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Minusgefühle: Mein Leben zwischen Hell und Dunkel

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Jana Seelig hat im Netz herausgebrüllt, was es heißt, depressiv zu sein, und ist damit zu einer starken Stimme vieler Betroffener geworden. In »Minusgefühle« beschreibt sie ihre Niederlagen, ihre Chancen, ihre Traurigkeit und ihren ständigen Kampf gegen die Krankheit. Sie erzählt, was man fühlt, wenn man nichts fühlt. Davon, wie es ist, wenn man alles Mögliche versucht, um überhaupt etwas fühlen zu können: Alkohol, Sex, Drogen ― der Versuch, so viel es geht zu leben, kostet sie genau so viel Kraft wie die vielen Erklärungen für Nichtbetroffene. Sprachmächtig und kompromisslos schreibt sie über die Depression, die ein Teil ihres Lebens ist ― aber ihr Leben nicht mehr bestimmt.

240 pages, Paperback

First published October 5, 2015

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Jana Seelig

1 book3 followers

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10 (6%)
1 star
6 (3%)
Displaying 1 - 17 of 17 reviews
Profile Image for Lotte.
632 reviews1,134 followers
February 9, 2017
I finished my first read for the #5books7days readathon!
Ein unglaublich wichtiges und interessantes Buch, das sich sehr schnell und flüssig runterlesen ließ. Ich habe beim Lesen immer wieder gemerkt wie ich den Kopf in Zustimmung genickt habe. Abgesehen von dem meiner Meinung nach ziemlich pathetischen und nichtssagenden Untertitel („Mein Leben zwischen Hell und Dunkel“) war dies ein absolut gelungenes Buch über ein Thema, über das im deutschsprachigen Raum nach wie vor viel zu wenig gesprochen wird! Ich kann’s nur empfehlen.
Profile Image for fraencisdaencis.
98 reviews28 followers
October 22, 2015

Wie du vielleicht weißt, studiere ich Psychologie. Ich habe daher ein Interesse an psychischen Erkrankungen und nehme gerne die Gelegenheiten wahr, diese aus der Sicht der Betroffenen lesen zu können. Natürlich kann ich dadurch immer noch nicht komplett nachvollziehen, wie es ihnen geht, aber ich bekomme schon einen anderen Blick auf die Erkrankungen. Und ja, es sind Erkrankungen, diese Menschen sind - so wie Jana - not just sad.




"Bisher hatte ich immer das Gefühl, mit meiner Erkrankung allein zu sein - auch wenn ich natürlich weiß, dass es da draußen unglaublich viele Menschen gibt, die mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie ich."


Seite 15

In Deutschland ist es immer noch so, dass psychische Erkrankungen zu den Tabu-Themen gehören. Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen und was genau die Krankheit denn nun mit ihnen macht. Daher finde ich es mutig und toll, dass Jana Seelig sich hingesetzt und aufgeschrieben hat, wie ihr "Leben zwischen Hell und Dunkel" aussieht. Sie beginnt mit dem Grund für das Buch: den Tweets. Sie hat diese geschrieben, um hauptsächlich einen Menschen anzusprechen: ihren damaligen Freund, der kein Verständnis für sie und die Depressionen hatte. Dass sie so viele Menschen damit an- und aus der Seele spricht, hatte sie nicht erwartet. Nachdem sie die Geschehnisse des letzten Novembers erzählt hat, greift sie weitere Szenen aus ihrem Leben auf. Mal sind es welche aus ihrer Jugend, mal aus der Gegenwart, doch alle helfen dabei, das Gesamtbild zu sehen. Sie zeigen, wie schwer es für Jana war, überhaupt diagnostiziert zu werden, und wie es nach der Diagnose weiter ging. Dass die Ärzte sie nicht aufgeklärt haben über ihre Krankheit und sie einfach so wieder entlassen wurde, das machte mich wütend. So geht man nicht mit einer Patientin um, das war wirklich unvorstellbar für mich.




