Zehn Jahre nachdem Felix verschwunden ist, sitzt Paul in einer Prager Kellerbar plötzlich seinem besten Freund gegenüber. Zumindest ist Paul im einen Moment sicher, ihn vor sich zu haben, im nächsten sieht der Mann Felix nicht einmal mehr ähnlich. Paul gerät in den Bann jenes Mannes, der sich Ira Blixen nennt, sich bewegt wie Felix, ihn anschaut wie Felix und ein Muttermal an der gleichen Stelle am Handgelenk hat. Kann es Zufall sein, dass Blixen vor Jahren bewusstlos aus dem Fluss gezogen wurde und keine Erinnerung an seine ersten 20 Lebensjahre besitzt? Blixen folgt Paul nach Deutschland, und es entwickelt sich ein Vexierspiel um Verlust, Identität und Sehnsucht, um Angst, Definitionen von Wirklichkeit und die Frage, wie sich über die Leerstelle sprechen lässt, die das Verschwinden eines Menschen in die Leben seiner Nächsten sprengt.
Am liebsten würde ich alle Sterne dieser Welt nur an den Schreibstil der Autorin vergeben. Es ist so eine wunderbar poetische Sprache, die Katharina Hartwell benutzt, die nie überladen klingt und irgendwie immer ins Schwarze trifft. Die Autorin schafft es jedes Mal aufs Neue den Leser in die Situation, in der sich die Charaktere befinden, hineinzukatapultieren. Ich hatte das Gefühl, ich sitze zusammen mit Paul, Louise und Blixen in einem düsteren November in der beklemmenden Wohnung in Berlin und kann die bedeutungsschwere Stille in der Luft förmlich greifen. Die Fähigkeit lediglich mit Worten solche Atmosphären zu schaffen, kann ich nur bewundern. Für die Geschichte selbst kann ich allerdings nur ca. 3 Sterne vergeben, da diese zwar definitiv seinen Reiz hat und den auch gekonnt ausspielt, bei der mir letztendlich aber einfach alles zu offen gelassen wird. Natürlich muss nicht immer jedes Detail komplett ausbuchstabiert und offengelegt werden, ein wenig mehr Erklärung hätte ich mir gegen Ende hin aber schon gewünscht.
Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal eine mir unbekannte Autorin so umgehauen hat. Ich wollte dieses Buch eigentlich nicht direkt anfangen, als ich es bekam, aber es hat von der ersten Seite an eine solche Sogwirkung auf mich gehabt, das es mir unmöglich war, es aus der Hand zu legen. Zwei Mal bin ich früher aufgestanden, damit ich mit Bus statt Auto zur Arbeit fahren und weiterlesen kann. Katharina Hartwell schreibt unglaublich schön, beklemmend und atmosphärisch. Es liegt eine düstere Schwere über jedem noch so feinen Wortgespinst, ich habe mich mehrmals beim Lesen dabei ertappt, wie ich mir im leeren Raum über die Schulter geschaut habe, erwartend, das jemand (Blixen?) still hinter mir steht und mich beobachtet. Ich bin sehr froh, das ich bereits Hartwell's Vorgänger Das Fremde Meer zu Hause hatte, um ihre Welt noch nicht wieder verlassen zu müssen.
Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an das Buch herangegangen, da mir das Debüt von Katharina Hartwell, "Das fremde Meer", so gut gefallen hat.
Ihr zweites Buch ist inhaltlich ganz anders. Paul hat vor Jahren seinen besten Freund Felix verloren, der spurlos verschwunden ist. Nun glaubt er, ihn Jahre später in Prag wiedergefunden zu haben. Ira Blixen nennt sich der Mann, der optisch zwar gar nicht wie Felix aussieht, doch in dessem Verhalten und Bewegungen Paul Felix eindeutig wiederzuerkennen glaubt. Blixen folgt Paul nach Berlin und schleicht sich mehr und mehr in dessen Leben ein.
