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De wereld als constellatie
Wat betekent het om mens te blijven in een wereld vol systemen?
De moderne wereld wordt steeds meer bestuurd door regels, protocollen en algoritmes. Op scholen, in ziekenhuizen, bij bedrijven en bij overheden raken mensen verstrikt in systemen die alles meetbaar en controleerbaar willen maken. Waar ooit ruimte was voor een eigen oordeel, ervaring en improvisatie, rest nu het correct uitvoeren van een opdracht.
De spraakmakende Duitse socioloog Hartmut Rosa analyseert deze verschuiving als een beweging van situatie naar constellatie: levende, relationele contexten maken plaats voor vaste structuren die niets meer openlaten. Daarmee verdwijnt niet alleen de vrijheid om te handelen, maar ook de mogelijkheid van echte resonantie, van een wederkerige relatie met de wereld. In De wereld als constellatie laat Rosa zien hoe deze ontwikkeling onze tijdgeest bepaalt. Toch biedt hij ook hoop: herwaardering van vertrouwen, oordeel en speelruimte kan ons opnieuw leren omgaan met het onvoorspelbare en onbeschikbare.
De moderne wereld wordt steeds meer bestuurd door regels, protocollen en algoritmes. Op scholen, in ziekenhuizen, bij bedrijven en bij overheden raken mensen verstrikt in systemen die alles meetbaar en controleerbaar willen maken. Waar ooit ruimte was voor een eigen oordeel, ervaring en improvisatie, rest nu het correct uitvoeren van een opdracht.
De spraakmakende Duitse socioloog Hartmut Rosa analyseert deze verschuiving als een beweging van situatie naar constellatie: levende, relationele contexten maken plaats voor vaste structuren die niets meer openlaten. Daarmee verdwijnt niet alleen de vrijheid om te handelen, maar ook de mogelijkheid van echte resonantie, van een wederkerige relatie met de wereld. In De wereld als constellatie laat Rosa zien hoe deze ontwikkeling onze tijdgeest bepaalt. Toch biedt hij ook hoop: herwaardering van vertrouwen, oordeel en speelruimte kan ons opnieuw leren omgaan met het onvoorspelbare en onbeschikbare.
- GenresSociologyNonfiction
237 pages, Paperback
First published January 1, 2026
About the author
Hartmut Rosa
60 books374 followersHartmut Rosa has been a Full Professor for Sociology and Sociological Theory at the Institute of Sociology at the Friedrich Schiller University, Jena, Germany, since October 2005. His areas of study include theories of modernity, sociology of time, communitarianism, and social theory. He is the author of Social Acceleration: A New Theory of Modernity.
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Displaying 1 - 25 of 25 reviews
February 24, 2026
Vor ein paar Tagen hatte es mich in ein Möbelhaus verschlagen. Wer kennt sie nicht, diese riesigen, lichtlosen Kästen mit abgestandener Luft und einem Überangebot, das einen schon am Eingang zu erschlagen droht. Glücklicherweise wurde ich relativ schnell fündig (Schrank, grau, Ausstellungsstück) und nach einer 20-minütigen Safari hatte ich schließlich auch eine Verkäuferin aufgespürt, deren Finger sogleich über die Tasten ihres Arbeitscomputers flogen. Alles easy.
Zumindest bis zu dem Punkt, an dem mein Schrank nicht richtig im System aufgelistet war. Meine Verkäuferin, nicht berechtigt zum Verkauf (die Ironie!). Also, Chef anrufen, Chef verweist auf Mitarbeiter, Mitarbeiter geht nicht ans Telefon, nächstzuständige Mitarbeiter haben leider beide heute ihren freien Tag, was will man machen, also nochmal den ersten Typen anrufen, geht nicht ran, wieder zum Chef, der gibt nach und das OK, weil wir sitzen hier ja schon wieder 20 Minuten....
Während sich meine freundliche Verkäuferin bei mir entschuldigte und ich ihr versichert habe, dass es halb so wild ist, musste ich an dieses Buch von Hartmut Rosa denken. Er beklagt darin den Verlust des Spielraums in allen Lebenslagen. Der Mensch wandelt sich vom handelnden Individuum zum vollziehenden, Abwägung und Eigenverantwortlichkeit sind damit erstmal weg vom Fenster. Alles wird in Kleinschritte aufgeteilt und optimiert, ohne Platz für das Leben einzuräumen. Was damit, einfach heruntergebrochen, auf der Strecke bleibt, ist das Erfahren von Selbstwirksamkeit. Subjektivität ist schließlich der Feind der Fairness, nicht wahr?
Es hat etwas sehr Maschinelles, diese rigide Kategorisierung von allem und jedem. Schon vom Beginn des Lebens an sollen die Dinge richtig gemacht werden, sodass Fehler erst gar nicht aufkommen. Was sich als Frage dann aber stellt, ist wie man aus Fehlern dann überhaupt noch lernen soll. Davon angesehen erklärt es zu einem gewissen Grad die schon fast chronisch erscheinende Unzufriedenheit, die sich bei den Menschen einzunisten scheint. Dabei ist es ja klar, dass man sich nur inadäquat fühlen kann, wenn selbst Dinge wie Schlafen und Entspannung zu optimierbaren Größen mutieren, die man verbessern müsste.
So richtig sich viele von Rosas Ausführungen hier anfühlen, ein paar Fragen sind mir doch geblieben. Zum einen, sind wir wirklich so unfrei, wie wir vermeintlich meinen, so eingeschränkt in unseren Wahlmöglichkeiten? Ist das Individuum nicht genau hier in seiner Eigenverantwortlichkeit gefragt, dass es infrage stellt und sich dem Vorschriftenwahn nicht willenlos ergibt? Ist es also nicht ein bisschen einfach und billig zu sagen, allein das System ist an allem schuld?
Tatsache ist, noch nie in der Menschheitsgeschichte hatten viele hier im Westen so viele Freiheiten, so viele Privilegien. Und auch wenn es stimmt, dass sich Dinge ändern und hinterfragt werden müssen, kann ich mir kaum vorstellen, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte weniger einengend gewesen sein soll. Kontrolle war in der Geschichte schon immer das Zauberwort, sie verschiebt sich nur in verschiedene Lebensbereiche. Findet die Kontrolle, die Begrenzung und Manipulation heute anders, geschickter, optimierter statt? Absolut. Haben wir (zumindest im Moment) aber auch Zugang zu so vielen Inhalten, zu so viel Wissen wie kaum jemand vorher? Mit Sicherheit.
Das Buch vergleicht hier historisch auch nicht viel. Ungerecht ging es auf der Welt schon immer zu und ich gehöre nicht zu denen, die an ein Utopia glauben. Die Vorteile von heute, tauschen wir ein gegen eine Beschneidung unserer Freiheiten, auch unter dem Mantel der Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit. Wenn man aber ehrlich ist, unsere Privilegien missen wollen wir aber alle auch nicht.
Rosa hat in diesem Buch übrigens auch keine wirkliche Lösung parat, denn, dass sich möglicherweise etwas basales systemisches in vielen Bereichen ändern müsste, führt er nicht an. Was er vorschlägt, ist ein eigenes Suchen nach Spielräumen in dem Rahmen, den man hat. Nicht falsch und in sich schon herausfordernd. Vielleicht aber auch nicht weitgehend und mutig genug. Trotz allem, ein lesenswertes Buch, dass viel zum Nachdenken anregt; ich wurde es weiterempfehlen.
Zumindest bis zu dem Punkt, an dem mein Schrank nicht richtig im System aufgelistet war. Meine Verkäuferin, nicht berechtigt zum Verkauf (die Ironie!). Also, Chef anrufen, Chef verweist auf Mitarbeiter, Mitarbeiter geht nicht ans Telefon, nächstzuständige Mitarbeiter haben leider beide heute ihren freien Tag, was will man machen, also nochmal den ersten Typen anrufen, geht nicht ran, wieder zum Chef, der gibt nach und das OK, weil wir sitzen hier ja schon wieder 20 Minuten....
Während sich meine freundliche Verkäuferin bei mir entschuldigte und ich ihr versichert habe, dass es halb so wild ist, musste ich an dieses Buch von Hartmut Rosa denken. Er beklagt darin den Verlust des Spielraums in allen Lebenslagen. Der Mensch wandelt sich vom handelnden Individuum zum vollziehenden, Abwägung und Eigenverantwortlichkeit sind damit erstmal weg vom Fenster. Alles wird in Kleinschritte aufgeteilt und optimiert, ohne Platz für das Leben einzuräumen. Was damit, einfach heruntergebrochen, auf der Strecke bleibt, ist das Erfahren von Selbstwirksamkeit. Subjektivität ist schließlich der Feind der Fairness, nicht wahr?
Es hat etwas sehr Maschinelles, diese rigide Kategorisierung von allem und jedem. Schon vom Beginn des Lebens an sollen die Dinge richtig gemacht werden, sodass Fehler erst gar nicht aufkommen. Was sich als Frage dann aber stellt, ist wie man aus Fehlern dann überhaupt noch lernen soll. Davon angesehen erklärt es zu einem gewissen Grad die schon fast chronisch erscheinende Unzufriedenheit, die sich bei den Menschen einzunisten scheint. Dabei ist es ja klar, dass man sich nur inadäquat fühlen kann, wenn selbst Dinge wie Schlafen und Entspannung zu optimierbaren Größen mutieren, die man verbessern müsste.
So richtig sich viele von Rosas Ausführungen hier anfühlen, ein paar Fragen sind mir doch geblieben. Zum einen, sind wir wirklich so unfrei, wie wir vermeintlich meinen, so eingeschränkt in unseren Wahlmöglichkeiten? Ist das Individuum nicht genau hier in seiner Eigenverantwortlichkeit gefragt, dass es infrage stellt und sich dem Vorschriftenwahn nicht willenlos ergibt? Ist es also nicht ein bisschen einfach und billig zu sagen, allein das System ist an allem schuld?
Tatsache ist, noch nie in der Menschheitsgeschichte hatten viele hier im Westen so viele Freiheiten, so viele Privilegien. Und auch wenn es stimmt, dass sich Dinge ändern und hinterfragt werden müssen, kann ich mir kaum vorstellen, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte weniger einengend gewesen sein soll. Kontrolle war in der Geschichte schon immer das Zauberwort, sie verschiebt sich nur in verschiedene Lebensbereiche. Findet die Kontrolle, die Begrenzung und Manipulation heute anders, geschickter, optimierter statt? Absolut. Haben wir (zumindest im Moment) aber auch Zugang zu so vielen Inhalten, zu so viel Wissen wie kaum jemand vorher? Mit Sicherheit.
Das Buch vergleicht hier historisch auch nicht viel. Ungerecht ging es auf der Welt schon immer zu und ich gehöre nicht zu denen, die an ein Utopia glauben. Die Vorteile von heute, tauschen wir ein gegen eine Beschneidung unserer Freiheiten, auch unter dem Mantel der Gerechtigkeit und Vergleichbarkeit. Wenn man aber ehrlich ist, unsere Privilegien missen wollen wir aber alle auch nicht.
