Hervorragend geeignetes Werk, um auf didaktische und unterhaltsame Weise in die Filmanalyse einzusteigen Die Einführung bietet eine systematische Übersicht über die das Medium Film konstituierenden Elemente wie Bild, Montage, Ton, Erzählperspektive etc. Gestaltung und Wirkung dieser Elemente werden nicht nur theoretisch erläutert, sondern auch anhand signifikanter Beispiele aus einschlägigen Filmen auf DVD visuell nachvollziehbar gemacht. Fragen machen das Verständnis des Gelesenen und Gesehenen überprüfbar. Der Leser/Betrachter schult die Fähigkeit kritisch zu schauen – eine Kompetenz, die heute ebenso wichtig ist wie das Vermögen, kritisch zu lesen.
Letztlich ist Alice BienksFilmsprache - Einführung in die interaktive Filmanalyse (2006) eben lediglich eine Einführung. Es geht um die grundlegende Erläuterung filmanalytischer Begrifflichkeiten, von der Ästhetik, über den Ton bis hin zur Erzählstruktur. Der Schreibtstil ist zielgerichtet und verknappt, Ausschweife gönnt sich Bienk sollten bis nie. Im Sinne eines Workbooks wird jedes Analysefeld in kleinteiligen Abschnitten aufgedröselt, ein entsprechender Filmclip + selbstprüfende Aufgabenstellung markieren den Schlusspunkt einer jeden Erklärung. Die Filmbeispiele sind zahlreich und liebevoll kuratiert, oft aber auch unnötig lang und dadurch schwer mit der zugrundeliegenden Aufgabenstellung abzugleichen, der Fokus geht somit häufig vom eigentlich gefragten Blickpunkt ab. Die Lösungsansätze sind dafür eingängig und lassen kaum Fragen offen.
Es hängt vom Wissensstand des Lesers ab, wie aufschlussreich Filmsprache - Einführung in die interaktive Filmanalyse (2006) am Ende ist. Wer sich tiefgreifend mit Filmanalyse beschäftigen, Filmtheorie erläutert und praktisch umgesetzt sehen und seinen filmischen Horizont erweitern will, der kann das mit diesem Buch - auf sehr basalem Niveau - tun. Allen anderen, die darüber hinaus etwas über die Geschichte, verschiedene Standpunkte (Bienk betont mehrfach, dass sie keine Diskussion erheben möchte und beschränkt sich im Zuge dessen meist auf eine einfache Definition bestimmter Begrifflichkeiten) und Entwicklungen wissen wollen, denen sei geraten, sich jener Literatur zu widmen, auf die Bienk mit Fußnoten immer wieder verweist (vgl. Film verstehen (2008)).
Ihr Vorwort ist das, was nachträglich hängenbleibt. Als Lehrende nutzt sie jenes nicht nur für die Ausführung von Schreib-Herangehensweisen und Danksagungen, sondern zeichnet ein Bild über deutsche Bildungspläne, die ihrer Ansicht nach das Lesen von filmischen Texten, in einer zunehmend visuell kommunizierenden Gesellschaft, nicht genügend berücksichtigen. Nicht nur ein spannender Ansatz für 2006, sondern bis heute ein Plädoyer, dem es Beachtung zu schenken gilt.