Die Charaktere finde ich sehr interessant, allen voran Blixen. Ist er nun Felix und wenn nicht, wer ist er dann? Von Anfang an war er mir unsympathisch und das Gefühl hat sich von Seite zu Seite nur gesteigert. Ich würde zu gerne mal ein Bild sehen um zu vergleichen, ob Blixen genauso aussieht, wie ich ihn mir vorstelle. Paul zeichnet sich vor allem durch seine Beziehung zu Felix aus. Alles, was er tut, hat irgendwie mit seinem besten Freund zu tun und selbst seine engsten (und einzigen) Freunde sind auch Jahre später noch Felix' Schwester Louise und deren Mutter Agnes. Als Person scheint er eher langweilig zu sein, als Figur dagegen ist auch er sehr interessant, mit vielen verborgenen Ecken und Winkeln, die erst später ausgeleuchtet werden (oder auch gänzlich im Dunkeln bleiben). Mein Bild von Louise hat sich während des Lesens stark verändert. Ich habe sie anfangs als starke Frau gesehen, die es geschafft hat, ihr Leben trotz des Verschwinden ihres Bruders weiterzuleben, doch später wird deutlich, dass sie innerlich immer noch damit zu kämpfen hat und wie Paul nie über diesen Tag hinwegkommen wird. Anders ist es mit Agnes. Sie scheint sich tapfer ein neues Leben erbaut zu haben und Blixen könnte dies alles mit seinem kleinen Finger wie ein Kartenhaus einstürzen lassen. Alle Charaktere sind sehr gut geschrieben und ihre Entwicklung im Laufe des Buches ist toll zu lesen.
Hartwell hat sich ja schon mit ihrem Debüt auf Grund ihres tollen sprachlichen Stils einen Namen gemacht. Auch in "Der Dieb in der Nacht" arbeitet sie sprachlich sehr geschickt und gekonnt. Zitierfähige Sätze lassen sich fast auf jeder Seite finden, sodass ich das Markieren ganz gelassen habe, sonst würde mein Buch wohl nur aus Klebezetteln bestehen. Meine Lieblingsmetapher ist der Spinnenbaum, den Blixen in der Geschichte baut. Denn Blixen selber ist die Spinne, Paul, Louise und Agnes seine Beute, die er in seinem Netz fängt und mit der er spielt, die er nicht aus den Augen lässt und die gar nicht weiß, wie ihr geschieht.
Dass ich dem Buch nur 4 von 5 Sterne gibt liebt daran, dass ich das Ende sehr abrupt fand. Die letzten Seiten passten nicht so ganz zum Rest der Geschichte, da alles so schnell passierte. Davor hat Hartwell ihren Figuren immer sehr viel Raum für Gedanken und Gespräche gegeben, die dem Buch Tiefe verleihen, doch das Ende wirkte ganz anders. Mir gefällt jedoch der Endpunkt und eine Auflösung hätte auch gar nicht zu Hartwell gepasst, ich war mir von Anfang an sicher, dass wir nicht wissen werden, was wirklich mit Felix passiert ist, denn davon handelt das Buch auch nicht. Es handelt von Paul, Louise und Agnes, die mit dem Verlust ihres Freundes, Bruders und Sohnes umgehen müssen und der auch Jahre nach seinem Verschwinden noch die Leben der Personen bestimmt, denen er am meisten etwas bedeutet hat. Und auch wenn ihnen ihre Erinnerungen gestohlen werden, ihre eigene Identität dürfe sie behalten, auch wenn sie nie wieder unschuldig sein werden.
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Ich bin imer auf der Suche nach unkonvetionellen Büchern, die mich überraschen. "Der Dieb in der Nacht" von Katharina Hartwell, war was das angeht seit langem mal wieder ein Glücksgriff.
Die zurückhaltend und sehr langsam erzählte Geschichte, in der es um das Verschwinden eines Jungen namens Felix geht, den dessen Kindheitsfreund Paul und seiner Schwester Louise zehn Jahre später wiedergefunden zu haben glauben, glänzt durch ihre Sprache und Atmosphäre.
Stück für Stück begleitet man beim Lesen Paul und Louise dabei, wie sie Vertrauen zu Ira Blixen aufbauen, den sie aus verschiedenen Gründen für den vermissten Felix halten, ihn bei sich aufnehmen, sich ihm öffnen und sich von ihm manipuliren lassen.
