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Die zweitgrößte Liebe

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»Er brauchte sie, damit es funkelte. Und sie brauchte ihn, um ungestört funkeln zu können.«
Reicht die Liebe im Zweifel? Ein Roman über die Liebe, die Freiheit, die Abhängigkeit:
Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie steigt auf ihre Vespa, lässt alles hinter sich und fängt von vorne an: Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Ein sorgenfreies Leben scheint Michelle erstmals möglich – nur zu welchem Preis?
Ruth-Maria Thomas erzählt von der bösen Zufälligkeit, die darüber entscheidet, in welches Leben man hineingeboren wird – und von der Liebe dazwischen. Ein Buch, in das man tief hineinfällt und aus dem man verändert wieder auftaucht.

250 pages, Hardcover

Published July 30, 2026

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About the author

Ruth-Maria Thomas

7 books184 followers
Ruth-Maria Thomas, born in 1993 and raised in Cottbus, worked as a social worker in youth services. She studied at the German Literature Institute in Leipzig and is a co-founder of the erotic literature magazine Hot Topic!. In 2022, she was a finalist in the Open Mike competition.

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Community Reviews

5 stars
104 (59%)
4 stars
56 (32%)
3 stars
12 (6%)
2 stars
3 (1%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 30 of 37 reviews
Profile Image for justmiaslife.
366 reviews378 followers
July 11, 2026
4.5 Sterne

In einem Rutsch durchgelesen - Ruth-Maria Thomas ist die deutsche Sally Rooney, ganz ganz große Liebe!!!
Profile Image for le.lyssa.
177 reviews634 followers
August 1, 2026
Henry stammt aus einer Welt, in der ihm Türen ganz selbstverständlich offenstehen. Shelly hingegen wächst in einer Realität auf, in der Träume allein nicht ausreichen. Sie muss jeden Tag gegen finanzielle Sorgen und strukturelle Hürden ankämpfen.

Die beiden verlieben sich, doch ihre Beziehung wird immer wieder von den unterschiedlichen Lebensrealitäten geprägt, aus denen sie stammen.

Mit „Die zweitgrößte Liebe“ hat Ruth-Maria Thomas einen fein beobachteten Roman über soziale Ungleichheit und Klassismus geschrieben. Sie zeigt eindrücklich, wie sehr die eigene Herkunft eine Beziehung prägen kann – und wie schwer es ist, einander zu verstehen, wenn man in völlig unterschiedlichen Welten aufgewachsen ist.
Profile Image for tollpatschki.
151 reviews7 followers
July 30, 2026
dieses buch spricht so schlau und differenziert über klasse als würde man mit bourdieu höchstpersönlich sprechen, gleichzeit hat es mein herz in 1000 teile zerfickt
Profile Image for theresa ᯓ★.
97 reviews23 followers
August 1, 2026
4.75 🌟 // vorbestellt, am erscheinungstag abgeholt & direkt auf einmal durchgelesen - so ein toller, tiefgreifender, schlauer roman! grosse grosse empfehlung meinerseits.

zum inhalt: im gegensatz zu …caroline wahl… setzt thomas sich distinguiert und feinfühlig mit den themen klasse, armut und einfluss derer auf das gesamte leben auseinander & fängt scharfsinnig die probleme ein, die klassenunterschiede in einer beziehung produzieren können/werden.
die charaktere sind ehrlich und tiefgründig geschrieben & wirken an keinem punkt des romans eindimensional.

zu erzählung & sprache: die autorin schreibt an einigen stellen fast schon stream of consciousness artig & lässt tief in das innenleben von shelly blicken. jedes wort ist klug gewählt & erfüllt seinen zweck!

fazit: lest alle dieses und auch ruth-maria thomas‘ erstes buch - sie sind beide fantastisch!!!
Profile Image for Paula.
312 reviews37 followers
August 3, 2026
hat mir richtig gut gefallen, sooo schön geschrieben. das hab ich gar nicht erwartet, weil mich der klappentext eigentlich gar nicht so angesprochen hat, aber ich konnte es fast nicht aus der hand legen. ich habe heute morgen 2,5h zur arbeit gebraucht (fuckass rb75) aber ich hatte nicht mal schlechte laune weil ich ganz viel lesen konnte!

book bingo buch 9: choose your own category (bei vorablesen gewonnen yippie)
Profile Image for Sarah.
202 reviews15 followers
August 2, 2026
"Ein Blinzeln lang wird er das Grauen erkennen, das an den Rändern seines Blickfeldes einfließt, das sein Herz rasen lässt, ein Blinzeln lang wird er denken, dass er zu jung ist für das, was sich da ausbreitet."

"Doch dann dachte sie, dass es gegen ihre Prinzipien verstieß, für einen fremden Typen mehr Lametta aus ihrem Leben zu machen."

"Er sah anders aus als all ihre Typen davor. Trotz der Schweißperlen sah er so sauber aus, als hätte er nie etwas Schlimmeres gesehen als das Verlieren seines Männervereins."

"Ihr Leben hier war so neu, dass sie sich wie ein Baby vorkam, die Größe der Stadt, die Dimensionen von Glitzer, Gold und Altbauten - und die Dimensionen von Elend."

"Gegen die Angst, gegen den Schmerz, dass sie ihr altes Leben vermisste, halfen ihr Masturbieren und Arbeiten. Nachts presste sie ihren Vibrator so lang und heftig gegen sich, bis es wehtat und sie unter Schluchzen kam, und dann noch einmal, heulend, und noch einmal und noch einmal, bis sie erschöpft in den Schlaf fand."

"Sie zog den Schlüssel aus dem Schloss, wischte mit der Hand über ihre Stirn, lief langsam die Straße runter, drehte sich nicht noch einmal um, fragte sich: Was bleibt mir noch? Das, was ich kann. Das, was ich weiß. Das, was ich habe. Mich."

"»Du schläfst doch auch allein ein, du träumst allein, du wachst von allein wieder auf, du kaust allein und schluckst allein, fährst allein zur Arbeit und denkst mit deinem Kopf allein. Fast alles, was du machst, machst du allein. Du schaffst das schon.« Und er schaffte das."

