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Neokolonialer Kapitalismus: Eine Geschichte globaler Ausbeutung

Robin Jaspert untersucht Kolonialismus nicht als abgeschlossenes historisches Kapitel, sondern als ökonomische Struktur, die bis heute fortwirkt. Mit einer Kombination aus marxistischer Theorie, Wirtschaftsgeschichte und internationalistischer Analyse – von Kwame Nkrumah über Samir Amin und Mauro Marini bis zu zeitgenössischen Ökonom:innen wie Utsa und Prabhat Patnaik – rekonstruiert das Buch, wie sich koloniale Machtverhältnisse in Währungssystem, Schuldenregime und ungleiche Austauschverhältnisse des 21. Jahrhunderts übersetzt haben. Es bietet eine umfassende, zugleich zugängliche Geschichte dieser Kontinuitäten und fragt, was sie für die heutigen Kämpfe gegen die Ausbeutung des Globalen Südens bedeuten – und ob die aktuellen globalen Machtverschiebungen hin zu einer multipolaren Weltordnung die tief verankerten Hierarchie- und Ausbeutungsverhältnisse zwischen Süd und Nord aufbrechen.

160 pages, Paperback

Published May 18, 2026

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669 reviews131 followers
August 30, 2026
Zu Anfang wird der Zusammenhang der Herausbildung des Kapitalismus mit dem Kolonialismus dargestellt. Das gibt es bereits woanders und ist eigentlich entbehrlich. Lediglich für Leser/innen, die sich mit dem Thema noch nicht befasst haben, mag es ein informativer Einstieg sein. Einzig interessant ist der Focus auf das Finanzsystem. So kann man lernen (und bekommt dazu auch Zahlen), warum ohne die Edelmetallausbeute in afrikanischen und besonders lateinamerikanischen Kolonien die kapitalistische Geldwirtschaft so nicht hätte entstehen können. Von Anfang an war hier der Bimetallismus prägend, d.h. Goldbindung der Währungen im Zentrum und Silbergeld in den Peripherien. Etwas unterbelichtet bleibt hier die Rolle des Silbergelds in den Zentren selbst, wo ja mitnichten nur Goldmünzen umliefen. Auch Probleme wie "Münzverschlechterung" u. ä. bleiben außen vor, wären aber für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs wichtig gewesen.

Während in diesem Teil einige Ausführungen arg an einen Grundkurs "Pol.-Ök."(Grundstudien-Fach "marxistisch- leninistische Politische Ökonomie") erinnern, wären in den dann folgenden Ausführungen zur Rolle der Finanzabhängigkeit der Kolonien/ Neokolonien von den Finanz-Märkten der Kolonialmächte bzw. der Finanzzentren des Nordens ein paar mehr einführende Bemerkungen hilfreich gewesen. So bleiben die Gründe für einige Kolonien/ neokoloniale Staaten, feste Wechselkurse gegenüber einem freien Wechselkurssystem zu bevorzugen, in ihren Vor- und Nachteilen etwas zu wenig ausgearbeitet. Warum können Staaten, deren Währungen über feste Kurse an Leitwährungen gebunden sind, sich trotzdem gezwungen sehen bzw. gezwungen werden abzuwerten? Müsste vorher die Kursbindung nicht aufgehoben werden? Und wie können die Zentren über diesen Mechanismus auf die Finanzressourcen der neokolonialen Länder ohne politischen Druck zugreifen? Einige Bemerkungen legen einen solchen Mechanismus nahe, ohne ihn zu erklären.

Im Schlussteil wird hingegen klar argumentiert und deutlich gezeigt, wie die Fixierung der Rolle von Kolonien auf die Entwicklung extraktiver Industrien fortlaufende Ausbeutung ermöglicht, weil Preise für Rohstoffe niedrig gehalten und die Süd-Länder gezwungen werden können, ihre Produktion zu steigern (was zu Preisverfall führt). Der Zwang resultiert vor allem aus der teuren Abhängigkeit vom Lebensmittelimport bzw. dem von Industriefertigwaren, die selbst nicht hergestellt werden können. Um hier Kredite in Fremdwährungen bedienen zu können, wären mindestens Exporterlöse nötig, die über der Höhe der Zinsverpflichtungen liegen. Das ist oft schon deswegen nicht möglich, weil die beteiligten Firmen keine inländischen sind und die Wertschöpfung dem Land nicht zugute kommt. Wenn sich Kredite durch die Zinspolitik der Zentralbanken in den Zentren verteuern, fehlen Mittel für Bildung, Gesundheitswesen und - am schlimmsten - Ernährungssicherheit in den Peripherien. Die perverse Rolle von IWF und Weltbank ist in diesem Zusammenhang klar benannt.

Etwas kurz kommt die Darstellung von Alternativen- man hätte z.B. gerne gewusst, wie sich Aktivisten eine zeitweise Entkopplung der Länder vom Welthandel vorstellen. Falls das allzu utopisch ist, und mir scheint es eine Wunschvorstellung zu sein, hätte der Autor es nicht zu erwähnen brauchen. Klar, die Zwangsmittel des Nordens wirken und würden solche Versuche erledigen, noch ehe jemand versuchen könnte sie umzusetzen. Notfalls bekäme der Regierungschef ein Loch in den Kopf. Beispiele für nackte Gewaltanwendung zur Aufrechterhaltung des Status Quo (Chile, Kongo u.a.) gibt der Autor einige. Mit Blick auf Lateinamerika hätte allerdings auch die Errichtung von "Bananenrepubliken" Erwähnung finden können.

Wie dem auch sei. Das Bändchen ist schmal und insgesamt gut lesbar und keine Gesamtdarstellung aller relevanten Facetten des Problems. Eher kann man den Text als Einführung in die Problematik lesen, weshalb die Lektüre all denen empfohlen sei, die immer noch glauben, Afrika sei arm, weil die Leute faul oder ungebildet seien und "wir" hätten uns unseren Wohlstand redlich verdient. Robins Fazit ist klar: Ohne die Verarmung des Südens und seine andauernde Rolle als Reservoir für billige Arbeitskraft und preisgünstige Rohstoffe gäbe es den europäischen Reichtum nicht. Von hier aus wäre über anti- oder postkapitalistische Wirtschaftsordnungen weiter nachzudenken. Die etwas verkürzten Ausführungen zum "Neokoliale(n) Kapitalismus" regen dazu an und das ist ihr hauptsächlicher Verdienst
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