Das Leben der Menschen Bisolas wird durch den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt. Jahrzehnte lang herrscht Nacht, bis die Morgendämmerung hereinbricht und weitere Jahrzehnte vergehen bis zum Abendrot. Ein alter Pakt zwingt die Menschen dazu, mit der Nacht zu wandern und ihr Dasein in kalter Dunkelheit zu fristen. Denn wenn der Tag kommt, kommen die Sasseks - fremdartige Wesen, die nur in der Wärme leben können. Allein dieses Abkommen garantiert den frieden zwischen den Völkern sowie die Grauwacht, die den Abzug der Menschen überwacht. Doch mysteriöse Ereignisse gefährden den Pakt. Die Monde verändern ihre Farbe. Die Dämmerung schwindet nicht. Kann ein Krieg noch aufgehalten werden?
Mein erster Roman von Robert Corvus, und durchaus keine Enttäuschung. In Begeisterung versetzt hat mich die Lektüre aber auch nicht... Das Beste an „Grauwacht“ ist eindeutig die sorgfältig gebaute Welt mit ihren in Tag und Nacht geteilten, gänzlich unterschiedlichen Hälften und den dem Lauf der Hell-Dunkel-Zonen folgenden Völkern. Der Autor hat sich hier viele interessante Details einfallen lassen, und erkennbar Arbeit in das World-Building gesteckt, was der Atmosphäre des Buches unbedingt gut tut; besonders die Darstellung der Sasseks-Kultur, der neben den Menschen zweiten Rasse auf Bisolas, ist gelungen. Insgesamt eine erfreulich originelle Alternative zu den üblichen Pseudo-Mittelalter-Szenarien. Sprachlich und stilistisch ist das alles zwar nicht direkt nobelpreisverdächtig, liest sich andererseits aber auch nicht schlechter als einige wesentlich berühmtere amerikanische Kollegen. Die eigentliche Handlung ist zwar unterhaltsam und oft spannend, an vielen Stellen aber leider arg vorhersehbar und zu oft von hochgradig unwahrscheinlichen Zufällen abhängig um noch wirklich glaubwürdig zu sein. Auch die Charaktere sind nicht gerade Musterbeispiele an psychologischer Komplexität, auch wenn sich in Einzelfällen erahnen lässt das Corvus hier vermutlich zu mehr fähig wäre. Insgesamt also eindeutig kein Meisterwerk, aber als leichte Unterhaltung für Zwischendurch funktioniert „Grauwacht“ ganz hervorragend. Popcorn-Literatur, sozusagen.
„Grauwacht“ von Robert Corvus war ein Spontankauf. Mein erster seit langer, langer Zeit. Ich weiß nicht mehr, wann ich davor das letzte Mal in einer Buchhandlung so begeistert von einem Cover und einem Klappentext war, dass ich das dazugehörige Buch sofort mitnehmen musste, obwohl es nicht auf meiner Wunschliste stand. Ich wusste auch nicht, dass mir dieses spezielle Gefühl der Aufregung gefehlt hat. Als Buchbloggerin bin ich sehr kontrolliert, was den Kauf neuer Bücher angeht, selbst wenn das nicht immer so aussieht. Ich kaufe in der Regel nichts abseits meiner Wunschliste. Umso mehr freute ich mich darauf, in „Grauwacht“ zu versinken und endlich mal wieder einen spontanen Kurzurlaub in eine Welt zu unternehmen, die so weit weg von der Erde ist, wie es nur geht.
Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht, glühende Hitze und brennende Kälte. Bisola ist eine Welt der Extreme, in der eine einzige Nacht ein gesamtes Menschenleben andauert. Um das Überleben aller ihrer BewohnerInnen zu ermöglichen, wurde vor langer Zeit ein Vertrag zwischen Menschen und Sasseks geschlossen. Den wechselwarmen Sasseks gehört der Tag, den anpassungsfähigeren Menschen die Nacht. Beide Völker wandern mit dem Stand der Sonne – wenn die Dämmerung hereinbricht, ist es die Aufgabe der Grauwacht, sicherzustellen, dass der uralte Pakt geachtet wird. Doch Bisola verändert sich. Die Monde wechseln ihre Farbe und das Licht schwindet nicht mehr. Kann die Grauwacht den Frieden zwischen den Völkern bewahren und gleichzeitig herausfinden, was die Veränderungen zu bedeuten haben?
