Die Sommerferien stehen vor der Tür. Am letzten Schultag bringt ein Gewitter den Regen mit, der nicht aufhören will. Das Wasser steigt im norddeutschen Henstedt-Ulzburg an und mit ihm ereignen sich mysteriöse Ereignisse. Paul, Mark, Dirk, Sasch und Lucie wollen in den Ferien ein neues Baumhaus bauen. Fast keine Kinder mehr und auch noch keine Jugendlichen – so erobern sie die Plätze der »Großen« und machen dabei eine grausame Entdeckung. Sie wollen Hilfe von den Erwachsenen holen, aber stellen fest, dass ihnen bereits etwas folgt … Mit dem Wasser kommt das Böse!
Buch 21 in 2019: "Wasser" von Vincent Voss. Ein norddeutscher Coming-of-age Horrorroman rund um etwas Seltsames im Wasser. Leider handelten die Charaktere mitunter sehr seltsam, der Schreibstil war stellenweise etwas holprig zu lesen und trotz dem vom mir sehr genossenem schleswig-holsteinischen Flair konnte mich die Geschichte nicht wirklich abholen. Es gab spannende Stellen, aber leider auch Stirn-kräuselnde Momente.
Zunächst möchte ich gern anmerken, dass die Handlung irgendwann in den 1980ern angesiedelt ist. Wer in dieser Zeit zwischen dem Kinder- und Teenageralter stand und vielleicht sogar in Norddeutschland aufgewachsen ist, für den dürfte dieser Roman teilweise geradezu nostalgisch wirken und einiges an Erinnerungen an damals wachrufen. Dies ist das fünfte Buch von Vincent Voss, das ich lese und wieder einmal fällt mir seine Liebe zum Detail auf, die sich hier in zahlreichen Beschreibungen zeigt, zum Beispiel zu den örtlichen Gegebenheiten. Liebe zum Detail gibt es auch im Buchcover, das allerdings leider etwas dunkel geraten ist. Aber das ist natürlich wiederum passend für einen Horror-Roman. Die Perspektive teilt sich auf – zum einen berichtet einer der Charaktere rückblickend von vergangenen Ereignissen aus der Ich-Perspektive. Der weitaus größere Teil des Buches ist in der 3. Person geschrieben. Der Horror schleicht sich hier eher auf Zehenspitzen an – oder sollte ich sagen, tropfenweise – um dann umso unbarmherziger zuzuschlagen, je weiter die Handlung fortschreitet. Dabei wird nicht alles vollständig aufgeklärt und das Grauen zieht sich schließlich durch bis auf die allerletzte Seite. Wer Horrorgeschichten mit Kindern/Jugendlichen als Hauptfiguren nicht mag, für den ist dieser Roman eher nichts. Denn abgesehen von einigen wenigen Erwachsenen, dreht sich alles um die Bande an Teenagern, von denen im Klappentext die Rede ist. Allerdings ist es auf jeden Fall ein Buch für Erwachsene, kein Horror-Jugendbuch. Idealerweise sollte man dieses Buch in einem verregneten Sommer lesen, das passt bestens zur Handlung.
Paul, Mark, Dirk, Sasch und Lucie sind eine Clique. Gute Freunde, die einfach durch dick und dünn gehen. Und jetzt sind sogar noch Sommerferien – eigentlich könnte es doch kaum besser sein! Würde es nur endlich aufhören zu regnen… Doch wer wird sich schon von ein bisschen Wasser aufhalten lassen. Aber irgendetwas stimmt nicht. Man könnte beinahe glauben, dass etwas mit dem Wasser kam…
Ähnlich einem bevorstehenden Regenschauer, einem sich langsam anbahnenden Unwetter, entfaltet sich dieser Roman. So plätschert er nicht vor sich hin – vielmehr bahnt er sich an, lässt die Wolken wachsen, bis sich die Wolkendecke schließt, das Firmament verdunkelt und sich das Übel über dem Leser ergießt. Voss ist kein White, kein Lee oder Shaw. Die Obszönität, welche er hier zu schenken weiß, ist der Samen, der die Phantasie des Lesers befruchtet. Es ist die Leichtigkeit, die bekannte Banalität, das nachvollziehbare Handeln, die unheilvolle Normalität, die die Story à la King an den Leser trägt. Wie eine Welle wächst die Geschichte, formt sich zu einer gnadenlosen Wand, bäumt sich auf, um dann zu verschlingen, zu ersticken und…
…gerade gegen Ende nimmt die Geschichte derart rasant an Fahrt auf, dass sie sich beinahe schon selbst überholt. Man droht weniger in den Ereignissen, als den, auf den ersten Blick, nicht beendeten Geschehnissen zu ertrinken – hier ist es nun aber wieder die Phantasie, die sich unbarmherziger als jedes Wort vor die Augen schwemmt. Das Ende hart, klar, kalt – das Wasser hat mich eingeholt…
”Wasser“ ist ehrlich – es will nicht mehr sein, als es ist und ist auch nicht mehr, als es zu sein scheint: gesunder Grusel-Horror mit Page-Turner-Ambitionen. Für 150 bis 200 Seiten mehr wären die Charaktere dankbar und das Ende (der Jugend) verheerender – und doch scheint es nicht wirklich zu fehlen. Vielleicht ist hier weniger eben doch mehr. Danke an Vincent Voss für diesen kleinen deutschen King!
Von nun an halte ich Abstand von meiner Frau, wenn diese in der Badewanne liegt…