"Mit dem Begriff 'Depression' kann ich nichts anfangen. Ich bin ja nicht traurig - oder etwa doch? Mein Leben ist traurig, weil ich es aufgrund der ganzen Symptomatik nicht mehr richtig leben kann, doch ich, ich bin es nicht. Ich würde eher sagen, dass ich nichts fühle - von den ständigen Schmerzen mal abgesehen."


Seite 36

"Minusgefühle" hat in mir beim Lesen eine Menge Emotionen freigesetzt. Ich war wütend, habe gelacht und auch geweint. Das Buch hatte ich an einem Nachmittag beendet, denn ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Für mich ist es ein außergewöhnliches Buch, das ich allen nur ans Herz legen kann. Nicht nur wegen des unheimlich wichtigen Inhalts, sondern auch wegen Jana Seeligs Schreibstil, den ich sehr gemocht habe. Ihre Wortwahl gefiel mir zwar nicht immer (abgefuckt war ein häufig benutztes Wort), aber ich glaube, für manche Dinge gab es eben keine passendere Beschreibung.




"[...] ich verlasse die Praxis mit einem Hochgefühl. Ich weiß zwar, dass es zurzeit nicht länger als zwei bis drei Tage anhält, aber hey, zwei bis drei Tage sind besser als nichts, und irgendwann, daran glaube ich fest, werd ich es schaffen, mit der Hilfe meiner Therapeutin aus den drei Tagen eine ganze Woche zu machen - und in ferner Zukunft vielleicht sogar ein ganzes Leben."


Seite 53

Lies dieses Buch, denk über das Gelesene nach und empfehle es weiter - damit wir eher früher als später in einer Welt leben können, in der psychische Erkrankungen keine Tabu-Themen mehr sind.

Profile Image for Buchdrache.
335 reviews19 followers
April 9, 2018
Warnung! Im Folgenden wird die psychische Erkrankung Depression behandelt, damit verbunden auch u.a. Suizidalität und SVV.

»Die Depression aber ist ein mieses Arschloch, das auch vor den größten Verantwortungen im Leben nicht halt macht.« (S. 109)

2015 schrie Jana Seelig in die Welt hinaus, was es heißt, an einer Depression erkrankt zu sein, einer Krankheit, die als Volkskrankheit Nr. 1 gilt und über die noch immer so viel Unwissen und Falschwissen kursiert, dass auch heute noch ein großer Nachholbedarf besteht. Ihr Buch »Minusgefühle – Mein Leben zwischen Hell und Dunkel« trägt seinen Teil zu dieser Aufklärung bei.

»Minusgefühle« ist ein Buch, das mich von der ersten Seite an angesprochen hat. Es gab einfach so viel, wo ich da saß, nickte und sagte: »Ja. So ist es!« Denn ich kann sehr gut Jana Seeligs Situation nachvollziehen. In unserer Gesellschaft ist es nicht leicht, an einer Depression erkrankt zu sein, das Stigma psychisch erkrankter Menschen ist immer noch stark. Es handelt sich dabei eben nicht um einen Schnupfen oder gar einen Beinbruch, man sieht die Krankheit nicht. Dabei ist es eben nicht mit einem »Dann reiß dich mal zusammen, dann wird das schon!« oder einem »Dann fahr halt mal für zwei Wochen in den Urlaub!« getan.

Man kann ein junger, dynamischer Mensch wie Jana Seelig sein, gute Noten, Erfolg im Job, in der Liebe, im Privaten haben, aber eine Depression macht davor nicht halt. Man steigert sich da nicht rein. Man ist nicht aufmerksamgeil. Man braucht nicht nur mehr Ablenkung und weniger Stress. Man kann sich auch nicht einfach zusammenreißen. Man springt da auch nicht auf einen Hypetrend auf. Man muss auch nicht »einfach nur« positiver denken. Denn »einfach nur« ist nichts an dieser Erkrankung.

