Es ist einige Jahre her, seit ich das Debüt von Selim Özdoğan gelesen habe und noch viel länger ist es her, dass es zum Kultbuch aufstieg: 1995. Alex könnte als Protagonist einem Buch von Christian Kracht entsprungen sein, dafür ist er jedoch nicht wohlhabend und hedonistisch genug. Er studiert erfolglos keine Ahnung mehr was, verliebt sich und hat Sex wie ein Macker. Ansonsten steht er irgendwie neben sich. Jedwede Beziehung wirkt porös, es wirkt, er warte auf den Zusammenfall seines ambitionslosen Privatlebens. Es ist verzweifelte Versuch, in den Tag hinein zu leben, ohne dabei erwachsen werden zu müssen. İn einer Szene erzählt Alex, wie ihm als langhaariger Roadie alles piepegal war, selbst das blutige Gesicht nach einer Prügelei. Heute ist er frustriert, oft traurig.
Wie schon erwähnt will Alex ein Macker sein, ist aber einfach nur ein sexist dude mit einer blutjungen Freundin. Generell sind die Frauenfiguren uninspiriert konstruiert. İch bin mir aber nicht ganz sicher, ob mich das stark stört. Das Buch ist eine absolute ONE-MAN-QUARTER-LİFE-CRİSİS-SHOW. Eine ebenbürtige Frauenrolle hätte Alex wahrscheinlich komplett überfordert und die Handlung interessanter gestaltet. Oder auch nicht, weil das eine sehr undankbare Rolle darstellt, die Frauen in Büchern und Filmen erhalten. Esther, seine Freundin, wird ihn verlassen, sich Alex und seiner Alkoholfahne entziehen, unzwar auf ihre Art und Weise
Alex flieht oft "nach vorne", fährt gerne die Nacht hindurch Autobahn. Er versucht, in Momenten richtig zu handeln, die er mit zu verantworten hat, denn, surprise, Alex ist eigentlich ein ziemlicher Arsch. Und trotzdem kreiert Özdoğan einen ziemlich authentischen jungen lost boy Charakter, den man nicht nur erahnt, sondern fühlt, fast schon mit ihm mitfühlt. Der Stil überzeugt mich sehr! Die Leichtigkeit entgleitet immer mehr, egal, wie krampfhaft lange sich Alex auf Hausparties aufhält.
Der Soundtrack zum Buch ist verdammt gut, (Post-)Punk und Grundge wechseln sich mit den heftigsten Indieperlen ab. And yes sir, es gibt eine Spotify Playlist zum Buch (oder ist das gerade Wunschdenken?). Ansonsten, das kann ich mir nicht verkneifen, sind das Buch und die Charaktere sehr weizentoasty weiß. Different times, I guess.
Achja, Alex schreibt Gedichte, nice touch.