Rosa hat in diesem Buch übrigens auch keine wirkliche Lösung parat, denn, dass sich möglicherweise etwas basales systemisches in vielen Bereichen ändern müsste, führt er nicht an. Was er vorschlägt, ist ein eigenes Suchen nach Spielräumen in dem Rahmen, den man hat. Nicht falsch und in sich schon herausfordernd. Vielleicht aber auch nicht weitgehend und mutig genug. Trotz allem, ein lesenswertes Buch, dass viel zum Nachdenken anregt; ich wurde es weiterempfehlen.
January 21, 2026
Hartmut Rosa hat ein gut lesbares Buch geschrieben, das in seinem Anfangsteil Alltagsbeispiele zur Illustration seiner Thesen bringt. Die bestehen in der Behauptung, wir würden zunehmend von (selbstständig) Handelnden zu bloß noch Vorgaben vollziehenden Statisten werden. Das erfolge durch die Auflösung und (technische wie bürokratische) Handhabbarmachung von komplexen "Situationen" durch ihre Zerlegung in justiziable bzw. nachvollziehbare Einzelschritte. So würden aus Situationen eben "Konstellationen" (25) und das Buch versteht sich als eine soziologisch angeleitete Kritik am modernen "Konstellationismus". Klar, wenn ich die Vorgaben von Google- Maps Schritt für Schritt nachvollziehe, komme ich (meist) ans Ziel, womit der Sinn des Programms sich erfüllt hat. Allerdings stolpere ich dann mit dem Blick aufs Handy durch die Stadt und mir entgeht so gut wie alles, was einen früheren Flaneur noch begeistert hat. Mein Gang durch die Stadt wird emotional ärmer und verliert an Erlebnisqualität (nichts Überraschendes und Unvorhergesehenes mehr). Eines von Rosas Beispielen ist die Korrektur schriftlicher Arbeiten, für die immer kleinteiligere Bewertungsmaßstäbe bereit gestellt würden, wodurch die Arbeiten allerdings nur noch formal klassifiziert werden können und Gesichtspunkte wie Originalität der Idee oder ein besonderer persönlicher Aufwand unberücksichtigt bleiben müssen. Schade?
Wahr ist jedenfalls, dass mittlerweile wohl jeder Situationen kennt, in denen die vorgegebenen Raster nicht zu konkreten Anliegen passen und Beamte dennoch Entscheidungen nach den Vorgaben und nicht in Ansehung der Umstände fällen müssen. (48f) Das frustriere beide Seiten, wobei die Betroffenen meist den Beamten die Schuld geben, denen allerdings die Hände gebunden sind. David Graeber zitierend meint Rosa, so würden aus an sich notwendigen Tätigkeiten "Bullshit- Jobs", die auch von einer KI-gestützten Maschine erledigt werden könnten. Diese Sinnentleerung zehre an den emotionalen Energien der Ausführenden und führe so zu Burn- Out, Depressionen und anderen wohlbekannten "Zivilisationskrankheiten". Ich fand das anschlussfähig an Befunde von Amlinger/ Nachtwey ("Zerstörungslust"), die ebenfalls in dem "bevormundenden Staat" und damit einher gehend in dem Verlust von Selbstwirksamkeitserfahrungen Gründe für Frustration und eben Zerstörungswut (oder der Sündenbockmentalität- Beamte, Lehrer oder Polizisten sind schuld) sehen. Rosa fügt dem eine interessante Beobachtung hinzu, wenn er schreibt, dass derart frustrierte Menschen in ihrer hilflosen Elitenkritik Menschen wie Trump oder Musk dafür bewundern, wie leicht die sich über die uns einengenden Gesetze und Regeln hinweg setzen. (102) Das gilt dann als zurückgewonnene Handlungsmacht, die bewundert wird. Mir scheint, diese kleine Beobachtung trägt mehr zum Verständnis des Erfolgs autoritärer Parteien und ihrer Führer bei, als (fast) alles andere, was bisher zum Thema geschrieben wurde. "Antifaschismus" geht jedenfalls am wirklichen Problem vorbei.
Die Auflösung einer komplexen Situation in ihre einzelnen Teile, die freilich den Zusammenhang des Ganzen notwendig zerstört, illustriert Rosa an dem gut bekannten Beispiel der Corona- Zeit. Die Unsicherheit, die durch die Vielzahl unbekannter Momente hervorgerufen wurde, hat man reduziert auf binäre Fragen nach "Impfung- Ja?" oder "Impfung-nein?". Nach dem gleichen Muster wird aber auch Bildungswissen in Quizz-Shows oder schulischen/ universitären Tests auf die Frage nach A, B oder C reduziert. Man könnte nun annehmen, was Rosa auch tut, dahinter verberge sich die zunehmend unseren Alltag beherrschende kybernetische Logik. In diesem Sinne beschreibt der Autor im Mittelteil des Buches unsere selbstverschuldete Unmündigkeit (durch "parametrische Optimierung"/ 146) gegenüber Selbstoptimierungs-Apps u.ä. Nichts Neues, aber man muss es immer wieder sagen. Allerdings, und darin besteht die Schwäche seiner Argumentation, übersieht der Autor seinen eigenen Hinweis auf den "Taylorismus" (147) als den Beginn einer Verfahrensweise, die im kapitalistischen Arbeitsprozess (!) als Serienproduktion dieselbe in solche Einzelschritte zerlegt, die dann von dafür nicht besonders qualifizierten Arbeitern vollzogen werden können. Mich haben diese Überlegungen sofort an M. Thatcher erinnert: "There is no such thing as society." Rosa, sonst durchaus an Marx orientiert, übersieht hier die in der konkreten Produktionsweise (heute Roboterisierung und daher Algorithmierung) angelegte Tendenz zur Versachlichung und Verdinglichung von allem und jedem, die er ansonsten u.a. anhand von Eva Illouz These, im Kapitalismus sei es zunehmenden unmöglich sich selbst oder andere zu lieben, illustriert. Ein Anschluss an Lukács hätte hier weitergeholfen als die Berufung auf Simmel und Weber.
Aber immerhin: Was Weber anbetrifft, hätte Rosa ernster nehmen sollen, dass es das "stahlharte Gehäuse" bürgerlich-kapitalistischer Realität ist, das "Lösungen" wie die abschließende Berufung auf indigenes oder anderswie vormodernes Wissen als das entlarvt, was es allenfalls anbieten kann: Eine Schein-Lösung! "Jugaad" und "Jeitinho", was man frei als das Bestreben übersetzen könnte, im vorgegebenen Rahmen nach Spielräumen zu suchen (nicht umsonst das Grundprinzip von Korruption) führen bestenfalls zu individuellen, nicht aber zu grundsätzlichen Lösungen. Hier, am Ende, ist Hartmut Rosa schwach. Da muss unbedingt weitergedacht werden, obwohl es natürlich sein kann, dass der verbeamtete Professor die komplexe "Situation" (vorerst?) nur im Sinne einer Reformierung angehen, nicht aber die Systemfrage stellen kann. ;-) Das aber sollte man tun, weil sonst alles Schimpfen auf Eliten und Bürokratie usw. rein gar nichts bringt; das sind nur die sichtbaren Auswüchse, nicht aber die wirklichen Defizite eines Systems, in dem die Konkurrenz einerseits das ständig anwachsende Bedürfnis nach Verrechtlichung und Vergleichbarkeit produziert und andererseits gerade deswegen "stromlinienförmig" angepasste und wegen des Profiprinzips möglichst wenig individuelle Menschen hervorbringt, die sich als Konsumenten und "gute Staatsbürger" am besten nur noch in genau definierten und vorauszusehenden Situationen als Käufer und Untertanen verhalten. Dazu hätte man von Hartmut Rosa mehr erwarten können.
Fazit: Dennoch ein gut lesbares Buch für alle diejenigen, die wissen wollen, warum Kapitalismus u.U. reich, aber deswegen trotzdem niemanden wirklich glücklich macht. Neben diesem soziologisch-philosophischen Anspruch, der allerdings in bester Sachbuchmanier auch für den Laien gut verständlich daher kommt, gibt es jede Menge einzelner treffender Beobachtungen und Kommentare quasi in Nebensätzen, die die Lektüre trotz der vielen offenen Fragen zu einem Gewinn machen. Lesen und selbst nach- und weiterdenken machen ja nicht dümmer.
Wahr ist jedenfalls, dass mittlerweile wohl jeder Situationen kennt, in denen die vorgegebenen Raster nicht zu konkreten Anliegen passen und Beamte dennoch Entscheidungen nach den Vorgaben und nicht in Ansehung der Umstände fällen müssen. (48f) Das frustriere beide Seiten, wobei die Betroffenen meist den Beamten die Schuld geben, denen allerdings die Hände gebunden sind. David Graeber zitierend meint Rosa, so würden aus an sich notwendigen Tätigkeiten "Bullshit- Jobs", die auch von einer KI-gestützten Maschine erledigt werden könnten. Diese Sinnentleerung zehre an den emotionalen Energien der Ausführenden und führe so zu Burn- Out, Depressionen und anderen wohlbekannten "Zivilisationskrankheiten". Ich fand das anschlussfähig an Befunde von Amlinger/ Nachtwey ("Zerstörungslust"), die ebenfalls in dem "bevormundenden Staat" und damit einher gehend in dem Verlust von Selbstwirksamkeitserfahrungen Gründe für Frustration und eben Zerstörungswut (oder der Sündenbockmentalität- Beamte, Lehrer oder Polizisten sind schuld) sehen. Rosa fügt dem eine interessante Beobachtung hinzu, wenn er schreibt, dass derart frustrierte Menschen in ihrer hilflosen Elitenkritik Menschen wie Trump oder Musk dafür bewundern, wie leicht die sich über die uns einengenden Gesetze und Regeln hinweg setzen. (102) Das gilt dann als zurückgewonnene Handlungsmacht, die bewundert wird. Mir scheint, diese kleine Beobachtung trägt mehr zum Verständnis des Erfolgs autoritärer Parteien und ihrer Führer bei, als (fast) alles andere, was bisher zum Thema geschrieben wurde. "Antifaschismus" geht jedenfalls am wirklichen Problem vorbei.
