***Die vielfach ausgezeichneten Texte der renommierten Journalistin und Intellektuellen Carolin Emcke***
Wie lässt sich von Krieg und Gewalt erzählen?
Gibt es dabei Grenzen des Verstehens?
Schwellen des Sagbaren?
Welche Bedingungen muss eine gerechte Gesellschaft schaffen, damit die Opfer von Gewalt über das Erlittene sprechen können?
Diesen Fragen stellt sich Carolin Emcke mit ihren Essays in der Überzeugung, dass es nicht nur möglich, sondern nötig ist, vom Leid anderer zu erzählen - für die Opfer von Gewalt ebenso wie für die Gemeinschaft, in der wir leben wollen.
Sie argumentiert gegen das »Unbeschreibliche« und für das Ethos der Empathie und des Erzählens.
Für ihre scharfsinnigen und empathischen Texte erhielt sie zuletzt den Merck-Preis 2014, den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus und die Auszeichnung »Journalistin des Jahres«.
Carolin Emcke, geboren am 18. August 1967 in Mülheim an der Ruhr, lebt als freie Publizistin in Berlin. Sie studierte ab 1987 Philosophie, Politik und Geschichte in London, Frankfurt am Main und an der Harvard University. Ihre Doktorarbeit „Kollektive Identitäten. Sozialphilosophische Grundlagen“ wurde 2000 im Campus Verlag veröffentlicht.
Von 1998 bis 2006 arbeitete Carolin Emcke als festangestellte Redakteurin beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Ab 1999 bereiste sie als Auslandsredakteurin zahlreiche Krisenregionen und berichtete unter anderem aus dem Kosovo, Afghanistan, Pakistan, Irak und dem Gaza-Streifen. Aus den Briefen, die sie zwischen 1999 und 2003 an ihre Freunde schrieb, entstand 2004 ihr erstes Buch „Von den Kriegen – Briefe an Freunde“ (S. Fischer Verlag).
2003 bis 2004 ging Carolin Emcke für ein Jahr als Visiting Lecturer an die Yale University und lehrte unter anderem über „Theorien der Gewalt“. Seit 2004 kuratiert und moderiert sie zudem die monatliche Diskussionsreihe „Streitraum“ an der Berliner Schaubühne. Von 2007 bis 2014 arbeitete sie als freie Autorin für DIE ZEIT und veröffentlichte Reportagen aus dem Irak, Haiti, dem Gazastreifen sowie zahlreiche Essays. Seit Oktober 2014 schreibt sie für die Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung eine wöchentliche Kolumne.
Carolin Emcke wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lessing-Preis des Freistaats Sachsen (2015), dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay (2014) und dem Theodor-Wolff-Preis (2008). 2010 wurde sie zur Journalistin des Jahres gewählt. Im Oktober 2016 wird mit „Gegen den Hass“ eine essayistische Auseinandersetzung mit dem Rassismus, dem Fanatismus und der Demokratiefeindlichkeit erscheinen.
2016 erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
Kein leichter Stoff, aber wichtig. Carolin Emcke scheut sich nicht davor, Themen wie Misshandlung und Folter unter die Lupe zu nehmen, vor denen wir aus Bequemlichkeit häufig die Augen verschließen. In "Weil es sagbar ist" stellt sich Emcke die Frage, wie Betroffene über Erfahrungen sprechen können, die vielerorts als unvorstellbar gelten. Leidtragende behandelt sie dabei stets mit größtem Respekt. Durch zahlreiche Verweise auf Berichte aus erster Hand regt das Buch zum Weiterlesen an.
Neben dem titelgebenden "Weil es sagbar ist" enthält diese Sammlung auch weitere Essays zu Leiderfahrungen, zu Islamfeindlichkeit, zu Heimat, zu Demokratie und über das Reisen, die immer wieder zum Nachdenken anregen. Ob sie sich wissenschaftlich an ein Thema herannähern oder von persönlichen Erfahrungen berichten, sind Emckes Texte stilistisch sehr gelungen. Schwierig nachzuvollziehen war für mich lediglich "Herausforderung Demokratie". Vielleicht war es der Abschnitt über sprachliche Mechanismen der Exklusion, der mir ins Bewusstsein gerufen hat, dass dieses Essay selbst eine gewisse Bildung voraussetzt, um verstanden zu werden. Mit den Einblicken in Emckes Alltag konnte ich persönlich deutlich mehr anfangen.
In klugen, klaren Texten ergründet Carolin Emcke schwerwiegende Themen wie Folter, antimuslimischen Rassismus und Naturkatastrophen. Am tiefsten greift der titelgebende Essay, welcher mit seinen 100 Seiten auch mit Abstand der ausführlichste dieses Bands ist. Hier geht es um das Erzählen von Gewalt; warum das zur Sprache bringen oft als unbeschreiblich bezeichneter Erlebnisse so wichtig ist und wie unsere Gesellschaft Betroffenen dies ermöglichen kann und sollte. Mit einer zutiefst beeindruckenden Präzision hinterfragt und argumentiert Emcke und rahmt ihre Thesen stilistisch genau gelungen ein. Auch acht Jahre nach seiner Erstpublizierung noch hochaktuell, ist dieser Essayband eine dringende Leseempfehlung!
Einmal im Strudel solch dramatischer Prozesse, hält die Sprache fest an der verlorenen Welt.
"Ohne vor die Tür zu gehen, kann ich reisen: zu anderen, zu mir selbst, in die Vergangenheit, in die Gegenwart, es ist ein beglückendes, bereicherndes, langsames Reisen entlang all der Dinge und der Geschichten, die sie erzählen."
= poetischer Schluss eines Buchs, dass es einer nicht leicht macht, aber sehr viel gibt ...
Vielleicht ist dies der Moment, an dem ich gestehen muss, dass ich zu der Spezies der Sammler gehöre. Was schlimmer ist: Ich stamme aus einer Familie von Sammlern.
Das im Sale ergatterte Buch konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Der Klappentext klang unfassbar vielversprechend und musste daher mit. Nicht aufgrund des Inhaltes, sondern wegen der für mich mangelhaften Erzählweise. 3 Trilliarden Absätze trennen nach und nach mein Interesse (für das wichtige und sicherlich gut recherchierte Thema von Krieg und Gewalt) ab.. Vielleicht brauchte ich in der Weihnachtszeit aber auch nur etwas mitreißenderes..