwas märchenhaftes verleiht. Die Sprache ist so eingänglich, dass bei mir sofort ein Film mit starken Bildern im Kopf entstanden ist, den ich nicht so schnell vergessen werde. Besonders die Landschaftsbeschreibungen, vom Wald, vom Schnee, vom Bauernhof, von den Tieren haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, ebenso wie die eindrücklichen Charakterbeschreibungen der einzelnen Figuren, in die man sich sehr gut hineinfühlen kann. Vor allem Josephs Figur ist gut gelungen, er ist gezeichnet von einer schweren Kindheit, in der er immer nur der schwache Bruder war und unter dem herrischen Vater und der verzweifelten Mutter litt. Seine Emotionalität und Empathiefähigkeit sind für eine Männerfigur eine Wohltat, was mich aber auch gleich zu den Negativpunkten meiner Rezension führt.
Trotzdem ich von dem eben geschilderten sehr begeistert bin, gibt es für mich in diesem Buch aber leider ein wesentliches Manko, nämlich die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen fantastische Geschichten. Wählt jedoch eine Autorin bewusst ein zeithistorisches Setting, sollte dieses für meinen Geschmack auch glaubwürdig und gut recherchiert dargestellt werden. Auch wenn wir nicht genau wissen, in welchem Gebiet das Buch spielt - ich gehe von einem ländlichen Raum in Deutschland aus - sollten die zeitgenössischen Gegebenheiten doch auch einigermaßen stimmen. Das fängt bei den Namen an. So nennt sich Tilda etwa Birdie, was eher an eine Hippiebezeichnung (der sehr späten 60er/1970er) erinnert, als ein selbstgewählter Spitzname der frühen 1960er Jahre. Auch dass sich eine Elisabeth "Lis" genannt hat, ist außergewöhnlich, ebenso der Name "Ada". Dann ist auch ein Telefonanschluss im Roman sehr üblich - ein Telefonvollanschluss speziell im ländlichen Raum war aber in den 1960ern kaum vorhanden, noch weniger ein vorkommender Anrufbeantworter. Besonders Birdie ist eine Rebellin und ihrer Zeit weit voraus, wenn sie Themen wie Care-Arbeit oder die klassische Rollenverteilung kritisiert. Völlig unglaubwürdig ist dann Josephs Haltung zur Homosexualität, ist ihm diese doch völlig gleichgültig. Selbst wenn der Roman in der Gegenwart angesetzt wäre, wäre dies schon eine ungewöhnliche Haltung für einen Bauern in der Peripherie mit höchst konservativen Umfeld, aber im Setting der frühen 1960er-Jahre? Nö. Es ist zwar nachvollziehbar, warum die Zeit gewählt wurde, etwa, weil Mann eine Frau heiraten musste, nachdem er sie geschwängert hat und eine Trennung oder gar Scheidung höchstverpönt war. Aber wenn schon historisch, dann bitte doch plausibel.
Mein Fazit: "Wirf einen Schatten" ist ein wunderbar erzählte Familiengeschichte mit tollen, bildgewaltigen Charakter- und Landschaftsbeschreibungen, die leider durch historische Unglaubwürdigkeiten abgeschwächt wird. Schade, aber wem diese historischen Fehlgriffe nicht stören, kommt hier auf einen hohen Grad des Lesegenusses.
Elena Fischer erzählt mit "Wirf einen Schatten" eine einfühlsame Geschichte über das Leben in der Peripherie, das für die einen stimmig scheint und für die anderen zum Gefängnis wird. Es geht darum, wie bedrückend Konventionen sein können, wie belastbar Nichtgesagtes ist und wie nur ein Mensch das eigene Leben schlagartig verändern kann. Besonders hervorzuheben ist die geglückte Erzählperspektive. Einerseits wird in der erzählenden Gegenwart (1963/64) chronologisch die Beziehung von Joseph, Birdie sowie Josephs Schwägerin Ada erzählt, zu der er eine ganz besondere Verbindung hat. Ein weiterer Erzählstrang wird rückwärts geschildert, nämlich jener von Joseph, seiner Frau Lis und ihrem Sohn Samuel (und auch Ada). Nichts an den entgegenlaufenden Zeitstrahlen ist verwirrend, sondern alles überaus stimmig und einfach gut gelungen. Außerdem ist die Sprache der Autorin ein besonderer Genuss - sie erzählt beinahe schon in poetischem Stil, in einer Leichtigkeit, die etwas von der Schwere der damaligen Zeit nimmt, ihr etwas märchenhaftes verleiht. Die Sprache ist so eingänglich, dass bei mir sofort ein Film mit starken Bildern im Kopf entstanden ist, den ich nicht so schnell vergessen werde. Besonders die Landschaftsbeschreibungen, vom Wald, vom Schnee, vom Bauernhof, von den Tieren haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, ebenso wie die eindrücklichen Charakterbeschreibungen der einzelnen Figuren, in die man sich sehr gut hineinfühlen kann. Vor allem Josephs Figur ist gut gelungen, er ist gezeichnet von einer schweren Kindheit, in der er immer nur der schwache Bruder war und unter dem herrischen Vater und der verzweifelten Mutter litt. Seine Emotionalität und Empathiefähigkeit sind für eine Männerfigur eine Wohltat, was mich aber auch gleich zu den Negativpunkten meiner Rezension führt.
Trotzdem ich von dem eben geschilderten sehr begeistert bin, gibt es für mich in diesem Buch aber leider ein wesentliches Manko, nämlich die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen fantastische Geschichten. Wählt jedoch eine Autorin bewusst ein zeithistorisches Setting, sollte dieses für meinen Geschmack auch glaubwürdig und gut recherchiert dargestellt werden. Auch wenn wir nicht genau wissen, in welchem Gebiet das Buch spielt - ich gehe von einem ländlichen Raum in Deutschland aus - sollten die zeitgenössischen Gegebenheiten doch auch einigermaßen stimmen. Das fängt bei den Namen an. So nennt sich Tilda etwa Birdie, was eher an eine Hippiebezeichnung (der sehr späten 60er/1970er) erinnert, als ein selbstgewählter Spitzname der frühen 1960er Jahre. Auch dass sich eine Elisabeth "Lis" genannt hat, ist außergewöhnlich, ebenso der Name "Ada". Dann ist auch ein Telefonanschluss im Roman sehr üblich - ein Telefonvollanschluss speziell im ländlichen Raum war aber in den 1960ern kaum vorhanden, noch weniger ein vorkommender Anrufbeantworter. Besonders Birdie ist eine Rebellin und ihrer Zeit weit voraus, wenn sie Themen wie Care-Arbeit oder die klassische Rollenverteilung kritisiert. Völlig unglaubwürdig ist dann Josephs Haltung zur Homosexualität, ist ihm diese doch völlig gleichgültig. Selbst wenn der Roman in der Gegenwart angesetzt wäre, wäre dies schon eine ungewöhnliche Haltung für einen Bauern in der Peripherie mit höchst konservativen Umfeld, aber im Setting der frühen 1960er-Jahre? Nö. Es ist zwar nachvollziehbar, warum die Zeit gewählt wurde, etwa, weil Mann eine Frau heiraten musste, nachdem er sie geschwängert hat und eine Trennung oder gar Scheidung höchstverpönt war. Aber wenn schon historisch, dann bitte doch plausibel.
Mein Fazit: "Wirf einen Schatten" ist ein wunderbar erzählte Familiengeschichte mit tollen, bildgewaltigen Charakter- und Landschaftsbeschreibungen, die leider durch historische Unglaubwürdigkeiten abgeschwächt wird. Schade, aber wem diese historischen Fehlgriffe nicht stören, kommt hier auf einen hohen Grad des Lesegenusses.
July 22, 2026
Nachdem ich Frau Fischers Debütroman „Paradise Garden“ unverhofft sehr cool fand, war ich gespannt auf ihr zweites Buch; und habe mich sehr gefreut, bereits vor der Veröffentlichung eine online-Lesung der Autorin anschauen zu können, bei der die Autorin natürlich auch ein paar „fun facts“ nebenbei zum Buch erzählt hat.
„Wirf einen Schatten“ hat ein vollkommen anderes Thema / Inhalt als der Erstling; und wie der Klappentext schon sagt; wir sind in den 1960er Jahren, irgendwo im ländlichen Nirgendwo :-) . Hauptprotagonist ist der Bauer Joseph. Er bewirtschaftet einen relativ kleinen Hof; er ist Alleinerbe – sein Bruder Johann ist als Kind bei einem traumatischem Unfall ums Leben gekommen, und dieser Vorfall hat die Familie und Joseph tief geprägt. Joseph ist per se auch nicht der typische Bauer – er ist eher sensibel und introvertiert. Aber er liebt die Natur, er liebt die Arbeit seiner Hände, er liebt seine Tiere. Er liebt diese seine Heimat – und hier setzt der Roman ein, denn seine Frau Lis kann das irgendwann nicht mehr und zieht zurück in die Stadt. Den gemeinsamen kleinen Sohn Samuel nimmt sie mit – und lässt einen am Boden zerstörten Joseph zurück.
Aber wie heißt es im Text so schön? Zum Glück gibt es noch Ada, Lis’ ältere Schwester und Birdie, eine 20jährige junge Frau, die plötzlich bei Joseph unterkommen wird, und nach dem Motto, gemeinsam ist man weniger allein, kämpfen sich die Charaktere wieder ins Leben zurück.
Und genau das ist auf etwa 280 Seiten sehr ruhig und detailliert und mit viel Liebe für die Personen beschrieben.
Klingt recht unspektakulär; und wir haben hier auch keinen Action-Roman, sondern eher eine Geschichte, die auf leiseren Sohlen daher kommt. Mich hat sie trotzdem langsam aber sicher in den Bann gezogen, und ich habe das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen. Die Autorin schreibt elegant und flüssig, man kommt bei ihr sehr schnell in einen schönen Lesefluss, und ist ganz nah bei den Protagonisten dabei.
Es ginge ihr bei diesem Buch um die Liebe, sagt die Autorin, diese spielt eine grosse Rolle im Roman. Die Liebe auf freundschaftlicher Ebene, auf familiärer Ebene, und natürlich auf romantischer Ebene – und ja, das ist ihr klischeelos gelungen. Die Liebe trägt die Figuren in diesem Buch und gibt immer wieder Kraft, weiterzumachen. Ein Buch also, das immer wieder Hoffnung sieht und macht.
Auch das Setting passt wunderbar. Die 60er Jahre waren auch eine Zeit des Aufbruchs, und vor allem in der Landwirtschaft gab es viele gravierenden Umwälzungen und Modernisierungen. Joseph ist noch ein Bauer der alten Schule; er melkt noch per Hand, er schlachtet noch alleine – und seine Frau Lis stellt irgendwann fest: das ist nicht ihr Leben. Es geht in diesem Roman auch darum, festzustellen, wer man ist und was man wirklich im Leben möchte. Manchmal braucht es etwas länger, hier klar zu sehen, bei anderen - wie Lis – geht’s schneller :-) . Ein immer wieder interessantes Thema in der Belletristik, hier wunderbar von Frau Fischer bearbeitet.
Viel mehr kann ich ohne spoilern nicht über die Story und das Buch verraten :-) , aber mir hat es viel Freude bereitet, den Roman zu lesen, und ich kann ihn sehr gerne weiterempfehlen!
Ach ja, der Titel: „Wirf einen Schatten“ ist eine Aufforderung an Joseph ganz am Ende des Buches, und hat etwas mit Fotografie zu tun :-) Falls sich jemand – wie ich – die ganze Zeit wundert, was das für ein merkwürdiger Titel ist. Der hat schon Sinn!
