Die Begegnungen mit der Mutter, dem Vater, Nachbarn, ihrem Agenten und anderen lösen Erinnerungen aus, die der Hauptfigur die Tiefe gibt, die sie braucht um bis zur letzten Seite interessant zu bleiben. Aber auch die tote Taube ziert den roten Faden, der schließlich in einer Botschaft endet, die Juli ganz für sich allein erhält.
Die Autorin schafft es mit wenigen Sätzen eine labile Figur zu zeichnen, die sich einst an einen Menschen klammerte und alles verlor, dabei vielleicht sogar sich selbst. Gewürzt mit Fakten, die keiner braucht und gespickt mit mehr oder auch weniger bekannten Zitaten lässt sie den verrückten Alltag unserer Zeit beinahe überkochen. Aber nur beinahe, denn rechtzeitig erhält Juli ihre Botschaft und die Leser sind entlassen, um sich selbst die vielen offen gebliebenen Fragen zu beantworten oder eben nicht.
Ich mochte den eindringlichen Schreibstil, das Thema, die Figuren und doch bleibt ein “hm” zurück. Zu viele offene Fragen, die jetzt um mich herum schwirren auf der Suche nach Antworten. Vielleicht sind sie es gerade, die diesen Roman haften lassen; diese Fragen, deren Antworten nicht mehr wichtig sind, wenn sie es überhaupt jemals gewesen sind. Astrid Rosenfeld hat mich überrascht mit ihrem Mut, die Fragen offen zu lassen und die Geschichte an dem Punkt zu beenden, an dem sie fertig erzählt war.