"Der Mond nur eine Sichel, und Michelle fragte sich, was irgendwann mal von ihr bleiben würde, am Ende. Ganz am Ende. Wenn die Zimmer ausgeräumt waren, die Sachen weggeworfen, verschenkt, vererbt wurden, neues Weiß auf der Tapete. Wenn die Buntstiftstriche, die das Wachstum der Kinder anzeigen, verschiedenfarbig, wegradiert, wenn die eingetrockneten Kaffeeflecken vom Fensterbrett geschrubbt, der Name vom Klingelschild entfernt waren, wenn wieder neue Möbel dort standen, wo vorher ein anderes Leben gelebt wurde. Was wird man aus ihrem Skelett ablesen, wenn das Fleisch zu Erde geworden ist? Wird man die Rille im Schneidezahn noch erkennen, dort, wo er angeraut wurde, um den glitzernden Zahnstein einzusetzen, mit fünfzehn, ein winziger Schmetterling. Werden die Knochen am Fuß sich gebogen haben wegen der Absatzschuhe? Wird man anhand ihrer Knochendichte ablesen können, dass sie einen Kalziummangel hatte, an ihrem Zahnschmelz, dass es eine Phase in ihrer Kindheit gegeben hatte, in der sie zu viel geschlafen hatte?"

"»Und, wie fühlt sich's an, wie ist es?« Er machte eine kreisende Bewegung mit der Gabel, zeigte auf die schwach beleuchtete, maßangefertigte Küche. »Fühlt sich manchmal an wie geliehen. Frag mich, wann ich's zurückgeben muss.« »Kann ja auch einfach mal klappen.«"

"Wenn er seine Freunde nicht schon so lang kennen und nicht so mögen würde, würde er sie womöglich hassen."

"Der Herbst ist tatsächlich eine Witwe, dachte Michelle."

"Es wurde Dezember, und am zweiten Advent schneite es, sie wurde davon wach, dass es klang, als würde Salz rieseln."

"Sie wusste, wenn man lange in einen Abgrund blickte, dann blickte der Abgrund auch zurück."

"Sie ging ans gekippte Fenster, öffnete es, hielt die Hand raus. Es schneite harte kleine Flocken, es hatte schon so viel geschneit, dass eine dünne Schneeschicht auf dem Fensterbrett lag. Sie legte ihre Hand darauf, als erster Mensch, der diesen Schnee aus dem Himmel berühren würde."

"Er fragte sich, ob er wahnsinnig war. Entschied, dass er einfach nur intensiv liebte. Fragte sich, ob das nicht das Gleiche war."
Profile Image for carlota.
61 reviews4 followers
July 27, 2026
ich brauche mehr von shelly!!
Profile Image for Carlotta Leonardi.
30 reviews
July 31, 2026
5 Sterne! In einem Rutsch durchgelesen und dafür wenig geschlafen. Es war mir ein reines Lesevergnügen. Auch wenn ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte…
Profile Image for Anne.
40 reviews5 followers
August 3, 2026
also nur durch Wörter so ein beklemmendes Gefühl in meiner Brust auszulösen, mich komplett in die gegensätzlichen Gefühle der protagonist*innen reinzuziehen, das muss man erstmal schaffen! Tolles 2. Buch
Profile Image for Fräulein Müller.
298 reviews7 followers
August 2, 2026
Was macht Herkunft mit uns? Welchen Einfluss haben Reichtum und Armut auf unser Leben? Diesen Fragen geht „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas nach.

Schon „Die schönste Version“ hat mich beeindruckt, doch auch dieses Buch zeigt erneut, welches außergewöhnliche sprachliche Talent Ruth-Maria Thomas besitzt. Ihr Schreibstil ist ausdrucksstark, berührend und so bildhaft, dass die Figuren und ihre Emotionen förmlich greifbar werden. Sie erschafft Charaktere, die nicht nur Sympathie auslösen, sondern Ecken und Kanten haben und dadurch umso echter wirken.

Michelle (Shelly) und Henry verbindet auf den ersten Blick wenig, außer einer intensiven Faszination füreinander. Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, ob Michelle Henry jemals so aufrichtig und innig geliebt hat, wie er sie geliebt hat. Vielleicht. Sicher ist für mich nur, dass beide etwas im anderen ausgelöst haben, das weit über eine gewöhnliche Beziehung hinausgeht.

Besonders beschäftigt hat mich die Dynamik zwischen den beiden: Henry versucht immer wieder, aus Michelle einen „besseren“ Menschen zu machen, während sie selbst ihr eigenes Potenzial und ihren Wert kaum erkennen kann. Gerade diese Konstellation war für mich schwer auszuhalten und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Ich mochte, dass ich meine Meinung über Michelle und Henry immer wieder ändern musste. Keine Figur bleibt eindeutig. Genau das macht ihre Beziehung so glaubwürdig.

„Die zweitgrößte Liebe“ ist ein kontroverses Buch, das lange nachwirkt. Es setzt sich mit Herkunft, sozialer Ungleichheit und den unsichtbaren Grenzen zwischen Menschen auseinander und regt immer wieder zum Nachdenken an.

Ruth-Maria Thomas hat für mich erneut bewiesen, dass sie sprachlich wie literarisch zu den spannendsten Stimmen der Gegenwart gehört. Nach „Die schönste Version“ und „Die zweitgrößte Liebe“ würde ich jedes ihrer Bücher blind kaufen. Ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bücher folgen werden.
78 reviews
August 3, 2026
Dieser Roman erzählt leise, aber eindringlich von einer Liebe, die unter ungleichen Voraussetzungen entsteht – und genau daran ihre größte Kraft, aber auch ihre tiefsten Brüche offenbart. Zwischen Ost und West, zwischen Mangel und Überfluss entfaltet sich eine Geschichte, die weit über eine klassische Liebeserzählung hinausgeht.

Besonders gelungen ist die Perspektivführung: Die zwei Blickwinkel ergänzen sich auf spannende Weise und machen die unterschiedlichen Lebensrealitäten greifbar. Dabei werden die Figuren bewusst etwas zugespitzt gezeichnet – was zunächst auffällt, aber letztlich dazu beiträgt, gesellschaftliche Ungleichheiten und Spannungen klarer herauszuarbeiten.

Die Autorin schafft es, Themen wie Herkunft, soziale Chancen und Abhängigkeit gut in die Handlung einzubetten. Gerade die Perspektive „von unten“ wirkt dabei besonders eindrucksvoll: Sie zeigt, wie wenig Raum für Selbstverwirklichung bleibt, wenn das Leben vor allem vom täglichen Überleben bestimmt ist.