Die Auflösung einer komplexen Situation in ihre einzelnen Teile, die freilich den Zusammenhang des Ganzen notwendig zerstört, illustriert Rosa an dem gut bekannten Beispiel der Corona- Zeit. Die Unsicherheit, die durch die Vielzahl unbekannter Momente hervorgerufen wurde, hat man reduziert auf binäre Fragen nach "Impfung- Ja?" oder "Impfung-nein?". Nach dem gleichen Muster wird aber auch Bildungswissen in Quizz-Shows oder schulischen/ universitären Tests auf die Frage nach A, B oder C reduziert. Man könnte nun annehmen, was Rosa auch tut, dahinter verberge sich die zunehmend unseren Alltag beherrschende kybernetische Logik. In diesem Sinne beschreibt der Autor im Mittelteil des Buches unsere selbstverschuldete Unmündigkeit (durch "parametrische Optimierung"/ 146) gegenüber Selbstoptimierungs-Apps u.ä. Nichts Neues, aber man muss es immer wieder sagen. Allerdings, und darin besteht die Schwäche seiner Argumentation, übersieht der Autor seinen eigenen Hinweis auf den "Taylorismus" (147) als den Beginn einer Verfahrensweise, die im kapitalistischen Arbeitsprozess (!) als Serienproduktion dieselbe in solche Einzelschritte zerlegt, die dann von dafür nicht besonders qualifizierten Arbeitern vollzogen werden können. Mich haben diese Überlegungen sofort an M. Thatcher erinnert: "There is no such thing as society." Rosa, sonst durchaus an Marx orientiert, übersieht hier die in der konkreten Produktionsweise (heute Roboterisierung und daher Algorithmierung) angelegte Tendenz zur Versachlichung und Verdinglichung von allem und jedem, die er ansonsten u.a. anhand von Eva Illouz These, im Kapitalismus sei es zunehmenden unmöglich sich selbst oder andere zu lieben, illustriert. Ein Anschluss an Lukács hätte hier weitergeholfen als die Berufung auf Simmel und Weber.
Aber immerhin: Was Weber anbetrifft, hätte Rosa ernster nehmen sollen, dass es das "stahlharte Gehäuse" bürgerlich-kapitalistischer Realität ist, das "Lösungen" wie die abschließende Berufung auf indigenes oder anderswie vormodernes Wissen als das entlarvt, was es allenfalls anbieten kann: Eine Schein-Lösung! "Jugaad" und "Jeitinho", was man frei als das Bestreben übersetzen könnte, im vorgegebenen Rahmen nach Spielräumen zu suchen (nicht umsonst das Grundprinzip von Korruption) führen bestenfalls zu individuellen, nicht aber zu grundsätzlichen Lösungen. Hier, am Ende, ist Hartmut Rosa schwach. Da muss unbedingt weitergedacht werden, obwohl es natürlich sein kann, dass der verbeamtete Professor die komplexe "Situation" (vorerst?) nur im Sinne einer Reformierung angehen, nicht aber die Systemfrage stellen kann. ;-) Das aber sollte man tun, weil sonst alles Schimpfen auf Eliten und Bürokratie usw. rein gar nichts bringt; das sind nur die sichtbaren Auswüchse, nicht aber die wirklichen Defizite eines Systems, in dem die Konkurrenz einerseits das ständig anwachsende Bedürfnis nach Verrechtlichung und Vergleichbarkeit produziert und andererseits gerade deswegen "stromlinienförmig" angepasste und wegen des Profiprinzips möglichst wenig individuelle Menschen hervorbringt, die sich als Konsumenten und "gute Staatsbürger" am besten nur noch in genau definierten und vorauszusehenden Situationen als Käufer und Untertanen verhalten. Dazu hätte man von Hartmut Rosa mehr erwarten können.
Fazit: Dennoch ein gut lesbares Buch für alle diejenigen, die wissen wollen, warum Kapitalismus u.U. reich, aber deswegen trotzdem niemanden wirklich glücklich macht. Neben diesem soziologisch-philosophischen Anspruch, der allerdings in bester Sachbuchmanier auch für den Laien gut verständlich daher kommt, gibt es jede Menge einzelner treffender Beobachtungen und Kommentare quasi in Nebensätzen, die die Lektüre trotz der vielen offenen Fragen zu einem Gewinn machen. Lesen und selbst nach- und weiterdenken machen ja nicht dümmer.
October 3, 2026
Una pasada. Rosa plantea que ya no actuamos, sino que ejecutamos: la espontaneidad ha dado paso a la obediencia a leyes, protocolos y reglas que asfixian las posibilidades y, de paso, oscurecen la vida. Dicho esquema se observa en el día a día (la escuela, la oficina), pero igualmente en la ciencia o en la política. El autor se esfuerza en ilustrarlo generosamente, al punto de que en Alemania las principales críticas han señalado que no es más que “un libro de anécdotas”. No es mi opinión. De hecho, Rosa ha puesto palabras a ideas que pululaban vagamente por mi cabeza y a las que me enfrento a diario; he pensado en qué rico sería que lo leyeran mis colegas de la Función Pública y cualquier persona que prepare unas oposiciones.
Un libro que cambia la forma de ver; no hay muchos.
Un libro que cambia la forma de ver; no hay muchos.
March 10, 2026
Der Autor Hartmut Rosa ist sicher kein postmoderner Denker. Er meidet dieses Wort wie der Teufel das Weihwasser und verortet sich und uns stattdessen in der „Spätmoderne“. Denn Hartmut Rosa sieht unsere Zukunft weder in einer dystopischen Apokalypse untergehen, noch in schleichender Dekadenz verfallen. Seiner Meinung nach liegt das Goldene Zeitalter durchaus noch vor uns. Deshalb glaubt er auch an den Sinn der Zukunft.
Genau so wenig, wie er postmodern denkt, verortet er sich links. Seine politische Ausrichtung dürfte eher kleinbürgerlich sein. Das bedeutet, dass seine intellektuellen Vorschläge mehr am Individuum ansetzen als auf politisch-gesellschaftlicher Ebene. Wenn man so will, dann lässt sich dieses Buch eher der zeitgenössischen Ratgeberliteratur zuordnen als einer soziologischen Studie, die politisch etwas verändern will (wenn auch sehr häufig Adorno und Habermas etc. zitiert werden). In einem Interview mit einer Zeitung darauf angesprochen, betont Hartmut Rosa allerdings, dass stets beide Ebenen, die individuelle und die politische, gleichzeitig in Angriff genommen werden müssen, wenn man etwas verändern will, weil sie sich gegenseitig bedingen.
In dem vorliegenden Buch blendet er die politische Ebene allerdings nahezu vollständig aus. Es wäre schön gewesen, wenn er in einem weiteren Kapitel Maßnahmen, wie er sie vordem für Individuen empfohlen hat, auch auf gesellschaftlicher Ebene entwickelt hätte. Dazu wäre allerdings ein politisches Statement erforderlich gewesen und in genau diesem Punkt sträubt sich Hartmut Rosa vehement – verständlich, wenn man einen Lehrstuhl innehat und auf Förder- und Drittmittel angewiesen ist. Außerdem könnte ein bekennendes linkes Buch nie Spiegel-Bestseller werden.
Ich möchte jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass das vorliegende Buch nicht lesenswert wäre – ganz im Gegenteil. Ich halte es geradezu für höchst lesenswert, denn es sind sehr tiefgreifende Analysen darin enthalten. Wie Hartmut Rosa nicht ganz unbescheiden einmal in einer Randbemerkung erwähnt, hält er seine Gedanken für eine zeitgenössische Weiterentwicklung von Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“. Und ja, ich möchte dem nicht widersprechen. Ansätze dazu hat das Buch zweifellos. Allerdings darf man so nicht aufhören, sondern man muss erst recht dort anfangen zu denken, wo das Buch endet! Als rechtschaffener Bürger hat man geradezu die Pflicht, die politischen Konsequenzen selbst zu entwerfen. Man darf das Buch auf keinen Fall nach der Lektüre getrost ins Regal stellen. Denn die individuelle und die politische Ebene sind beides Seiten ein und derselben Medaille. Der Mensch ist Individuum und Zoon politikon zugleich. Deshalb erfordern Hartmut Rosas Analysen sowohl Konsequenzen auf persönlicher als auch auf gesellschaftlich-politischer Ebene. Denn erst dann hat man verstanden, was der Unterschied zwischen einer Konstellation und einer Situation ist, nämlich wenn man selbst ins Handeln kommt und nicht mehr im Vollziehen verbleibt.
Genau so wenig, wie er postmodern denkt, verortet er sich links. Seine politische Ausrichtung dürfte eher kleinbürgerlich sein. Das bedeutet, dass seine intellektuellen Vorschläge mehr am Individuum ansetzen als auf politisch-gesellschaftlicher Ebene. Wenn man so will, dann lässt sich dieses Buch eher der zeitgenössischen Ratgeberliteratur zuordnen als einer soziologischen Studie, die politisch etwas verändern will (wenn auch sehr häufig Adorno und Habermas etc. zitiert werden). In einem Interview mit einer Zeitung darauf angesprochen, betont Hartmut Rosa allerdings, dass stets beide Ebenen, die individuelle und die politische, gleichzeitig in Angriff genommen werden müssen, wenn man etwas verändern will, weil sie sich gegenseitig bedingen.
In dem vorliegenden Buch blendet er die politische Ebene allerdings nahezu vollständig aus. Es wäre schön gewesen, wenn er in einem weiteren Kapitel Maßnahmen, wie er sie vordem für Individuen empfohlen hat, auch auf gesellschaftlicher Ebene entwickelt hätte. Dazu wäre allerdings ein politisches Statement erforderlich gewesen und in genau diesem Punkt sträubt sich Hartmut Rosa vehement – verständlich, wenn man einen Lehrstuhl innehat und auf Förder- und Drittmittel angewiesen ist. Außerdem könnte ein bekennendes linkes Buch nie Spiegel-Bestseller werden.
Ich möchte jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass das vorliegende Buch nicht lesenswert wäre – ganz im Gegenteil. Ich halte es geradezu für höchst lesenswert, denn es sind sehr tiefgreifende Analysen darin enthalten. Wie Hartmut Rosa nicht ganz unbescheiden einmal in einer Randbemerkung erwähnt, hält er seine Gedanken für eine zeitgenössische Weiterentwicklung von Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“. Und ja, ich möchte dem nicht widersprechen. Ansätze dazu hat das Buch zweifellos. Allerdings darf man so nicht aufhören, sondern man muss erst recht dort anfangen zu denken, wo das Buch endet! Als rechtschaffener Bürger hat man geradezu die Pflicht, die politischen Konsequenzen selbst zu entwerfen. Man darf das Buch auf keinen Fall nach der Lektüre getrost ins Regal stellen. Denn die individuelle und die politische Ebene sind beides Seiten ein und derselben Medaille. Der Mensch ist Individuum und Zoon politikon zugleich. Deshalb erfordern Hartmut Rosas Analysen sowohl Konsequenzen auf persönlicher als auch auf gesellschaftlich-politischer Ebene. Denn erst dann hat man verstanden, was der Unterschied zwischen einer Konstellation und einer Situation ist, nämlich wenn man selbst ins Handeln kommt und nicht mehr im Vollziehen verbleibt.
