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Nur eine Frau: Jahre, Tage, Stunden

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German

322 pages, Hardcover

Published January 1, 1984

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Marta Feuchtwanger

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Profile Image for Liedzeit Liedzeit.
Author 1 book127 followers
July 27, 2026
Ihr Leben, sagt sie gleich auf der ersten Seite, begann erst an dem Tag, als sie Lion traf. Weil sie ja „nur eine Frau” war, deren Leben nur, wenn überhaupt, als Gattin des großen Schriftstellers von Interesse ist? In gewisser Weise stimmt das natürlich, ich hätte das Buch nicht gelesen, wenn mich der Name Feuchtwanger nicht angezogen hätte. Aber ich hätte die Erinnerungen einer großen Frau verpasst, was man schon an einer zweiten Bemerkung auf der ersten Seite erahnen kann:

Ich schloß eine Übereinkunft mit mir: Ich verschweige nichts über mich, wenn es auch manchmal etwas gewagt erscheinen mag, und das Sensationelle, sagen wir den Klatsch über andere, beschränke ich auf das Notwendigste. Da bleibt immer noch ein kleiner Spielraum.

In der Tat lässt sie dann Vieles nur erahnen. Lion, sagt sie an einer Stelle zum Beispiel, hatte inzwischen eine Schweizerin gefunden, die ihn amüsierte. Mehr nicht. Gleich zu Anfang der Bekanntschaft geht sie mit ihm auf sein Zimmer. „Dort begann unsere Ehe.“ An eine Heirat denken beide nicht, dazu denken sie zu fortschrittlich. Umso überraschter ist sie, als er auf Heirat besteht, als sie schwanger wird. Er stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie und die ist mit der Verbindung nicht glücklich. Mein Sohn, sagt Lions Vater zu ihrem Vater ist ein Lump, und wenn ihre Tochter ihn heiratet, ist sie auch nicht besser.

Von den Fleischtöpfen Ägyptens abgeschnitten (sie ist, verglichen mit ihm nicht sehr gebildet, aber verglichen mit uns Heutigen sehr), beginnen sie ohne viel Geld ihre Hochzeitsreise. Und die Schilderung dieser Reise ist sensationell gut. Wie reisten zwei junge Menschen, damals vor dem ersten Weltkrieg, ohne viel Geld durch Italien? Wir erhalten eine genaue Schilderung. Zwischendurch wird das Kind geboren, stirbt aber schnell. Noch ist Lion nicht sehr berühmt. Er hielt sich hauptsächlich mit Theaterkritiken über Wasser, als Marta ihn kennenlernte. (Die sie nicht mochte, da er zu bissig war.) Sie leben zeitweise von der Hand in den Mund und müssen sich von Wucherern Geld leihen. Natürlich sprechen beide Italienisch. Französisch sowieso. Lion auch Hebräisch, weshalb er dann auch später in Tunesien mit dem Arabischen zurechtkommt.

Besonders gut gefällt ihnen Neapel, dort wird man damals als hübsche junge Frau noch in den Hintern gezwickt, wenn man allein auf die Straße geht.

Dann beginnt der Erste Weltkrieg und Lion muss seine soldatische Pflicht erfüllen. Das geht aber glimpflich aus, und nun beginnt die Schilderung des Lebens in der Münchner Bohème. Eine Anekdote folgt der nächsten, aber es gelingt ihr dennoch dabei eine Geschichte zu erzählen. Wie sie Brecht kennenlernen, der später sagen wird, dass er die Freundschaft zu Feuchtwanger als Sprungbrett betrachtet habe, der darum von Lion im Erfolg nicht so gut wegkommt, ist allein schon die Lektüre wert. Man trifft sich in der Torggelstube. Dort gibt es zwei Fraktionen, die von Max Halbe und die von Wedekind. Wir treffen in den Erinnerungen Bruno Frank, Arnold Zweig, sämtliche Manns (Lion war ein Bewunderer von Heinrich), Bennett, Thalberg, Maugham, Galsworthy, Sinclair Lewis (der sagte Feuchtwanger hätte den Nobelpreis eher verdient als er), Max Reinhardt, die Werfels, Leonhard Frank und Dutzende andere.

Die Zeit in Berlin ist etwas weniger lebendig, aber dafür die Zeit des Exils in Sansary, die Zeit im Konzentrationslager und die Flucht dafür wieder umso mehr.

Marta Feuchtwanger bekommt jedes Jahr von ihrem Mann einen Skiurlaub geschenkt. Sie fährt allein. (Dabei trifft sie Leni Riefenstahl, die allerdings, anders als die Legende besagt, keine gute Skifahrerin war.) Auto fährt Marta natürlich auch besser als der Gatte.

Und dann, als sie nach vielen Abenteuern in Amerika angelangt sind (Lion bekommt wegen seiner Beziehung zu Stalin nicht die Staatsbürgerschaft, und sie erst viel, viel später), beendet sie die Beschreibung ihres und Lions Leben. Sie stirbt 1987 mit 96.
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