Der Schreibstil ist ruhig und dennoch fesselnd – ein Buch, in das man sich hineinziehen lässt.
6 reviews
August 1, 2026
"Es schmerzte in ihrer Brust, weil sie sich nicht in diesem Bild ausruhen konnte. Wo waren Maurice und Húng, Lara und Claudia und die getauften Kinder, die Henry sich wünschte, es passte nicht ins Bild, sie schaffte es nicht, sich all das zusammen vorzustellen."

Inhalt

Als sich Henry und Michelle kennenlernen passt einfach alles, füreinander sind sie wie Sonne und Mond, endlich ein Gegenüber, dem man volles Vertrauen entgegenbringt, der das eigene Leben leicht und schön erscheinen lässt und mit dem eine Zukunft mehr als verheißungsvoll erscheint. Aus einem emotionalen Strohfeuer erwacht bald die Art von Liebe, die sich jeder wünscht und da kann man über kleine Differenzen hinwegsehen. Für Michelle ist es nicht leicht, sich in das unbedarfte, sorgenfreie Leben ihres neuen Partners einzufinden, doch obwohl sie ein Konto voller Schulden hat, einen Bruder, den sie finanziell unterstützen möchte und mittlerweile Gelegenheitsdiebstähle kultiviert hat, um irgendwie über die Runden zu kommen, empfindet sie großen Respekt vor Henry. Dieser teilt vollkommen uneigennützig mit ihr, lässt sie in seine Wohnung ziehen, finanziert ihren Lebensunterhalt und motiviert sie dazu, endlich ihrer Passion nachzugehen, anstatt dem schlecht bezahlten Aushilfsjob an der Hotelrezeption. Doch nach zweieinhalb Jahren wird deutlich, wie unterschiedlich ihre Maßstäbe sind, wie ein unausgewogenes Verständnis von Besitz und Geld zu immer größeren Brüchen führt und letztlich zu der Einsicht, dass die Liebe nicht jede Lücke zu füllen vermag ...

Meinung

Dieses Buch habe ich mir direkt als Wunschbuch bei vorablesen gesichert, nachdem mich der Vorgängerroman der deutschen Nachwuchsautorin Ruth-Maria Thomas dermaßen fasziniert hat, dass ich mir sicher war, hier zumindest die "zweitgrößte Liebe" zu finden. Aufgrund der gesteigerten Erwartungshaltung, habe ich hier zwischen den Zeilen immer noch etwas mehr gesucht: mehr Tiefe, mehr Verständnis, mehr Emotionen. Die beiden Protagonisten empfand ich hier etwas zu klar umrissen, teilweise mit vorhersehbaren Gefühlen und dennoch mit einer gewissen Distanz. Im Vordergrund der Erzählung steht hier nicht die perfekte Beziehung, sondern die unterschiedlichen Prämissen der handelnden Personen, die aus vollkommen anderen sozialen Schichten stammen. Das latente Unverständnis des einen über die seltsamen Befindlichkeiten des anderen im Umgang mit Geld häuft sich, kleine Risse tun sich auf, die schließlich zu tieferen Gräben wachsen. Es ist gleichsam eine Milieustudie über verschiedene Ausgangssituationen in diversen Gesellschaftsschichten und damit sind nicht nur materielle Werte verbunden, sondern auch Ängste, Wünsche und Hoffnungen für die Gegenwart und Zukunft. Zwischen Faszination, kontrolliertem Nachgeben und der Erfüllung der eigenen Vorstellungen zwischen den Partnern handelt dieses Buch. Der Schreibstil ist einprägsam, akzentuiert und bringt vieles auf den Punkt. Der Roman liest sich sehr gut und hinterlässt eine gewisse Beklemmung aber auch ein tieferes Erkennen.

Fazit

Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen ausgereiften, speziellen und nachvollziehbaren Roman, der mich dennoch weniger gefesselt hat, als erhofft. Vielleicht ist das ein ganz persönliches Empfinden, denn obwohl ich sowohl Michelle als auch Henry absolut glaubwürdig und konsequent empfand, bleibt hier die Thematik zu banal. Irgendwie hatte ich beim Lesen immer das Gefühl: das kennst du doch, es gibt zahlreiche solche Beispiele. Irgendwie hätte ich mir weitere Ansatzpunkte gewünscht, bzw. mehr Eindrücke von außen, von Familienmitgliedern, Freunden oder Arbeitskollegen. Darüber hinaus hätte es hier eigentlich gut klappen können, wenn man außer Liebe und Sex wirklich aufrichtige, intensive Gespräche geführt hätte. Manchmal war mir Henry einfach zu weich und unentschlossen und Michelle zu hart und verbohrt. Klar, niemand kann über seinen Schatten springen und die Ursachen wurden hier umfassend beleuchtet, nur zwischendrin hätte es vielleicht diesen einen Weg gegeben, der hier für ein Gelingen der Beziehung möglich gewesen wäre. Die Autorin hat ihn nicht gewählt, sondern ihre Protagonistin in ihr eigenes Leben entlassen:

"Aber ich kann dir nicht beides geben: ich bleiben und gleichzeitig die werden, die wirklich in deine Welt passt."

Ein sehr lesenswertes Buch, mit winzigen Abstrichen für mich und wenn das nächste Werk der Autorin erscheint, bin ich definitiv wieder mit im Boot.
Profile Image for Marie On.
Author 1 book3 followers
Review of advance copy received from Publisher
July 27, 2026
Michelle warf einen Blick in die Bar, innen an der Scheibe ein feuchter Schmierfilm, in dem sich ihr Gesicht verzerrt spiegelte. Sie sah einen freien Hocker an der Theke und dann ein hübsches Augenpaar, das in ihres blickte. Sie drehte sich um, entnahm ihrer Tasche eine Schachtel Marlboro Gold, die die Gäste liegen gelassen hatten. In den dunklen Tiefen raschelte die Alufolie mit den Essensresten, die sie auf dem Flur von den Servierwagen mitgehen ließ. Jemand räusperte sich hinter ihr. Sie drehte sich um und sah in die immer noch hübschen Augen. Ob sie für ihn auch eine Zigarette habe? Klar! Sie gab ihm Feuer, er inhalierte und hustete. Anfänger! Ein zähes Gespräch entstand. Er verunsicherte sie mit seinem Reiter-auf-Pferd-Emblem auf der Brust und der teuren Uhr, seiner offenen Zugewandtheit. Sie wollte es ihm gleichtun, gierte nach einer Gelegenheit. Ob sie noch etwas vorhabe? Ja klar, nach Hause gehen, saure Apfelringe essen und masturbieren. Wieder hustete er. Oh toll, schön, ähm, ob er ihre Telefonnummer haben dürfe? Nein. Sie holte ihr Handy raus, entsperrte. Du kannst mir deine geben.