„Grauwacht“ zu lesen war, als würde ich ein Theaterstück sehen, das in einer Sprache aufgeführt wird, die ich nicht spreche. Ich erlebe die Darsteller auf der Bühne, kann anhand ihres Spiels erschließen, welche Emotionen sie empfinden und bekomme einen groben, rohen Eindruck der Handlung. Doch die Feinheiten bleiben mir verborgen, weshalb ich keine Chance habe, den wahren Sinn des Stücks zu begreifen. Meine Reise nach Bisola fühlte sich genauso an. Bisola – diese faszinierende, fremdartige, beängstigende Welt. Dieser Planet, dessen Oberfläche gleichzeitig extreme Hitze und bittere Kälte verkraftet und daher einem ständigen Wandel der Umgebung unterworfen ist. Gefährliche Eisstürme und Beben verändern die nächtliche Landschaft der Menschen, während die Sonne die Ozeane so stark erhitzt, dass sie zu kochen beginnen. Es ist eine harte Welt, in der ich keinesfalls leben möchte, weil leben dort mit überleben gleichzusetzen ist. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, eine Bewohnerin Bisolas zu sein, besonders, da ich als Mensch an die Nacht gefesselt wäre. Diese Welt ist so anders, dass es mir sehr sehr schwer viel, einen Zugang zu ihr zu finden und sie zu verstehen. Ich glaube nicht, dass es mir vollständig gelungen ist. Ich liebe die Idee hinter Robert Corvus‘ Roman, doch seine Umsetzung ist meines Erachtens nach äußerst verwirrend. Er verlangt seinen LeserInnen unheimlich viel ab, denn neben der Komplexität Bisolas müssen sie auch noch die vielschichtige Handlung verdauen, die sehr dicht mit den Besonderheiten des Planeten verknüpft ist. Ich denke, es verhält sich so: begreift man Bisola nicht, wird auch die Handlung rätselhaft und irritierend bleiben. Die Wanderungen von Menschen und Sasseks mit dem Stand der Sonne mögen von außen recht banal wirken, doch für mich wurden sie beim Lesen unglaublich kompliziert, weil ich einfach nicht verstand, wie das System dahinter funktioniert, das der Vertrag der Völker festlegt. Das Gleiche gilt leider für die Zeit- sowie Entfernungsrechnung, die Robert Corvus für seinen Roman völlig neu erfand. Alles bezieht sich auf die Umstände in Bisola, was zwar durchaus realistisch ist, mir daher allerdings nicht den geringsten Referenzpunkt bot. Ich weiß nicht, wie lang ein Mezzalauf ist. Ich weiß auch nicht, wie weit ein Click ist, obwohl beides immer wieder erwähnt wird. Corvus schreibt für meinen Geschmack nicht explizit genug; er erklärt wenig und wenn, dann eher beiläufig, was in all den Wendungen der Handlung sehr schnell unterging. Außerdem empfand ich ihn als sprunghaft und unruhig, als würde er mit jedem neuen Einfall das aktuelle Problem einfach vom Tisch kehren, ohne es richtig aufzulösen. Ähnlich verhält es sich mit den Figuren in „Grauwacht“, die nicht nur sehr zahlreich sind (ich habe fast 40 namentlich genannte Personen gezählt), sondern mir auch fremd blieben. Zwar erhielten nicht alle Charaktere eine eigene Perspektive, doch auch mit denjenigen, aus deren Sicht ich die Ereignisse erleben durfte, konnte ich keine solide Verbindung aufbauen. Überhaupt gab nur eine einzige Figur, die ich wirklich mochte und mit der ich mich zumindest ein bisschen identifizieren konnte: den Sassek Ssarronn.
Ich würde „Grauwacht“ nicht unbedingt als Fehlkauf oder Totalausfall bezeichnen, doch es hielt definitiv nicht das, was ich mir davon versprochen hatte. Ich empfand es als verworren und unübersichtlich; Robert Corvus fehlt meiner Ansicht nach das Talent, um seine komplexen, spannenden Ideen seinen LeserInnen leicht und elegant zu vermitteln. Ich habe mich überfordert gefühlt, als wäre ich nicht clever genug, um seine Konstruktion zu durchschauen. Nicht gerade eine positive Empfindung. Ich möchte „Grauwacht“ nicht empfehlen, weil ich es dafür erstens nicht gut genug fand und zweitens auch zu wenig Erfahrung mit dem reinen Science Fiction – Genre habe, um hier irgendwelche Vergleiche anzustellen. Solltet ihr euch trotz dessen dazu entscheiden, es zu lesen, fände ich es toll, wenn ihr mir kurz eure Eindrücke schildert. Vielleicht lag es nicht nur an mir, dass ich mich in dieser Geschichte so unwohl gefühlt habe.
