Dziennikarz portalu Interia.pl, współpracuje z „Nową Europą Wschodnią”, autor opowiadań publikowanych m.in. w „Lampie”, „Studium”, „Opowiadaniach” i E-splocie oraz współautor wydanej w 2010 r. książki pt. Paczka radomskich. Pisze doktorat z politologii, zajmuje się wschodem Europy i dziwactwami geopolitycznymi, historycznymi i kulturowymi. Jeździ po dziwnych miejscach i o tym pisze. Ostatnio najbardziej inspiruje go gonzo i literatura / dziennikarstwo podróżnicze. Laureat Paszportu „Polityki” 2013 za książkę Przyjdzie Mordor i nas zje, czyli tajna historia Słowian.
Ein wirklich spannendes Porträt von Lemberg und Galizien vom polnischen Journalisten Ziemowit Szczerek. Von subjektiven Beobachtungen des Alltags der Stadt bis hin zu den historischen Linien der Habsburger Zeit ist alles dabei. Die polnische Originalausgabe ist von Herbst 2022, daher fällt die Thematisierung der russischen Invasion eher kurz aus. Hab’s aber nichtsdestotrotz in 3 Tagen verschlungen!
Lemberg ist für mich ein magischer Ort. Zweimal habe ich die Stadt vor dem russischen Überfall auf die Ukraine besucht, und beide Male war ich begeistert: von ihrer Atmosphäre, der noch immer deutlich sichtbaren österreichisch-ungarischen Prägung und der Überlagerung westslawischer, ostslawischer, habsburgischer und jüdischer Einflüsse. Ein mitteleuropäischer Ort, dessen Faszination bis heute anhält.
Nun ist Ziemowit Szczereks »Lemberg. Eine Vorstellung« in der Übersetzung von Thomas Weiler erschienen. Für deutschsprachige Leser ist das ein großes Glück. Denn obwohl sich das Buch in eine umfangreiche Literatur über diese faszinierende Stadt einreiht, besitzt es einen unverwechselbaren Ton. Szczerek ist ein Vertreter der polnischen Gonzo-Literatur. Das gibt seinem Schreiben einen besonderen Drive und einen Sound, den man in anderen Büchern über Lemberg eher selten findet.
Szczerek beschreibt die unterschiedlichen Vorstellungen von Identität, die sich mit der Stadt verbinden. Die Menschen, die hier lebten und leben, haben jeweils ihr eigenes Lemberg entworfen. Es gibt das alte jüdische Lemberg, das galizisch-habsburgische, das polnische – besonders präsent in der Erinnerung an die Zwischenkriegszeit –, das sowjetische und das heutige ukrainische Lemberg. Diese Bilder überlagern sich, widersprechen sich, geraten auch in Konflikt.
Der deutsche Titel hat mich zunächst irritiert. Der polnische Originaltitel »Wymyślone miasto Lwów« lässt sich übersetzen als erfundene oder imaginierte Stadt Lemberg. »Eine Vorstellung« klang in meinen Ohren zunächst nach einer bloßen Darstellung. Doch dann verstand ich die Doppeldeutigkeit: Eine Vorstellung ist auch ein inneres Bild, eine Imagination. So trifft der deutsche Titel den Gedanken des Originals doch. Bei einem so großartigen Übersetzer wie Thomas Weiler eigentlich erwartbar.
Das polnische Original erschien bereits 2022. Dem russischen Großangriff, der auch Lemberg früh traf, gilt deshalb nur ein kurzes Schlusskapitel. Für die deutsche Ausgabe hätte ich mir gewünscht, dass Szczerek diesen Teil um einen Blick auf die seitherigen Entwicklungen ergänzt hätte. Klar wird aber: Szczerek ist von dem Krieg entsetzt. Er trifft ihn persönlich, weil er so mit der Stadt verbunden ist.
Wer sich für die Ukraine, für Lemberg und Ostgalizien interessiert, findet hier spannende Einblicke. Lohnt sich!