Wenige Wochen zuvor hatte sie ihren Schmuckladen ausgeräumt, Lara entlassen, geweint, getrunken, geflucht. Die Pandemie hatte ihr den Rest gegeben. Sie hat ein letztes Mal den Schlüssel umgedreht, sich auf ihre Vespa gesetzt und ist kilometerweit in den Westen gefahren. Jetzt sitzt sie in ihrem teuren zwanzig Quadratmeter Appartement und vermisst ihren Bruder und ihre Mutter. Die Kolleginnen im Hotel haben sie freundlich aufgenommen, dennoch fühlt sie sich fremd und einsam.

Fazit: Die Sozialarbeiterin und Autorin Ruth-Maria Thomas hat in ihrem zweiten Roman eine Liebesbeziehung erzählt, aber die Geschichte greift noch tiefer. Ihre Protagonistin zieht nach ihrer Geschäftsaufgabe verschuldet aus dem Osten Deutschlands in den Westen. Sie hat ihre Mutter längst an eine Krankheit verloren und fühlt sich für den studierenden Bruder verantwortlich. In der großen Stadt lernt sie Henry kennen, einen liebenswerten Mann ihres Alters, der in der finanziellen Sicherheit, die seine Familie ihm bietet, ein etwas eintöniges Leben führt. Er bewundert die flippige Michelle, die ihn zu neuem Leben erweckt. Ab dem zweiten Jahr ihrer Liebe werden die beiden sich ihrer Klassenunterschiede bewusst. Während Henry von Liebe quatscht, offenbart sich seine Selbstbezogenheit. Er vergrößert seinen Druck auf Michelle, damit sie ihrem vermeintlichen Herzenswunsch folgt. Was mir an diesem Roman so gut gefällt ist, dass Henry ein ganz normaler Typ ist, klug genug, seine Gefühlslage zu analysieren und doch zeigt sich, wie patriarchal er geprägt ist. Michelle hat die Wahl, sich seinen Annehmlichkeiten zu unterstellen und abhängig zu werden oder integer zu bleiben. Der schmale Grat zwischen Selbstverleugnung und Selbstloyalität ist großartig herausgearbeitet. Während sie in ihrem ersten Buch (Die schönste Version) noch die weibliche Selbstermächtigung in einer brutalen Beziehung zeigte, bekommt man hier einen tiefen Einblick in die Tücken einer erwachsenen Beziehung zwischen zwei Menschen, die Welten trennen. Am Ende habe ich mich gefragt, wie ich mich entschieden hätte. Eine auf den ersten Blick harmlos daherkommende Geschichte, die auf den zweiten tief blicken lässt. Eine ganz und gar fesselnde Lektüre.
77 reviews4 followers
Review of advance copy
July 27, 2026
Über Geld spricht man nicht, man hat es...

...oder eben nicht. Michelle (eigentlich Mishelle, da es ihre Mutter in der ostdeutschen Provinz damals nicht besser wusste) hat kein Geld. Sie kann sich nicht auf ein Erbe verlassen. Sie hat sogar massive Schulden, seit ihr Schmuckhandwerksladen durch die Pandemie pleite ging. Henry hat Geld. Er hat einen guten Job und ist bereits durch Schenkungen und erwartetes Erbe sehr gut versorgt. Während Michelle sich niemals sicher fühlen kann in dieser Welt, hat Henry ein Grundvertrauen in die Welt in die Wiege gelegt bekommen. Nun treffen sich diese beiden Personen und verlieben sich. Wäre dies eine platte Romanze, könnte man nun eine Pretty Woman-Geschichte erwarten. Bei Ruth-Maria Thomas‘ zweitem Roman handelt es sich jedoch um eine differenzierte Betrachtung zweier Menschen und damit auch ihrer Welten und ein verschlungener psychologischer Testlauf, wie tatsächlich zwei Menschen, die aus unterschiedlicheren Familien kaum kommen könnten, miteinander auskommen, wenn das Auskommen zumindest für eine der beiden Personen ein riesiges Thema ist.

Thomas inszeniert hier ein auf zweieinhalb Jahre angelegtes Kammerspiel zwischen ihren Figuren Michelle und Henry, die aus ganz unterschiedlichen Milieus kommen. Messerscharf analysiert sie in kleinen Beobachtungen und großen Zusammenhängen, wie stark Menschen in unserer aktuellen gesellschaftlichen Gemengelage, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, durch ihre finanzielle Situation in ihren emotionalen Entscheidungen bestimmt sind. Dabei bedient keine der Figuren ein einfaches Klischee, sondern wird in der Tiefe betrachtet mit all ihren Überlegungen und Prädispositionen. Gleichzeitig zeigt Thomas eine Schieflage auf der Metaebene dar, denn Michelle kommt aus einer ostdeutschen Kleinstadt, während Henry einer Familie aus einer westdeutschen Großstadt angehört. Und auch wenn es in Ost wie auch West natürlich sowohl reiche wie auch arme Menschen gibt, so ist soziologisch belegt, dass es im Osten Deutschlands weniger zu vererben gibt. Privatbesitz war für die große Masse in der DDR nicht möglich anzuhäufen bzw. nicht erlaubt. So starten die Nachwendegenerationen meist ohne die Sicherheit einer, wie auch immer gearteten, Erbmasse oder größeren Ersparnissen in ihr Leben. Das bringt nicht nur die ganze Nation in eine gefährliche Schieflage, sondern auch Menschen auf der Mikroebene, wenn sie sich per Zufalle kennen und lieben lernen.

So stellt Ruth-Maria Thomas in ihrem zweiten Roman die Fragen, ob diese Beziehungskonstellation funktionieren kann. Ob sie Bestand hat. Und ob ein Verständnis für die Lebenssituation des geliebten Menschen aus einem ganz anderen sozioökonomischen Milieu erwachsen kann.

Sprachlich hat mich der Roman komplett mitgenommen und auch mitgerissen. Innerhalb kürzester Zeit war das Buch eingesogen. Da somit die Autorin auf sprachlicher, wie auch inhaltlicher Ebene mit einem nur selten auf diese Weise beleuchteten Thema punktet, gibt es eine klare Leseempfehlung von meiner Seite für diese unkonventionelle „zweitgrößte“ Liebesgeschichte.

