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Erlösung: Über Messianismus und Apokalyptik in den politischen Diskursen der Gegenwart

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Kindle Edition

Published September 3, 2026

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Jens Balzer

22 books13 followers
Jens Balzer (Alemania, 1969) es escritor y periodista. Doctorado en la Universidad de Hamburgo, ahora enseña crítica pop en la Universidad de las Artes de Berlín. Ha trabajado como columnista y redactor en distintos medios de comunicación, entre los que se encuentran Die Zeit, Berliner Zeitung, Rolling Stone y radioeins. Además, codirige el Popsalon del Deutsches Theatre y es asesor artístico del Donaufestival Krems. Es autor de una extensa bibliografía sobre crítica pop.

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Profile Image for Faber1312.
2 reviews
September 13, 2026
Kurz:

Jens Balzer hat ein neues, tolles Buch darüber geschrieben, wie religiöse Endzeitvorstellungen in den politischen Diskurs Einzug halten. Verschiedene historische und aktuelle Beispiele werden in den Blick genommen, wie z.B. die Tech-Apokalyptik eines Petr Thiel, die Eschatologie der Hamas oder auch der religiöse Nationalismus in Russland. Balzer weiß, wie immer, Anekdoten, politische Eregnisse und komplexe Theorie miteinander zu verknüpfen. Kritisch anzumerken bleibt, dass einige Fachdiskurse der Disziplinen, die hier angerissen werden, leider unter den Tisch fallen. Dem Genre des Essays geschuldet, muss diese Kritik aber, mit ein bis zwei Ausnahmen, nicht zu hoch gehängt werden. Alles in allem ein anspruchsvolles, aber lohnenswertes Buch!



Lang:
Das Buch glänzt vor allem durch eine fabelhafte Rekonstruktion von Girards Theorie des mimetischen Begehrens bei gleichzeitiger Kritik seinen christlichen Apologetik. Verknüpft mit den zentralen Einsichten lacanscher Psychoanalyse führt das Buch hinüber zur Betrachtung politisch-theologischer Schauplätze der Gegenwart und der jüngeren Verganhenheit. Dabei zeigt Balzer die ganze bandbreite religiös-fundamentalistischer Weltanschauungen. Der Islamsimus der Hamas, die evangelikale Apokalyptik, Spielarten der christlich-orthodoxen und des jüdisch-orthodoxen Politik eint eines: die "Immanentisierung des Eschaton" - also der Wille, transzendente Heilsversprechen durch weltliches Handeln wahr werden zu lassen.

Dabei hat er die Gabe, die vielen Erklärbären schlicht abgeht: bekannte Referenzen und neue Theorien werden so verbwoben und erklärt, dass man sich als Leser*in danach schlauer fühlt - und nicht etwa intellektuell gedemütig (in beide Richtungen). Gleichsam hat Balzers Essay (was auch dem Format) geschuldet sein kann, seine Schwächen- religionsphilosophische und theologische Debatten können nur Marginal eingeleitet und geführt werden.

Der Begriff der Politischen Theologie taucht ausschließlich im Kontext mit dem Staatsrechtler und Antisemiten Carl Schmitt auf. Auch die feuilletonistische Binse von der "Rückkehr der Religion" ist längst durch die Säkularisierungsdebatten abgelöst worden. Zuweilen wirkt die Parelllisierung der äußerst unterschiedlichen politisch-religiösen etwas zwanghaft und gewaltvoll. Sicherlich ist Balzers Analyse korrekt. Aber die anekdotenhafte Übereinstimmung nimmt dabei mehr Platz ein, als eine ausgewogene Differenzierungen - bei der Gemeinsamkeit der Erlösungsfantasien. So pflegen "Teile der postkolonialen Theorie" einen ähnlichen Messianismus wie die Hamas, oder wie orthodoxe Zionisten (seien sie nun Juden oder Christen). Und so ist deren Eschatologie widerum funktionsäquivalent zum Antichrist Gerede der Tech-Bros. So what? Auch der liberalen Gesellschaft ist eine Eschatologie gegeben, die bloß nicht so explizit und gewalttätig auftritt. Was ist mit der großen Gleichmacherei auf der Ebene der Geschichtsphilosophie gewonnen? Auch die Rezeption des spektakulären Hochstaplers Taubes finde ich fragwürdig; seine Paulus Rezeption ist dermaßen spekulativ und rechtfertigungsbedürftig.

Besonders erfreulich ist dann aber das Ende des Buches. Mithilfe der neusten Enzyklika führt Balzer aus dem fundamentalistischen Spuk der neurechten Christusrezeption heraus und erinnert den*die Leser*in, dass die eine an den Quellen und der Tradition geschulte Rezeption des Christentums vor allem auf die Dinge im Leben setzt, die unverfügbar sind: Demut, Gemeinschaft, Liebe. Diese Dinge werden ins Diesseits gerade dialektisch durch die Jenseitigkeit der Heilsversprechen vermittelt. In der Gnade, schließt Balzer mit Simone Weil, kann die Immanentisierung des Eschaton verhindert werden, ohne alle Transzendenzgehalte auszulöschen.
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