So entwickelt sich ein Netz aus Lügen und Intrigen, dessen Machen immer änger werden und Paul und Louise Gefahr laufen daran zu ersticken. Wer ist Blixen wirklich? Warum weiß er so viel über Felix, aber hat kaum Erinnerungen an sein vergangenes Leben? Wohin verschwindet er nachts und warum sucht er so zwanghaft nach Paul und Louises Nähe?
Das Unwohlsein und die bedrückende, zwischendurch schon fast psychothrillermäßige Bedrohung nimmt mit jedem Kapitel zu und lässt eine kaum merkbare Gänsehaut entstehen, die einen auch nach dem Ende des Buches nicht ganz loslässt.
Ein Buch, das nachwirkt, eine Geschichte, die neu und erfrischend ist. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen.
Die Atmosphäre bzw das Gefühl welches das Buch mir gegeben hat war phänomenal. Unglaublich packend geschrieben und überraschend düster, ein paar Passagen waren fast schon eklig. Fünf Sterne kann ich leider nicht geben... ( ein paar Kapitel waren etwas holprig und einige Charakter manchmal unstimmig ) Ja das Ende ist sehr offen, was mich lustigerweise gar nicht stört... auf jeden Fall kein Wohlfühlbuch, habe das Gefühl die Geschichte und das Verschwinden von Felix haben richtig an mir gezehrt.
Felix ist verschwunden. Vor Jahren hat er sich davon geschlichen und ist nicht wieder gekommen. Nicht mal ein Lebenszeichen hat er an Louise und Paul oder Agnes gesendet, dabei sind sie so dringend auf ihn angewiesen. Denn nur er ist derjenige, der aus dem Gefüge, in das Paul genetisch nicht hinein gehört, sich seine Angehörigkeit dazu aber verdient hat, eine Art Familie machen kann. Er ist das Bindeglied, die Schnittstelle, mit deren Hilfe sie alle ihren Platz finden. Ohne ihn sind sie schier kopflos. Irren orientierungslos umher und wissen nichts sinnvolles mit sich und ihrem Leben anzufangen.
"In der Zeit nach Felix' Verschwinden schien es ihr, als hätten sich unsichtbare Schrauben in ihrem Körper gelockert, als sei das Rückgrat kaum mehr mit dem Becken verbunden, als hätten sich alle Gelenke gelockert, als befänden sich die Knochen nur noch in loser Verbindung miteinander."
Während eines Aushilfsjobs in Prag lernt Felix den Künstler Ira Blixen kennen. Er sieht nicht aus wie Felix, aber da ist so viel an ihm, das Paul sicher sein lässt, dass es sich bei dem unbekannten Mann um Felix handelt. Ist der Wunsch Vater des Gedankens oder ist dieser Künstler, der sich absurder Weise für Knochen, für Struktur und Festigkeit interessiert, und weniger für den Geist des Menschens, obwohl er selbst wie einer wirkt, tatsächlich der längst verschollen geglaubte, der vermisste Freund, Bruder, Weggefährte, Retter aus allen ausweglosen Situationen?
"Dieser Tage ist Paul sich mit Louise über kaum noch etwas einig, hierin aber stimmen sie einander zu: Felix versteckt sich in den Details."
Mit derselben Verzweiflung mit der Paul einst zuerst Dinge, dann Felix, seine Familie, sein Leben geWOLLT hat, will er nun Klarheit, bevor er wieder zurück nach Hause reist. Er informiert Felix' Schwester Louise und kann nicht anders, als in seine Wohnung zurückzukehren. Doch Blixen folgt ihm. Dringt in sein Leben ein, setzt sich dort fest, so wie Paul es einst in Felix' Leben getan hat. Eine Umkehr des Gefüges oder reiner Zufall?
"Im Wohnzimmer auf der Couch sitzend spürt Louise es deutlich: Etwas ist mit ihr im Raum. In den letzten Wochen hat sie es immer wieder gesehen, seine zarten Umrisse in der Luft, und manchmal streift es sie, manchmal nimmt es eine Gestalt an, dann kann sie es beinahe erkennen, beinahe sagen: Es ist ein Tier, ein Mensch, ein Geist. Aber immer zersetzt es sich in derselben Sekunde."