5/5 Sterne
Profile Image for Seitenmusik.
474 reviews24 followers
July 30, 2026
Nach "Die schönste Version" beweist Ruth-Maria Thomas mit "Die zweitgrößte Liebe" erneut, wie präzise sie gesellschaftliche Themen in Literatur übersetzen kann. Im Mittelpunkt steht Michelle, die nach einem Neuanfang Henry kennenlernt. Sie verlieben sich. Gleichzeitig könnten ihre Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein. Während Henry finanzielle Sicherheit nie hinterfragen musste, ist Existenzangst für Michelle ein ständiger Begleiter.

Was mich anfangs schon überrascht hat: Ich war zwar sofort in der Geschichte drinnen, hatte aber gleichzeitig das Gefühl, dass sie eher vor sich hinplätschert. Erst nach und nach habe ich dann aber verstanden, dass genau darin die große Stärke dieses Romans liegt. Ruth-Maria Thomas erzählt nicht von den großen, offensichtlichen Klassenunterschieden. Sie zeigt sie in Blicken, Gesprächen und scheinbar beiläufigen Alltagssituationen. Genau dadurch entfalten sie im Endeffekt ihre ganze Wucht.

Nachhaltig in Erinnerung geblieben und super schmerzhaft fand ich die Gespräche zwischen Michelle und Henry über das Thema Geld. Als Michelle fragt, wie es sich anfühlt, abgesichert zu sein, antwortet Henry: „Es fühlt sich … normal an. Schätze ich. Es ist etwas … Selbstverständliches für mich.“ (S. 89). Wenig später beschreibt Michelle Existenzangst mit einem scheinbar simplen Satz, der aber einfach alles sagt: „Es ist, als würde über allem ein Schatten liegen.“ (S. 90). Mit diesem Satz wird nämlich sichtbar, dass Armut sich auf einfach aaaalles auswirkt. Eine kleine "fremde" Leseempfehlung möchte, nein MUSS ich an dieser Stelle aussprechen: Wer sich bisher wenig mit Klassismus und Armut beschäftigt hat, sollte zusätzlich "Das können wir uns nicht leisten" von Miriam Davoudvandi lesen. Das Sachbuch liefert viele Hintergründe, die zahlreiche Situationen aus dem Roman hier noch einmal auf einer ganz anderen Ebene verständlich machen.

Aber zurück zu "Die zweitgrößte Liebe": Was diesen Roman für mich auch ganz besonders macht ist, dass die Autorin nie mit erhobenem Zeigefinger erzählt. Henry ist, obwohl reich, kein Antagonist. Seine Fürsorge ist ehrlich. Trotzdem zeigt der Roman, wie unterschiedlich Liebe aussehen kann, wenn zwei Menschen mit völlig verschiedenen Erfahrungen von Sicherheit, Risiko und Zukunft aufgewachsen sind. Diese Ambivalenz macht die Geschichte für mich sooooo stark. Auch sprachlich hat mich der Roman begeistert. Ruth-Maria Thomas schreibt unglaublich nahbar und beobachtet den Alltag mit einer Präzision, die mich an Anne Freytag erinnert. Nichts wirkt überhöht, und doch steckt in vielen Sätzen eine enorme gesellschaftliche Wucht. Über das Ende möchte ich bewusst nichts verraten. Nur so viel: Ich saß am Schluss weinend da vor lauter Wut und Traurigkeit über die Ungerechtigkeiten des Lebens.

Fazit

"Die zweitgrößte" Liebe ist ein unglaublich kluger, fein beobachteter und emotional kraftvoller Roman über Liebe, Klassismus und die Frage, wie frei wir in unseren Entscheidungen wirklich sind. Für mich eine absolute Leseempfehlung und eines der Bücher, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird; und das ich in Zukunft sicher noch oft empfehlen werde.
23 reviews
August 4, 2026
Eine präzise Analyse von Klassismus

Es gibt Romane, die von Liebe erzählen. Und es gibt Romane, die zeigen, wie wenig Liebe gesellschaftliche Ungleichheit allein überwinden kann. „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Im Mittelpunkt stehen Michelle und Henry, deren Beziehung von Beginn an unter sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten steht. Michelle ist im Osten Deutschlands mit wenig Geld aufgewachsen und kämpft nach der Schließung ihres Geschäfts während der Corona-Pandemie um einen Neuanfang. Henry kennt finanzielle Sorgen dagegen kaum. Aus dieser Ausgangslage entwickelt Ruth-Maria Thomas keinen klassischen Liebesroman, sondern einen Gesellschaftsroman, der Klassismus in den Mittelpunkt rückt. Unaufgeregt, aber mit einer unfassbaren Präzision.

Besonders stark ist, wie konsequent die Autorin zeigt, dass Armut nicht einfach ein Mangel an Geld ist, sondern den gesamten Blick auf die Welt verändert. Während Henry finanzielle Sicherheit als Selbstverständlichkeit begreift, ist sie für Michelle nie selbstverständlich gewesen. Genau daraus entstehen Missverständnisse, die weit über persönliche Differenzen hinausgehen. Der Roman macht deutlich, wie soziale Herkunft Beziehungen prägt und wie schwer es ist, Erfahrungen nachzuvollziehen, die man selbst nie machen musste.

Eine Szene, in der Henry Michelle vorwirft, sie sei wie ein Taschenrechner, der niemals still steht, hat mich absolut wütend gemacht. Nicht, weil Henry als Figur unsympathisch wäre - im Gegenteil. Gerade seine fehlende Einsicht macht ihn glaubwürdig. Er meint es oft gut und scheitert dennoch daran, die strukturellen Unterschiede zwischen ihnen WIRKLICH zu erkennen. Diese Ambivalenz macht beide Figuren unglaublich lebendig.

Auch sprachlich überzeugt der Roman. Ruth-Maria Thomas schreibt nüchtern und ohne Pathos, wodurch die emotionalen Momente umso stärker wirken. Besonders gelungen fand ich den Kontrast zwischen Michelles pragmatischer Sicht auf die Welt und Henrys emotionalem Zugang. Diese Gegensätze wirken wie eine logische Folge ihrer unterschiedlichen Biografien.