„Wirf einen Schatten“ hat ein vollkommen anderes Thema / Inhalt als der Erstling; und wie der Klappentext schon sagt; wir sind in den 1960er Jahren, irgendwo im ländlichen Nirgendwo :-) . Hauptprotagonist ist der Bauer Joseph. Er bewirtschaftet einen relativ kleinen Hof; er ist Alleinerbe – sein Bruder Johann ist als Kind bei einem traumatischem Unfall ums Leben gekommen, und dieser Vorfall hat die Familie und Joseph tief geprägt. Joseph ist per se auch nicht der typische Bauer – er ist eher sensibel und introvertiert. Aber er liebt die Natur, er liebt die Arbeit seiner Hände, er liebt seine Tiere. Er liebt diese seine Heimat – und hier setzt der Roman ein, denn seine Frau Lis kann das irgendwann nicht mehr und zieht zurück in die Stadt. Den gemeinsamen kleinen Sohn Samuel nimmt sie mit – und lässt einen am Boden zerstörten Joseph zurück.
Aber wie heißt es im Text so schön? Zum Glück gibt es noch Ada, Lis’ ältere Schwester und Birdie, eine 20jährige junge Frau, die plötzlich bei Joseph unterkommen wird, und nach dem Motto, gemeinsam ist man weniger allein, kämpfen sich die Charaktere wieder ins Leben zurück.
Und genau das ist auf etwa 280 Seiten sehr ruhig und detailliert und mit viel Liebe für die Personen beschrieben.
Klingt recht unspektakulär; und wir haben hier auch keinen Action-Roman, sondern eher eine Geschichte, die auf leiseren Sohlen daher kommt. Mich hat sie trotzdem langsam aber sicher in den Bann gezogen, und ich habe das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen. Die Autorin schreibt elegant und flüssig, man kommt bei ihr sehr schnell in einen schönen Lesefluss, und ist ganz nah bei den Protagonisten dabei.
Es ginge ihr bei diesem Buch um die Liebe, sagt die Autorin, diese spielt eine grosse Rolle im Roman. Die Liebe auf freundschaftlicher Ebene, auf familiärer Ebene, und natürlich auf romantischer Ebene – und ja, das ist ihr klischeelos gelungen. Die Liebe trägt die Figuren in diesem Buch und gibt immer wieder Kraft, weiterzumachen. Ein Buch also, das immer wieder Hoffnung sieht und macht.
Auch das Setting passt wunderbar. Die 60er Jahre waren auch eine Zeit des Aufbruchs, und vor allem in der Landwirtschaft gab es viele gravierenden Umwälzungen und Modernisierungen. Joseph ist noch ein Bauer der alten Schule; er melkt noch per Hand, er schlachtet noch alleine – und seine Frau Lis stellt irgendwann fest: das ist nicht ihr Leben. Es geht in diesem Roman auch darum, festzustellen, wer man ist und was man wirklich im Leben möchte. Manchmal braucht es etwas länger, hier klar zu sehen, bei anderen - wie Lis – geht’s schneller :-) . Ein immer wieder interessantes Thema in der Belletristik, hier wunderbar von Frau Fischer bearbeitet.
Viel mehr kann ich ohne spoilern nicht über die Story und das Buch verraten :-) , aber mir hat es viel Freude bereitet, den Roman zu lesen, und ich kann ihn sehr gerne weiterempfehlen!
Ach ja, der Titel: „Wirf einen Schatten“ ist eine Aufforderung an Joseph ganz am Ende des Buches, und hat etwas mit Fotografie zu tun :-) Falls sich jemand – wie ich – die ganze Zeit wundert, was das für ein merkwürdiger Titel ist. Der hat schon Sinn!
July 28, 2026
„Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will.“ (S. 119)
Mit diesen Worten fordert eine junge Frau das starre Gefüge eines Mannes heraus, der das Reden nie gelernt hat. „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer erscheint am 22.07.2026 im Diogenes Verlag und führt uns mitten hinein in die erdrückende, von Traditionen geprägte Atmosphäre der Sechzigerjahre auf dem Land. Es ist die Geschichte von Joseph, einem wortkargen Bauern, der nach dem Weggang seiner Frau Lis und des gemeinsamen Sohnes Samuel mit der Einsamkeit und den Traumata der Vergangenheit ringt. Als die junge, schwangere Birdie auf der Flucht vor ihrer Familie bei ihm strandet, gerät sein fragiles, verschlossenes System ins Wanken und zwingt ihn, sich den ungesagten Wahrheiten seines Lebens zu stellen.
Nachdem mich Elena Fischers Debüt „Paradise Garden“ absolut umgehauen und damals (2023) sogar meine Liebe zu Romanen abseits von Fantasy und Thrillern geweckt hat, war die Vorfreude auf ihr neues Werk riesig. Die Autorin besitzt unbestreitbar wieder dieses unglaubliche Talent, vielschichtige, tiefgründige Figuren zu zeichnen. Besonders die Zerrissenheit von Joseph hat mich berührt und mitgenommen. Seine Unbeholfenheit als Vater, die er aus der eigenen Angst speist, so grausam wie der eigene Vater zu werden, betrifft eine Kernessenz des Buchs: „Ich wollte kein schlechter Vater sein […]. Aber ich wusste auch nicht, wie das geht, ein guter Vater sein. Und dann habe ich es einfach ganz gelassen.“ (S. 162). Diese ehrliche, schmerzhafte Reflexion über die generationenübergreifende Sprachlosigkeit der Nachkriegszeit ist für mich eine der größten Stärken des Romans.
Elena Fischer arbeitet mit zwei Zeitebenen, wobei die Vergangenheit rückwärts erzählt wird; ein struktureller Kniff, der die Entfremdung zwischen Joseph und Lis auf eine frische und wohl überlegte Art seziert. Beeindruckend fand ich auch, wie geschickt gesellschaftliche Debatten der Sechziger scheinbar mühelos miteinander und in die Geschichte verwoben werden. Durch Birdie bricht das Thema der weiblichen Emanzipation, der lesbischen Liebe und der Tabubruch der Abtreibung in Josephs konservative Welt. Wenn Birdie bitter anmerkt, dass Frauen, die mehr vom Leben wollen als Aufopferung, als „Neurotikerinnen“ (S. 89) abgestempelt werden, zeigt das die scharfe analytische Beobachtungsgabe der Autorin.
Und doch muss ich ehrlich sagen: Der große Funke bzw. dieses magische Highlight-Gefühl wie beim Debüt, ist bei mir diesmal leider nicht übergesprungen. Ob es am rauen, isolierten Hof-Setting lag, der Figurenzeichnung (teilweise hätte ich mir noch mehr Insights gewünscht) oder der Geschichte selbst; streckenweise zog es sich für mich ein wenig. Josephs Passivität und sein langes Zögern forderten meine Geduld beim Lesen durchaus heraus, auch wenn es psychologisch absolut stimmig zu seiner Figur passt.
Am Ende kann ich nur sagen: Was bleibt ist ein sprachlich wunderschöner, feinsinniger Roman über das Sichtbarwerden. „Wirf einen Schatten“ ist ein Buch, das sich Zeit nimmt und vor allem denjenigen Menschen bestimmt sehr ans Herz wachsen wird, die ruhige, charaktergetriebene Familiengeschichten und historische Emanzipationserzählungen lieben. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung.
Ein herzliches Dankeschön an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar!
Mit diesen Worten fordert eine junge Frau das starre Gefüge eines Mannes heraus, der das Reden nie gelernt hat. „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer erscheint am 22.07.2026 im Diogenes Verlag und führt uns mitten hinein in die erdrückende, von Traditionen geprägte Atmosphäre der Sechzigerjahre auf dem Land. Es ist die Geschichte von Joseph, einem wortkargen Bauern, der nach dem Weggang seiner Frau Lis und des gemeinsamen Sohnes Samuel mit der Einsamkeit und den Traumata der Vergangenheit ringt. Als die junge, schwangere Birdie auf der Flucht vor ihrer Familie bei ihm strandet, gerät sein fragiles, verschlossenes System ins Wanken und zwingt ihn, sich den ungesagten Wahrheiten seines Lebens zu stellen.
Nachdem mich Elena Fischers Debüt „Paradise Garden“ absolut umgehauen und damals (2023) sogar meine Liebe zu Romanen abseits von Fantasy und Thrillern geweckt hat, war die Vorfreude auf ihr neues Werk riesig. Die Autorin besitzt unbestreitbar wieder dieses unglaubliche Talent, vielschichtige, tiefgründige Figuren zu zeichnen. Besonders die Zerrissenheit von Joseph hat mich berührt und mitgenommen. Seine Unbeholfenheit als Vater, die er aus der eigenen Angst speist, so grausam wie der eigene Vater zu werden, betrifft eine Kernessenz des Buchs: „Ich wollte kein schlechter Vater sein […]. Aber ich wusste auch nicht, wie das geht, ein guter Vater sein. Und dann habe ich es einfach ganz gelassen.“ (S. 162). Diese ehrliche, schmerzhafte Reflexion über die generationenübergreifende Sprachlosigkeit der Nachkriegszeit ist für mich eine der größten Stärken des Romans.
Elena Fischer arbeitet mit zwei Zeitebenen, wobei die Vergangenheit rückwärts erzählt wird; ein struktureller Kniff, der die Entfremdung zwischen Joseph und Lis auf eine frische und wohl überlegte Art seziert. Beeindruckend fand ich auch, wie geschickt gesellschaftliche Debatten der Sechziger scheinbar mühelos miteinander und in die Geschichte verwoben werden. Durch Birdie bricht das Thema der weiblichen Emanzipation, der lesbischen Liebe und der Tabubruch der Abtreibung in Josephs konservative Welt. Wenn Birdie bitter anmerkt, dass Frauen, die mehr vom Leben wollen als Aufopferung, als „Neurotikerinnen“ (S. 89) abgestempelt werden, zeigt das die scharfe analytische Beobachtungsgabe der Autorin.
Und doch muss ich ehrlich sagen: Der große Funke bzw. dieses magische Highlight-Gefühl wie beim Debüt, ist bei mir diesmal leider nicht übergesprungen. Ob es am rauen, isolierten Hof-Setting lag, der Figurenzeichnung (teilweise hätte ich mir noch mehr Insights gewünscht) oder der Geschichte selbst; streckenweise zog es sich für mich ein wenig. Josephs Passivität und sein langes Zögern forderten meine Geduld beim Lesen durchaus heraus, auch wenn es psychologisch absolut stimmig zu seiner Figur passt.
Am Ende kann ich nur sagen: Was bleibt ist ein sprachlich wunderschöner, feinsinniger Roman über das Sichtbarwerden. „Wirf einen Schatten“ ist ein Buch, das sich Zeit nimmt und vor allem denjenigen Menschen bestimmt sehr ans Herz wachsen wird, die ruhige, charaktergetriebene Familiengeschichten und historische Emanzipationserzählungen lieben. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung.
Ein herzliches Dankeschön an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar!
August 3, 2026
Ein Protagonist zwischen Pflicht und Sehnsucht
Der Roman „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer führt zurück zum Heiligabend des Jahres 1963. Statt sich auf das kommende Weihnachtsfest zu freuen, wird der Protagonist Joseph vermutlich allein auf seinem Bauernhof verbringen. Schon auf der ersten Seite spricht sein Kummer aus den Zeilen und der Anlass dafür wird angedeutet: Seine Frau hat ihn verlassen und den gemeinsamen vierjährigen Sohn mitgenommen. Den Hof hat er von seinen Eltern übernommen, die bereits verstorben sind. Wo einst Betriebsamkeit herrschte, ist nun Einsamkeit eingekehrt.