»Warum kann ich nicht einfach einen Hirnturmor haben?« (S.25), fragt sich die Autorin. Eine Frage, die sich wahrscheinlich viele Erkrankte stellen. Mit einem Hirnturmor scheint man als Erkrankter viel akzeptierter zu sein – und vor allem bekommt man wesentlich schneller Hilfe. Therapieplätze für psychisch Erkrankte sind auch heute noch, 2018, heiß begehrt und viel zu rar, da die Krankenkassen, die Plätze der niedergelassenen Therapeuten künstlich beschränken. Neulich gab es im Spiegel (Nr. 11 10.3.18) einen guten Artikel zu dem Thema, in dem geschrieben stand, dass jeder Therapeut täglich 33 Stunden arbeiten müsste, um alle Erkrankten behandeln zu können.

Dabei ist Jana Seelig nicht immer auf den Mund gefallen. Sie spricht die Dinge an, wie sie sind, nimmt sich dabei nicht immer selbst ernst, denn so kann man immer noch am besten dem Schrecken dieser Erkrankung begegnen.

Dem Text ist eine Triggerwarnung vorangestellt und sie ist sehr angebracht. Es werden neben der psychischen Krankheit selbst auch unter anderem Drogen- und Alkoholmissbrauch, psychische und körperliche Gewalt, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten thematisiert. Daher sollte man das Buch nur lesen, wenn man weiß, dass diese Themen einen nicht triggern. Was mich aber noch zu einem anderen, allgemeinerem Punkt bringt: Ist es echt so schwer, nicht einfach vor jeden Roman eine Triggerwarnung zu setzen, in dem sensible Themen behandelt werden? Es wäre so einfach! »In diesem Buch werden psychische Erkrankungen behandelt.« Damit wäre es doch schon getan! Ich vermisse das so sehr in so gut wie allen Romanen. So eine Triggerwarnung spoilert nicht, macht das Lesen für viele Menschen um einiges leichter.

Man muss es eigentlich nicht noch einmal groß betonen: »Minusgefühle« ist ein sehr empfehlenswerter Text, wenn es darum geht, einen Einblick in das Leben eines an Depression erkrankten Menschen zu erhalten, wie es ist, mit dieser Krankheit zu leben, und was es heißt, damit sein Umfeld zu meistern. Ein Leben mit Depression ist möglich, man braucht nur ein wenig mehr Hilfe.


Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
Profile Image for Sascha.
16 reviews
September 22, 2023
Ein starkes Werk zum Thema Depressionen. Mit einer bildhaften Sprache wird hier für die Leser*in das Leben einer depressiven Person gezeichnet, wie es viele Millionen Menschen weltweit betrifft. Hier wird klar, dass Depressionen mehr sind als nur "öfter mal traurig sein" und "nicht aus dem Bett kommen".

Ein Buch, bei dem ich mich verstanden fühlte.
Profile Image for Larissa.
60 reviews10 followers
May 8, 2022
2,5 Sterne
Mir hat einfach der rote Faden gefehlt. Außerdem wird in dem Buch häufig pauschalisiert, was mich sehr gestört hat. Es liest sich, als hätte ein sehr junger Mensch es geschrieben, irgendwie etwas unreif und undurchdacht an vielen Stellen.
Profile Image for Henny.
149 reviews24 followers
July 18, 2016
Ein Buch zu einem wichtigen Thema. Ob das Buch auch so wichtig ist, wie die Medien behaupten, sei erstmal dahin gestellt. Als Depressions-Patientin und Angehörige von Betroffenen unterstütze ich es sehr, dass endlich mehr über Psychische Krankheiten gesprochen wird und sie ent-stigmatisiert werden... Ob das Buch aber wirklich das erfüllt, was die Thematik erfordert... Ich bezweifle es.