Katharina Hartwell, die zurecht bereits mehrfach ausgezeichnete Jungautorin, spielt auch in ihrem zweiten Roman wieder mit Vorstellung und Realität. Kann man sich in Wunschdenken so sehr verbeissen, dass die Gedanken Wirklichkeit werden? Dass Menschen wiederkehren? Menschen, die verschwunden sind und nach vielen Jahren wieder auftauchen, ohne in der Zwischenzeit Spuren hinterlassen zu haben? Ohne, dass all die Jahre Spuren an ihnen hinterlassen haben?
" '[...] Aber seitdem ich denken kann, seitdem ich ich bin, trage ich ein anderes Leben bei mir, wie ein Geheimnis in einer verschlossenen Truhe. [...]' "
"Der Dieb in der Nacht" frisst sich Seite für Seite in das Leserhirn. Manipuliert, verwirrt, bedrückt ebenso wie Blixen. Lange bleibt der Leser im Unklaren, ob es sich tatsächlich um den verschollen geglaubten Felix handelt, dessen Innerstes sich umgekehrt hat oder um eine Farce seiner Figur, nur darauf aus, seinen Platz im Leben einzunehmen. Ein Spiel, das Hartwell mit ihren Lesern treibt. Spannend und aufreibend bis zum letzten Satz.
+ Einen Schreibstil, der Antonia Michaelis Konkurrenz macht. Worte sind Laserschwerter in den Händen dieser Autorinnen. Es sind einfach die richtigen Worte an genau der richtigen Stelle, nicht nur inhaltlich auch vom Klang. Die Autorin fügt Gedanken neu zusammen, so dass Altbekanntes nicht überlesen wird sondern neu verpackt wieder zum Nachempfinden anregt. Ich habe keine einzige Stelle markiert, ich könnte einfach das ganze Buch in einen pinke-Textmarker-Farbe-Eimer tauchen.
+ Verschiedene Blickwinkel. Hinter Blixens Fassade durfte ich zwar nicht blicken, aber ich konnte immerhin mitanlesen wie sowohl Paul, als auch Louise und Agnes (die Mutter von Felix und Louise) mit dem Verschwinden einer nahestehenden Person umgehen. Ich glaube, ich würde mit keinem der drei eng befreundet sein wollen, aber interessant sind sie allemal.
+ Krankhafte Züge. Ich würde keine der Figuren mit einer genauen psychischen Krankheit diagnostizieren, aber sie haben alle einen kleinen Knacks. Paul wünscht sich viel zu sehnlich in eine Familie, die nicht seine ist; Louise glaubt es ihrer Mutter nie recht machen zu können und Blixen ist ein Fall für sich.
+ Schleichender Aufbau. Am Anfang wirkt noch alles ziemlich harmlos, ein wenig mysteriös und ich habe mich oft gefragt, was es mit Blixen auf sich hat, aber erst 200 Seiten später, habe ich so richtig bemerkt in was Paul und Louise sich da verstrickt haben und dass es genauso schleichend passiert ist wie Blixens Bewegungen im Buch beschrieben werden.
Seiten verloren durch:
– Fehlendes Berlin-Flair. Der Großteil des Buches spielt in der Hauptstadt, aber davon bekommt man leider nichts mit. Es fallen keine Straßennamen, es wird keine U-Bahn gefahren, die Stadt ist hier wirklich nur Hintergrund. Nicht direkt ein Minuspunkt, aber schade.
– Offenes Ende. Das ist natürlich Geschmackssache und das Buch will eine Nachricht vermitteln, die es sehr gut rüberbringt. Es geht mehr darum, was das Verschwinden einer geliebten Person mit dir anstellt, und weniger darum, was mit Felix geschehen ist. ABER ich hätte liebend gern letztere Frage beantwortet bekommen. Oder wenigstens was genau es mit Blixen auf sich hat.
Spezialausstattung:
★ Prag. Dort spielt zwar nur ein kleiner Teil des Buches, aber die düstere Atmosphäre der gotischen Bauwerke wabert deutlich durch den Seitennebel.