Sein Beruf verlangt Joseph täglich einiges ab, doch nun bleibt ihm Zeit darüber nachzudenken, wie er sich seine Zukunft vorstellt. Er fragt sich, ob ihn überhaupt jemand oder etwas ihn vermissen würde und kommt zu einer ernüchternden Antwort. Am tiefsten Punkt seiner Überlegungen klingt es an der Tür. Es ist jedoch nicht die Person, auf die er insgeheim hofft, sondern eine unbekannte junge Frau, die in der Folgezeit einigen Wirbel verursacht. Außerdem lebt seine Schwägerin nur unweit entfernt. Von Beginn an ist spürbar, dass er zu ihr eine besondere Beziehung hat, auch wenn die Hintergründe lange im Dunkeln bleiben.
Nach und nach wird deutlich, warum Joseph so sehr mit sich selbst ringt. Bereits als Kind wurde er von seinen Eltern ständig mit seinem Bruder verglichen, meist nicht zu seinem Vorteil. Immer wieder unterbrechen Rückblenden die Gegenwartshandlung und formen das Bild der Lebensvorstellungen seines Vaters, seiner Mutter und seiner Großmutter in den 1920er und späteren Jahren.
Eine zweite Erzählebene führt in wechselnden Kapiteln immer weiter in die Vergangenheit. Darin durchlebt Joseph noch einmal die einzelnen Phasen der Beziehung zu seiner Frau bis hin zu ihrem Kennenlernen. Indem die Geschichte rückwärts erzählt wird, schließt sich der anfänglich klaffende Spalt der Trennung immer weiter zu und es wird die unbeschwerte Anfangszeit ihrer Liebe spürbar. Es zeigt sich aber auch, dass Joseph seinen Alltag einfach weitergeführt und nicht daran gezweifelt hat, dass seiner Frau das ländliche Leben gefallen wird, obwohl sie in der Stadt aufgewachsen ist und immer dort gewohnt hat.
Joseph ist ein gebildeter und sensibler Mann, der sich den Gegebenheiten und den Erwartungen seines Umfelds angepasst hat. Das Erscheinen der unbekannten jungen Frau in seiner dunkelsten Stunde wirkt zwar konstruiert, setzt jedoch einen entscheidenden Veränderungsprozess in Gang. Insbesondere die weiblichen Hauptfiguren der Geschichte, die Selbstbewusstsein entwickelt haben und sich souverän geben, zeigen ihm, dass man sich aus seiner Rolle lösen kann.
In ihrem Roman „Wirf einen Schatten“ lässt Elena Fischer den Zeitgeist des Jahres 1963 wieder aufleben, in der traditionelle Werte noch hochgehalten wurden, aber bereits gesellschaftliche Umbrüche spürbar waren. Mit feinem Gespür für die Zwischentöne zeichnet sie die Gefühle des Protagonisten, der zwischen Pflicht und Sehnsucht mit sich hadert und nach einem Dasein sucht, das er für lebenswert hält. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Der Roman „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer führt zurück zum Heiligabend des Jahres 1963. Statt sich auf das kommende Weihnachtsfest zu freuen, wird der Protagonist Joseph vermutlich allein auf seinem Bauernhof verbringen. Schon auf der ersten Seite spricht sein Kummer aus den Zeilen und der Anlass dafür wird angedeutet: Seine Frau hat ihn verlassen und den gemeinsamen vierjährigen Sohn mitgenommen. Den Hof hat er von seinen Eltern übernommen, die bereits verstorben sind. Wo einst Betriebsamkeit herrschte, ist nun Einsamkeit eingekehrt.
Sein Beruf verlangt Joseph täglich einiges ab, doch nun bleibt ihm Zeit darüber nachzudenken, wie er sich seine Zukunft vorstellt. Er fragt sich, ob ihn überhaupt jemand oder etwas ihn vermissen würde und kommt zu einer ernüchternden Antwort. Am tiefsten Punkt seiner Überlegungen klingt es an der Tür. Es ist jedoch nicht die Person, auf die er insgeheim hofft, sondern eine unbekannte junge Frau, die in der Folgezeit einigen Wirbel verursacht. Außerdem lebt seine Schwägerin nur unweit entfernt. Von Beginn an ist spürbar, dass er zu ihr eine besondere Beziehung hat, auch wenn die Hintergründe lange im Dunkeln bleiben.
Nach und nach wird deutlich, warum Joseph so sehr mit sich selbst ringt. Bereits als Kind wurde er von seinen Eltern ständig mit seinem Bruder verglichen, meist nicht zu seinem Vorteil. Immer wieder unterbrechen Rückblenden die Gegenwartshandlung und formen das Bild der Lebensvorstellungen seines Vaters, seiner Mutter und seiner Großmutter in den 1920er und späteren Jahren.
Eine zweite Erzählebene führt in wechselnden Kapiteln immer weiter in die Vergangenheit. Darin durchlebt Joseph noch einmal die einzelnen Phasen der Beziehung zu seiner Frau bis hin zu ihrem Kennenlernen. Indem die Geschichte rückwärts erzählt wird, schließt sich der anfänglich klaffende Spalt der Trennung immer weiter zu und es wird die unbeschwerte Anfangszeit ihrer Liebe spürbar. Es zeigt sich aber auch, dass Joseph seinen Alltag einfach weitergeführt und nicht daran gezweifelt hat, dass seiner Frau das ländliche Leben gefallen wird, obwohl sie in der Stadt aufgewachsen ist und immer dort gewohnt hat.
Joseph ist ein gebildeter und sensibler Mann, der sich den Gegebenheiten und den Erwartungen seines Umfelds angepasst hat. Das Erscheinen der unbekannten jungen Frau in seiner dunkelsten Stunde wirkt zwar konstruiert, setzt jedoch einen entscheidenden Veränderungsprozess in Gang. Insbesondere die weiblichen Hauptfiguren der Geschichte, die Selbstbewusstsein entwickelt haben und sich souverän geben, zeigen ihm, dass man sich aus seiner Rolle lösen kann.
In ihrem Roman „Wirf einen Schatten“ lässt Elena Fischer den Zeitgeist des Jahres 1963 wieder aufleben, in der traditionelle Werte noch hochgehalten wurden, aber bereits gesellschaftliche Umbrüche spürbar waren. Mit feinem Gespür für die Zwischentöne zeichnet sie die Gefühle des Protagonisten, der zwischen Pflicht und Sehnsucht mit sich hadert und nach einem Dasein sucht, das er für lebenswert hält. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Review of advance copy
Nach dem großartigen Leseerlebnis mit dem Roman „Paradise Garden“ hatte ich hohe Erwartungen an Elena Fischers neuen Roman „Wirf einen Schatten“. Leider konnte mich dieses Buch nicht in gleicher Weise überzeugen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joseph, ein von seiner Frau verlassener Bauer in den 1960er Jahren, der auf einem Hof lebt und zunehmend mit Einsamkeit, Verlust und seiner Sprachlosigkeit ringt. Als die junge Birdie unerwartet in sein Leben tritt, gerät seine festgefahrene Welt in Bewegung.
Die Grundidee des Romans hat durchaus Potenzial. Besonders Josephs innere Zerrissenheit und seine Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, sind interessante Ausgangspunkte. Dennoch hatte ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl, dass die Figuren nicht wirklich in die Zeit passen, in der die Handlung angesiedelt ist.
Das zeigt sich vor allem in der Sprache und den Dialogen. Viele Gespräche wirken erstaunlich modern und eher wie aus heutiger Perspektive geschrieben. Auch Details wie der Spitzname „Birdie“ oder bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen der Figuren erschienen mir für das konservative, kleinbäuerliche Milieu der westdeutschen Provinz in den frühen 1960er Jahren wenig glaubwürdig. Die Hauptfiguren handeln teilweise so fortschrittlich und selbstbestimmt, wie man es eher einige Jahre später erwarten würde – selbst im Umfeld der gesellschaftlichen Umbrüche der späten Sechziger Jahre aber sind manche Einstellungen völlig revolutionär.
Hinzu kommt, dass manche Charaktere für mich nicht immer stimmig gezeichnet sind. Joseph wird als sensibler, nachdenklicher Mensch beschrieben, verhält sich aber in entscheidenden Situationen häufig erstaunlich unsensibel. Auch seine Charakterdarstellung bleibt stellenweise unbefriedigend. So beschließt er am Ende beispielsweise, das Schlachten aufzugeben – eine weitreichende Entscheidung für einen Bauern, die jedoch kaum erläutert oder nachvollziehbar entwickelt wird. Hier hatte ich den Eindruck, dass gegenwärtige moralische Vorstellungen recht unkompliziert in die Vergangenheit übertragen werden.
Darüber hinaus empfand ich einige Szenen als übermäßig kitschig. Beispielsweise die Annäherung zwischen Ada und Joseph bei der Geburt eines Lämmchens wirkte auf mich sehr konstruiert. Dass das Tier später stirbt und damit symbolisch für die Beziehung der beiden steht, erinnerte mich stark an die Dramaturgie klassischer Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre. Ironischerweise ist dies einer der Momente, in denen das Buch seiner dargestellten Epoche tatsächlich nahekommt.
Trotz meiner Kritik liest sich der Roman flüssig, und einzelne Figurenmomente besitzen durchaus emotionale Kraft. Insgesamt konnte mich „Wirf einen Schatten“ jedoch nicht so berühren wie „Paradise Garden“. Vor allem die mangelnde historische Glaubwürdigkeit und die teilweise widersprüchliche Figurenzeichnung haben meinen Lesegenuss geschmälert.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joseph, ein von seiner Frau verlassener Bauer in den 1960er Jahren, der auf einem Hof lebt und zunehmend mit Einsamkeit, Verlust und seiner Sprachlosigkeit ringt. Als die junge Birdie unerwartet in sein Leben tritt, gerät seine festgefahrene Welt in Bewegung.
Die Grundidee des Romans hat durchaus Potenzial. Besonders Josephs innere Zerrissenheit und seine Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, sind interessante Ausgangspunkte. Dennoch hatte ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl, dass die Figuren nicht wirklich in die Zeit passen, in der die Handlung angesiedelt ist.
Das zeigt sich vor allem in der Sprache und den Dialogen. Viele Gespräche wirken erstaunlich modern und eher wie aus heutiger Perspektive geschrieben. Auch Details wie der Spitzname „Birdie“ oder bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen der Figuren erschienen mir für das konservative, kleinbäuerliche Milieu der westdeutschen Provinz in den frühen 1960er Jahren wenig glaubwürdig. Die Hauptfiguren handeln teilweise so fortschrittlich und selbstbestimmt, wie man es eher einige Jahre später erwarten würde – selbst im Umfeld der gesellschaftlichen Umbrüche der späten Sechziger Jahre aber sind manche Einstellungen völlig revolutionär.
Hinzu kommt, dass manche Charaktere für mich nicht immer stimmig gezeichnet sind. Joseph wird als sensibler, nachdenklicher Mensch beschrieben, verhält sich aber in entscheidenden Situationen häufig erstaunlich unsensibel. Auch seine Charakterdarstellung bleibt stellenweise unbefriedigend. So beschließt er am Ende beispielsweise, das Schlachten aufzugeben – eine weitreichende Entscheidung für einen Bauern, die jedoch kaum erläutert oder nachvollziehbar entwickelt wird. Hier hatte ich den Eindruck, dass gegenwärtige moralische Vorstellungen recht unkompliziert in die Vergangenheit übertragen werden.
Darüber hinaus empfand ich einige Szenen als übermäßig kitschig. Beispielsweise die Annäherung zwischen Ada und Joseph bei der Geburt eines Lämmchens wirkte auf mich sehr konstruiert. Dass das Tier später stirbt und damit symbolisch für die Beziehung der beiden steht, erinnerte mich stark an die Dramaturgie klassischer Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre. Ironischerweise ist dies einer der Momente, in denen das Buch seiner dargestellten Epoche tatsächlich nahekommt.
