Der Baum ist alles für den Michel. In vierter Generation führt er das Wirtshaus, das lange Jahre nicht nur für ihn Mittelpunkt der Welt war. Inzwischen sitzt er oft allein am großen Tisch, an dem früher einmal das Dorf zusammenkam, um Abend für Abend zu lachen, zu trinken und die oftmals harte Welt da draußen zu vergessen. Er blickt zurück auf seine Kindheit im warmen Schatten des Großvaters. Auf eine Jugend, die nach Freiheit und der Liebe suchte – Berta. Auf den Vater, der ihm dieses Glück verbieten wollte. Und auf den Tag, an dem er von seiner Familie und dem Baum floh und in der Ferne große Schuld auf sich lud. Eine Schuld, die ihn bald zurückführte an den Ort, dem er immer entkommen wollte und der doch sein ganzes Leben war, sein Zuhause, der Baum.
»Diesem Autor möchte man tagelang, ach was, ein Leben lang zuhören, weil er etwas in uns berührt, wie kaum ein anderer.« WDR4
»Goerz hat das Leben studiert. Das gute wie das schlechte.« BR
„Der Baum“ von Tommie Goerz ist für mich ein ganz besonderes Buch. Eigentlich erzählt es vom einfachen, ganz normalen Leben und gerade darin liegt seine große Stärke. Von Kindheit und Jugend, von Familie und Liebe, von Heimat, Schuld und verpassten Möglichkeiten. Es ist kein leichtes Leben, von dem Tommie Goerz erzählt. Manches ist hart, manches traurig und über allem liegt eine leise Melancholie. Und doch hatte ich nie das Gefühl, dass das Buch schwermütig sein möchte. Es ist vielmehr ehrlich und ungeschönt. Besonders beeindruckt hat mich die wunderschöne Sprache. Goerz braucht keine großen Worte, um große Gefühle entstehen zu lassen. Beim Lesen hatte ich die Menschen, das Dorf und vor allem das alte Wirtshaus regelrecht vor Augen. Mehr noch: Ich hatte seinen Geruch in der Nase. Diesen ganz eigenen Geruch eines alten Wirtshauses, den ich selbst noch kenne und den man wohl nie ganz vergisst. Das Buch erzählt von einer Welt, die langsam verschwindet, von einem Ort, an dem Menschen zusammenkamen und an dem sich ein ganzes Leben abgespielt hat. Dabei wirft „Der Baum“ immer wieder Fragen auf: Was macht ein gelungenes Leben aus? Welche Entscheidungen bestimmen unseren Weg? Was bleibt am Ende? Und kann man dem Ort, aus dem man kommt, überhaupt jemals wirklich entkommen? Ein stilles, hartes und zugleich wunderschönes Buch, das mich sehr berührt hat und noch lange nach der letzten Seite beschäftigt. Wie schön, dass es dieses Buch, diese Geschichte gibt.