★ Lesebändchen. In Knallpink. Passend zur Glanzleistung von einem Cover.
Katharina Hartwells Schreibstil ist einfach fantastisch, mal magisch, mal melancholisch und manchmal geradezu unangenehm erzeugt sie mit wenigen Worten eine so eindrückliche Stimmung, dass das eigentliche Geschehen in den Hintergrund rückt. Man könnte annehmen, dass darunter die Geschichte leidet, die Figuren blass sind... aber im Gegenteil. Die Figuren sind so eindrücklich wie der Stil, die Story hat mich bis zum Ende nicht losgelassen. Es passiert so viel, ohne dass viel geschieht. Definitive Leseempfehlung!
Ein Roman wie eine neblige Novembernacht - nicht ganz greifbar aber ein rundum stimmiges Gesamterlebnis, dazu noch wunderschön geschrieben. Katharina Hartwell's Das Fremde Meer war mein Lieblingsbuch während meiner Teenagerjahre, somit bin ich mit ziemlich hohen Hoffnungen (nicht unbedingt Erwartungen) an dieses Buch herangetreten, die zum Glück größtenteils erfüllt wurden. Mir hat auch die Narration durch Samuel Weiss sehr gut gefallen, welche weder von der Geschichte abgelenkt hat, noch ihr die Spannung geraubt hat. Im großen und ganzen ein schöner Teil der starken Herbst-Winter 2015/16 Novitäten, was ich nur deswegen hervorhebe, weil zur Zeit ein paar ähnliche Titel erschienen sind, welche sich aber, zusammen mit diesem hier, wohlverdiente eigene Plätze in der Literaturlandschaft eingeholt haben. Das kann man von einigen anderen häufig beschriebenen Themen leider nicht sagen.
Der Schreibstil hat mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen! Selten habe ich ein Buch so schnell und mit so viel Wollen verschlungen. Trotz des wundervollen Erzählens des Lebens und Werdens dieser verzwickten und vielschichtigen Charaktere, die unglaublich emphatisch und doch reflektiert und hart beleuchtet werden, hat mich das Ende etwas in der Luft hängen lassen. Zusammengefasst eine unglaubliche Geschichte, bei der es mehr um das Sehnen, Hoffen und um Schuld geht, as zwingend um die Wahrheit.
Eine Lücke, die sich nicht schließen lässt, hinterließ der 19jährige Felix als er vor über zehn Jahren verschwand. Seine Eltern sind inzwischen geschieden, das Leben seiner Schwester dümpelt ziellos vor sich hin, sein bester Freund Paul hat sein Studium gerade abgeschlossen und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Einer dieser Jobs verschlägt Paul nach Prag, wo er sich plötzlich einem jungen Mann gegenüber sieht, der Felix ausgesprochen ähnlich zu sein scheint. Kann das wirklich sein, sollte Paul Felix gefunden haben, ohne ihn zu suchen? Der Fremde jedenfalls nennt sich Ira Blixen und hat nach eigenen Angaben wegen eines Unfalls keine Erinnerung an die ersten zwanzig Jahre seines Lebens.
Sehr neugierig macht die Beschreibung dieses zweiten Romans von Katharina Hartwell, die mit ihren Debütroman „Das fremde Meer“ zu begeistern verstand. Ein ungelöstes Geheimnis um das Verschwinden eines geliebten Menschen. Was mag ihn bewogen haben, zu verschwinden, ist es überhaupt freiwillig geschehen oder wurde ein Verbrechen nicht aufgeklärt. Wie hat die Familie es überstanden, plötzlich ohne Felix zu sein, kann sie es überhaupt verwinden. Ist es wirklich möglich, dass es sich bei Blixen um Felix handelt. Voller Vorfreude kann die Lektüre begonnen werden. Gerade zu Beginn ist es möglich sich in die Handlung einzufühlen, man hofft mit den handelnden Personen, ihr Leben möge wieder heil werden.