Trotz meiner Kritik liest sich der Roman flüssig, und einzelne Figurenmomente besitzen durchaus emotionale Kraft. Insgesamt konnte mich „Wirf einen Schatten“ jedoch nicht so berühren wie „Paradise Garden“. Vor allem die mangelnde historische Glaubwürdigkeit und die teilweise widersprüchliche Figurenzeichnung haben meinen Lesegenuss geschmälert.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Review of advance copy
Am 24. Dezember 1963, Heiligabend, will Joseph nicht mehr weiterleben. Er schreibt eine kurze Liste, 2 kleine Briefe und setzt sein Gewehr an, als es an der Tür klingelt und seine Pläne über den Haufen geworfen werden.
Seitdem seine Frau Lis ihn im August 1963 zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Samuel verlassen hat, ist Joseph (wieder) einsam, ein Zustand, den er besser kennt als die meisten von uns Menschen. Als nun eine junge Frau vor ihm steht und seine Hilfe benötigt, tut Joseph, was er für das Richtige hält.
Der Roman wird in zwei Zeitebenen erzählt - beginnend mit Heiligabend 1963 endet der erste, der Gegenwartsstrang, an Josephs Geburtstag, dem 08. Februar 1964. Der andere Strang beginnt mit dem August 1963, als Lis Joseph verlässt und geht in der Zeit rückwärts bis zum Mai 1957. Diese Erzählweise ist sehr gut gewählt, da der Lesende so nur sehr langsam erfährt, was genau geschehen ist und wie die Protagonisten an den Punkt in ihrem Leben kommen konnten, an dem sie nun sind. Einerseits folgen wir also vor allem Joseph, der im Fokus der Geschichte steht, in seiner Entwicklung und Veränderung und andererseits begreifen wir, warum er so war, wie er war und was der Grund für das Scheitern seiner Ehe war.
Das Setting, ein einsamer Bauernhof in einem kleinen Ort, der nicht genannt wird, aber in der Nähe "der Stadt", aus der Lis und ihre Familie stammen, spiegelt Josephs Charakter und ist ein weiterer Baustein, um ihn und Lis besser zu verstehen. Eine weitere wichtige Person ist Lis´ ältere Schwester Ada, die auch, nachdem ihre Schwester ihren Schwager verlassen hat, immer noch Kontakt zu Joseph hält.
Die Erzählweise hat mich sehr an das Buch gefesselt - ich wollte immer weiter lesen, um mehr zu verstehen von dem Menschen Joseph, der eine harte Kindheit und Jugend hatte und wahrhaftig kein Mann vieler Worte ist. Das Tempo des Romans ist eher ruhig und langsam und oft - vor allem in dem Rückblendenstrang - stark an den Wechsel der Jahreszeiten auf dem Hof angelehnt, was die Lektüre sehr atmosphärisch macht. Auch die Zeit, die die Autorin gewählt hat, ist interessant - Joseph hat noch das Ende des 2. Weltkriegs erlebt, die junge Frau, der er Unterschlupf gewährt, ist mit 20 Jahren noch nicht volljährig und der Willkür ihrer Eltern ausgesetzt, Frauen, die ohne Partner lebten und Karriere machten, waren eine Ausnahme und Väter brachten sich in die Kindererziehung noch nicht sehr stark ein.
Ich habe das Buch wirklich sehr, sehr gern gelesen und bin sehr berührt worden von den Figuren. Elena Fischer hat mich wieder überzeugt und ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter!
Seitdem seine Frau Lis ihn im August 1963 zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Samuel verlassen hat, ist Joseph (wieder) einsam, ein Zustand, den er besser kennt als die meisten von uns Menschen. Als nun eine junge Frau vor ihm steht und seine Hilfe benötigt, tut Joseph, was er für das Richtige hält.
Der Roman wird in zwei Zeitebenen erzählt - beginnend mit Heiligabend 1963 endet der erste, der Gegenwartsstrang, an Josephs Geburtstag, dem 08. Februar 1964. Der andere Strang beginnt mit dem August 1963, als Lis Joseph verlässt und geht in der Zeit rückwärts bis zum Mai 1957. Diese Erzählweise ist sehr gut gewählt, da der Lesende so nur sehr langsam erfährt, was genau geschehen ist und wie die Protagonisten an den Punkt in ihrem Leben kommen konnten, an dem sie nun sind. Einerseits folgen wir also vor allem Joseph, der im Fokus der Geschichte steht, in seiner Entwicklung und Veränderung und andererseits begreifen wir, warum er so war, wie er war und was der Grund für das Scheitern seiner Ehe war.
Das Setting, ein einsamer Bauernhof in einem kleinen Ort, der nicht genannt wird, aber in der Nähe "der Stadt", aus der Lis und ihre Familie stammen, spiegelt Josephs Charakter und ist ein weiterer Baustein, um ihn und Lis besser zu verstehen. Eine weitere wichtige Person ist Lis´ ältere Schwester Ada, die auch, nachdem ihre Schwester ihren Schwager verlassen hat, immer noch Kontakt zu Joseph hält.
Die Erzählweise hat mich sehr an das Buch gefesselt - ich wollte immer weiter lesen, um mehr zu verstehen von dem Menschen Joseph, der eine harte Kindheit und Jugend hatte und wahrhaftig kein Mann vieler Worte ist. Das Tempo des Romans ist eher ruhig und langsam und oft - vor allem in dem Rückblendenstrang - stark an den Wechsel der Jahreszeiten auf dem Hof angelehnt, was die Lektüre sehr atmosphärisch macht. Auch die Zeit, die die Autorin gewählt hat, ist interessant - Joseph hat noch das Ende des 2. Weltkriegs erlebt, die junge Frau, der er Unterschlupf gewährt, ist mit 20 Jahren noch nicht volljährig und der Willkür ihrer Eltern ausgesetzt, Frauen, die ohne Partner lebten und Karriere machten, waren eine Ausnahme und Väter brachten sich in die Kindererziehung noch nicht sehr stark ein.
Ich habe das Buch wirklich sehr, sehr gern gelesen und bin sehr berührt worden von den Figuren. Elena Fischer hat mich wieder überzeugt und ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter!
July 22, 2026
Ein einfühlsamer Roman
Klappentext:
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie, sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.
„Wirf einen Schatten“ ist der neue Roman von Elena Fischer.
Schon der Debütroman von Elena Fischer, „Paradise Garden“, hatte mir gut gefallen, und so war ich schon gespannt auf das neue Werk der Autorin.
Im Mittelpunkt steht Joseph. Er ist ein sehr sensibler Mensch. Er bewältigt seinen Alltag auf dem Hof, denn er ist der Einzige aus seiner Familie, der den Hof hat übernehmen können. Seine Eltern sind gestorben und auch sein Bruder lebt nicht mehr. Zum Leben als Bauer, gehört es auch Tiere zu schlachten. Das fällt Joseph nach all den Jahren immer noch schwer und er verspürt eine gewisse Schuld.
Sein Wunsch, mit der Krankenschwester Lis zusammen den Hof zu bewirtschaften, ist fehlgeschlagen. Lis hat nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes den Hof verlassen. Sie hat realisiert, dass sie für das Leben auf dem Land nicht geschaffen ist.
Joseph fühlt sich allein und denkt darüber nach, was das Leben noch für einen Sinn macht. Er träumt sogar davon, sich umzubringen.
Doch da klopft Birdie an seine Tür. Eine junge, geschwächte und kranke Frau. Joseph holt Hilfe bei einer Hebamme und pflegt die junge Birdie gesund.
Auch Ada, Josephs Schwägerin, sorgt sich um ihn. Ada ist eine intellektuelle junge Frau, die sich im Gegensatz zu ihrer Schwester, mit Joseph verbunden fühlt.
Das Ganze verfasst Elena Fischer zu einer spannenden und einfühlsamen Geschichte.
Die Charaktere wirken lebendig und haben mir gefallen.
Besonders Joseph mit seiner Sensibilität, auch seinen Tieren gegenüber. Ich habe mit ihm gefühlt, als er so allein auf seinem Hof war.
Die Geschichte ist in den Jahren 1963/1964 angesiedelt, vieles kann man sich aber auch in der heutigen Zeit vorstellen. Es gibt Rückblicke in die Jahre 1957-1961, in denen die Leser*innen erfahren, wie es zu der Situation in der Gegenwart gekommen ist.
Elena Fischer hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ihre Sprache ist ausdrucksstark und einfühlsam.
Mit „Wirf einen Schatten“ konnte Elena Fischer mich wieder beeindrucken.
Klappentext:
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie, sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.
„Wirf einen Schatten“ ist der neue Roman von Elena Fischer.
Schon der Debütroman von Elena Fischer, „Paradise Garden“, hatte mir gut gefallen, und so war ich schon gespannt auf das neue Werk der Autorin.
Im Mittelpunkt steht Joseph. Er ist ein sehr sensibler Mensch. Er bewältigt seinen Alltag auf dem Hof, denn er ist der Einzige aus seiner Familie, der den Hof hat übernehmen können. Seine Eltern sind gestorben und auch sein Bruder lebt nicht mehr. Zum Leben als Bauer, gehört es auch Tiere zu schlachten. Das fällt Joseph nach all den Jahren immer noch schwer und er verspürt eine gewisse Schuld.
Sein Wunsch, mit der Krankenschwester Lis zusammen den Hof zu bewirtschaften, ist fehlgeschlagen. Lis hat nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes den Hof verlassen. Sie hat realisiert, dass sie für das Leben auf dem Land nicht geschaffen ist.
Joseph fühlt sich allein und denkt darüber nach, was das Leben noch für einen Sinn macht. Er träumt sogar davon, sich umzubringen.
Doch da klopft Birdie an seine Tür. Eine junge, geschwächte und kranke Frau. Joseph holt Hilfe bei einer Hebamme und pflegt die junge Birdie gesund.
Auch Ada, Josephs Schwägerin, sorgt sich um ihn. Ada ist eine intellektuelle junge Frau, die sich im Gegensatz zu ihrer Schwester, mit Joseph verbunden fühlt.
Das Ganze verfasst Elena Fischer zu einer spannenden und einfühlsamen Geschichte.
Die Charaktere wirken lebendig und haben mir gefallen.
Besonders Joseph mit seiner Sensibilität, auch seinen Tieren gegenüber. Ich habe mit ihm gefühlt, als er so allein auf seinem Hof war.
Die Geschichte ist in den Jahren 1963/1964 angesiedelt, vieles kann man sich aber auch in der heutigen Zeit vorstellen. Es gibt Rückblicke in die Jahre 1957-1961, in denen die Leser*innen erfahren, wie es zu der Situation in der Gegenwart gekommen ist.
Elena Fischer hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ihre Sprache ist ausdrucksstark und einfühlsam.
Mit „Wirf einen Schatten“ konnte Elena Fischer mich wieder beeindrucken.
August 5, 2026
Wenn das Leben wieder einen Sinn ergibt
Emotional ohne rührselig zu sein, präsentiert uns Fischer die Menschen in ihrem Buch: Ein Mann, Joseph, seine Frau Lis, ihr gemeinsamer Sohn Samuel, Ada, Josephs Schwägerin, Birdie, eine junge Frau die in einer Winternacht Zuflucht bei Joseph sucht. Dies sind die Hauptpersonen im Buch, nicht viele, aber sie füllen dass Universum des Buches aus. Die Handlung alterniert zwischen 1963 und 1964 einerseits und die späten fünfziger Jahre. Handlungsort ist Josephs Hof. Das Buch wirkt fast wie ein Kabinettstück.