April 9, 2026
Intuitiv kann ich mit den Gedanken viel anfangen, Rosas Kernthese finde ich überzeugend und der Gedanke daran, sie in meinem Leben zu implementieren ist heilsam
Trotzdem denke ich mir hier, wie auch in seinen anderen Büchern, dass er sich arg hinter seinem „kontinentalen“ Selbstbild versteckt und ihm ein klein bisschen Struktur und (begriffliche) Sparsamkeit gut tun würden. Er benutzt oft unnötig verschaltete Sätze, manche Beispiele kommen viel zu häufig, ab und zu kommt seitenlang (besonders am Anfang) keine neue Idee / spannende Ausführung dieser.
Trotzdem toll
Trotzdem denke ich mir hier, wie auch in seinen anderen Büchern, dass er sich arg hinter seinem „kontinentalen“ Selbstbild versteckt und ihm ein klein bisschen Struktur und (begriffliche) Sparsamkeit gut tun würden. Er benutzt oft unnötig verschaltete Sätze, manche Beispiele kommen viel zu häufig, ab und zu kommt seitenlang (besonders am Anfang) keine neue Idee / spannende Ausführung dieser.
Trotzdem toll
April 18, 2026
Ich hatte einige Erwartungen an das Buch. U.a. das er eine Perspektive aus diesem Verschwinden des Spielraums zeigt, dies und verwandte Themen beschäftigen mich seit vielen Jahren. Leider hat Rosa mich da mit meiner Hoffnung stehen lassen.
Seine Analysen teile ich fast alle, seine Kulisse durch dramatisierte Schlussfolgerungen -auch aus eigener Erfahrung- nicht unbedingt. In einigen Aspekten fand ich sie - trotz seiner immer wieder eingestreuten Einschränkungen- als leider sehr ähnlich der Wortwahl antimoderner Kulturkämpfer.
Da ich sein Konzept der Resonanz und einige seiner in anderen Veröffentlichungen getätigter Einsichten und Perspektiven sehr schätze, war ich jetzt umso ent-täuschter.
M.E. ist das Werk eine hauptsächlich mäandernde, aber gute Analyse mit repetitiv wiederholten Warnung, aber ohne grosse Perspektive.
Es ist eben wohl nicht so einfach. Aber dann hätten es 50-100 Seiten auch getan.
Jetzt zum Buch:
Kapitalismuskritik kam zwar indirekt vor, der Vergleich mit anderen Kulturen auch, aber das menschliche Grundbedürfnis nach Kontrolle wird m.E. Nicht genügend gewürdigt. Seine wenigen Lösungsansätze werfen uns auf uns selbst zurück, „Jugaad und Jeitinho“ zu praktizieren. Diese einfache Empfehlung wirkt aber bei seiner Darstellung einer molochartigen Gefahr mehr als dünn.
Die kleine Brücke die mir zum wohlwollenden Verstehen seiner Intention geholfen hat, ist die Widmung des Buches seinen Patenkindern. Die haben das Leben vor sich und können sich diesem Ausuferndem binärem Lebensverständnis noch entgegenstellen. Nur: für die schreibt er dann doch zu wissenschaftlich.
Meines Erachtens hier einige seiner wichtigen „Nuggets“ auf die Unterscheidung situativ/konstellativ gehe ich nicht weiter ein:
S.158
„Der massive gesamtgesellschaftliche Trend zur para-metrischen Erfassung und Verbesserung aber legt es nahe und zwingt uns in vielen Kontexten geradewegs dazu, die Aufmerksamkeit auf die parametrische Optimierung zu legen. Dann sind es unsere Zustands- und Leistungsparameter, auf die wir uns konzentrieren und an denen wir unablässig arbeiten. Das wird aber nicht zu guten Universitäten, besseren Schulen, zufriedenen Gemeinwesen oder glücklicheren Menschen führen. Denn tatsächlich weisen auch die empirischen Forschungsbefunde unmissverständlich darauf hin, dass die immer stärkere Hinwendung der Subjekte auf die Erhebung und Verbesserung ihrer konstellativen Parameter im Blick sowohl auf ihre Körper als auch auf ihr soziales Leben zu immer größeren Selbstzweifeln und zu wachsender Unzufriedenheit mit sich selbst führt. Die Menschen fühlen sich dabei buchstäblich nicht mehr wohl in ihrer Haut."
S.161
„In diesem Buch formuliere ich die Befürchtung, dass wir dabei sind, unser Leben zu vollziehen, statt es zu leben.
Aber was heißt das eigentlich, »leben«? In diesem Kapitel möchte ich für die These argumentieren, dass Leben Handeln ist: Wir fühlen uns lebendig, wenn und wo wir han-deln; wir fühlen uns erschöpft und ausgebrannt, wenn wir Stunde um Stunde, im Berufsleben wie in der Freizeit, mit dem vollziehenden Abarbeiten von To-do-Listen, mit dem Ausfüllen von Formularen und Anträgen, mit dem Ausführen genauer Vorgaben, mit Klicken und Scrollen oder mit parametrischer Optimierung beschäftigt sind.
Wo wir zu Vollzugsorganen bürokratischer Anforderungen oder zu Agenten der Algorithmen werden, die als »User« Computer und Smartphones mit Input füllen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die Energie ausgeht - die Energie zu handeln und sogar die Energie, mehr als Erschöpfung zu fühlen.“
S.186
„Wer wir sind, finden wir vielmehr erst heraus, indem wir uns expressiv, fühlend, formend und auch leidend an die Welt und in die Welt entäußern. Das Selbst (wir können auch sagen: unser Charakter, unsere Persönlichkeit) wird dabei stetig konstituiert und rekonstituiert.“
Disclaimer zu nur 3 Sternen:
Irgendwie mag ich einem Buch von Rosa nicht nur 3 Sterne geben, da ich sehr gerne inspirierenden Büchern grundsätzlich 5 Sterne geb (vielleicht bin da zu inflationär). Diesem Buch selbst 4 Sterne zu geben fällt mir sehr schwer.
3,5 wären passend aber aufrunden mag ich nicht, leider gibt goodreads das nicht wie letterboxd her
Seine Analysen teile ich fast alle, seine Kulisse durch dramatisierte Schlussfolgerungen -auch aus eigener Erfahrung- nicht unbedingt. In einigen Aspekten fand ich sie - trotz seiner immer wieder eingestreuten Einschränkungen- als leider sehr ähnlich der Wortwahl antimoderner Kulturkämpfer.
Da ich sein Konzept der Resonanz und einige seiner in anderen Veröffentlichungen getätigter Einsichten und Perspektiven sehr schätze, war ich jetzt umso ent-täuschter.
M.E. ist das Werk eine hauptsächlich mäandernde, aber gute Analyse mit repetitiv wiederholten Warnung, aber ohne grosse Perspektive.
Es ist eben wohl nicht so einfach. Aber dann hätten es 50-100 Seiten auch getan.
Jetzt zum Buch:
Kapitalismuskritik kam zwar indirekt vor, der Vergleich mit anderen Kulturen auch, aber das menschliche Grundbedürfnis nach Kontrolle wird m.E. Nicht genügend gewürdigt. Seine wenigen Lösungsansätze werfen uns auf uns selbst zurück, „Jugaad und Jeitinho“ zu praktizieren. Diese einfache Empfehlung wirkt aber bei seiner Darstellung einer molochartigen Gefahr mehr als dünn.
Die kleine Brücke die mir zum wohlwollenden Verstehen seiner Intention geholfen hat, ist die Widmung des Buches seinen Patenkindern. Die haben das Leben vor sich und können sich diesem Ausuferndem binärem Lebensverständnis noch entgegenstellen. Nur: für die schreibt er dann doch zu wissenschaftlich.
Meines Erachtens hier einige seiner wichtigen „Nuggets“ auf die Unterscheidung situativ/konstellativ gehe ich nicht weiter ein:
S.158
„Der massive gesamtgesellschaftliche Trend zur para-metrischen Erfassung und Verbesserung aber legt es nahe und zwingt uns in vielen Kontexten geradewegs dazu, die Aufmerksamkeit auf die parametrische Optimierung zu legen. Dann sind es unsere Zustands- und Leistungsparameter, auf die wir uns konzentrieren und an denen wir unablässig arbeiten. Das wird aber nicht zu guten Universitäten, besseren Schulen, zufriedenen Gemeinwesen oder glücklicheren Menschen führen. Denn tatsächlich weisen auch die empirischen Forschungsbefunde unmissverständlich darauf hin, dass die immer stärkere Hinwendung der Subjekte auf die Erhebung und Verbesserung ihrer konstellativen Parameter im Blick sowohl auf ihre Körper als auch auf ihr soziales Leben zu immer größeren Selbstzweifeln und zu wachsender Unzufriedenheit mit sich selbst führt. Die Menschen fühlen sich dabei buchstäblich nicht mehr wohl in ihrer Haut."
S.161
„In diesem Buch formuliere ich die Befürchtung, dass wir dabei sind, unser Leben zu vollziehen, statt es zu leben.
Aber was heißt das eigentlich, »leben«? In diesem Kapitel möchte ich für die These argumentieren, dass Leben Handeln ist: Wir fühlen uns lebendig, wenn und wo wir han-deln; wir fühlen uns erschöpft und ausgebrannt, wenn wir Stunde um Stunde, im Berufsleben wie in der Freizeit, mit dem vollziehenden Abarbeiten von To-do-Listen, mit dem Ausfüllen von Formularen und Anträgen, mit dem Ausführen genauer Vorgaben, mit Klicken und Scrollen oder mit parametrischer Optimierung beschäftigt sind.
Wo wir zu Vollzugsorganen bürokratischer Anforderungen oder zu Agenten der Algorithmen werden, die als »User« Computer und Smartphones mit Input füllen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die Energie ausgeht - die Energie zu handeln und sogar die Energie, mehr als Erschöpfung zu fühlen.“
S.186
„Wer wir sind, finden wir vielmehr erst heraus, indem wir uns expressiv, fühlend, formend und auch leidend an die Welt und in die Welt entäußern. Das Selbst (wir können auch sagen: unser Charakter, unsere Persönlichkeit) wird dabei stetig konstituiert und rekonstituiert.“
Disclaimer zu nur 3 Sternen:
Irgendwie mag ich einem Buch von Rosa nicht nur 3 Sterne geben, da ich sehr gerne inspirierenden Büchern grundsätzlich 5 Sterne geb (vielleicht bin da zu inflationär). Diesem Buch selbst 4 Sterne zu geben fällt mir sehr schwer.
3,5 wären passend aber aufrunden mag ich nicht, leider gibt goodreads das nicht wie letterboxd her
January 23, 2026
Es kommt (zumindest in meinem Fall) nicht sooo oft vor, dass man als #IT Ingenieur ein sozialwissenschaftliches Buch in die Finger bekommt und dabei unmittelbar die Relevanz auch für den eigenen Aufgabenbereich vor die Augen geführt bekommt.
So las ich, nicht nur von allgemeinem, sondern auch von beruflichem Interesse geleitet, Hartmut Rosas neues Buch “Situation und Konstellation - Vom Verschwinden des Spielraums”.