Der Anfang hat mir wirklich gut gefallen, es ging viel um die Krankheit an sich, die Schwierigkeit der Diagnose und die fehlende Akzeptanz von Ärzten(!) und Angehörigen.

"Ich denke wieder einmal daran, wie schön es doch wäre, einen Hirntumor zu haben. Ich bin mir fats sicher, dass man mit Krebspatienten nicht so umgeht wie mit mir. Die haben bestimmt richtige Betreuung und Ärzte, die ihnen genau erklären, was da gerade in ihnen passiert und wie die Medikamente [...] eigentlich wirken."

Auch war es spannend, die Hintergründe zu erfahren und Einblicke in Jana Seelig's Leben zu bekommen. Und genau da setzt auch mein Kritikpunkt an. Vom Schreibstil einmal abgesehen, der sich liest, wie ein langer unzuammenhangsloser Blogeintrag, geht mir das Buch einfach nicht tief genug. Immer wenn ich dachte, jetzt geht sie ins Detail, jetzt gibt sie Statements wie damals über ihren Twitter-account, genau dann flachte das Buch ab. Eigentlich ging es um Drogen, Eltern, Verkappte Anforderungen und Berlin. Nicht um Depression. Jana Seelig erklärt, dass man Depressionen nicht erklären kann, das stimmt, aber man kann sie umschreiben, Metaphern finden, Vergleiche und so weiter. Das hätte ich mir gewünscht und vielleicht auch (fälschlicherweise) erwartet, von jemandem dessen Traum es ist "ein Buch zu schreiben; was mit Literatur zu machen"..

Für Nichtbetroffene könnte das Buch ganz schnell nach MIMIMI klingen und man bekommt tatsächlich öfter das Gefühl, dass sie einfach eine unsympathische Person ist, die sich an ihrem Vater rächen will und zu viele Drogen genommen hat. Das ärgert mich, denn statt Depression tatsächlich

Der Schreibstil war für mich auch so eine Sache, über die ich letztlich aber hinwegsehen kann. Die Bloggersprache gespickt mit plötzlichen Anflügen von ein bisschen Möchtegern-"es soll nach Literatur klingen"-Schmalz (es sind die warum auch immer in kursiv gedruckten Stellen) muss man mögen:

"Statt unsere Burgen gemeinsam zu zertrampeln, haben wir gemeinsam eine gebaut, aus den Förmchen, die Lotte schon im Kindergarten stahl - diese Burg, die steht noch bis heut und hält auch alles Kriegen stand."

Für mich war das eher nichts, aber es liest sich schnell weg und wer einen ersten Einblick in das Thema haben möchte, sollte ich vor allem die erste Hälfte des Buchen auf jeden Fall anschauen.