Der Schreibstil lässt uns direkt in die Einsamkeit des Mannes einsinken, ihn verstehen. Aber ich kann auch Lis verstehen, die die Einsamkeit am Hof, weitab vom Dorf, und die Einsamkeit und Wortkargheit ihres Mannes nicht mehr ertragen kann. Joseph kennt nur die Arbeit auf dem Hof, im Stall, die Tiere, Hühner. Seine Frau wirft ihm einmal vor, er würde die Kühe mehr streicheln als sie. Wie soll da eine Frau nicht seelisch verkümmern? Im Haus ist Joseph wortarm, er kann weder mit seiner Frau kommunizieren, noch mit seinem Sohn umgehen. Er hat Angst. Angst das Falsche zu sagen, Angst seinen Sohn schlecht zu behandeln. Josephs Kindheit war bitter und schwer. Joseph hat Angst, ein schlechter Vater zu sein. Elena Fischer beschreibt sehr empathisch und poetisch, wie Joseph langsam aus seiner Starre erwacht, wie er zurück ins Leben findet, eigentlich überhaupt im Leben ankommt, denn seit dem Tod seines Bruders in der Kindheit hat er nicht richtig gelebt.
Sie passen nicht zusammen, Lis und Joseph, haben nie zueinander gepasst. Hinzu kommt noch das lange Zeit ungeklärte Verhältnis zu Ada, die Schwester von Lis.
Nachdem Lis mit Samuel Joseph verlassen hat, wird Joseph immer depressiver. Als er kurz vor dem Suizid steht, kommt Birdie Hilfe suchend zu ihm. Birdie gelingt es, ihn aufzurichten, ihn von seinen schwarzen Gedanken abzubringen. Dabei ist Birdie selber schwer krank. Aber weil Joseph sie pflegen muss, für sie kochen muss, darauf achtet, dass es ihr an nichts mangelt, hat er eine neue Aufgabe, die ihn erfüllt.
Ich frage mich, weshalb konnte Joseph nicht mit Lis so kommunizieren, wie er es mit Birdie tut? Joseph steht sich selbst im Weg, ist in seiner Wortarmut und Angst gefangen, während Lis ihm nicht helfen kann. Erst mit Birdie kommt er aus seiner selbst gewählten Einsamkeit heraus.
“Wirf einen Schatten” ist eine Aufforderung, etwas mit seinem Leben zu machen, tätig zu sein, Es ist eine Aufforderung, die Ada Joseph zuruft, und aus diesem Grund von Fischer als Titel des Buches gewählt.
Emotional ohne rührselig zu sein, präsentiert uns Fischer die Menschen in ihrem Buch: Ein Mann, Joseph, seine Frau Lis, ihr gemeinsamer Sohn Samuel, Ada, Josephs Schwägerin, Birdie, eine junge Frau die in einer Winternacht Zuflucht bei Joseph sucht. Dies sind die Hauptpersonen im Buch, nicht viele, aber sie füllen dass Universum des Buches aus. Die Handlung alterniert zwischen 1963 und 1964 einerseits und die späten fünfziger Jahre. Handlungsort ist Josephs Hof. Das Buch wirkt fast wie ein Kabinettstück.
Der Schreibstil lässt uns direkt in die Einsamkeit des Mannes einsinken, ihn verstehen. Aber ich kann auch Lis verstehen, die die Einsamkeit am Hof, weitab vom Dorf, und die Einsamkeit und Wortkargheit ihres Mannes nicht mehr ertragen kann. Joseph kennt nur die Arbeit auf dem Hof, im Stall, die Tiere, Hühner. Seine Frau wirft ihm einmal vor, er würde die Kühe mehr streicheln als sie. Wie soll da eine Frau nicht seelisch verkümmern? Im Haus ist Joseph wortarm, er kann weder mit seiner Frau kommunizieren, noch mit seinem Sohn umgehen. Er hat Angst. Angst das Falsche zu sagen, Angst seinen Sohn schlecht zu behandeln. Josephs Kindheit war bitter und schwer. Joseph hat Angst, ein schlechter Vater zu sein. Elena Fischer beschreibt sehr empathisch und poetisch, wie Joseph langsam aus seiner Starre erwacht, wie er zurück ins Leben findet, eigentlich überhaupt im Leben ankommt, denn seit dem Tod seines Bruders in der Kindheit hat er nicht richtig gelebt.
Sie passen nicht zusammen, Lis und Joseph, haben nie zueinander gepasst. Hinzu kommt noch das lange Zeit ungeklärte Verhältnis zu Ada, die Schwester von Lis.
Nachdem Lis mit Samuel Joseph verlassen hat, wird Joseph immer depressiver. Als er kurz vor dem Suizid steht, kommt Birdie Hilfe suchend zu ihm. Birdie gelingt es, ihn aufzurichten, ihn von seinen schwarzen Gedanken abzubringen. Dabei ist Birdie selber schwer krank. Aber weil Joseph sie pflegen muss, für sie kochen muss, darauf achtet, dass es ihr an nichts mangelt, hat er eine neue Aufgabe, die ihn erfüllt.
Ich frage mich, weshalb konnte Joseph nicht mit Lis so kommunizieren, wie er es mit Birdie tut? Joseph steht sich selbst im Weg, ist in seiner Wortarmut und Angst gefangen, während Lis ihm nicht helfen kann. Erst mit Birdie kommt er aus seiner selbst gewählten Einsamkeit heraus.
“Wirf einen Schatten” ist eine Aufforderung, etwas mit seinem Leben zu machen, tätig zu sein, Es ist eine Aufforderung, die Ada Joseph zuruft, und aus diesem Grund von Fischer als Titel des Buches gewählt.
July 23, 2026
Zwischen Schweigen und Neuanfang
Joseph ist keiner, der viele Worte macht. Vieles trägt er mit sich herum, ohne darüber zu sprechen. Und das zieht sich durch die ganze Geschichte. Beim Lesen hatte das etwas Ruhiges, manchmal auch etwas Bedrückendes. Trotzdem wollte ich immer wissen, wie es mit ihm und den Menschen weitergeht, die plötzlich seinen gewohnten Alltag verändern.
Als Birdie plötzlich vor seiner Tür steht, verändert sich nach und nach etwas. Anfangs wirkt sie selbst verloren und auf Hilfe angewiesen. Mit der Zeit bringt sie aber Bewegung in ein Leben, das lange festgefahren war. Auch Ada und Lis bleiben dabei wichtige Figuren. Jede von ihnen geht ihren eigenen Weg und zeigt auf ihre Art, wie schwer es sein kann, sich von Erwartungen zu lösen oder längst überfällige Entscheidungen zu treffen. Gerade diese verschiedenen Blickwinkel haben die Geschichte lebendig gemacht.
Die Figuren sind nicht perfekt. Sie machen Fehler, schweigen zu lange oder treffen Entscheidungen, die nicht immer leicht nachzuvollziehen sind. Dadurch wirken sie glaubwürdig. Vor allem Joseph verändert sich langsam. Das geschieht nicht plötzlich, sondern in kleinen Schritten, und genau das hat für mich gut zur Geschichte gepasst.
Die ländliche Umgebung der Sechzigerjahre ist dabei mehr als nur eine Kulisse. Man spürt, wie sehr Traditionen und das Denken der Menschen den Alltag bestimmen. Manche Möglichkeiten, die heute selbstverständlich erscheinen, waren damals alles andere als einfach. Ohne große Worte wird deutlich, wie eng manche Lebenswege vorgegeben waren und wie viel Mut es brauchte, einen anderen Weg einzuschlagen.
Der Schreibstil ließ sich angenehm und flüssig lesen. Es gibt ruhige Momente, aber auch Szenen, die die Spannung immer wieder anziehen. Dadurch blieb die Neugier erhalten, ohne dass die Geschichte laut werden musste. Manche Gespräche und kleine Gesten sagen hier mehr als lange Erklärungen.
Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass es nie zu spät ist, sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen. Nicht alles löst sich einfach auf, und genau das hat die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht. Die Figuren sind mir im Laufe des Lesens immer näher gekommen und ihre Entwicklung ließ sich gut nachvollziehen. Wer Geschichten über Menschen mag, die ihren eigenen Platz im Leben suchen und dabei alte Lasten hinter sich lassen möchten, wird hier viele ruhige und bewegende Momente finden. 5 Sterne.
Joseph ist keiner, der viele Worte macht. Vieles trägt er mit sich herum, ohne darüber zu sprechen. Und das zieht sich durch die ganze Geschichte. Beim Lesen hatte das etwas Ruhiges, manchmal auch etwas Bedrückendes. Trotzdem wollte ich immer wissen, wie es mit ihm und den Menschen weitergeht, die plötzlich seinen gewohnten Alltag verändern.
Als Birdie plötzlich vor seiner Tür steht, verändert sich nach und nach etwas. Anfangs wirkt sie selbst verloren und auf Hilfe angewiesen. Mit der Zeit bringt sie aber Bewegung in ein Leben, das lange festgefahren war. Auch Ada und Lis bleiben dabei wichtige Figuren. Jede von ihnen geht ihren eigenen Weg und zeigt auf ihre Art, wie schwer es sein kann, sich von Erwartungen zu lösen oder längst überfällige Entscheidungen zu treffen. Gerade diese verschiedenen Blickwinkel haben die Geschichte lebendig gemacht.
Die Figuren sind nicht perfekt. Sie machen Fehler, schweigen zu lange oder treffen Entscheidungen, die nicht immer leicht nachzuvollziehen sind. Dadurch wirken sie glaubwürdig. Vor allem Joseph verändert sich langsam. Das geschieht nicht plötzlich, sondern in kleinen Schritten, und genau das hat für mich gut zur Geschichte gepasst.
Die ländliche Umgebung der Sechzigerjahre ist dabei mehr als nur eine Kulisse. Man spürt, wie sehr Traditionen und das Denken der Menschen den Alltag bestimmen. Manche Möglichkeiten, die heute selbstverständlich erscheinen, waren damals alles andere als einfach. Ohne große Worte wird deutlich, wie eng manche Lebenswege vorgegeben waren und wie viel Mut es brauchte, einen anderen Weg einzuschlagen.
Der Schreibstil ließ sich angenehm und flüssig lesen. Es gibt ruhige Momente, aber auch Szenen, die die Spannung immer wieder anziehen. Dadurch blieb die Neugier erhalten, ohne dass die Geschichte laut werden musste. Manche Gespräche und kleine Gesten sagen hier mehr als lange Erklärungen.
Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass es nie zu spät ist, sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen. Nicht alles löst sich einfach auf, und genau das hat die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht. Die Figuren sind mir im Laufe des Lesens immer näher gekommen und ihre Entwicklung ließ sich gut nachvollziehen. Wer Geschichten über Menschen mag, die ihren eigenen Platz im Leben suchen und dabei alte Lasten hinter sich lassen möchten, wird hier viele ruhige und bewegende Momente finden. 5 Sterne.
Review of advance copy
June 19, 2026ET: 22. Juli 2026
Kostenloses Rezensionsexemplar
TW: Suizidgedanken
In einem Dorf im Nachkriegs-Deutschland bewirtschaftet Joseph einen Hof. Als seine Frau Lis gemeinsam mit dem gemeinsamen Sohn Samuel den Hof verlässt, um in die Stadt zu ziehen, stürzt Joseph in eine tiefe Einsamkeit. Bis kurz vor Weihnachten plötzlich ein junges Mädchen vor seiner Tür steht, das seine Hilfe braucht. Gemeinsam mit seiner Schwägerin Ada versucht er, dem Mädchen zu helfen. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: der Gegenwartsstrang bewegt sich vorwärts, der Vergangenheitsstrang rückwärts.
Wer ein rasantes Erzähltempo, viele Plottwists und eine dichte Handlung erwartet, wird bei diesem Buch nicht fündig. Elena Fischer lässt sich bewusst Zeit und nutzt die Seiten, um die Gefühlswelt ihrer Protagonist*innen ebenso wie die Atmosphäre im Detail zu beschreiben. Genau darin liegt für mich auch die größte Stärke des Romans.