Leider jedoch hält der Roman nicht, was sein Beginn verspricht. Wo sich bei ihrem wirklich hinreißenden Debüt eine Handlung ergibt, die den Leser dahinschmelzen lässt, zerfasert dieses neue Buch zu Stimmungsfetzen, die kein stimmiges Ganzes ergeben wollen. Nach einer Erklärung suchend bleibt der Leser etwas ratlos mit dem Gedanken, den Sinn nicht verstanden zu haben. Sprachlich gewannt verpackt mit einer fesselnden Idee versehen, wandelt sich die anfänglich sehr schön entwickelte Handlung in etwas undurchschaubar Seltsames, das die Erleuchtung für sich behält. Etwas sehr den eigenen Lösungsansätzen überlassen, wünschte man sich einen kleinen Epilog, der mit dem Pfad einer kleinen Erkenntnis lockte.
Es ist mittlerweile einige Tage her seit ich dieses Buch beendet habe, dennoch weiß ich immer noch nicht so recht, was genau ich zu diesem "Werk" sagen soll. Die Art des Schreibens beziehungsweise Erzählens zeugt davon, dass Frau Hartwell wirklich eine Künstlerin ist. Es ist schön und flüssig geschrieben, weiß durch eine gelungene Verwendung mancher Stilmittel zu überzeugen, ist leider auch der einzige Grund, wieso dieses Buch in meinen Augen überhaupt zwei Sterne verdient hat: Die Handlung und die Charaktere konnten mich einfach nicht packen... Von der Autorin, die ich vor mittlerweile einigen Jahren auf einer Lesung beobachten durfte, weiß ich, dass die Grundidee dieses Romans auf einer wahren Begebenheit beruht, was allerdings nichts daran ändern konnte, wie unrealistisch die Geschichte auf mich wirkte. Ich kann nachvollziehen, dass Menschen in Hoffnung einen geliebten Menschen wiedergefunden zu haben bereit sind über manche Dinge, die nicht passen können hinwegzusehen, aber dem Leser werden im Laufe der knapp 350 Seiten derart viele Unstimmigkeiten präsentiert, dass es weniger verwundert hätte, wäre am Ende der Handlung plötzlich ein pinkes Einhorn aufgetaucht. Auch wenn der Roman am Anfang nach einer Geschichte aussehen lässt, bei der es sich um die Gefühle und Irrungen und Wirrungen in der eventuellen Familienzusammenführung zu handeln scheint, entsteht gegen Ende ein regelrecht schlecht produzierter RTL - Thriller. Hier muss ich sagen: LEIDER habe ich mir vorgenommen ernsthafte Spoiler zu verweigern, denn ansonsten würde ich an dieser Stelle wirklich gerne mal "auf den Putz" hauen. Die Charaktere haben es bei mir auch überhaupt nicht geschafft auch nur ansatzweise Sympathie hervorzubringen, was bei mir echt etwas heißen soll....
Fazit:
Wäre nicht der außerordentlich gute Stil Hartwells, wäre dieses Buch bei mir wahrscheinlich nicht mal bis zum Ende gelesen worden. Von mir gibt es hierfür keine Empfehlung.
Ein Mensch verschwindet. Die Zurückgebleibenen sind bis in ihr Innerstes verletzt. Die Mutter, Agnes, kann sich davon erholen und ein neues Leben leben. Der Freund, Paul, Und die Schwester, Luise, können sich nicht aus dem Verlust befreien und irren in ihrem Leben herum. Bis Paul in Prag Blixen trifft, der dem verschwundenen Felix ähnelt. Die Autorin beherrscht die Sprache in allen Facetten. Sie malt mit ihren Worten Bilder, die sich auf der Netzhaut abzeichnen. Sie versteht es aus ihren Sätzen ein dichtes Netz zu weben, in dem man gefangen ist bis das Buch beendet ist. Man kann das drängende Böse zwischendurch fast anfassen. Leider hat sie ihre Geschichte ohne ein befriedigendes Ende gelassen.
Seit langer Zeit hat mich ein Buch mal wieder so richtig wegen des Schreibstils gefesselt. Einfach so eine wunderbare Art des Schreibens. Inhaltlich hatte es auch viel zu bieten. Tolle Charaktere, jede Menge Denkanstöße und eine ergreifende Atmosphäre.