Für das wichtige Thema und den starken Anfang gibt es von mir noch 2,5-3 Sterne für "Minusgefühle".
Profile Image for Nicki || lostbutcute.
408 reviews24 followers
June 14, 2022
Ich habe dieses Buch vom Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür.
Ich kann gar nicht genau sagen, was ich bei diesem Buch erwartet habe. Ich hätte allerdings niemals gedacht, dass es so einschlägt wie eine Bombe.
Schon nach den ersten 30 Seiten habe ich mich einfach so verstanden gefühlt und habe so großen Dank der Autorin gegenüber empfunden, dafür dass sie dieses Buch geschrieben hat.
Jana Seelig nimmt uns mit auf eine Reise zwischen Hell und Dunkel. Sie lädt uns ein, an ihrem Leben und ihrer Geschichte teilzuhaben und klärt darüber auf, wie es ist, mit einer Depression zu leben.
Das Buch ist dabei in der Ich-Perspektive geschrieben und wird wie eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die wirklich wahr ist und die so passiert ist.
Dieses Buch ist einfach nur Wahnsinn. JEDER sollte es gelesen haben.
Egal ob Betroffener, Angehöriger oder einfach Außenstehender, der sich für das Thema interessiert, dieses Buch hat für jeden etwas zu bieten.
Ich als Betroffene, habe mich so unglaublich gut gefühlt, dieses Buch zu lesen. Ich habe mich verstanden gefühlt und es hat mir die Augen geöffnet, dass ich nicht alleine bin, dass es vielen anderen Menschen genau so geht wie mir. Das Buch hat mir geholfen und ja, ich würde sogar sagen, es hat mich ein wenig Stärker gemacht.
Ich denke, auch für Angehörige, die einen depressiv Erkrankten im Familien- oder Freundeskreis haben, ist dieses Buch eine super Antwort, auf viele Fragen. Es klärt nicht nur auf, es unterstützt auch und ich bewundere die Autorin für ihre Offenheit und Ehrlichkeit und wie sie sich mit diesem Thema an die Öffentlichkeit gewagt hat.
Eine Depression ist eine ganz normale Krankheit, wie jede andere auch und es sollte endlich darüber gesprochen werden!!!
Bitte lest dieses Buch!!!
Profile Image for Miss Bookiverse.
2,238 reviews87 followers
April 17, 2019
Seeligs Memoiren reihen sich nahtlos in die lange Liste von Büchern deutscher Jungautorinnen (Sarah Kuttner, Kathrin Weßling, Rebecca Martin) zum Thema Depressionen und Mental Health ein. Es ist verblüffend, wie sehr diese Bücher sich inhaltlich und sprachlich ähneln, von der Jugend auf dem Dorf über den Vaterkonflikt bis zu exzessivem Drogenmissbrauch. Seelig hat allerdings den Vorteil genutzt, ihre Erlebnisse ohne einen fiktiven Rahmen zu schildern und verzichtet dadurch auf künstliche Spannungsbögen, die mich z.B. bei Weßling immer extrem stören. Allerdings haben Seeligs Erfahrungen auch gar keine Dramatisierung nötig, denn die Reaktionen, die ihr entgegenschwappen, wenn sie offen über ihre Depressionen spricht, sind teilweise absolut erschreckend. Ich hoffe inständig, dass sich seit 2015 einiges an der öffentlichen Wahrnehmung verändert hat.

Genau wie ihre Schriftsellerkolleginnen hat Seelig eine aufmerksame Beobachtungsgabe und das Talent, diese schnörkellos und präzise aufs Papier zu bringen. Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin, weil die Autorin in diesem leichten Plauderton von Therapiestunden, Antidepressiva und ihrer heißgeliebten Katze erzählt. Dabei gelingt es ihr, nicht nur Gelassenheit, sondern sogar Hoffnung an den Tag zu legen. Es ist kein endloses Suhlen im schwarzen Dreck der Depression, sondern ein “‘Ich bin ja auch nicht permanent so krank, […] mir geht’s eben mal besser und mal schlechter, und gerade geht’s mir eigentlich ganz gut.’” (S. 213)

Ungelenk ist die Betonung von Seeligs Ablehnung gegenüber Sexismus, Rassismus und Homophobie. Meistens wird es nämlich einfach mit diesen Begriffen zusammengefasst anstatt konkrete Beispiele zu schildern, die für sich selbst sprechen. Im letzten Drittel schließlich verliert sich ein wenig der rote Faden. Es gibt Kapitel über Freundschaft und das Internet, die wie noch eben reingequetscht wirken, ohne schlüssigen Zusammenhang und Relevanz zum Thema. Am Ende fängt sich die Autorin jedoch wieder und bereitet dem Buch einen würdigen Abschluss.
Profile Image for Ziska Who.
83 reviews3 followers
October 25, 2016
Zum Glück hab ich es endlich gelesen. Es war wohl das beste, was mir in meiner momentanen Situation passieren konnte.
Profile Image for Nanni Epp.
225 reviews8 followers
April 25, 2016

Jana Seelig hat ihre Depression öffentlich bekanntgegeben. Ein Post bei Twitter, aus einem Impuls heraus geschrieben und veröffentlicht, als Kriegswerkzeug im Kampf für mehr Verständnis. Eine Aufforderung an ihre Mitmenschen wenigstens zu versuchen zu verstehen und nicht nur Krankheit und Betroffene in eine Schublade zu stecken.