Besonders die Schilderungen von Einsamkeit und den depressiven Gefühlen, die Joseph umgeben, haben mich an mehreren Stellen wirklich tief berührt. Beispiel: „Der Schmerz darüber schwoll an und ab, war zu einem Grundrauschen geworden, war ein Teil von ihm. Die Tage wurden dunkler. Es war eine Dunkelheit, in der man sich verirren konnte, eine, aus der man nicht mehr herausfand.“
Sehr gelungen fand ich auch, wie die Beziehung zwischen Lis und Joseph gezeichnet wird: Man kann sich in beide gleichermaßen hineinversetzen, ohne dass der Eindruck entsteht, hier werde ein „guter“ gegen einen „bösen“ Partner ausgespielt. Die Enge, die Lis im Dorfleben zu schaffen macht, wird sehr gut herausgearbeitet. Auch das Bild von Elternschaft in den Nachkriegsjahren fand ich sehr gut dargestellt: Männer, die nichts anderes gelernt haben, als ihre eigene autoritäre Erziehung weiterzugeben - eine Erziehung, die keine Sanftheit und keine Gefühle (vor allem bei Männern) zulässt. Wie Joseph versucht, sich aus genau diesen Mustern zu lösen, fand ich sehr gut beschrieben.
Das einzige was mich gestört hat, waren ab und an kleine Plausibilitätslücken in der Handlung, z.B. dass ein junges Mädchen ohne Angst auf dem Hof eines fremden, alleinstehenden Mannes übernachtet - das kann ich mir fast nicht vorstellen.
Aber alles in allem ist das Buch für mich vor allem wegen seiner melancholischen, poetischen Erzählweise eine absolute Leseempfehlung!
Kostenloses Rezensionsexemplar
TW: Suizidgedanken
In einem Dorf im Nachkriegs-Deutschland bewirtschaftet Joseph einen Hof. Als seine Frau Lis gemeinsam mit dem gemeinsamen Sohn Samuel den Hof verlässt, um in die Stadt zu ziehen, stürzt Joseph in eine tiefe Einsamkeit. Bis kurz vor Weihnachten plötzlich ein junges Mädchen vor seiner Tür steht, das seine Hilfe braucht. Gemeinsam mit seiner Schwägerin Ada versucht er, dem Mädchen zu helfen. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: der Gegenwartsstrang bewegt sich vorwärts, der Vergangenheitsstrang rückwärts.
Wer ein rasantes Erzähltempo, viele Plottwists und eine dichte Handlung erwartet, wird bei diesem Buch nicht fündig. Elena Fischer lässt sich bewusst Zeit und nutzt die Seiten, um die Gefühlswelt ihrer Protagonist*innen ebenso wie die Atmosphäre im Detail zu beschreiben. Genau darin liegt für mich auch die größte Stärke des Romans.
Besonders die Schilderungen von Einsamkeit und den depressiven Gefühlen, die Joseph umgeben, haben mich an mehreren Stellen wirklich tief berührt. Beispiel: „Der Schmerz darüber schwoll an und ab, war zu einem Grundrauschen geworden, war ein Teil von ihm. Die Tage wurden dunkler. Es war eine Dunkelheit, in der man sich verirren konnte, eine, aus der man nicht mehr herausfand.“
Sehr gelungen fand ich auch, wie die Beziehung zwischen Lis und Joseph gezeichnet wird: Man kann sich in beide gleichermaßen hineinversetzen, ohne dass der Eindruck entsteht, hier werde ein „guter“ gegen einen „bösen“ Partner ausgespielt. Die Enge, die Lis im Dorfleben zu schaffen macht, wird sehr gut herausgearbeitet. Auch das Bild von Elternschaft in den Nachkriegsjahren fand ich sehr gut dargestellt: Männer, die nichts anderes gelernt haben, als ihre eigene autoritäre Erziehung weiterzugeben - eine Erziehung, die keine Sanftheit und keine Gefühle (vor allem bei Männern) zulässt. Wie Joseph versucht, sich aus genau diesen Mustern zu lösen, fand ich sehr gut beschrieben.
Das einzige was mich gestört hat, waren ab und an kleine Plausibilitätslücken in der Handlung, z.B. dass ein junges Mädchen ohne Angst auf dem Hof eines fremden, alleinstehenden Mannes übernachtet - das kann ich mir fast nicht vorstellen.
Aber alles in allem ist das Buch für mich vor allem wegen seiner melancholischen, poetischen Erzählweise eine absolute Leseempfehlung!
July 22, 2026
Ein leises Buch, eine klug erzählte Geschichte
Es ist Weihnachten, das Jahr 1963 neigt sich dem Ende zu und Joseph sitzt da, am Morgen vor Heiligabend. Alleine. Einen Christbaum wird es diesmal geben, auch werden alle zukünftigen Tage, die in einer Familie etwas Besonderes sind, für ihn eher grau in grau sein. Still ist es hier, seit seine Frau Lis mitsamt ihrem gemeinsamen Sohn, dem vierjährigen Samuel, die Koffer gepackt hat und in die Stadt gezogen ist. Und nun herrscht Funkstille zwischen ihnen, seit beinahe einem halben Jahr.
Zwei Zeitebenen sind es, die Josephs Leben reflektieren. Das Heute, in dem er einsam und verlassen ist und er dann zurückblickt auf das Gestern, auf Lis und den kleinen Samuel und auf noch so einiges dazwischen. Joseph hinterfragt sein Leben, denkt an seine Herkunftsfamilie, an seine Eltern, die ihn nie so richtig gesehen haben. Denkt an seinen jüngeren Bruder Johann, an dessen frühen Tod er sich schuldig fühlt. Und er denkt zurück an die Zeit, als er und Lis sich begegnet sind. Er ist verzweifelt und gerade hat er einen Entschluss gefasst, als es klingelt und eine junge Frau vor der Tür steht. Sie nennt sich Birdie. Und da ist auch noch Ada, Lis‘ Schwester: „Eine Träumerin, denkt Joseph von Ada… Vielleicht gibt es überhaupt nur zwei Sorten Menschen auf der Welt: die Realisten und die Träumer.“
Nachdem ich Elena Fischers fulminantes Debüt „Paradies Garden“ gelesen habe, war ich auf ihr neuestes Werk „Wirf einen Schatten“ sehr gespannt und - auch ihr zweites Buch steht dem ersten in nichts nach. Es ist ein leises Buch, eine klug erzählte Geschichte, das von Verzweiflung genau so wie von Mut spricht. Vom Leben an sich, von Schicksalsschlägen und von Freundschaft, von der Kraft der Liebe, vom Auseinanderdriften und dem Zusammenfinden.
Elena Fischers Sprache ist voller Poesie. Ihre behutsame Erzählweise informiert, beobachtet, ohne anzuklagen, ihre Figuren sind nahbar, so manch Satz macht nachdenklich, wirkt lange nach. „Es gibt für alles eine Zeit. Fürs Säen und Ernten, fürs Bleiben und Gehen.“
Auch dieses zweite Buch der Autorin möchte ich nicht missen, diese kluge, diese kraftvolle und doch so feinfühlig erzählte Geschichte um Joseph, der alles verloren glaubt und dann weiß, einen Schatten zu werfen.
Es ist Weihnachten, das Jahr 1963 neigt sich dem Ende zu und Joseph sitzt da, am Morgen vor Heiligabend. Alleine. Einen Christbaum wird es diesmal geben, auch werden alle zukünftigen Tage, die in einer Familie etwas Besonderes sind, für ihn eher grau in grau sein. Still ist es hier, seit seine Frau Lis mitsamt ihrem gemeinsamen Sohn, dem vierjährigen Samuel, die Koffer gepackt hat und in die Stadt gezogen ist. Und nun herrscht Funkstille zwischen ihnen, seit beinahe einem halben Jahr.
Zwei Zeitebenen sind es, die Josephs Leben reflektieren. Das Heute, in dem er einsam und verlassen ist und er dann zurückblickt auf das Gestern, auf Lis und den kleinen Samuel und auf noch so einiges dazwischen. Joseph hinterfragt sein Leben, denkt an seine Herkunftsfamilie, an seine Eltern, die ihn nie so richtig gesehen haben. Denkt an seinen jüngeren Bruder Johann, an dessen frühen Tod er sich schuldig fühlt. Und er denkt zurück an die Zeit, als er und Lis sich begegnet sind. Er ist verzweifelt und gerade hat er einen Entschluss gefasst, als es klingelt und eine junge Frau vor der Tür steht. Sie nennt sich Birdie. Und da ist auch noch Ada, Lis‘ Schwester: „Eine Träumerin, denkt Joseph von Ada… Vielleicht gibt es überhaupt nur zwei Sorten Menschen auf der Welt: die Realisten und die Träumer.“
Nachdem ich Elena Fischers fulminantes Debüt „Paradies Garden“ gelesen habe, war ich auf ihr neuestes Werk „Wirf einen Schatten“ sehr gespannt und - auch ihr zweites Buch steht dem ersten in nichts nach. Es ist ein leises Buch, eine klug erzählte Geschichte, das von Verzweiflung genau so wie von Mut spricht. Vom Leben an sich, von Schicksalsschlägen und von Freundschaft, von der Kraft der Liebe, vom Auseinanderdriften und dem Zusammenfinden.
Elena Fischers Sprache ist voller Poesie. Ihre behutsame Erzählweise informiert, beobachtet, ohne anzuklagen, ihre Figuren sind nahbar, so manch Satz macht nachdenklich, wirkt lange nach. „Es gibt für alles eine Zeit. Fürs Säen und Ernten, fürs Bleiben und Gehen.“
Auch dieses zweite Buch der Autorin möchte ich nicht missen, diese kluge, diese kraftvolle und doch so feinfühlig erzählte Geschichte um Joseph, der alles verloren glaubt und dann weiß, einen Schatten zu werfen.
Review of advance copy
Ein großartiges Buch!
Ein großartiges Buch, das ich definitiv noch mehrmals lesen werde!
Der Plot setzt am Weihnachtsabend 1963 an. Joseph lebt völlig isoliert auf seinem Hof, verlassen von seiner Frau, die auch den gemeinsamen Sohn mitgenommen hat. Ausweglos und von der Einsamkeit erdrückt, steht er kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch genau in diesem Moment reißt ihn das unerwartete Klingeln an der Haustür aus seinen Gedanken. Eine junge, hilfsbedürftige Frau bricht in seine Welt ein und zwingt sein Leben auf eine völlig neue Bahn.
Trotz der inhärenten Tragik und Schwere von Josephs Schicksal gelingt der Autorin eine bemerkenswerte Balance: Die Erzählung verliert sich nie im reinen Pessimismus. Im Gegenteil, das Buch hat mich von der ersten Seite an so gepackt, dass ich es sprichwörtlich in einem Rutsch verschlungen habe. Man spürt in jeder Zeile die tiefe Empathie, die Herzenswärme und das feine Gespür, mit dem die Charaktere gezeichnet sind. Es kommt wirklich selten vor, dass mich ein Roman so tief bewegt und fesselt, dass ich ihn innerhalb von einem Tag durchlese.
Über dem gesamten Werk liegt zwar eine melancholische, bittersüße Note, aber die Hoffnung obsiegt. Es ist im Kern die Geschichte einer Suche nach dem inneren Licht, selbst dann, wenn die Schatten der Vergangenheit so mächtig scheinen, dass sie einen zu verschlingen drohen.
Stilistisch ist das Buch ein absoluter Genuss. Die Sprache ist elegant und poetisch, ohne überladen zu wirken. Die Autorin schafft es, komplizierte emotionale Zustände in Worte zu fassen, die gleichzeitig wehtun und wunderschön sind. Ihre Beobachtungen des alltäglichen Lebens sind dabei präzise auf den Punkt gebracht und gehen direkt ans Herz.
Josephs Weg zurück zu sich selbst
in einer Epoche, in der es für Männer absolut unüblich war, das eigene Dasein und tradierte Rollen zu hinterfragen, hat mich restlos begeistert.