Mich hat selten ein Roman so frustriert und gleichzeitig so überzeugt zurückgelassen einfach weil er gesellschaftliche Machtverhältnisse so selbstverständlich in den Alltag seiner Figuren einschreibt. „Die zweitgrößte Liebe“ ist für mich deshalb weit mehr als eine Romance-Geschichte. Es ist ein Roman über Klassismus, soziale Ungleichheit und die Frage, wie tief Herkunft unsere Beziehungen prägt. Gerade weil Ruth-Maria Thomas auf einfache Antworten verzichtet, trifft ihre Gesellschaftskritik mit voller Wucht.
15 reviews
Review of advance copy received from Author
July 23, 2026
Das Buch hat mir den Schlaf geraubt! - Als das Buch gestern Nachmittag bei mir ankam, wollte ich eigentlich nur kurz hineinlesen. Draußen war schlechtes Wetter und nach der Arbeit hatte ich keine Pläne. Also habe ich es mir mit dem Buch gemütlich gemacht. Tja, aus ein paar Seiten wurden mehrere hundert und plötzlich war es 3.30 Uhr morgens. Mein heutiger Arbeitstag war dementsprechend ziemlich hart, aber das war es absolut wert.

Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so feinfühlig und gleichzeitig so eindringlich über Klassismus geschrieben hat. Vor allem darüber, was soziale Herkunft und Geld mit Beziehungen machen. Es geht nicht einfach nur um finanzielle Unterschiede, sondern um die Gefühle, die damit verbunden sind. Um Scham, Unsicherheit, Abstiegsängste und das ständige Gefühl, nicht ganz dazuzugehören.

Michelle ist mir unglaublich nah gekommen. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle jederzeit nachvollziehen. Besonders ihre Angst vor dem sozialen Abstieg hat mich sehr bewegt. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, wie sehr solche Ängste Entscheidungen beeinflussen und wie tief sie in einem Menschen verwurzelt sein können. Das hat mich beim Lesen immer wieder nachdenklich gemacht und teilweise auch richtig aufgewühlt.

Dazu kommt eine Sprache, die mich von der ersten Seite an eingefangen hat. Sie ist wunderschön, ohne überladen zu sein, und schafft es, dass man vollkommen in die Geschichte eintaucht. Ich hatte das Gefühl, Michelle die ganze Zeit direkt zu begleiten und ihre Gedanken selbst mitzuerleben.

Dieses Buch hat mich nicht nur hervorragend unterhalten, sondern mir auch Fragen mitgegeben, die mich noch lange beschäftigen werden. Was macht Geld mit uns? Wie sehr beeinflusst unsere Herkunft unsere Beziehungen und unser Selbstbild? Selten habe ich ein Buch gelesen, das diese Themen so klug, sensibel und ehrlich behandelt.

Für mich ist "Die zweitgrößte Liebe" ein absolutes Highlight und ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde. Eine ganz klare Leseempfehlung.
Profile Image for Alina_liest07.
142 reviews6 followers
Review of advance copy received from Publisher
July 26, 2026
Nachdem Michelles‘ Traum von ihrem eigenen Schmuckgeschäft in der Insolvenz inklusive Schulden geendet ist, packt sie alles zusammen und wagt den Neuanfang an der Rezeption eines gehobenen Hotels in einer neuen Stadt im Westen des Landes.
Während Michelle sich ins Großstadtleben stürzt, immer begleitet von finanziellen Sorgen, Schulden und die existenzielle Angst alles wieder zu verlieren, lernt sie Henry kennen und lieben. Doch Henry ist im Gegensatz zu ihr mit einem (finanziellen) Sicherheitsnetz geboren und ihre verschiedenen Ansichten und Lebensrealitäten kommen immer mehr zum Vorschein…

Nach Thomas großartigen Debüt „Die schönste Version“ war ich sehr neugierig auf ihren zweiten Roman, und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil!
Der Stil der Autorin ist ruhig und bedacht und dennoch ab Seite eins absolut fesselnd. Thomas fängt die Atmosphäre und zwischenmenschlichen Dynamiken hervorragend ein und behandelt die ganz großen Themen wie Herkunft, Klasse, Liebe, Scham, Prägung und Verlustangst auf sehr authentische Art und Weise.
Ich habe selten so einfühlsam und nahbar über Klassismus in einer Beziehung gelesen. Die Autorin geht über die rein finanziellen Unterschiede hinaus und zeigt wie Herkunft, Prägung und fehlende Sicherheit Entscheidungen, Gerechtigkeitsempfinden und die Sicht aufs Leben im Großen wie im Kleinen beeinflussen und wie schwer es sein kann hier eine gemeinsame Sprache zu finden, egal wie sehr man es möchte.

Michelle ist eine tolle Protagonistin, die sich vielleicht nicht immer hundertprozentig korrekt aber immer nachvollziehbar verhält. Und auch Henry ist kein flacher Charakter, am Ende konnte ich für beide ein gewisses Verständnis aufbringen

Fazit: Thomas erzählt mit „Die zweitgrößte Liebe“ eine der schönsten und zutreffendsten Geschichten über Liebe und Klasse, die ich seit Langem gelesen habe. Sie fängt die feinen Zwischentöne und Klassenunterschiede hervorragend ein ohne dabei in ein klares Schwarz und Weiß oder in den Kitsch abzurutschen – ein wunderschöner Roman und eine große Leseempfehlung!
12 reviews
Read
July 26, 2026
Die zweitgrößte Liebe – Ruth-Maria Thomas
Dieser Roman beginnt (nach einem verstörenden Prolog) mit einer wunderbaren Liebesgeschichte. Michelle, die aus einfachsten Verhältnissen stammt, trifft auf den gut betucht aufgewachsenen Henry. Trotz aller materiellen und sozialen Unterschiede verlieben sich die beiden ineinander. Als der Alltag in die Beziehung einkehrt, werden die Differenzen zwischen den beiden immer deutlicher – und anders als in so manchen Romanzen, scheint es hier nicht ganz so einfach, diese zu überwinden.
Wie oben bereits erwähnt, lässt sich aus dem eindringlichen Prolog bereits ableiten, dass diese Liebesgeschichte möglicherweise kein Happy End zu erwarten hat. Ich finde die ganze Geschichte sehr authentisch und auch realistisch dargestellt. Henry hat, ganz anders als Michelle, keinerlei finanzielle Sorgen oder Existenzsorgen. Er spaziert sehr selbstbewusst und selbstverständlich durchs Leben. Michelle dagegen stößt immer und überall auf Hindernisse und Vorurteile und will sich von Henry auch nur sehr begrenzt unterstützen lassen. Klar, dass das Konflikte aufwirft.
Ein wirklich schöner, tiefgründiger Schreibstil, der mich sehr angesprochen hat. Sehr ruhig, sehr klar und empathisch mit den Protagonisten. Diese fand ich beide wirklich authentisch und nachvollziehbar – jeden auf seine Weise. Es entsteht eine melancholische Stimmung, der Leser fürchtet von Anfang an (auch wegen des Prologs), dass diese Liebe keine Zukunft hat. Das Problem ist hier nicht nur das Geld, sondern viele weitere Aspekte, die mit der sozialen Herkunft der Figuren zusammenhängen, spielen eine Rolle.
Vielleicht liegt es daran, dass es im Grunde hier lauter Alltagssituationen sind, bei denen die Unterschiede zwischen Arm und Reich deutlich werden – Situationen, die jeder kennt – auf jeden Fall kommt diese Geschichte sehr nah und berührt tief.
Ein Roman, der nachdenklich macht und mich sehr gut unterhalten hat.
5 Sterne
52 reviews
August 3, 2026
Ruth Maria Thomas legt nach und veröffentlicht mit „Die zweitgrößte Liebe“ ihren zweiten Roman nach „Die schönste Version“. Im Mittelpunkt steht Michelle, die fern ihrer Heimat als Rezeptionistin einen Neuanfang wagt und dort Henry kennenlernt. Die beiden stammen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Welten – kann das gut gehen?

