Jula, Jules ve diğerleri kentin keşmekeşinden uzak bir kasabada sessiz sedasız yaşamaktadırlar. Bir gün bir dinlenme tesisi inşaatı için planlar açığa çıktığında, kasabanın sakinleri için hiçbir şey eskisi gibi olmayacaktır. Kasaba halkı var olan tüm gücüyle yerlerinden yurtlarından edilmelerine isyan edecektir. Her Şey Kaybolmadan Önce kıvılcımın çaktığı andaki etkiyi yaratan bir roman. Karanlık sırların ve son umutların hikâyesi.
Hatırlıyordu da o zamanlar hiçbir şeyden haberleri yokken ve uçsuz bucaksız bir hayal gücüne sahiplerken her şey bambaşkaydı. Onlara iki kehanette bulunulmuştu: Birincisi, çok mutlu olacaksınız, ikincisi dünyanın sonu gelecek ve her şey yok olacak.
Annika Scheffel, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar 2013 und dem Robert Gernhardt Preis 2015. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Bevor alles verschwindet ist ein frustrierender Roman. Man könnte jetzt ein bisschen überspitzt sagen, dass er sich hübsch einreiht in die modernen Hach-was-sind-Dorfbewohner-doch-schrullig-Romane, das Ganze (statt wie bei Stanisic mit Mythos) mit Geistern anreichert, die besagte Dorfbewohner umschleichen, bis es schließlich in den buchstäblichen Untergang geht. Dabei ist die Prämisse, ein paar Sturköpfe gegen den Abriss ihres Dorfes (mit anschließender, symbolträchtiger Flutung) rebellieren zu lassen durchaus interessant. Auch strukturell hat die Idee mir gefallen: Wir beginnen 10 Jahre nach der Flutung um dann bis 6 Monate vor die Flutung zurückzuspringen. Dann beginnt eine Art Countdown. Jedes Kapitel ist mit einem Namen und einer Zeitangabe überschrieben, z.B. Wacho. Ein halbes Jahr. David. Vier Monate usw. Aber hier schon beginnt das Ärgernis, da die Kapitelnamen nicht sehr wichtig sind. Es wird keineswegs eine Beschränkung der Perspektive vorgenommen. Vielmehr springen wir permanent von Charakter zu Charakter und die einzelnen Passagen hatten für mich auch in ihren Gedankengängen zu wenig Individualität, als das ich sie klar Charakteren zuordnen könnte. Da wäre z.B. Greta, die alte Frau, die ihrem Mann nachtrauert und dann plötzlich in einem Unbekannten ihren Mann zu erkennen glaubt.
Jetzt fängt sie an, wieder an alles zu glauben. Vielleicht wird die Angst vor dem Ende so groß, dass sie bereit ist, ganz zurück auf Anfang zu gehen und alles, was war, nur auf das Beste zu durchforschen, im Kopf nur noch Platz für das Gute, auf den Rest wird verzichtet, auch wenn da vieles verwoben ist und genaugenommen untrennbar.
Da ist Wacho, der Bürgermeister, der ewig darauf wartet, dass seine Frau wiederkommt, die ihn vor Jahren verlassen hat und der seinen Sohn misshandelt. Dieser Sohn, David, macht zu Beginn des Romans eine seltsame Begegnung:
Da steht er, und David macht einen Schritt vor und einen zurück und schaut auf die fremde Hand, die seine Hand nimmt und auf den Daumen, der über das müde Nagelbett streicht. David könnte brüllen vor Erleichterung. Da ist er also, endlich, blass und fast durchscheinend und das krasse Gegenteil von ihm selbst, der mit all seiner Kraft und Gegenwärtigkeit nicht weiß wohin [...] “Wer bist du?”, fragt er ihn, und dann sagt er es selbst: “Milo, du bist Milo.”
Ist Milo real? Manche Charaktere sehen ihn, andere nicht, er sitzt immer zu nur auf einer bestimmten Treppe...Ich konnte das Gefühl der Beliebigkeit beim Lesen nicht abschütteln. Alle Erscheinungen sind abwechselnd real und dingfest, dann kann man durch sie hindurchgehen. Ein ewiges Hin-und-her, das in “Vielleicht”-Sätzen kumuliert und so lange Wiederholungen anhäuft, bis man resigniert feststellt, dass das einzig Handfeste in dieser Geschichte die Flutung ist. Auf die wartet man dann auch irgendwann sehnlichst, weil viele der “schrulligen” Charaktere immer wieder das gleiche Verhalten zeigen und stur weiter Seiten füllen. Übrig bleiben Charaktere, deren Handeln nicht nachvollziehbar ist und eine Geschichte, die vielleicht besser als Kurzgeschichte funktioniert hätte. Da wäre der abwägende Ton der vielen “Vielleichts” auch besser angekommen.