Ein großartiges Buch, das ich definitiv noch mehrmals lesen werde!
Der Plot setzt am Weihnachtsabend 1963 an. Joseph lebt völlig isoliert auf seinem Hof, verlassen von seiner Frau, die auch den gemeinsamen Sohn mitgenommen hat. Ausweglos und von der Einsamkeit erdrückt, steht er kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch genau in diesem Moment reißt ihn das unerwartete Klingeln an der Haustür aus seinen Gedanken. Eine junge, hilfsbedürftige Frau bricht in seine Welt ein und zwingt sein Leben auf eine völlig neue Bahn.
Trotz der inhärenten Tragik und Schwere von Josephs Schicksal gelingt der Autorin eine bemerkenswerte Balance: Die Erzählung verliert sich nie im reinen Pessimismus. Im Gegenteil, das Buch hat mich von der ersten Seite an so gepackt, dass ich es sprichwörtlich in einem Rutsch verschlungen habe. Man spürt in jeder Zeile die tiefe Empathie, die Herzenswärme und das feine Gespür, mit dem die Charaktere gezeichnet sind. Es kommt wirklich selten vor, dass mich ein Roman so tief bewegt und fesselt, dass ich ihn innerhalb von einem Tag durchlese.
Über dem gesamten Werk liegt zwar eine melancholische, bittersüße Note, aber die Hoffnung obsiegt. Es ist im Kern die Geschichte einer Suche nach dem inneren Licht, selbst dann, wenn die Schatten der Vergangenheit so mächtig scheinen, dass sie einen zu verschlingen drohen.
Stilistisch ist das Buch ein absoluter Genuss. Die Sprache ist elegant und poetisch, ohne überladen zu wirken. Die Autorin schafft es, komplizierte emotionale Zustände in Worte zu fassen, die gleichzeitig wehtun und wunderschön sind. Ihre Beobachtungen des alltäglichen Lebens sind dabei präzise auf den Punkt gebracht und gehen direkt ans Herz.
Josephs Weg zurück zu sich selbst
in einer Epoche, in der es für Männer absolut unüblich war, das eigene Dasein und tradierte Rollen zu hinterfragen, hat mich restlos begeistert.
July 1, 2026
Rezensionsexemplar | Triggerwarnung: Das Buch behandelt unter anderem Suizidgedanken, Tod und den Verlust geliebter Menschen.
Mich hat Wirf einen Schatten beim Lesen immer wieder leicht an Alte Sorten und Vom Ende der Einsamkeit erinnert - zwei Bücher die ich im vergangenen Jahr gelesen und geliebt habe, wo mir aber ein bisschen die weibliche Perspektive fehlte. Bei diesem Buch hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte zwar aus der Perspektive eines Mannes erzählt wird, die Figuren und ihre Gedanken aber unglaublich reflektiert wirken. Für mich merkt man hier also, dass eine Frau über Männer schreibt – ich bin Fan von dem Schreibstil von Elena Fischer geworden!
Die Atmosphäre ist unglaublich dicht: Bauernhof, Wald, See, Trauer, Heilung und Nächstenliebe ziehen sich durch die Geschichte. Besonders mochte ich, dass vieles zunächst nur angedeutet wird und sich nach und nach erschließt, auch wenn das Gefühl, dass hinter jeder Figur noch viel viel mehr steckt bis zum Schluss bleibt.
„Sie hatten nicht darüber gesprochen, wie lange Birdie noch blieb. Joseph dachte: Es gibt für alles eine Zeit. Fürs Säen und Ernten, fürs Bleiben und Gehen.“
Ein kleiner Kritikpunkt war für mich, dass ich bei den Zeitsprüngen häufiger zurückblättern musste, weil ich den zeitlichen Überblick verloren habe. Außerdem hätte das Buch für meinen Geschmack gerne ein paar Seiten länger sein dürfen. Einige Handlungsstränge bleiben wie gesagt bewusst offen – das mag ich grundsätzlich, hier hätte ich mir an manchen Stellen aber wirklich noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Trotzdem hat mich Wirf einen Schatten sehr berührt. Es ist ein stilles, intensives Buch über Verlust, Hoffnung und Menschlichkeit. Eine klare Empfehlung für alle, die atmosphärische, emotionale Geschichten mögen, aber: das Buch war für mich kein typischer Summer Read, ich würde es empfehlen im oder um den Winter herum zu lesen, weil es auch in der Jahreszeit spielt hauptsächlich.
Mich hat Wirf einen Schatten beim Lesen immer wieder leicht an Alte Sorten und Vom Ende der Einsamkeit erinnert - zwei Bücher die ich im vergangenen Jahr gelesen und geliebt habe, wo mir aber ein bisschen die weibliche Perspektive fehlte. Bei diesem Buch hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte zwar aus der Perspektive eines Mannes erzählt wird, die Figuren und ihre Gedanken aber unglaublich reflektiert wirken. Für mich merkt man hier also, dass eine Frau über Männer schreibt – ich bin Fan von dem Schreibstil von Elena Fischer geworden!
Die Atmosphäre ist unglaublich dicht: Bauernhof, Wald, See, Trauer, Heilung und Nächstenliebe ziehen sich durch die Geschichte. Besonders mochte ich, dass vieles zunächst nur angedeutet wird und sich nach und nach erschließt, auch wenn das Gefühl, dass hinter jeder Figur noch viel viel mehr steckt bis zum Schluss bleibt.
„Sie hatten nicht darüber gesprochen, wie lange Birdie noch blieb. Joseph dachte: Es gibt für alles eine Zeit. Fürs Säen und Ernten, fürs Bleiben und Gehen.“
Ein kleiner Kritikpunkt war für mich, dass ich bei den Zeitsprüngen häufiger zurückblättern musste, weil ich den zeitlichen Überblick verloren habe. Außerdem hätte das Buch für meinen Geschmack gerne ein paar Seiten länger sein dürfen. Einige Handlungsstränge bleiben wie gesagt bewusst offen – das mag ich grundsätzlich, hier hätte ich mir an manchen Stellen aber wirklich noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Trotzdem hat mich Wirf einen Schatten sehr berührt. Es ist ein stilles, intensives Buch über Verlust, Hoffnung und Menschlichkeit. Eine klare Empfehlung für alle, die atmosphärische, emotionale Geschichten mögen, aber: das Buch war für mich kein typischer Summer Read, ich würde es empfehlen im oder um den Winter herum zu lesen, weil es auch in der Jahreszeit spielt hauptsächlich.
Review of advance copy
Mit „Wirf einen Schatten“ ist Elena Fischer erneut ein leiser und eindringlicher Roman gelungen, der langsam und lange nach dem Lesen wirkt. Bereits „Paradise Garden“ hat mich sprachlich begeistert und auch dieses Buch zeigt, wie eindrucksvoll die Autorin menschliche Verletzlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen erzählen kann.
Im Mittelpunkt steht Joseph, der nach der Trennung von seiner Frau und dem Fortgang seines Sohnes allein auf seinem abgelegenen Bauernhof zurückbleibt. Als er keinen Ausweg mehr sieht, verändert eine unerwartete Begegnung seinen Blick auf das Leben. Parallel dazu führen Rückblenden in die Vergangenheit und machen nach und nach verständlich, wie Joseph zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist. Gerade diese Erzählweise hat mir sehr gefallen, weil sich die Zusammenhänge Stück für Stück erschließen und den Figuren große Glaubwürdigkeit verleihen.
Besonders beeindruckt hat mich Elena Fischers Sprache. Sie schreibt ruhig, poetisch und zugleich präzise, ohne dabei jemals pathetisch zu wirken. Viele Gefühle werden nicht ausgesprochen, sondern liegen zwischen den Zeilen. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Roman eine große emotionale Kraft. Auch die Natur und das abgeschiedene Landleben sind atmosphärisch eingefangen und unterstreichen die Melancholie der Geschichte auf eindrucksvolle Weise.
Der Roman lebt weniger von großen Wendungen als von seinen leisen Momenten. Themen wie Einsamkeit, Verlust, Schuld und die Hoffnung auf einen Neuanfang werden mit viel Feingefühl erzählt. Besonders gefallen hat mir, dass Veränderung nicht plötzlich geschieht, sondern als langsamer und glaubwürdiger Prozess dargestellt wird.
Für mich ist „Wirf einen Schatten“ ein sprachlich wunderschöner und emotional tiefgehender Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite eine besondere Atmosphäre entfaltet. Elena Fischer beweist erneut ihre außergewöhnliche Fähigkeit, große Gefühle mit leisen Worten auszudrücken.
Eine klare Leseempfehlung.
Im Mittelpunkt steht Joseph, der nach der Trennung von seiner Frau und dem Fortgang seines Sohnes allein auf seinem abgelegenen Bauernhof zurückbleibt. Als er keinen Ausweg mehr sieht, verändert eine unerwartete Begegnung seinen Blick auf das Leben. Parallel dazu führen Rückblenden in die Vergangenheit und machen nach und nach verständlich, wie Joseph zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist. Gerade diese Erzählweise hat mir sehr gefallen, weil sich die Zusammenhänge Stück für Stück erschließen und den Figuren große Glaubwürdigkeit verleihen.
Besonders beeindruckt hat mich Elena Fischers Sprache. Sie schreibt ruhig, poetisch und zugleich präzise, ohne dabei jemals pathetisch zu wirken. Viele Gefühle werden nicht ausgesprochen, sondern liegen zwischen den Zeilen. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Roman eine große emotionale Kraft. Auch die Natur und das abgeschiedene Landleben sind atmosphärisch eingefangen und unterstreichen die Melancholie der Geschichte auf eindrucksvolle Weise.
Der Roman lebt weniger von großen Wendungen als von seinen leisen Momenten. Themen wie Einsamkeit, Verlust, Schuld und die Hoffnung auf einen Neuanfang werden mit viel Feingefühl erzählt. Besonders gefallen hat mir, dass Veränderung nicht plötzlich geschieht, sondern als langsamer und glaubwürdiger Prozess dargestellt wird.
Für mich ist „Wirf einen Schatten“ ein sprachlich wunderschöner und emotional tiefgehender Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite eine besondere Atmosphäre entfaltet. Elena Fischer beweist erneut ihre außergewöhnliche Fähigkeit, große Gefühle mit leisen Worten auszudrücken.
Eine klare Leseempfehlung.
Review of advance copy received from Publisher
Elena Fischer ist mit „Wirf einen Schatten“, erschienen bei Diogenes, etwas ganz Besonderes gelungen: einen Menschen wieder zum Leben zu erwecken.
Der Mensch ist Joseph und er ist zu Beginn der Geschichte im Begriff, sich das Leben zu nehmen. Zu viel ist passiert: nach mehreren Schicksalsschlägen führt er den Hof in den Bergen alleine und obwohl es für ein paar Jahre so aussieht, als ob das Schicksal es gut mit ihm meinen würde, geht kurze Zeit später alles den Berg runter. Seine Frau verlässt ihn mit dem gemeinsamen Sohn und Joseph sieht gar keinen Sinn mehr in seiner Existenz. Bis eine junge Frau an seine Türe klopft, buchstäblich in letzter Sekunde.
Was wir dann erleben ist Josephs langsamer Weg zurück in‘s Leben, immer wieder unterbrochen von Rückblenden, die zeigen, wie er geworden ist, wer er ist: ein sensibler junger Mann, dem die Worte für all seine gut verschlossenen Gefühle fehlen.