Erst der Blurb leitete mich von der trockenen Titelformulierung auf die gesellschaftlich hochaktuelle These:
▶️ Machen #Digitalisierung, #Bürokratie und algorithmische Systeme Menschen vom Handelnden zum bloßen „Vollziehenden“?
▶️ Welche Auswirkungen hat das zunehmend “konstellative”, angeleitete Vollziehen von Aufgaben in einem hochintegrierten Umfeld auf unsere Entscheidungsfähigkeit - auf “Augenmaß, Fingerspitzengefühl und Urteilskraft“?
Ohne dass Rosa gleich alle Antworten oder Analysen bringen muss: die Unterwanderung/Ersetzung der menschlichen Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit durch #Prozesse und #Algorithmen liegt - wie immer man selbst dazu steht - in der Luft, nicht zuletzt dank (manchmal allzu starrer) Prozeßautomatisierungen und rasanter Fortschritte bei #AIAgents oder #Chatbots mit Rundumbetreuung. Und, überraschend, gar nicht immer zum Vorteil des Gesamtergebnisses!
Rosa illustriert den schleichend wahrnehmbaren Wandel vom Handeln zum Vollziehen anhand diverser Beispiele aus der Mitte der #Gesellschaft. Er deutet zum Schluss auch Auswege an, die den Einzelnen, auch im Kontext technologischer Trends, wieder handlungs- und damit auch entwicklungsfähig halten könnten.
Die Folgen und Auswirkungen in der Tiefe zu betrachten, geht vermutlich über den Umfang des Buchs hinaus. Mir war jedenfalls wichtiger, dass die richtigen Fragen und - angesichts des Ungesagten - eine gemeinsame Begrifflichkeit gestellt wird.
Mein eigenes Gefühl sagt mir: möglicherweise hat der Autor da eine Tür aufgestoßen, die nicht nur im gesellschaftlichen, sondern such im technologischen Bereich ganz neue, pragmatische Wege eröffnen könnte.
Das dürfte eins der wichtigeren #Sachbücher in 2026 werden. Definitiv ein gut les- und hörbares!
So las ich, nicht nur von allgemeinem, sondern auch von beruflichem Interesse geleitet, Hartmut Rosas neues Buch “Situation und Konstellation - Vom Verschwinden des Spielraums”.
Erst der Blurb leitete mich von der trockenen Titelformulierung auf die gesellschaftlich hochaktuelle These:
▶️ Machen #Digitalisierung, #Bürokratie und algorithmische Systeme Menschen vom Handelnden zum bloßen „Vollziehenden“?
▶️ Welche Auswirkungen hat das zunehmend “konstellative”, angeleitete Vollziehen von Aufgaben in einem hochintegrierten Umfeld auf unsere Entscheidungsfähigkeit - auf “Augenmaß, Fingerspitzengefühl und Urteilskraft“?
Ohne dass Rosa gleich alle Antworten oder Analysen bringen muss: die Unterwanderung/Ersetzung der menschlichen Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit durch #Prozesse und #Algorithmen liegt - wie immer man selbst dazu steht - in der Luft, nicht zuletzt dank (manchmal allzu starrer) Prozeßautomatisierungen und rasanter Fortschritte bei #AIAgents oder #Chatbots mit Rundumbetreuung. Und, überraschend, gar nicht immer zum Vorteil des Gesamtergebnisses!
Rosa illustriert den schleichend wahrnehmbaren Wandel vom Handeln zum Vollziehen anhand diverser Beispiele aus der Mitte der #Gesellschaft. Er deutet zum Schluss auch Auswege an, die den Einzelnen, auch im Kontext technologischer Trends, wieder handlungs- und damit auch entwicklungsfähig halten könnten.
Die Folgen und Auswirkungen in der Tiefe zu betrachten, geht vermutlich über den Umfang des Buchs hinaus. Mir war jedenfalls wichtiger, dass die richtigen Fragen und - angesichts des Ungesagten - eine gemeinsame Begrifflichkeit gestellt wird.
Mein eigenes Gefühl sagt mir: möglicherweise hat der Autor da eine Tür aufgestoßen, die nicht nur im gesellschaftlichen, sondern such im technologischen Bereich ganz neue, pragmatische Wege eröffnen könnte.
Das dürfte eins der wichtigeren #Sachbücher in 2026 werden. Definitiv ein gut les- und hörbares!
March 23, 2026
Hartmut Rosa war für mich bisher ein blinder Fleck, "Situation und Konstellation" also mein Einstieg in das Werk des deutschen Soziologen. Trotz der theoretischen Dichte ist das Buch nicht zuletzt aufgrund der vielen Beispiele aus dem Alltag gut lesbar, vor allem, weil die zentrale Unterscheidung schnell greifbar wird:
Rosa stellt "Konstellationen" und "Situationen" gegenüber. Konstellationen sind klar strukturierte, entscheidbare Anordnungen – alles, was sich in Regeln, Verfahren und Optionen überführen lässt. Das schafft Vergleichbarkeit und kann Willkür reduzieren. Gleichzeitig hat es aber zur Folge, dass Handeln oft nur noch im Vollzug besteht: Der Mensch arbeitet ab, was vorgegeben ist.
Dem gegenüber stehen Situationen: offene, nicht vollständig vorstrukturierte Zusammenhänge, in denen wir tatsächlich handeln müssen. Hier geht es nicht nur um richtige Entscheidungen, sondern darum, sich einzubringen, abzuwägen, Verantwortung zu übernehmen. Für Rosa liegt genau darin auch die Möglichkeit von Zufriedenheit – nicht im reibungslosen Funktionieren, sondern im eigenen Handeln im Kontext von Emotionen.
Als Beschreibung der Gegenwart finde ich das sehr überzeugend. Vieles wird heute so organisiert, dass es entscheidbar und kontrollierbar wird. Die Allgegenwart moderner IT/KI-Systeme, die fast immer auf Basis von Konstellationen und letztendlich binär entscheiden, sind laut Rosa ein weiterer Grund für die Dominanz des Konstellativen. Dadurch entsteht eine Form von Gegenwart, die verstärkt in "Entweder-Oder"-Kontrasten formuliert, letztendlich also Extreme betont und wenig Raum für ein auf Kompromiss und Augenmaß ausgerichtetes Handeln lässt.
Am Ende wird Rosa noch deutlicher. Er kritisiert ein System, das auf ständiges Mehr, auf Optimierung und Wachstum ausgerichtet ist und sich diese Steigerung an nackten Zahlen ablesen und in Konstellationen pressen lassen muss. Diesem "Steigerungsregime" gilt es aber letztendlich zu entkommen. Sein Gegenentwurf ist kein konkretes Programm, sondern eine Haltung: mehr Vertrauen in Menschen. "Vertrauen in die erfahrungsbasierte Urteilskraft des jeweils anderen" müsse wieder zum Grundmodus werden.
Fazit: Kein leichtes Buch, aber ein präziser und nachdenklicher Essay, der eine verbreitete Erfahrung gut auf den Punkt bringt und zugleich eine klare (Kapitalismus)kritik formuliert.
Rosa stellt "Konstellationen" und "Situationen" gegenüber. Konstellationen sind klar strukturierte, entscheidbare Anordnungen – alles, was sich in Regeln, Verfahren und Optionen überführen lässt. Das schafft Vergleichbarkeit und kann Willkür reduzieren. Gleichzeitig hat es aber zur Folge, dass Handeln oft nur noch im Vollzug besteht: Der Mensch arbeitet ab, was vorgegeben ist.
Dem gegenüber stehen Situationen: offene, nicht vollständig vorstrukturierte Zusammenhänge, in denen wir tatsächlich handeln müssen. Hier geht es nicht nur um richtige Entscheidungen, sondern darum, sich einzubringen, abzuwägen, Verantwortung zu übernehmen. Für Rosa liegt genau darin auch die Möglichkeit von Zufriedenheit – nicht im reibungslosen Funktionieren, sondern im eigenen Handeln im Kontext von Emotionen.
Als Beschreibung der Gegenwart finde ich das sehr überzeugend. Vieles wird heute so organisiert, dass es entscheidbar und kontrollierbar wird. Die Allgegenwart moderner IT/KI-Systeme, die fast immer auf Basis von Konstellationen und letztendlich binär entscheiden, sind laut Rosa ein weiterer Grund für die Dominanz des Konstellativen. Dadurch entsteht eine Form von Gegenwart, die verstärkt in "Entweder-Oder"-Kontrasten formuliert, letztendlich also Extreme betont und wenig Raum für ein auf Kompromiss und Augenmaß ausgerichtetes Handeln lässt.
Am Ende wird Rosa noch deutlicher. Er kritisiert ein System, das auf ständiges Mehr, auf Optimierung und Wachstum ausgerichtet ist und sich diese Steigerung an nackten Zahlen ablesen und in Konstellationen pressen lassen muss. Diesem "Steigerungsregime" gilt es aber letztendlich zu entkommen. Sein Gegenentwurf ist kein konkretes Programm, sondern eine Haltung: mehr Vertrauen in Menschen. "Vertrauen in die erfahrungsbasierte Urteilskraft des jeweils anderen" müsse wieder zum Grundmodus werden.
Fazit: Kein leichtes Buch, aber ein präziser und nachdenklicher Essay, der eine verbreitete Erfahrung gut auf den Punkt bringt und zugleich eine klare (Kapitalismus)kritik formuliert.
June 4, 2026
Dieses Buch ist großartig, klug und differenziert. Es eröffnet auf ganz verschiedenen Ebenen, wie sich die Gesellschaft durch Formalia, Regeln und Strukturen selbst den Raum zum Atmen, agieren und aktivem leben nimmt. Es eröffnet ebenso die Möglichkeiten, wie Menschen sich davon entfernen können und eben wieder zu Handelnden werden, die sich spüren, als lebendig wahrnehmen und soziale Energie gewinnen.
July 23, 2026
Situation und Konstellation sind eine gute Beobachtung, die aber auch auf 20 Seiten gepasst hätten. Trotzdem schön zu lesen.
July 11, 2026
Tolle Gedanken, von denen ich nur einen Bruchteil verstanden habe
May 18, 2026
Auch wenn ich nicht immer mit dem Autor übereinstimme, war dieses Buch wirklich sehr interessant und hat mir einen neuen Einblick zu Handlungsspielräumen gegeben. Das Buch setzt sehr beim Individuum an und blendet an manchen Stellen meiner Meinung nach zu sehr das Politische aus. Besonders beim Thema Gerechtigkeit müssen wir alle unsere Privilegien hinterfragen und teilweise vielleicht auch ein paar abgeben. Das verschweigt der Autor zwar nicht, aber mir kam das leider etwas zu schwach rüber. Insgesamt fand ich eher die soziologischen und philosophischen Thesen interessant und sehr gut ausgearbeitet. Das Tempo und der Schreibstil sind sehr unterschiedlich. Manchmal zieht sich eine Erklärung und ist durch viele Wiederholungen und zu viele Beispiele geprägt (besonders am Anfang des Buchs). Dann gibt es wiederum Paragraphen, die sehr akademisch sind. Insgesamt empfehle ich das Buch trotzdem sehr. Es regt definitiv zum Nachdenken an wie es schon länger kein Buch mehr bei mir geschafft hat.