Eine wunderschöne und gleichzeitig auch unfassbar tragische Geschichte über Verlust, Trauer und deren Bewältigung, im Mantel eines Schauermärchens.
Wenn ein Mensch spurlos verschwindet, dann reißt es ein Loch in das Herz der Hinterbliebenen. Ein Loch, das kaum wieder gefüllt werden kann. Denn im Gegensatz zu einem bestätigten Tod, brennen Fragen auf der Seele, auf die man einfach keine Antwort findet. Und egal wie viel Zeit vergeht, egal wie sehr man sich einredet abgeschlossen zu haben, so ertappt man sich immer wieder bei dem Gedanken: "Was wenn er/sie doch noch lebt und eines Tages wieder auftaucht?"
An einem brennend heißen Tag im August, vor vielen Jahren, verschwand der Teenager Felix spurlos. Dabei war er nur auf dem Weg zur Tankstelle, um den leeren Kühlschrank des Ferienhauses zu füllen. Seine Mutter, seine Schwester, aber allem voran sein bester Freund Paul, werden nie mit dem Verlust fertig. Und selbst Jahre später, lastet Felix Verschwinden immer noch auf ihrer Seele. Ein Jahrzehnt später trifft Paul in einer Prager Kellerbar auf Ira Blixen. Der Geheimnisvolle Mann, der schon fast wie ein Magier wirkt, hat rein optisch keinerlei Ähnlichkeiten zu seinem ehemaligen besten Freund. Und doch, da ist etwas. Die Art wie der Mann sich bewegt, die Art wie er sich gibt, wie er den Körper zusammenfaltet und vor allem das Tattoo an der selben Stelle, Paul ist sich sicher: Er hat Felix wiedergefunden. Paul nimmt Ira mit nach Deutschland und beginnt die Ereignisse der Vergangenheit aufzuarbeiten. Doch umso mehr Zeit er mit Ira Blixen verbringt, umso offensichtlicher wird es, dass etwas böses seinen Lauf nimmt.
Der Horror ist subtil. Wer wirklich erwartet sich zu gruseln, der wird vielleicht enttäuscht. Stattdessen schleicht sich der Spuk langsam an und bereitet dir eine Gänsehaut.
Der Roman kommt mit sehr wenigen Figuren aus, im Zentrum stehen lediglich vier Protagonisten. Dafür ist jede Figur sehr schön ausgearbeitet. Auch wird fast ausschließlich aus der Gegenwart erzählt. Was damals passiert ist und wohin es Felix verschlagen hat, wird hauptsächlich im Kopf der Protagonisten thematisiert.
Im Zentrum der Handlung steht das Thema Trauerbewältigung. Wie schließt man mit etwas ab, desses ganzes Ausmaß man gar nicht kennt?
Paul, unser Protagonist ohne Charaktereigenschaften, ein gebrochener Junge, der in Felix Familie damals das Zuhause gefunden hatte, dass er selbst nie besaß, fühlt eine Leere in sich, die er niemals füllen konnte. Durch ausgeprägte Kleptomanie versucht er sich zu bereichern, wie die kleine Raupe nimmersatt frisst er und frisst er, aber was passiert wenn man einfach nicht glücklich wird, egal wie viel man nimmt? Durch Iras plötzliches auftauchen fühlt er sich zurückversetzt und kann vielleicht endlich die Wunden heilen, die auf seiner Seele lasten, seit jener Junge verschwunden ist, dem er einst so nah stand wie niemand anderem. Vielleicht sogar zu nah.
Das Ende des Romans ist speziell. Katharina Hartwell verwendet einen Schreibstil, den man nur so als magisch bezeichnen kann. So als sei Sprache eine Farbe, mit der man eine leere Leinwand füllt. Doch das Kunstwerk ist abstrakt und lässt den Betrachter nachdenklich zurück.