Diesem einen folgten viele weitere Beiträge. Wurden retweetet, zitiert und kommentiert. Unter dem Hashtag #notjustsad entsteht eine ganze Bewegung. Von Depression Betroffene fühlen sich angesprochen, fühlen sich verstanden.

„Ich finde es nicht schlimm, depressiv zu sein. Also so ganz grundsätzlich, meine ich. Es gehört eben einfach zu mir, so wie meine Liebe zu Katzen und schlechter Popmusik und der Tatsache, dass ich keine Augenbrauen habe.“

In Janas Umfeld herrscht allerdings noch das gleiche Unverständnis wie seit Jahren. Es ist ein langer und harter Weg das zu ändern. Einige langjährige Beziehungen bleiben dabei auf der Strecke, doch irgendwie ist es auch befreiend, sich von den Menschen zu lösen, die sie bisher nur behindert und sich als falsche Freunde entpuppt haben. Einer von ihnen ist ihr Vater. Einer derjenigen, die sie „so festhalten und nicht von der Stelle kommen lassen.“

Den wichtigsten Schritt ist sie selbstständig und ganz allein gegangen – die Depression anzuerkennen.

Jana Seelig ist Bloggerin und freie Autorin, lebt in Berlin, hat sich mit ihrem Umzug befreit vom kleindörflichen Idyll ihres Geburtsortes, der nach außen friedlich scheint, im Inneren jedoch ganz genauso brodelt wie es vielerrorts der Fall ist.

Mit ihrem Roman „Minusgefühle“ hat sie sich den Frust um ihre Depression, die damit einhergehenden Schwierigkeiten, die der Alltag mit sich bringt und die Wut über Unverständnis von der Seele geschrieben. Klar, direkt, in eigenen Worten, die mir manchmal etwas zu derb sind, aber nun mal ganz echt Jana Seelig pur.

„Ich fühle viel mehr mit dem Körper, als mit dem Kopf. Da, wo mein Kopf nämlich dicht macht, setzt mein Körper plötzlich ein, und manchmal ist mir das zu viel, und ich muss mich zurückziehen, weil ich mit alldem nicht klarkomme. Das sind die Momente, in denen ich fühlen kann, dass ich wirklich lebe, und nicht nur in dem Gefühl der Gefühllosigkeit versinke – und so beängstigend sie sein können, so schön sind sie auch.“

Ich hoffe, dass „Minusgefühle“ viele Leser findet, denn ich glaube, dass es ein realistisches Bild von Depressionen zeichnet. Wie schwer es ist den Alltag zu bewältigen. Die von der Gefühllosigkeit ausgelöste Starre. Die damit einhergehende Vereinsamung. Für viele Betroffene ist es ein Sprachrohr, das ganz bestimmt dabei hilft Verständnis zu wecken bei all denen, die bisher ein falsches Bild der Krankheit Depression hatten.
Profile Image for Amerdale.
162 reviews38 followers
August 22, 2016
Janas Buch ist eine Biografie und es ist die Beschreibung einer Krankheit und gleichzeitig doch so viel mehr. Aber vor allem ist es eins: direkt und kompromisslos. Jana nennt die Dinge bei ihrem Namen, und das lässt das Buch so herrlich frisch und ungezwungen wirken. Und es ist so unheimlich persönlich, teilweise muss es, vermute ich, doch schwergefallen sein manches zu erzählen und damit so viel von sich und seinem Leben für prinzipiell jeden freizugeben. Aber es ist ein sehr beeindruckendes Buch. Ich hab es inzwischen schon vor über eine Woche ausgelesen und denke seitdem immer mal wieder darüber nach. Und trotzdem fällt es mir schwer meine Meinung in Worte zu fassen.