Eine schier ewig währende frostige Nacht auf der einen und kochende Ozean im Licht der Sonne auf der anderen Seite? Klingt für mich, als würde ich mir einen Platz im Zwielicht der auf- oder untergehenden Sonne suchen. Doch was, wenn die Sonne nicht mehr gelb scheint, sondern zunehmend ins Blau abdriftet. Die Grauwacht als Wächterinstanz zwischen den in der Nacht lebenden Menschen und den reptilienartigen Sasseks, die sich in der Hitze des Tages wohl fühlen. Doch es existiert noch einen dritte intelligente Spezies auf dem Planeten, die das blaue Licht benötigen, um zum Leben zu erwachen. High-Fantasy, Dark-Fantasy, Scifi? Was hab ich eigentlich gelesen? Von allem ein wenig und das aus meiner Sicht hervorragend inszeniert und dargeboten. Am Ende gibt es für alles, was während der Geschichte mit Fragezeichen versehen war, ein Ausrufezeichen. Für mich eine runde Sache und eine fantastische Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.
Sehr schöne Science-Fantasy in einer fremden Welt. Einige interessante Gedanken zu Kolonialisierung und technischem Fortschritt, die aber leider nur mal so nebenbei abgehandelt werden...
Die Handlung hat so angefangen, dass ich geglaubt habe, ich lese eine Fantasie (und ich würde nie absichtlich eine Fantasie lesen). Es hat sich nur in den letzten Seiten erwiesen, dieser Eindruck sei falsch, aber der Eindruck hat meine Wahrnehmung des Werks bereits so stark beeinträchtigt, dass ich das Geschehene im neuen Licht nicht wieder bewerten konnte.
Die Namensgebung hat mich verblüfft. Vielleicht sollten die Namen mysteriös klingen, aber wer verzerrtes Spanisch versteht kriegt stattdessen zersplitterte Blicke in die Geheimnisse der Geschichte:
Selbst die Guardistas haben mich an den Militärpolizisten Generalissimo Francos (mit ihren komischen Hüten) erinnert.
Ich konnte auch nicht glauben, dass man eine Sternewarte ohne Teleskop benutzen konnte.
Demgegenüber hat mir die Darstellung eines fühlenden nicht menschlichen Wesens (die Sasseks) gefallen--ein Wesen, das wegen seiner ganz eigenartigen Physiologie und seiner außerirdischen Kultur eine fremde, fast unfassbare Weltanschauung aufwies. Auch die Darstellung von Remon, als bikultureller Mensch hat mein Verstand der Sasseks erhöht.
Ich habe auch die Schlachte spannend; und Astronomie mit 2 Monden interessant gefunden.
Teile dieses Werks haben mich bezaubert, und andere entfremdet. Es ist nicht möglich diese Doppelwertigkeit mit einer einzigen Zahl zu beschreiben. Ich biete daher nur eine Annäherung.
Mich lässt der Roman zwiespältig zurück: Er ist routiniert geschrieben, liest sich flüssig, ist aber nicht wirklich originell und das Schicksal der Figuren hat mich kalt gelassen.
Es beginnt wie ein Fantasyroman, später gibt es wissenschaftliche Erklärungen für den Aufbau der Welt und viele Geschehnisse. Den Weltenbau fand ich nicht ganz schlüssig: Mal erschien mir die Welt klein (nur 500 Mitglieder in der Grauwacht, man bewegt sich mittelalterlich aber dennoch sehr schnell), mal sollte sie groß sein (hunderte Millionen Einwohner). Auch der astronomische Teil funktioniert nur bedingt: z.B. müssten die großen Temperaturunterschiede zu Stürmen führen.
Die Grundidee, so wie sie auf dem Cover beschrieben ist, fand ich faszinierend. Leider gelingt es Robert Corvus nicht, für seine Welt spannende, originelle Bilder und Geschehnisse zu finden. Stilistisch hatte ich mir auch mehr versprochen, da hat Robert Corvus in seinen PR Romanen originellere Stellen.