August 4, 2026
Ik las de Nederlandse vertaling. Nog niet hier op Goodreads.
De Inleiding is bijzonder sterk. De voorbeelden van de VAR in het voetbal, bureaucratische besluitvorming bij aanvragen op gemeentehuis en de beoordeling van studenten tonen hoe menselijke oordeelsvorming steeds vaker wordt vervangen door protocollen, algoritmen en vooraf vastgelegde procedures.
Zo verliezen zij hun handelingsruimte/menselijkheid, wat geen energie geeft en zelfs energie doet verliezen: ze botsen op binaire codes: dat mag/moet , dat mag niet /moet niet … zoals wanneer je vandaag een aanvraag indient en via robots wordt geleid, continu moet aanvinken …. en plots foutmeldingen krijgt of net niet krijgt wat je gevraagd hebt … want enkel standaardvragen passen ... en AI kan alleen maar standaard antwoorden in vele toepassingen.
Rosa noemt deze ontwikkeling de overgang van situaties naar constellaties.
==> Zijn definitie van constellatie is onnodig technisch en zelfs misleidend. Hij benadrukt wel expliciet dat hij het begrip anders gebruikt dan Walter Benjamin en Theodor Adorno, voor wie een constellatie juist een open, historische configuratie is die nieuwe inzichten mogelijk maakt. Die in het bijzondere plots iets algemeens ziet.
Bij Rosa betekent het vrijwel het omgekeerde: een gesloten systeem van vaste, meetbare, binaire relaties. Hoewel hij deze terminologische keuze verantwoordt, blijft het een ongelukkige definitie die meer verwarring dan helderheid schept.
Wel sterk is zijn analyse van wat deze ontwikkeling met mensen doet. Wanneer professionals hun ervaringskennis en praktisch oordeel niet langer mogen gebruiken, maar uitsluitend procedures moeten uitvoeren, verliezen zij hun handelingsruimte. Rosa beschrijf hoe dit leidt tot een verlies aan handelingsenergie. Mensen raken gefrustreerd en ongelukkig wanneer zij geen ruimte meer krijgen om een situatie zelfstandig in te schatten en daarnaar te handelen. Dat inzicht vond ik een van de sterkste bijdragen van het boek.
Rosa sluit aan bij Eva Illouz, die Rosa bespreekt in hoofdstuk 8 (P.145-149): emoties krijgen pas betekenis wanneer ze zich in handelen kunnen uitdrukken. Wordt dat onmogelijk gemaakt, dan ontstaat uitputting, burn-out en uiteindelijk ook depressie.
Ondanks zijn expliciete afstand van Adorno en Benjamin zie ik inhoudelijk opmerkelijke parallellen met de Frankfurter Schule.
Zijn analyse van bureaucratisering, algoritmisering en de reductie van menselijke oordeelsvorming lijkt mij een eigentijdse voortzetting van wat Lukács, Adorno en Horkheimer beschreven als verdinglijking (reïficatie) alsook de onderzoeken naar de zgn. Authoritarian Personality die toch een belangrijke kwalitatief onderzoekscomponent hadden met +/- identieke conclusies?
In wat de Frankfurter Schule constellaties noemt, ttz. "in het bijzondere het algemene ontdekken"; "een samenkomen van begrippen, fragmenten waaruit plots een nieuwe betekenis opkomt" (Adorno, Benjamin) worden hier in de andere definitie constellaties streng methodologisch en kwantitatief onderzocht (P. 119 met voetnoot 15, hoofdstuk 6).
Zijn bespreking van kwalitatieve en kwantitatieve onderzoeksmethoden overtuigde mij minder. Net daar blijft onduidelijk waarin zijn constellatiebegrip zich uiteindelijk onderscheidt van de kritische theorie. (P.117-121, hoofdstuk 6)
Adorno zou precies op dit punt afhaken. Voor hem kan de werkelijkheid nooit volledig worden gereduceerd tot een methode, kwantitatief noch kwalitatief. Het object moet juist bevrijd worden uit het identiteitsdenken.
==> Ook de Frankfurter Schule analyseerde hoe menselijke relaties steeds meer worden gereduceerd tot objectieve procedures en meetbare categorieën. In die zin actualiseert Rosa de kritische theorie? (zie hoofdstuk 6 : kwantitatief versus kwalitatief).
Mogelijks leidt bovenstaande tot verwarring juist door het verkeerd gebruik begrip constellaties?
Ik maak deze bemerking omdat de conclusies van het boek enkel leidt naar aanpassingen van het systeem, niet naar verandering: van een 'hermeneutiek van achterdocht' naar een 'hermeneutiek van vertrouwen' (p.187), maar dat is mogelijks enkel een pleister op de wonde die de atomistische samenleving voortbrengt.
Hier gaat iemand als Byung-Chul Han volgens mij een stap verder.
Misschien draait onze samenleving vandaag juist dankzij al datgene wat buiten de meetbare constellaties valt: vrijwilligerswerk, informele zorg, burenhulp, opvoeding, vriendschap. Misschien zouden we juist die dimensie opnieuw meer moeten waarderen.
De Inleiding is bijzonder sterk. De voorbeelden van de VAR in het voetbal, bureaucratische besluitvorming bij aanvragen op gemeentehuis en de beoordeling van studenten tonen hoe menselijke oordeelsvorming steeds vaker wordt vervangen door protocollen, algoritmen en vooraf vastgelegde procedures.
Zo verliezen zij hun handelingsruimte/menselijkheid, wat geen energie geeft en zelfs energie doet verliezen: ze botsen op binaire codes: dat mag/moet , dat mag niet /moet niet … zoals wanneer je vandaag een aanvraag indient en via robots wordt geleid, continu moet aanvinken …. en plots foutmeldingen krijgt of net niet krijgt wat je gevraagd hebt … want enkel standaardvragen passen ... en AI kan alleen maar standaard antwoorden in vele toepassingen.
Rosa noemt deze ontwikkeling de overgang van situaties naar constellaties.
==> Zijn definitie van constellatie is onnodig technisch en zelfs misleidend. Hij benadrukt wel expliciet dat hij het begrip anders gebruikt dan Walter Benjamin en Theodor Adorno, voor wie een constellatie juist een open, historische configuratie is die nieuwe inzichten mogelijk maakt. Die in het bijzondere plots iets algemeens ziet.
Bij Rosa betekent het vrijwel het omgekeerde: een gesloten systeem van vaste, meetbare, binaire relaties. Hoewel hij deze terminologische keuze verantwoordt, blijft het een ongelukkige definitie die meer verwarring dan helderheid schept.
Wel sterk is zijn analyse van wat deze ontwikkeling met mensen doet. Wanneer professionals hun ervaringskennis en praktisch oordeel niet langer mogen gebruiken, maar uitsluitend procedures moeten uitvoeren, verliezen zij hun handelingsruimte. Rosa beschrijf hoe dit leidt tot een verlies aan handelingsenergie. Mensen raken gefrustreerd en ongelukkig wanneer zij geen ruimte meer krijgen om een situatie zelfstandig in te schatten en daarnaar te handelen. Dat inzicht vond ik een van de sterkste bijdragen van het boek.
Rosa sluit aan bij Eva Illouz, die Rosa bespreekt in hoofdstuk 8 (P.145-149): emoties krijgen pas betekenis wanneer ze zich in handelen kunnen uitdrukken. Wordt dat onmogelijk gemaakt, dan ontstaat uitputting, burn-out en uiteindelijk ook depressie.
Ondanks zijn expliciete afstand van Adorno en Benjamin zie ik inhoudelijk opmerkelijke parallellen met de Frankfurter Schule.
Zijn analyse van bureaucratisering, algoritmisering en de reductie van menselijke oordeelsvorming lijkt mij een eigentijdse voortzetting van wat Lukács, Adorno en Horkheimer beschreven als verdinglijking (reïficatie) alsook de onderzoeken naar de zgn. Authoritarian Personality die toch een belangrijke kwalitatief onderzoekscomponent hadden met +/- identieke conclusies?
In wat de Frankfurter Schule constellaties noemt, ttz. "in het bijzondere het algemene ontdekken"; "een samenkomen van begrippen, fragmenten waaruit plots een nieuwe betekenis opkomt" (Adorno, Benjamin) worden hier in de andere definitie constellaties streng methodologisch en kwantitatief onderzocht (P. 119 met voetnoot 15, hoofdstuk 6).
Zijn bespreking van kwalitatieve en kwantitatieve onderzoeksmethoden overtuigde mij minder. Net daar blijft onduidelijk waarin zijn constellatiebegrip zich uiteindelijk onderscheidt van de kritische theorie. (P.117-121, hoofdstuk 6)
Adorno zou precies op dit punt afhaken. Voor hem kan de werkelijkheid nooit volledig worden gereduceerd tot een methode, kwantitatief noch kwalitatief. Het object moet juist bevrijd worden uit het identiteitsdenken.
==> Ook de Frankfurter Schule analyseerde hoe menselijke relaties steeds meer worden gereduceerd tot objectieve procedures en meetbare categorieën. In die zin actualiseert Rosa de kritische theorie? (zie hoofdstuk 6 : kwantitatief versus kwalitatief).
Mogelijks leidt bovenstaande tot verwarring juist door het verkeerd gebruik begrip constellaties?
Ik maak deze bemerking omdat de conclusies van het boek enkel leidt naar aanpassingen van het systeem, niet naar verandering: van een 'hermeneutiek van achterdocht' naar een 'hermeneutiek van vertrouwen' (p.187), maar dat is mogelijks enkel een pleister op de wonde die de atomistische samenleving voortbrengt.
Hier gaat iemand als Byung-Chul Han volgens mij een stap verder.
Misschien draait onze samenleving vandaag juist dankzij al datgene wat buiten de meetbare constellaties valt: vrijwilligerswerk, informele zorg, burenhulp, opvoeding, vriendschap. Misschien zouden we juist die dimensie opnieuw meer moeten waarderen.
January 12, 2026
1. Diagnose: Vom Urteil zur Vollzugslogik
Hartmut Rosas Situation und Konstellation ist ein maßgeblicher Weckruf gegen ein technokratisches Gestell, das unsere Lebenswelt in eine binäre Ja/Nein-Wüste zu verwandeln droht. Während Immanuel Kant in der „Kritik der Urteilskraft“ noch die Freiheit des Geistes feierte, im Besonderen das Vermögen, im Besonderen das Allgemeine zu entdecken — die reflektierende Urteilskraft — erleben wir heute einen schleichenden Rückzug in eine bloße Vollzugslogik.