Manche Passagen treffen so genau auf mein Leben zu, dass es beim Lesen fast wie ein Schlag ins Gesicht war und ich Pausen einlegen musste, weil es sich so verdammt vertraut und bekannt angefühlt hat. Und es war eine neue Erkenntnis, dass es nicht nur mir so geht. Ich mein, klar irgendwie war mir das schon etwas bewusst, aber es zu lesen, war doch anders.

Aber auch wenn die Depression natürlich eine wichtige Rolle spielt, so geht es in dem Buch weniger um die Krankheit selbst. Man erfährt so gut wie keine Informationen darüber, was die Ursachen von Depressionen sind und dergleichen. Dagegen geht es in dem Buch vielmehr um das Leben mit einer Depression. Zuerst unbehandelt und später mit Therapie und Medikamention. Und genau diesen Aspekt des Buches – wie wirkt sich eine Depression auf ganz alltägliches aus – hat mir so sehr an dem Buch gefallen.

Dagegen war ich teilweise doch etwas erschüttert, wie sehr die Nebenwirkungen der Depressionsmedikamente teilweise auf die leichte Schulter genommen werden. Es gibt eine Passage, in der ein Arzt bei ihr einen zu langsamen, manchmal aussetzenden Herzschlag feststellt. Aber zu dem Kontrolltermin deswegen geht sie nicht hin, aus Angst das Medikament müsse neu eingestellt werden. Und diese Haltung kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Was ich auch bei dem Buch doch etwas vermisst habe, ist ein kleiner Anhang mit ein paar erste Anlaufstellen für (mögliche) Betroffene und Angehörige um weitere Informationen und/oder Gesprächspartner zu finden. Klar, lässt sich das auch alles im Internet finden, aber es hätte das Buch für mich sozusagen abgerundet.

Minusgefühle mag nicht das beste Buch sein, dass ich dieses Jahr gelesen habe, aber es ist ganz klar eines der wenigen Bücher, mit deren Inhalt ich mich auch noch in Monaten gedanklich auseinandersetzen werde.
Profile Image for Sina.
70 reviews
Read
January 4, 2016
Inhalt:
Jana Seelig hat im Netz herausgebrüllt, was es heißt, depressiv zu sein, und ist damit zu einer starken Stimme vieler Betroffener geworden. In »Minusgefühle« beschreibt sie ihre Niederlagen, ihre Chancen, ihre Traurigkeit und ihren ständigen Kampf gegen die Krankheit. Sie erzählt, was man fühlt, wenn man nichts fühlt. Davon, wie es ist, wenn man alles Mögliche versucht, um überhaupt etwas fühlen zu können: Alkohol, Sex, Drogen ― der Versuch, so viel es geht zu leben, kostet sie genau so viel Kraft wie die vielen Erklärungen für Nichtbetroffene. Sprachmächtig und kompromisslos schreibt sie über die Depression, die ein Teil ihres Lebens ist ― aber ihr Leben nicht mehr bestimmt.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eine Autobiografie, weshalb mir die Bewertung wirklich sehr schwerfällt. Nichts desto trotz kann ich für dieses Buch nur eine 100%-ige Kaufempfehlung aussprechen.
Jana Seelig spricht in diesem Buch aus, was viele nicht ernst nehmen wollen. Depression ist keine 'Sache', die nach ein paar Wochen von alleine wieder weggeht. Depressionen sind eine Krankheit, die einen nach unten in ein tiefes Loch zieht aus der man nicht mehr alleine rauskommt und man jemand haben muss, der einen unterstützt. Jana Seelig erzählt in diesem Buch, wie sich die Menschen ihr gegenüber verhalten haben, nachdem sie erfahren haben, dass Jana Depressionen hat. Genau dieses Verhalten hat mich so nachdenklich gestimmt, im Bezug darauf, wie die Menschen über Depressionen denken. Viele Leute in Janas Umfeld hat es kaum interessiert und sie haben Jana immer nur gesagt, dass sie nicht mehr rumheulen soll, sondern einfach wieder 'aufstehen' soll. Leider hat einem Jana Seelig in diesem Buch auch gezeigt, was die Folgen ihrer Depression waren. Sie hat durch diese Depression Sachen gemacht, die sie sonst wohl nicht gemacht, wie zb. Ritzen oder BDSM.
Dieses Buch öffnet einem die Augen über das Thema Depressionen, es zeigt einem, wie es den Betroffenen geht und wie man den Betroffenen vielleicht helfen kann und so wie man sich auf keinen Fall verhalten sollte.