Fantasy? Science-Fiction? Warum nicht beides zugleich? Mit „Grauwacht“ ist Robert Corvus die Fusion beider Subgenres der Phantastischen Literatur mit Bravour gelungen. Er erzählt darin die Geschichte eines Planeten, der kurz vor dem Abgrund steht – und niemand will die Augen für die Gefahr öffnen, bis es beinahe zu spät ist.
Bisola ist eine zweigeteilte Welt. Die Rotation des Planeten verläuft in Relation zu seiner Umlaufbahn um seine Sonne so langsam, dass eine Umdrehung ein Menschenleben dauert. So liegt eine Seite von ihm im Licht der Sonne, die andere im Schatten. Die echsenhaften Sasseks brauchen die Wärme, um überleben zu können, und schlossen daher einen Pakt mit den Menschen, der diese verpflichtet, auf der eisigen Schattenseite des Planeten zu leben. Die Grauwacht beaufsichtigt den Abzug der Menschheit, sobald die Dämmerung heraufzieht, sodass die Sasseks das bald sonnige Land in Anspruch nehmen können. Als jedoch eine zweite, blaue Sonne am Himmel auftaucht und die Dämmerung kein Ende nimmt, zieht eine neue, bisher unbekannte Gefahr auf, die nur von wenigen als solche erkannt wird.
Der Roman beleuchtet die Einzelschicksale einiger Menschen und Sasseks exemplarisch für das Schicksal der gesamten Population. Der Guardista Remon, der die Grauwacht entgegen ihrer Gesetze für seine Frau Nata und ihre gemeinsame Tochter Enna verlassen hat, wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Vorena, ebenfalls eine Guardista, holt ihn in die Reihen der Grauwacht zurück, um ihn wieder für den Dienst zu verpflichten. Nata, die glaubt, ihren Mann nie wieder zu sehen, zieht mit ihrer Tochter aus der Wildnis in eine der von Menschen gehaltenen Metropolen, wo sie mit dem Sassek Ssarronn Nachforschungen zu dem blauen Licht anstellt, das zunächst nur die beiden Monde bedeckt und bald auch zusammen mit einer zweiten Sonne auftritt.
Man braucht ein wenig, um sich in die Handlung und die Welt einzufinden, das Glossar am Ende des Buches hilft jedoch dabei. Der Autor gibt nicht immer für alles eine Erklärung, besonders dann, wenn die handelnden Personen etwas für ganz selbstverständlich und alltäglich halten. Er geht jedoch geschickt genug vor, als dass vieles aus dem Kontext heraus ersichtlich wird, sodass seine Leser nicht völlig ahnungslos belassen werden.
„Grauwacht“ besticht durch sein ausgefallenes Worldbuildung, das zudem auch noch sehr gut durchdacht ist. Ein lang andauernder Wechsel von Tag und Nacht und die damit einhergehenden klimatischen Bedingungen auf den jeweiligen Seiten des Planeten leuchten immerhin wesentlich mehr ein als die ungleichmäßigen Jahreszyklen auf Planetos. (Es sei denn, Martin gibt doch noch irgendwann Hinweise darauf.)
Es kommt selten in einem Fantasyroman vor, dass der Autor zur Erklärung besonderer Phänomene nicht Magie, sondern Wissenschaft heranzieht, in diesem Fall Astronomie und, ja, auch hoch entwickelte Technologie. „Grauwacht“ ist mehr als „nur“ Fantasy, sondern vereint in sich sowohl Elemente dieses Genres als auch der Science-Fiction. Mehr sei an dieser Stelle nicht gesagt, denn das würde die mehr als gelungene Auflösung vorausnehmen.
Auch der Schreibstil des Autoren besticht mit seiner Variantenvielfallt. Corvus gelingt es, durch Erzähltempo und Diversität zusätzliche Atmosphäre aufzubauen. Nur selten stechen zu verschachtelte Sätze oder die eine oder andere Wortwiederholung heraus, fallen aber nicht weiter negativ auf.
„Grauwacht“ ist ein Roman, bei dem man sich wünscht, dass er nie endet. Leider hat er nur 415 Seiten, die viel zu schnell vorbei sind, aber zum Glück lässt der Autor seinen Lesern viel Spielraum für ihre eigenen Gedankenspielchen. Die Lektüre ist also auch nach 415 Seiten noch nicht wirklich vorbei, der Roman lässt einen so leicht nicht gehen. Ist man einmal auf Bisola festgefroren, will man auch nicht einfach so gehen. Und wer mag, kann auch einen kleinen Mahnfinger in Richtung der Übertechnisierung und ihrer womöglichen Folgen sehen.
