Der Gärtner und die Katze von Thomas Schlesser / Rezension
„Dieses kleine Biest hat Geschmack! Ich fürchte, ich habe keine andere Wahl, als ihm ein wenig Rilke zu schenken.“
Das ist meine erste Begegnung mit dem Autor, das heißt, den Weltbestseller „Monas Augen“ kenne ich leider nicht.
Kurz zum Inhalt:
Gärtner Louis macht eine schwere Zeit durch: Sein Kater bekommt eine schreckliche Diagnose und sein Dorf in der Provence wurde verwüstet. Louis verstummt…
Erst die Freundschaft zu Literaturprofessorin Thalie gibt ihm neuen Lebensmut. Sie steckt ihn regelrecht mit ihrer Liebe zu Poesie an.
Meine Meinung:
Nun ja, eins habe ich mit den Charakteren gemeinsam: auch ich liebe Poesie und Weltliteratur 😍😍. Das ist mein Ding! Von Poesie muss ich mich manchmal fernhalten, denn so manch Gedicht hat sich bereits wie ein giftiger Stachel in mein Herz gebohrt. Ich könnte gut als Schauspielerin arbeiten, ein Gedanke und ich schwimme in Tränen 😅.
Jedenfalls hat dieser Roman für mich Sinn ergeben und es wurde für mich mal wieder Zeit, außerhalb vom üblichen Tellerrand zu lesen.
Die behandelten Werke sind wunderschön und es war sehr interessant. Meine Empfehlung ist, dieses Buch anders zu lesen, als ich es jetzt gelesen habe, nämlich langsam und nach und nach. Dann hat man mehr davon. Ich kann leider keine ReziEx in Ruhe lesen in dem Sinne, also ich kann die Lektüre nicht auf Wochen ausweiten, das liegt mir nicht. Privat lese ich solche Bücher aber nur so. Immer mal ein paar Seiten und ich liebe es.
Schlussendlich bewerten werde ich aber nicht die Werke der Weltliteratur, sondern den Roman als solches, also die Geschichte von Louis und Thalie. Diese fängt sehr stark an, aber das Niveau kann nicht langfristig aufrecht erhalten werden. Um die beiden realistischer darzustellen, hätten vermutlich einige Aspekte gekürzt werden müssen. Und die Prämisse, nämlich, dass Louis überhaupt erst durch Thalie seine erste Begegnung mit Poesie macht, wurde auch etwas „seltsam“ umgesetzt. Denn Louis ist direkt ein Musterschüler, der alles perfekt interpretiert und direkt versteht…
Einige Kapitel haben mich mehr und einige weniger abgeholt. Das Buch ist eher interessant, als spannend, was ich auch nicht anders erwartet habe. Dieser Roman ist sicherlich nicht für jeden etwas, aber das muss er auch nicht sein.
Insgesamt ist es eine sehr beeindruckende Leistung, die hier auf‘s Papier gebracht worden ist 😭😭😭. Es ist einfach kein „normaler“ Roman und das darf man auch nicht erwarten.
Zum Schluss noch zwei Auszüge, die mir gefallen und mir auch aus der Seele gesprochen haben:
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„Er sagte, wenn man davon ausgeht, dass ein geübter Leser um die 300 Wörter pro Minute schafft, lässt sich daraus ableiten, dass für die Lektüre eines Buches im Schnitt ungefähr fünf Stunden nötig sind.“ Nehmen wir nun eine Person, die - wie ich - zwei, drei Stunden täglich liest. Und nehmen wir an, die Person tut dies, seit sie fünfzehn ist, und wird vierundachtzig Jahre alt… Wissen Sie, wie viele Bücher sie dann in ihrem Leben gelesen haben wird? … »Über zwölftausend! Stellen Sie sich das mal vor!«“ (Seite 98)
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Und noch etwas von Anne Sylvestre, auch in der heutigen Zeit wichtiger und aktueller denn je:
„Ich liebe Menschen, die sich Sachen
Nicht einfach so zu eigen machen
Und erst recht nicht dich und mich
Alle, die sich darein schicken,
Ein Fenster zu sein für Kinderblicke
Und weiter nichts
Die, die keine Fahnen schwenken,
Nicht in Hierarchien denken,
Mit farbenblindem Herzen sehn
…“
📖📖📖
Macht Euch gern ein eigenes Bild!
Bei mir wandert das Buch auf mein Nachtschränkchen, damit ich demnächst wieder von vorne anfangen und dann abends immer mal ein paar Seiten (vor allem die Gedichte, der Roman selbst ist mir natürlich noch zu frisch in Erinnerung) in Ruhe lesen und annotieren kann. 🫶🏻🫶🏻🤗🤗
4/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️