Wir sind nicht länger Subjekte, die in einer Lichtung der Möglichkeiten situativ entscheiden, sondern zunehmend Anhängsel algorithmischer Konstellationen, die den Spielraum für echte Potentialentfaltung diplomatisch, aber bestimmt verengen.
2. Symptome: Der Mensch als Rädchen
Ob die Ärztin, die vor allem den Bildschirm pflegt, oder der Schiedsrichter, dessen Augenmaß dem digitalen Hochdruck-Verfahren des VAR geopfert wurde — Rosa zeigt mit außergewöhnlicher Schärfe, wie der Mensch zum Rädchen im Getriebe wird. Nimmt man Karl Poppers Diktum ernst, dass alles Leben Problemlösen sei, dann geraten wir hier in eine existentielle Schieflage: Wo Algorithmen Probleme bereits gelöst haben, bevor wir überhaupt auf „Stimme zu“ klicken können, verkümmert unsere Fähigkeit zum schöpferischen Versuch und Irrtum.
Der „Alte aus Rhöndorf“ hätte angesichts dieser Apparate-Hörigkeit wohl trocken gemahnt, man solle keine „Experimente“ mit der menschlichen Seele veranstalten, indem man sie zum bloßen Vollzugsorgan degradiert.
3. Tiefenstruktur: Transparenz als Feind der Urteilskraft
Diese Entwicklung bedroht das, was Kant als „Zweckmäßigkeit ohne Zweck“ beschrieb — jenen freien Spielraum der Erkenntniskräfte, der uns überhaupt erst zu handelnden Menschen macht. Rosa entlarvt die moderne Transparenz-Sucht als den eigentlichen Oberschurken: Sie betoniert durch Richtlinien, Kennzahlen und Formulare jede Lichtung situativer Klugheit zu.
So entsteht das Bild einer strukturellen Überforderung des Geistes, der zur bloßen Bestätigungstaste herabgestuft wird und dabei zusehen muss, wie seine vitale Handlungsenergie in einem Meer vorformatierter Klicks versickert.
4. Perspektive: Rückgewinnung menschlicher Souveränität
Doch Rosas Buch ist weit mehr als eine Analyse der Frustration. Es ist ein überragender Aufruf zu neuer Potentialentfaltung. Er fordert einen logischen Befreiungsschlag, um menschliche Urteilskraft gegen maschinelle Logik zu verteidigen und jenen Spielraum zurückzuerobern, den Popper für Fortschritt, Erkenntnis und Leben selbst als unverzichtbar ansah.
„Situation und Konstellation“ ist damit das Nonplusultra für alle, die sich nicht mit der Rolle bloßer „Vollziehender“ abfinden wollen, sondern die maßgebliche Kraft suchen, in einer Welt algorithmischer Konstellationen wieder echte, unvorhersehbare und lebendige Entscheidungen zu treffen — eine finale Ermutigung zur menschlichen Souveränität.
Hartmut Rosas Situation und Konstellation ist ein maßgeblicher Weckruf gegen ein technokratisches Gestell, das unsere Lebenswelt in eine binäre Ja/Nein-Wüste zu verwandeln droht. Während Immanuel Kant in der „Kritik der Urteilskraft“ noch die Freiheit des Geistes feierte, im Besonderen das Vermögen, im Besonderen das Allgemeine zu entdecken — die reflektierende Urteilskraft — erleben wir heute einen schleichenden Rückzug in eine bloße Vollzugslogik.
Wir sind nicht länger Subjekte, die in einer Lichtung der Möglichkeiten situativ entscheiden, sondern zunehmend Anhängsel algorithmischer Konstellationen, die den Spielraum für echte Potentialentfaltung diplomatisch, aber bestimmt verengen.
2. Symptome: Der Mensch als Rädchen
Ob die Ärztin, die vor allem den Bildschirm pflegt, oder der Schiedsrichter, dessen Augenmaß dem digitalen Hochdruck-Verfahren des VAR geopfert wurde — Rosa zeigt mit außergewöhnlicher Schärfe, wie der Mensch zum Rädchen im Getriebe wird. Nimmt man Karl Poppers Diktum ernst, dass alles Leben Problemlösen sei, dann geraten wir hier in eine existentielle Schieflage: Wo Algorithmen Probleme bereits gelöst haben, bevor wir überhaupt auf „Stimme zu“ klicken können, verkümmert unsere Fähigkeit zum schöpferischen Versuch und Irrtum.
Der „Alte aus Rhöndorf“ hätte angesichts dieser Apparate-Hörigkeit wohl trocken gemahnt, man solle keine „Experimente“ mit der menschlichen Seele veranstalten, indem man sie zum bloßen Vollzugsorgan degradiert.
3. Tiefenstruktur: Transparenz als Feind der Urteilskraft
Diese Entwicklung bedroht das, was Kant als „Zweckmäßigkeit ohne Zweck“ beschrieb — jenen freien Spielraum der Erkenntniskräfte, der uns überhaupt erst zu handelnden Menschen macht. Rosa entlarvt die moderne Transparenz-Sucht als den eigentlichen Oberschurken: Sie betoniert durch Richtlinien, Kennzahlen und Formulare jede Lichtung situativer Klugheit zu.
So entsteht das Bild einer strukturellen Überforderung des Geistes, der zur bloßen Bestätigungstaste herabgestuft wird und dabei zusehen muss, wie seine vitale Handlungsenergie in einem Meer vorformatierter Klicks versickert.
4. Perspektive: Rückgewinnung menschlicher Souveränität
Doch Rosas Buch ist weit mehr als eine Analyse der Frustration. Es ist ein überragender Aufruf zu neuer Potentialentfaltung. Er fordert einen logischen Befreiungsschlag, um menschliche Urteilskraft gegen maschinelle Logik zu verteidigen und jenen Spielraum zurückzuerobern, den Popper für Fortschritt, Erkenntnis und Leben selbst als unverzichtbar ansah.
„Situation und Konstellation“ ist damit das Nonplusultra für alle, die sich nicht mit der Rolle bloßer „Vollziehender“ abfinden wollen, sondern die maßgebliche Kraft suchen, in einer Welt algorithmischer Konstellationen wieder echte, unvorhersehbare und lebendige Entscheidungen zu treffen — eine finale Ermutigung zur menschlichen Souveränität.
July 28, 2026
Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums offers a timely and thought-provoking examination of how digital technologies, algorithms, and institutional systems are transforming human decision-making and reshaping everyday life. Hartmut Rosa explores the growing replacement of human judgment with procedural logic, inviting readers to reflect on what is lost when discretion, creativity, and situational awareness give way to automated processes.
One of the book's greatest strengths is its insightful analysis of the subtle ways contemporary society is changing the nature of human action. Through familiar examples drawn from education, healthcare, sports, and professional life, Rosa demonstrates how rules, digital platforms, and algorithmic systems increasingly dictate decisions that once relied upon experience, interpretation, and practical wisdom.
The book is particularly engaging in its exploration of the consequences of this transformation. While acknowledging the benefits of transparency, consistency, and efficiency, Rosa argues that the diminishing space for human judgment contributes to feelings of powerlessness, reduced agency, and the gradual erosion of individual and collective creativity. His analysis encourages readers to reconsider the relationship between technology, institutions, and meaningful human action.
Another notable strength is the book's ability to connect sociological theory with contemporary social experience. Rather than presenting technology as either wholly beneficial or entirely harmful, Rosa offers a balanced and nuanced reflection on how digital systems influence autonomy, responsibility, and participation in modern society. His discussion raises important questions about preserving human freedom within increasingly structured environments.
Written with clarity and intellectual depth, the book successfully combines sociological insight with philosophical reflection. Its accessible style makes complex social theory engaging while offering readers valuable perspectives on one of the defining challenges of contemporary life.
Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums will appeal to readers interested in sociology, social philosophy, technology and society, political philosophy, contemporary social theory, cultural studies, ethics, and the future of work.
Overall, Hartmut Rosa delivers a compelling and insightful work that challenges readers to rethink the balance between technological efficiency and human agency while offering an important contribution to contemporary discussions about freedom, responsibility, and social life.
One of the book's greatest strengths is its insightful analysis of the subtle ways contemporary society is changing the nature of human action. Through familiar examples drawn from education, healthcare, sports, and professional life, Rosa demonstrates how rules, digital platforms, and algorithmic systems increasingly dictate decisions that once relied upon experience, interpretation, and practical wisdom.
The book is particularly engaging in its exploration of the consequences of this transformation. While acknowledging the benefits of transparency, consistency, and efficiency, Rosa argues that the diminishing space for human judgment contributes to feelings of powerlessness, reduced agency, and the gradual erosion of individual and collective creativity. His analysis encourages readers to reconsider the relationship between technology, institutions, and meaningful human action.
Another notable strength is the book's ability to connect sociological theory with contemporary social experience. Rather than presenting technology as either wholly beneficial or entirely harmful, Rosa offers a balanced and nuanced reflection on how digital systems influence autonomy, responsibility, and participation in modern society. His discussion raises important questions about preserving human freedom within increasingly structured environments.
Written with clarity and intellectual depth, the book successfully combines sociological insight with philosophical reflection. Its accessible style makes complex social theory engaging while offering readers valuable perspectives on one of the defining challenges of contemporary life.
Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums will appeal to readers interested in sociology, social philosophy, technology and society, political philosophy, contemporary social theory, cultural studies, ethics, and the future of work.
Overall, Hartmut Rosa delivers a compelling and insightful work that challenges readers to rethink the balance between technological efficiency and human agency while offering an important contribution to contemporary discussions about freedom, responsibility, and social life.
September 29, 2026
Hartmut Rosa gibt in "Situation und Konstellation" einem diffusen Gefühl eine sehr treffende Beschreibung. Dass wir von Handelnden immer mehr zu reinen Vollziehenden werden, kann ich selbst gut nachempfinden.
Seine zentrale Diagnose ist dabei eingängig. Wir bewegen uns zunehmend in einer Welt, in der nicht mehr die konkrete Situation darüber entscheidet, was zu tun ist, sondern Regeln, Verfahren, Kennzahlen, Algorithmen und vorgegebene Entscheidungspfade das für uns erledigen. Er unterscheidet dafür zwischen "Situationen" und "Konstellationen". Situationen sind offen, mehrdeutig und verlangen Erfahrung, Urteilskraft und Interpretation. Konstellationen dagegen zerlegen Wirklichkeit in eindeutig bestimmbare Faktoren und vorgegebene Optionen. Eine Abweichung von den durch diese Konstellationen vorgegebenen Handlungsoptionen ist meist nicht mehr vorgesehen. Die Menschen vollziehen also nur noch, statt nach eigenem Ermessen zu handeln.