Alles in allem ist dieser Roman eine unbedingte Leseempfehlung!
Corvus baut eine sehr interessante Welt auf, in die wir wie selbstverständlich eintauchen, obwohl sie doch so fremdartig ist. Fremdartig die Umwelt auf einem Planeten, in dem ein Tag und eine Nacht ein Menschenleben dauern und auf dem zwei Spezies leben, die sich den Planten im Wortsinne „teilen“ … die echsenartigen Sasseks bevölkern die Tagseite, die Menschen die Nachtseite. Wenn die Dämmerung kommt, wandern sie weiter. DIese Trennung der Besiedelungsgebiete ist als quasi „Naturgesetz“ allgemein akzeptiert, seine Einhaltung wird durch die Mitglieder der „Grauwacht“ auch konsequent sichergestellt.
Doch dann verändert sich etwas im jahrhundertealten Rhythmus des Tag-Nacht-Wechsels…
Die Fäden werden gegen Ende des Romans interessant zusammen gezogen, die vermeintlich „sinnlosen“ Gesetze und Verhaltensnormen machen plötzlich Sinn, und man stellt fest, dass wir hier trotz des Fantasy-Settings mit Schwertern und Kettenhemden eigentlich einen lupenreinen Science-Fiction-Roman vor uns haben.
Am Schluss wird für meinen Geschmack dann doch eine Spur zu viel Westentaschen-Friede-Freude-Eierkuchen-Moral aus dem Köcher gezogen. Das kann den sehr guten Gesamteindruck aber nicht wirklich trüben.
Tag und Nacht sind auf Bisola ungewöhnlich lang, ein Zyklus dauert Jahrzehnte. Dieser Zustand erfordert auch besonderen Umgang der dort ansässigen Spezies. Die amphibischen Sasseks leben im Tag, die Menschen dagegen in eisiger Kälte der Nacht. Das sorgt natürlich immer wieder für Konflikte und unterschiedliche Auffassungen der Kulturen. Der friedliche Übergang wird in der Dämmerung durch die Grauwacht gewährleistet. Diese Eliteeinheit aus Guardistas mit besonderen Fähigkeiten wacht über den Pakt, der seit lang vergessenen Zeiten zwischen Menschen und Sasseks geschlossen wurde. Neuerdings gefährdet jedoch ein rätselhaftes Ereignis ihre Aufgabe. Die Monde verändern die Farbe und der Tag- Nachtzyklus verschiebt sich. Ein Krieg droht!
"Das Schicksal übertreibt gewaltig, wenn es die Monde als Signalfeuer verwendet, nur um uns zu warnen. So wichtig sind wir nicht."
Nach der grandiosen Schattenherren-Trilogie musste ich natürlich auch das neueste Buch von Robert Corvus lesen. In "Grauwacht" überzeugt der Autor erneut mit guten Ideen und einer seltsamen Welt, die von verschiedensten Charakteren bevölkert wird. Da gibt es Remon, einen Guardista auf der Flucht, der sich für ein einfaches Leben mit Familie und Liebe entschieden hat. Seine Frau Nata, neugierige und intelligente Tochter eines Forschers – mit einer Leidenschaft für die Sterne. Und dann noch Ssarronn, aufgeschlossener Sassek, der sich nicht vor Fragen und neuen Eindrücken scheut.
Das blaue Licht der Monde macht allen Angst, doch es gibt auch Menschen, die ein Geheimnis zu hüten scheinen. Die wenigen Metropolen auf Bisola bieten wichtige Gelegenheiten, sich Wissen anzueignen. Hat man sich erst einmal Zutritt in eine Bilteca verschafft und die Prüfung der Wächter überstanden, breiten sich die Rätsel der Welt um einen aus. Mir gefielen die magischen Details besonders gut. Das Energienetz Plexo, die Herzfeuer und heiligen Stätten sowie die Kristallbücher der Geister.
Abgerundet wird die Geschichte durch eine alte Präsenz, geweckt durch das Blau. Der Autor führt Stück für Stück auf den Spuren der Vergangenheit zu einer möglichen Lösung. Aber ist das eine dauerhafte Rettung für alle? Mich hat das Ende überzeugt. "Grauwacht" ist eine tolle, fremdartige Geschichte mit Tiefgang. Als Extras gibt es eine Karte von Bisola, ein Personenregister sowie ein Glossar, die zum erkunden und nachlesen einladen.