Nach dem Ende des Buches war ich erstmal enttäuscht. Viele offene Fragen wurden nur angeschnitten und nicht vollends beantwortet. Aber umso länger ich an die Handlung zurückgedacht habe, umso mehr hat mich das Buch in seinen Bann gezogen. Wenn man versteht, was hinter vielen Zeilen steckt, dann wird man fasziniert. Wenn man als Leser allerdings erwartet an die Hand genommen zu werden, dann wird man enttäuscht. Vor allem geht es in dem Roman nicht um die Frage: "Was ist damals passiert?" sondern: "Wie gehen die Figuren damit um?" Das Buch ist in meinen Augen keine Horrorliteratur, sondern eine Familiengeschichte mit Horrorelementen.
Und da ich genau das liebe, sind für mich fünf Sterne mehr als angebracht. Katharina Hartwell kann zaubern.
Felix ist verschwunden, vor vielen Jahren schon, doch immer wieder glaubt Paul, in Fremden seinen Freund zu erkennen. So geht es ihm auch mit Ira Blixen, der ihm von Prag nach Berlin folgt und zunächst die Rolle spielt, die von ihm erwartet wird. Wir wünschen uns so sehr, dass sich diesmal der Fremde als Freund entpuppt, dass er heimkehrt und alle wieder glücklich sind wie früher. Doch irgendetwas stimmt nicht, wie bei einem Wiederauferstandenen, dem die Seele fehlt, und ein schaler Beigeschmack mischt sich in die anfängliche Euphorie. Die Autorin spielt, sprachlich gewandt wie in ihrem Erstling, mit den Ängsten und Sehnsüchten der Protagonisten und Leser. Und dann bleibt dieser Roman in einem Dauerzustand der Unsicherheit. Es werden jede Menge Fragen aufgeworfen und kaum eine beantwortet, was ich als frustrierend empfinde. Die Erwartungen durch meine Begeisterung für "Das Fremde Meer" wurden leider nicht ganz erfüllt.
Kann man jemanden wieder kennen nach 10 Jahren? Diese Frage stellt sich Paul, der in Prag meint Felix seinen Jugendfreund vor sich zu haben. Doch er nennt sich anders und sieht auch irgendwie anders aus aber seine Körpersprache kommt Paul so vertraut vor das er hoffen zu wagt endlich Felix vor sich zu haben. Vom Klapptext her habe ich mir die Geschichte ein wenig interessanter vorgestellt auch hat mir der Schreibstil etwas zu schaffen gemacht. Irgendwie kam er mir meist bedrückend vor aber vielleicht war auch das genau beabsichtigt. Bei den Figuren wird mit ihren Hoffnungen, Ängsten und Sehnsüchten gespielt. Auch wenn mir die Geschichte nicht gut gefallen hat so waren doch die Charaktere sehr gut beschrieben und haben mich mit ihren Wesen mich ein wenig gefangen genommen. Leider sind zum Ende mehr Fragen offen als beantwortet und so ist man doch recht frustriert. Es bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück.
Dieses Buch bekam ich irgend wann mal geschenkt. Das Buchcover ist sehr schön gestaltet. Die Farben sind schön und nicht so auffallend gestaltet. Ich mag die Farbe dunkelblau. Der Klappentext klingt vielversprechend und machte neugierig auf mehr.
Ich hatte eher gedacht, das es in einer Art krimi ist, aber was demnach war es nicht so.
Paul sitzt in Prag und kann an Felix nicht mehr denken, auch wenn er 10 Jahre spurlos verschwunden ist. Plötzlich sieht er jemanden, der Felix total ähnelt und Paul glaubt ihn endlich gefunden zu haben. Ist es Felix wirklich? Wird die Wahrheit raus kommen?
Die Geschichte ist total spannend geschrieben. Sehr flüssig.
Der Roman ist spannend, die Personen irgendwie faszinierend und alles ist gut erzählt - das einzige Manko - dieses jedoch ist sehr zerstörerisch - ist, dass die Geschichte, also vor allem die Erklärung, vollkommen unlogisch ist.
Anfangs fand ich es super interessant, aber ich wurde immer unzufriedener mit dem Fortgang der Geschichte. Die Charaktere haben mich genervt und am Ende wusste ich nicht, was ich mit dem Erzählten anfangen sollte. Das 1. Viertel fand ich aber tatsächlich sehr gut.