Besonders stark ist das Buch dort, wo Rosa zeigt, wie dadurch Spielräume, Verantwortung und das Gefühl eigener Wirksamkeit verloren gehen können. (Fühle ich)
Manche Beispiele sind allerdings so gewählt, dass sie seine These beinahe zwangsläufig bestätigen. Die Gegenüberstellung zwischen lebendiger „Situation“ und starrer „Konstellation“ gerät dadurch gelegentlich zu eindeutig. Regeln und Standards sind ja häufig gerade deshalb entstanden, weil individuelle Ermessensspielräume auch Willkür, Ungleichbehandlung und Machtmissbrauch ermöglichen können. Das wird zwar von ihm auch erwähnt, dann aber größtenteils ausgeklammert.
Die eigentlich spannende Frage wäre deshalb, wo wir standardisieren sollten und wo wir bewusst Spielräume erhalten oder schaffen müssten. Gerade an dieser Stelle fehlen mir dann konkrete Antworten. Das Buch ist eher eine (treffende) Zeitdiagnose als eine "Handlungsanleitung" ;) zu mehr situativem Handeln.
Trotzdem bleibt nach der Lektüre etwas hängen. „Situation“ und „Konstellation“ sind Begriffe, mit denen sich sehr unterschiedliche Erfahrungen plötzlich neu betrachten lassen. Ich ertappe mich auf jeden Fall inzwischen häufiger bei der Frage: Handle ich hier eigentlich – oder vollziehe ich nur noch?
Seine zentrale Diagnose ist dabei eingängig. Wir bewegen uns zunehmend in einer Welt, in der nicht mehr die konkrete Situation darüber entscheidet, was zu tun ist, sondern Regeln, Verfahren, Kennzahlen, Algorithmen und vorgegebene Entscheidungspfade das für uns erledigen. Er unterscheidet dafür zwischen "Situationen" und "Konstellationen". Situationen sind offen, mehrdeutig und verlangen Erfahrung, Urteilskraft und Interpretation. Konstellationen dagegen zerlegen Wirklichkeit in eindeutig bestimmbare Faktoren und vorgegebene Optionen. Eine Abweichung von den durch diese Konstellationen vorgegebenen Handlungsoptionen ist meist nicht mehr vorgesehen. Die Menschen vollziehen also nur noch, statt nach eigenem Ermessen zu handeln.
Besonders stark ist das Buch dort, wo Rosa zeigt, wie dadurch Spielräume, Verantwortung und das Gefühl eigener Wirksamkeit verloren gehen können. (Fühle ich)
Manche Beispiele sind allerdings so gewählt, dass sie seine These beinahe zwangsläufig bestätigen. Die Gegenüberstellung zwischen lebendiger „Situation“ und starrer „Konstellation“ gerät dadurch gelegentlich zu eindeutig. Regeln und Standards sind ja häufig gerade deshalb entstanden, weil individuelle Ermessensspielräume auch Willkür, Ungleichbehandlung und Machtmissbrauch ermöglichen können. Das wird zwar von ihm auch erwähnt, dann aber größtenteils ausgeklammert.
Die eigentlich spannende Frage wäre deshalb, wo wir standardisieren sollten und wo wir bewusst Spielräume erhalten oder schaffen müssten. Gerade an dieser Stelle fehlen mir dann konkrete Antworten. Das Buch ist eher eine (treffende) Zeitdiagnose als eine "Handlungsanleitung" ;) zu mehr situativem Handeln.
Trotzdem bleibt nach der Lektüre etwas hängen. „Situation“ und „Konstellation“ sind Begriffe, mit denen sich sehr unterschiedliche Erfahrungen plötzlich neu betrachten lassen. Ich ertappe mich auf jeden Fall inzwischen häufiger bei der Frage: Handle ich hier eigentlich – oder vollziehe ich nur noch?
March 6, 2026
In Situation und Konstellation diagnostiziert der Soziologe Hartmut Rosa treffsicher, dass in der Spätmoderne tendenziell nicht mehr in Anbetracht von Situationen, sondern mindestens auch auf Grundlage von Konstellationen gehandelt wird. Wobei strenggenommen, folgt man Rosa, oft nicht mal mehr gehandelt, sondern lediglich vollzogen wird.
Den Begriff der Konstellation definiert er nicht in Anlehnung an Adorno, sondern (geprägt durch Hermann Schmitz) als eine vereinfachte Darstellung einer Situation. Diese beschreibt Rosa als eine Anordnung von Einzelfaktoren, die zueinander in einer klar ersichtlichen Beziehung stehen. Solche Darstellungen haben sich in vielen Szenarien als äußerst nützlich, ja sogar emanzipatorisch erwiesen; in einigen anderen Fällen (und diese Anderen nehmen zu!) erweisen sie sich, beziehungsweise das Vollziehen auf ihrer Grundlage, jedoch auch als problematisch.
Die mit dem konstellationsbasierten Vollziehen einhergehenden Problematiken werden anhand einer Reihe von Beispielen illustriert. So zeigt Rosa mit ihnen, dass das Vollziehen zum einen zu situationsunangemessenen Lösungen führen kann und zum anderen uns langfristig die soziale Energie raubt, da wir uns nicht mehr als freihandelnde (moralisch verantwortliche) Subjekte begegnen und wahrnehmen (→ Entfremdung).
Obgleich Hartmut Rosas Analyse stellenweise an Tiefe zu wünschen übrig lässt und mir die Fülle an Beispielen übermäßig erschien, empfand ich die Lektüre insgesamt als aufschlussreich.
Den Begriff der Konstellation definiert er nicht in Anlehnung an Adorno, sondern (geprägt durch Hermann Schmitz) als eine vereinfachte Darstellung einer Situation. Diese beschreibt Rosa als eine Anordnung von Einzelfaktoren, die zueinander in einer klar ersichtlichen Beziehung stehen. Solche Darstellungen haben sich in vielen Szenarien als äußerst nützlich, ja sogar emanzipatorisch erwiesen; in einigen anderen Fällen (und diese Anderen nehmen zu!) erweisen sie sich, beziehungsweise das Vollziehen auf ihrer Grundlage, jedoch auch als problematisch.
Die mit dem konstellationsbasierten Vollziehen einhergehenden Problematiken werden anhand einer Reihe von Beispielen illustriert. So zeigt Rosa mit ihnen, dass das Vollziehen zum einen zu situationsunangemessenen Lösungen führen kann und zum anderen uns langfristig die soziale Energie raubt, da wir uns nicht mehr als freihandelnde (moralisch verantwortliche) Subjekte begegnen und wahrnehmen (→ Entfremdung).
Obgleich Hartmut Rosas Analyse stellenweise an Tiefe zu wünschen übrig lässt und mir die Fülle an Beispielen übermäßig erschien, empfand ich die Lektüre insgesamt als aufschlussreich.
September 3, 2026
Hartmut Rosa gelingt es, Wort für eine diffus empfundene Gesellschaftsrealität zu finden. Er bleibt dabei nicht bei einer analytischen Betrachtung sondern übersetzt sein Konzept von konstellativem und situativem Handeln auch direkt: Das für einen soziologischen Text geradezu emotionale Plädoyer für eine Rückeroberung von Handlungsspielräumen überzeugt.
Den fünf Sternen für den Inhalt müssten 0 Sterne für Satz und Produktion des Buchs an Suhrkamp folgen. Die spektakulär einfallslose Titelgestaltung ist vielleicht noch mit der Zielgruppe zu entschuldigen. Die Nichtunterscheidbarkeit von (reichlich vorhandenen) Fußnoten und Zitatblöcken ist nur mit typografischer Faulheit zu erklären. Mit etwas mehr Hingabe bei der Detailtypografie hätten sich auch die 9 leeren Seiten am Buchende leicht vermeiden lassen.
Den fünf Sternen für den Inhalt müssten 0 Sterne für Satz und Produktion des Buchs an Suhrkamp folgen. Die spektakulär einfallslose Titelgestaltung ist vielleicht noch mit der Zielgruppe zu entschuldigen. Die Nichtunterscheidbarkeit von (reichlich vorhandenen) Fußnoten und Zitatblöcken ist nur mit typografischer Faulheit zu erklären. Mit etwas mehr Hingabe bei der Detailtypografie hätten sich auch die 9 leeren Seiten am Buchende leicht vermeiden lassen.
September 11, 2026
Rosa dona justament el que s'espera d'un llibre de no ficció: que ampliï el nostre món fent-nos veure les coses que ens envolten d'una manera nova i descobrint coses que sempre havien estat allà. El moment Eureka!
En aquest cas, l'autor descriu com l'optimització a través de la parametrització de tots els processos de la nostra vida limita la nostra capacitat d'actuar i restringeix el nostre paper als de simples executors sense marge de maniobra provocant un malestar que a la feina ens condueix al burnout però que té implicacions negatives a la nostra vida perquè no és possible dissociar (com si fos la sèrie Severance) el que fem i que som al temps laboral i a la resta del nostre temps.
En aquest cas, l'autor descriu com l'optimització a través de la parametrització de tots els processos de la nostra vida limita la nostra capacitat d'actuar i restringeix el nostre paper als de simples executors sense marge de maniobra provocant un malestar que a la feina ens condueix al burnout però que té implicacions negatives a la nostra vida perquè no és possible dissociar (com si fos la sèrie Severance) el que fem i que som al temps laboral i a la resta del nostre temps.
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July 14, 2026Ich fand dieses Buch nicht so gelungen.
Viele der aufgeführten Beispiele hatten eher mit Gier und mangelnder Selbstverantwortung zu tun als mit dem 'Verschwinden des Spielraums':
- Jemand lässt das Essen auf den Boden fallen und erwartet dann einen Gratis-Ersatz
- Ein anderer bucht das Skibillet zum Vorzugstarif am Montag und erwartet dann einen Gratis-Ersatz wenn er irrtümlich am überfüllten Sonntag auftaucht
- etc. pp.
Viele der aufgeführten Beispiele hatten eher mit Gier und mangelnder Selbstverantwortung zu tun als mit dem 'Verschwinden des Spielraums':
- Jemand lässt das Essen auf den Boden fallen und erwartet dann einen Gratis-Ersatz
- Ein anderer bucht das Skibillet zum Vorzugstarif am Montag und erwartet dann einen Gratis-Ersatz wenn er irrtümlich am überfüllten Sonntag auftaucht
- etc. pp.
February 4, 2026
Rosa lesen und die Welt verstehen! Leider ist bei Goodreads momentan nur das Hörbuch zu finden. Aber selber lesen ergibt in dem Fall sicher mehr Sinn!
February 20, 2026
Ein wichtiges, kluges Buch, das die Augen öffnet
September 27, 2026
Lieb wer er es schafft abstrakte Gedanken in konkreten Beispielen zu erden sodass es sogar für so einen aufmerksamkeitsfrittierten Typ wie mich ein easy Read ist… Sharp & Concise
March 13, 2026
War mir dann offenbar doch zu wissenschaftlich. Der locker Anfang hat mich aufs Glatteis geführt.
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