Auf dem Planeten Bisola dauert ein Tag/Nacht-Zyklus normalerweise ein Menschenleben. Die Menschen leben dabei ständig auf der gefrorenen Nachtseite, die Sasseks auf der heißen Tagseite. Die Grauwacht, 500 menschliche Superkämpfer, sorgen dafür, dass die Übergabe der Bereiche in Morgen- und Abenddämmerung, insbesondere der "Metropolen" und "Refugien", problemlos funktioniert. Das System gerät aus den Fugen, als eine zweite, blaue Sonne auftaucht, und den Tag-Nacht Zyklus durcheinander bringt.
"Grauwacht" ließt sich recht flüssig, und gewinnt zum Ende hin auch etwas Tempo. Abgesehen von dem interessanten Setting kommt der Roman am Anfang als mäßig innovative Fantasy zurecht, allerdings wird schon ziemlich früh klar, das der Autor sich bemüht, dem eine SF-Basis zu geben, das ganze also als Science Fantasy zu verkaufen - das geheimnisvolle Nabo, das Superfähigkeiten verleiht, stellt sich als NanoBots heraus, das Plexo ist ein Computernetzwerk, und die Änderungen im Tag/Nacht-Rhythmus ergeben sich aus den astronomischen Gegebenheiten in einem Doppelsternsystem.
Leider geht der Versuch meiner Meinung nach schief. Als Fantasy kann ich Bisola gerade noch schlucken, aber als SF stimmt zu viel nicht. Die Astronomie ist völlig unerklärlich, das Wetter am Terminator ist viel zu harmlos, und wie genau die Wanderungen von Menschen und Sasseks funktionieren sollen, bleibt auch unklar. Geschildert wird, dass die menschlichen Gemeinschaften im Morgengrauen aufbrechen müssen - aber der freiwerdende Raum in der Abenddämmerung liegt ja 180 Grad um den Planeten - bei angenommener Erdgröße also bis 20000 km weit weg - oder mit der geschilderten Technik realistisch etwa ein Jahr!
Das Ende des Romans ist dann auch eher enttäuschend. Die Enthüllungen sind zum Großteil schon längst erwartet, und die Handlung erledigt (im wahrste Sinne des Wortes) ein Deus ex Machina.
Ich hatte einen Fantasy-Roman erwartet (so wurde er auch angekündigt), bekommen habe ich aber einen waschechten SF-Abenteuerroman, dessen Setting einen düsteren Hintergrund hat, aber letztendlich mit einem Happy-End endet, der m.E. den Gesamteindruck etwas vermindert. Der Roman spielt auf dem Planeten Bisola, der um einen Doppelsternsystem kreist, die Drehung des Planeten ist um seine Gelbe Sonne stark gebunden, so dass der Tag/Nacht-Zyklus über ein ganzes Menschenleben dauert (wie lange genau, wird nie erklärt). Auf dem Planeten leben 2 unterschiedliche intelligenten Spezies, in ferner Vergangenheit gab es wohl große Auseinandersetzungen, die schließlich in einem Vertrag endete, der die Menschen verpflichtete, nur in der Nacht zu leben, die amphipischen Sasseks dürfen den Tag nutzen. Die Grauwacht, eine Polizeitruppe, die über besondere Fähigkeiten verfügt, überwacht diesen Vertrag und sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Spezies nicht auf der falschen Seite gesichtet werden. Corvus gelingt es gut, seine Charaktere zu beschreiben, da ist der Fahnenflüchtige Grauwacht-Angehörige, da die Tochter eines Astronomen, die eine unerlaubte Beziehung führen, da sind verschiedene Protagonisten der beiden Spezies, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Alles in Allem ein Abenteuer auf einer SF-Welt, auch die Episode, wo gezeigt wird, wie die Menschen nach Bisola gekommen sind und wie die beiden Spezies auf eine dritte intelligente Art getroffen sind, die sie beinahe ausgerottet haben, wurde sehr eindrucksvoll geschildert. Das Setting des Romans, wie auch die Beschreibung der Grauwacht (Nachtwache) erinnert ein bischen an "Ein Lied aus Eis und Feuer", ohne dass aber der Suchfaktor spürbar wird. Ein Roman, der kurzfristig Spaß macht, aber auch nicht mehr und nicht weniger...