Der Roman setzt sich mit Themen wie Armut und Reichtum, gesellschaftlichen Klassen und deren Einfluss auf moderne Beziehungen auseinander. Das finde ich grundsätzlich sehr spannend. Für meinen Geschmack greift die Geschichte dabei jedoch stellenweise zu stark auf bekannte Klischees zurück: Michelle wächst bei einer überforderten, alleinerziehenden Mutter auf und übernimmt früh Verantwortung für ihren Bruder, während Henry von Nannys großgezogen wurde, weil seine Eltern Karriere machten und er dadurch aber ein Leben im Überfluss hatte. Auch sprachlich werden diese Gegensätze deutlich. Vor allem Michelles Ausdrucksweise empfand ich teilweise als vulgär – sicherlich bewusst als Stilmittel eingesetzt, für mich aber an manchen Stellen etwas zu viel. Emotional konnte ich mich eher mit Henry identifizieren, während mir Michelle und einige ihrer Verhaltensweisen manchmal etwas zu sehr dem Robin-Hood-Prinzip folgten oder ich auch teilweise gar nicht nachvollziehen konnte.

Der Schreibstil hingegen hat mir sehr gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig und unterhaltsam, sodass ich es innerhalb von zwei Tagen beendet habe. Zwischendurch plätscherte die Handlung teilweise vor sich hin, insgesamt hat das meinen Lesefluss aber kaum gestört. Besonders zum Ende hin zieht die Spannung noch einmal deutlich an. Das Ende lässt mich etwas zwiegespalten zurück.

Alles in allem ist „Die zweitgrößte Liebe“ ein Roman, der wichtige gesellschaftliche Fragen aufgreift und zum Nachdenken anregt. Mich hat die Geschichte gut unterhalten, auch wenn sie auf mich in manchen Punkten noch nicht ganz ausgereift wirkte.
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August 3, 2026
Ich habe mich so sehr auf „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas gefreut, nachdem mir schon „Die schönste Version“ so gut gefallen hatte. Auch bei diesem Buch ist das Cover wieder sehr schlicht gehalten. Man sieht nur einen Teil eines Gesichts vor einem kräftigen blauen Hintergrund. Ich finde diese Schlichtheit einfach wunderschön. Und genauso wunderschön war für mich auch wieder die Geschichte, die Ruth-Maria Thomas erzählt.

Michelle und Henry kommen aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten. Michelle ist im Osten Deutschlands aufgewachsen, hatte nie viel Geld, musste sich schon früh durchs Leben kämpfen und hat außerdem ihre Mutter verloren. Als ihr Leben immer mehr aus den Fugen gerät, zieht sie in eine andere Stadt und arbeitet dort als Rezeptionistin in einem Hotel, in dem täglich wohlhabende Gäste ein- und ausgehen. Dort lernt sie Henry kennen. Er stammt aus einer liebevollen Familie, kennt Geldsorgen nicht und scheint ein völlig anderes Leben zu führen als Michelle. Gegensätzlicher könnten die beiden kaum sein und trotzdem verlieben sie sich ineinander. Doch ihre Beziehung bleibt nicht ohne Höhen und Tiefen.

Dieses Buch war wieder so toll. Ruth-Maria Thomas hat Michelle und Henry so greifbar beschrieben, dass ich mich richtig gut in beide hineinversetzen konnte. Auch wenn ich über Michelles Verhalten zwischendurch immer wieder den Kopf geschüttelt habe, konnte ich ihre Entscheidungen trotzdem nachvollziehen. Und Henry war einfach ein unglaublich sympathischer junger Mann, wie man ihn sich nur wünschen kann. Natürlich trifft auch er nicht immer die richtigen Entscheidungen, aber genau das macht beide Figuren so authentisch.

Der Schreibstil hat mir wieder richtig gut gefallen. Ich wollte das Buch gar nicht aus der Hand legen und habe es innerhalb von zwei Tagen gelesen.

Für mich war auch „Die zweitgrößte Liebe“ wieder ein ganz tolles Buch. Ich kann es nur weiterempfehlen und freue mich jetzt schon auf das nächste Buch von Ruth-Maria Thomas.
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150 reviews4 followers
August 2, 2026
In Ruth-Maria Thomas’ Roman „Die zweitgrößte Liebe”, geht es um Michelle und Henry, die sich eines Abends vor dem Hotel begegnen, in dem Michelle arbeitet. Es scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein, doch dieses Versprechen verliert sich mit jedem weiteren Kennenlernen. Obwohl sie emotional so stark verbunden sind, hält ihre unterschiedlichen sozialen Hintergründe sie davon ab, das volle Potential ihrer Liebe zu entfalten.

Thomas zeigt in ihrem Roman die Ambivalenz zwischen dem Aufwachsen in Armut und Reichtum, aber auch die Gemeinsamkeiten von Problemen, die beide Gesellschaftsschichten nicht lösen können. Mit einer nüchternen, stellenweise fast grotesken Bildsprache erzählt sie von den Höhen und Tiefen, die Michelle und Henry in ihrer Beziehung erleben. Michelle betont immer wieder, dass sie nicht glaubt, aufrichtig lieben zu können. Was Henry nicht versteht ist, dass sich das einzugestehen, der größte Liebesbeweis ist, den Michelle ihm machen kann. Und dennoch hält er an dem Savior Complex fest, den ihm sein Geld und Wohlstand vermitteln und scheint zu vergessen, dass Michelle durch ihr Leben gelernt hat für Dinge, die sie liebt und erreichen möchte, selber einzustehen.