Elena Fischer gelingt es, Josephs Leben auf dem Hof und sein Innenleben so intensiv zu beschreiben, dass die Leser*innen ganz tief hineingezogen werden, in diese ruhige Bergwelt in den Fünfziger und Sechziger Jahren: in der alles übersichtlich und überschaubar war, aber auch gleichförmig und nur die Jahreszeiten für Abwechslung sorgten. In der es keine Handys und anderen Ablenkungen gab und man auf Gedeih und Verderb mit den Menschen zusammengeschweißt wurde, die zufällig am selben Fleck lebten. „Wirf einen Schatten“ verdeutlicht, wie wichtig die menschlichen Verbindungen, die Sorge umeinander wirklich sind.
Joseph wird nicht nur von der jungen Frau gerettet, die an diesem Weihnachtstag an seine Tür klopft: auch er rettet sie.
Denn einander ist tatsächlich alles, was wir haben.
Ein wunderschöner, poetischer Roman über alles, was zählt: ich habe ihn sehr geliebt ❤️
Der Mensch ist Joseph und er ist zu Beginn der Geschichte im Begriff, sich das Leben zu nehmen. Zu viel ist passiert: nach mehreren Schicksalsschlägen führt er den Hof in den Bergen alleine und obwohl es für ein paar Jahre so aussieht, als ob das Schicksal es gut mit ihm meinen würde, geht kurze Zeit später alles den Berg runter. Seine Frau verlässt ihn mit dem gemeinsamen Sohn und Joseph sieht gar keinen Sinn mehr in seiner Existenz. Bis eine junge Frau an seine Türe klopft, buchstäblich in letzter Sekunde.
Was wir dann erleben ist Josephs langsamer Weg zurück in‘s Leben, immer wieder unterbrochen von Rückblenden, die zeigen, wie er geworden ist, wer er ist: ein sensibler junger Mann, dem die Worte für all seine gut verschlossenen Gefühle fehlen.
Elena Fischer gelingt es, Josephs Leben auf dem Hof und sein Innenleben so intensiv zu beschreiben, dass die Leser*innen ganz tief hineingezogen werden, in diese ruhige Bergwelt in den Fünfziger und Sechziger Jahren: in der alles übersichtlich und überschaubar war, aber auch gleichförmig und nur die Jahreszeiten für Abwechslung sorgten. In der es keine Handys und anderen Ablenkungen gab und man auf Gedeih und Verderb mit den Menschen zusammengeschweißt wurde, die zufällig am selben Fleck lebten. „Wirf einen Schatten“ verdeutlicht, wie wichtig die menschlichen Verbindungen, die Sorge umeinander wirklich sind.
Joseph wird nicht nur von der jungen Frau gerettet, die an diesem Weihnachtstag an seine Tür klopft: auch er rettet sie.
Denn einander ist tatsächlich alles, was wir haben.
Ein wunderschöner, poetischer Roman über alles, was zählt: ich habe ihn sehr geliebt ❤️
This entire review has been hidden because of spoilers.
Review of advance copy
Mit "Wirf einen Schatten" erzählt Elena Fischer eine ruhige, tiefgründige Geschichte über Einsamkeit, Verlust und die Kraft menschlicher Begegnungen. Im Mittelpunkt steht Joseph, der nach und nach lernen muss, sich seiner Vergangenheit und seinen Gefühlen zu stellen. Als die junge Birdie unerwartet auf seinem Hof auftaucht, gerät sein festgefahrenes Leben in Bewegung. Gemeinsam mit den Frauen, die ihn auf unterschiedliche Weise geprägt haben – seiner Frau Lis und ihrer Schwester Ada –, beginnt er, längst verdrängte Wahrheiten zuzulassen.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Wie so oft bei Romanen mit Rückblenden haben mich die Kapitel in der Gegenwart deutlich mehr gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, wie Joseph und Birdie ihren Weg finden, während ich die Abschnitte aus der Vergangenheit zwar wichtig für das Gesamtbild fand, sie mich aber nicht ganz so sehr in ihren Bann ziehen konnten.
Besonders beeindruckt hat mich die Botschaft des Romans: Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Elena Fischer zeigt einfühlsam, wie schwer es sein kann, über Ängste, Liebe und Schmerz zu sprechen – und wie befreiend es ist, sich anderen dennoch zu öffnen. Gerade Josephs Entwicklung ist dabei glaubwürdig und berührend erzählt.
Elena Fischers Sprache ist ruhig und atmosphärisch und passt perfekt zu dieser leisen, emotionalen Geschichte. Auch wenn ich die Gegenwartshandlung deutlich lieber gelesen habe als die Rückblicke, hat mich der Roman mit seinen authentischen Figuren und seiner warmherzigen Botschaft überzeugt.
Ein berührender Roman, der zeigt, dass Heilung oft dort beginnt, wo Menschen den Mut finden, ihre Verletzlichkeit zuzulassen.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Wie so oft bei Romanen mit Rückblenden haben mich die Kapitel in der Gegenwart deutlich mehr gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, wie Joseph und Birdie ihren Weg finden, während ich die Abschnitte aus der Vergangenheit zwar wichtig für das Gesamtbild fand, sie mich aber nicht ganz so sehr in ihren Bann ziehen konnten.
Besonders beeindruckt hat mich die Botschaft des Romans: Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Elena Fischer zeigt einfühlsam, wie schwer es sein kann, über Ängste, Liebe und Schmerz zu sprechen – und wie befreiend es ist, sich anderen dennoch zu öffnen. Gerade Josephs Entwicklung ist dabei glaubwürdig und berührend erzählt.
Elena Fischers Sprache ist ruhig und atmosphärisch und passt perfekt zu dieser leisen, emotionalen Geschichte. Auch wenn ich die Gegenwartshandlung deutlich lieber gelesen habe als die Rückblicke, hat mich der Roman mit seinen authentischen Figuren und seiner warmherzigen Botschaft überzeugt.
Ein berührender Roman, der zeigt, dass Heilung oft dort beginnt, wo Menschen den Mut finden, ihre Verletzlichkeit zuzulassen.
July 22, 2026
Joseph ist ein extrem introvertierter Mann, der durch mehrere Ereignisse in seiner Kindheit den Glaube verloren hat, jemand könnte auf Dauer bei ihm bleiben. Als er Lisi kennenlernt und sie unerwartet schwanger wird, macht er ihr einen Heiratsantrag, weil man das 1960 so gemacht hat. Sie zieht mit ihm auf seinen abgelegenen Bergbauernhof, wo sie anfangs sehr glücklich sind. Die Geburt von Samuel überfordert Joseph, wie soll er ein guter Vater sein, wenn seiner es nie war? Dies ist der Anfang des Endes der Beziehung zwischen Lisi und Joseph. Sie zieht überraschend aus als Samuel vier Jahre ist. Danach fällt Joseph in ein tiefes Loch, aus dem ihn erst ein paar Monate später Birdie, die vor ihrem Vater flieht und plötzlich vor seiner Tür steht, retten kann.
Das Buch springt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin- und her, allerdings sind die jeweiligen Kapitel immer mit der Jahreszahl versehen, so dass man jederzeit weiß, wo man sich befindet. Die bewusste Aneinanderreihung von gegenwärtigen Ereignissen und Episoden aus der Vergangenheit, verleiht den Charakteren eine unglaubliche Tiefe, was eine der Stärken des Buches ist. Die Protagonisten sind so echt, nahbar und verständlich gezeichnet, dass es eine wahre Freude ist, sie eine Weile begleiten zu dürfen.
Daneben ist das Buch unglaublich atmosphärisch geschrieben, man kann sich die Umgebung jederzeit bildlich vorstellen, was einen noch tiefer in die Ereignisse eintauchen lässt. Dazu kommt ein sehr guter Sprachstil, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt.
Alles in allem habe ich das Buch sehr genossen und empfehle es allen weiter, die gerne Familiengeschichten mit Tiefgang lesen.
Das Buch springt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin- und her, allerdings sind die jeweiligen Kapitel immer mit der Jahreszahl versehen, so dass man jederzeit weiß, wo man sich befindet. Die bewusste Aneinanderreihung von gegenwärtigen Ereignissen und Episoden aus der Vergangenheit, verleiht den Charakteren eine unglaubliche Tiefe, was eine der Stärken des Buches ist. Die Protagonisten sind so echt, nahbar und verständlich gezeichnet, dass es eine wahre Freude ist, sie eine Weile begleiten zu dürfen.
Daneben ist das Buch unglaublich atmosphärisch geschrieben, man kann sich die Umgebung jederzeit bildlich vorstellen, was einen noch tiefer in die Ereignisse eintauchen lässt. Dazu kommt ein sehr guter Sprachstil, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt.
Alles in allem habe ich das Buch sehr genossen und empfehle es allen weiter, die gerne Familiengeschichten mit Tiefgang lesen.
August 6, 2026
Mit Wirf einen Schatten legt Elena Fischer einen berührenden und atmosphärisch dichten Roman vor, der von Verlust, familiären Bindungen und der Suche nach einem Neuanfang erzählt. Die Geschichte spielt in den 1960er Jahren auf dem Land und begleitet den schweigsamen Bauern Joseph, dessen Leben durch das Auftauchen der jungen Birdie unerwartet aus den gewohnten Bahnen gerät.
Besonders beeindruckend ist Fischers feinfühlige Darstellung ihrer Figuren. Joseph ist kein Held großer Worte, sondern ein Mann, der seine Gefühle hinter harter Arbeit und Schweigen verbirgt. Gerade diese Zurückhaltung macht ihn glaubwürdig und menschlich. Auch die Frauenfiguren – Lis, Ada und Birdie – verleihen der Geschichte Tiefe und zeigen unterschiedliche Wege, mit Freiheit, Verantwortung und gesellschaftlichen Erwartungen umzugehen.
Die Autorin schreibt in einer ruhigen, poetischen Sprache, die die Landschaft und das Lebensgefühl der damaligen Zeit lebendig werden lässt. Dabei entwickelt sich die Handlung eher leise als spektakulär. Wer rasante Wendungen sucht, könnte den Roman stellenweise als langsam empfinden. Die Stärke des Buches liegt jedoch gerade in seinen Zwischentönen, den unausgesprochenen Gefühlen und den kleinen Veränderungen, die das Leben der Figuren nachhaltig prägen.
Wirf einen Schatten ist ein Roman über Menschen, die lernen müssen, mit ihrer Vergangenheit zu leben, um eine Zukunft zu finden. Elena Fischer erzählt diese Geschichte mit großer Empathie und einem feinen Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen. Ein bewegendes Buch für Leserinnen und Leser, die charakterstarke Figuren und atmosphärische Familiengeschichten schätzen.
Besonders beeindruckend ist Fischers feinfühlige Darstellung ihrer Figuren. Joseph ist kein Held großer Worte, sondern ein Mann, der seine Gefühle hinter harter Arbeit und Schweigen verbirgt. Gerade diese Zurückhaltung macht ihn glaubwürdig und menschlich. Auch die Frauenfiguren – Lis, Ada und Birdie – verleihen der Geschichte Tiefe und zeigen unterschiedliche Wege, mit Freiheit, Verantwortung und gesellschaftlichen Erwartungen umzugehen.
Die Autorin schreibt in einer ruhigen, poetischen Sprache, die die Landschaft und das Lebensgefühl der damaligen Zeit lebendig werden lässt. Dabei entwickelt sich die Handlung eher leise als spektakulär. Wer rasante Wendungen sucht, könnte den Roman stellenweise als langsam empfinden. Die Stärke des Buches liegt jedoch gerade in seinen Zwischentönen, den unausgesprochenen Gefühlen und den kleinen Veränderungen, die das Leben der Figuren nachhaltig prägen.
Wirf einen Schatten ist ein Roman über Menschen, die lernen müssen, mit ihrer Vergangenheit zu leben, um eine Zukunft zu finden. Elena Fischer erzählt diese Geschichte mit großer Empathie und einem feinen Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen. Ein bewegendes Buch für Leserinnen und Leser, die charakterstarke Figuren und atmosphärische Familiengeschichten schätzen.
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