Anders, als der Titel vermuten lässt, ist „Die zweitgrößte Liebe” kein Roman über die große (oder zweitgrößte) Liebe, sondern zeichnet ein schonungsloses Bild von Klassenunterschieden, Trauma und den Grenzen der Liebe. Gerade durch seine schonungslose Ehrlichkeit hallt dieser Roman noch lange nach.
216 reviews
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July 26, 2026
„Die zweitgrößte Liebe“ ist eine Geschichte von Ruth-Maria Thomas. Henry und Michelle leben im Osten und lernen sich in einer Hotelbar kennen. Henry stammt aus wohlhabenden Verhältnissen, Michelle nicht. Nach dem sie ihr Schmuckgeschäft aufgeben musste, hat sie Schulden. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte - bis ihre Welt ins Wanken gerät.
Das war eine eindrückliche Geschichte rund um Geld und Klassenunterschiede sowie deren Bedeutungen für eine Beziehung. Das dies keine klassische Liebesgeschichte ist, wird bereits im Klappentext deutlich sowie durch den bisherigen Stil von Ruth-Maria Thomas. Stattdessen gibt es eine romantisch-schöne und gleichzeitig nicht-schöne Liebesgeschichte. Das Buch hat mich daher etwas traurig und nachdenklich, aber auch hoffnungsvoll hinterlassen. Und ich habe überlegt, wie es hätte anders verlaufen können. Die Hauptfiguren überzeugen nicht durch Sympathie, sondern durch Authentizität, Nahbarkeit und Charakter. Eine realistische, aber auch melancholische Stimmung - mitten aus dem Leben. Den Schreibstil habe ich dabei als direkt, teils poetisch und besonders empfunden.
Profile Image for julia.
55 reviews1 follower
Review of advance copy
July 27, 2026
Unlösbares Dilemma
Michelle zieht nach dem Aus ihres Schmuckgeschäfts aus dem Osten weit weg in die Großstadt im Westen. Sie fängt als Rezeptionistin in einem Luxushotel an, vor dem sie Henry kennenlernt. Im Gegensatz zu Michelle (Vater schon lange abgehauen, Mutter verstorben, sich für den kleinen Bruder verantwortlich fühlend und dazu noch verschuldet) kommt Henry aus gutem Hause - Akademiker-Eltern, finanziell sehr gut abgesichert und erfolgreich im Job.
Sie verlieben sich Hals über Kopf, mit (fast) allem was dazu gehört. Die Beziehung hält fast drei Jahre, bis deren Klassenunterschiede zu einem scheints unlösbaren Dilemma werden.
Es werden Fragen behandelt wie kann man sich mit Geld und Sicherheitsversprechungen Liebe kaufen? Ist diese Liebe dann wirklich echt und bedingungslos? Können tiefgreifende Überzeugungen und Ansichten einfach so abgelegt und "aufgekauft" werden? Kann Liebe mit Abhängigkeiten auf Dauer wirklich funktionieren?
Hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen. Der Schreibstil von Ruth-Maria Thomas ist auch in ihrem zweiten Roman außergewöhnlich gut. Große Empfehlung.
Profile Image for Anna.
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Review of advance copy received from Publisher
July 29, 2026
„Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas hat mich sehr berührt. Eigentlich wollte ich nur kurz reinlesen, konnte das Buch dann aber nicht mehr aus der Hand legen und habe es in derselben Nacht beendet.

Im Mittelpunkt steht Michelle, die nach der Insolvenz ihres Schmuckgeschäfts in einer neuen Stadt neu anfangen möchte. Sie hat Schulden, arbeitet in einem gehobenen Hotel und lebt mit der Angst, wieder alles zu verlieren. Dann lernt sie Henry kennen, der aus einer wohlhabenden Familie kommt und mit einer Sicherheit aufgewachsen ist, die Michelle nie hatte.

Michelle ist mir beim Lesen unglaublich nah gekommen. Ich konnte ihre Gedanken, ihre Scham und ihre Ängste gut nachvollziehen, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen richtig fand. Gerade das hat sie für mich so menschlich gemacht.

Besonders stark fand ich, wie das Buch Klassenunterschiede innerhalb einer Beziehung zeigt. Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Sicherheit, Abhängigkeit und darum, wie sehr die eigene Herkunft das Denken und Fühlen beeinflusst. Gerade die kleinen Situationen fand ich teilweise sehr schmerzhaft.

Der Schreibstil ist ruhig, direkt und feinfühlig. Das Buch hat mich traurig und nachdenklich gemacht, aber trotzdem nicht hoffnungslos zurückgelassen.

Für mich ist „Die zweitgrößte Liebe“ ein wunderschöner und ehrlicher Roman über Liebe, Herkunft, Geld und die Angst, nicht wirklich dazuzugehören. Eine klare Leseempfehlung!

5/5 ⭐️
Profile Image for lesemadi.
39 reviews
Review of advance copy
July 27, 2026
Auch ich hatte vorher natürlich schon "die schönste Version" von Ruth Maria Thomas gelesen und damit hatte sie einen richtigen Brecher gelandet. Daher hatte ich vielleicht auch zu hohe Erwartungen oder Anforderungen an ihr neues Buch. Der Schreibstil war natürlich wieder total angenehm und flüssig, aber die Story konnte mich dieses Mal nicht zu 100% catchen, was hauptsächlich an den Charakteren lag.
Das Buch beginnt fast mit einem Cliffhanger und das war der Grund, wieso ich überhaupt weitergelesen habe. Die Protagonistin Michelle war für mich irgendwie nicht so richtig greifbar und viele Entscheidungen von ihr konnte ich nicht so richtig verstehen. Ich war ständig hin und hergerissen, ob ich sie überhaupt mag. Henry war mir dafür ein bisschen zu schüchtern bzw. zu passiv. Auch das Ende hatte ich so nicht erwartet und ich war nicht so ganz zufrieden damit. Dennoch hat Ruth-Maria Thomas wieder ein tolles und lesenswertes Buch geschrieben, auch wenn es mir diesmal nicht so gut gefallen hat, wie das erste.
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