Fazit:
Ein Buch, dass jeder einmal gelesen haben sollte und das einen über das eigene Leben nachdenken lässt. Ich bewundere Jana Seelig wirklich nur und ich bin froh, dass sie uns an ihrer Geschichte teilhaben lassen hat.
Profile Image for Anyah Maria.
467 reviews8 followers
November 8, 2016
In ihrem Buch „Minusgefühle“ erzählt die Autorin Jana Seelig ihren Weg mit der Depression zu leben. Sie beginnt damit zu versuchen zu beschreiben, warum sie vor Jahren mit Twitter den Weg in die Öffentlichkeit suchte, um über ihre Erkrankung zu sprechen. Was mit einer Diskussion zwischen ihr und ihrem damaligen Freund begann, nahm quasi über Nacht immense Ausmaße an. Der Hashtagg #notjustsad wird noch immer ausgiebig genutzt und ist für viele eine erste Anlaufstelle.

Jana Seelig berichtet über erste nicht zuzuordnende Symptome, über Zusammenbrüche, letztendlich der Diagnose selbst und ihren Umgang mit der Erkrankung Depression. Aber sie berichtet auch von Reaktionen der Ärzte bis zu nicht immer positiven Stellungnahmen von ihr nahestehenden Personen wie Freunden und Verwandten. Mit dem Erkennen, wer zu ihr hält und wer nicht, hat sie sich letztendlich auch von „Nichtfreunden“ befreien müssen. Wobei eine Veränderung jeglicher Art gerade bei depressiven Menschen nicht einfach ist. Die Autorin schreibt über Behandlungswege, die sie für sich gewählt hat. Sie schreibt außerdem über Minusgefühle, die trotz dem Wissen um die Diagnose und der Einnahme von Medikamenten nicht einfach verschwinden, sondern weiterhin zum Alltag eines Erkrankten gehören, mal mehr und mal weniger.

Das Buch lässt sich hervorragend lesen, da Jana Seelig mit einer gewissen Spur Humor und Ironie schreibt, sofern es das schwierige Thema denn zulässt. Ich als selbst Betroffene habe auch für mich selbst wieder einmal neue Erkenntnisse aus den Schilderungen ziehen können, nämlich, dass ich anscheinend schon viel länger an der Krankheit leide als bisher angenommen. Demnach begann die Depression bei mir bereits im Teenageralter erste Symptome zu zeigen.

Ein wichtiges Buch, dem ich natürlich fünf von fünf möglichen Sternen vergebe und das ich absolut weiter empfehle, an interessierte Leser, aber auch an Betroffene und Angehörige, nicht als Therapieversuch, jedoch zur Hilfe des Verstehens einer schwierigen Erkrankung, die noch immer einen negativen Touch in unserer Gesellschaft verbreitet.
Profile Image for unantastbar.
74 reviews3 followers
March 10, 2016
Minusgefühle hat mich wieder reingeholt. Reingeholt ins Lesevergnügen. Wobei das Buch natürlich kein Vergnügen ist, aber es befasst sich mit einem Thema, mit dem ich mich selbst befasse. Despressionen. Und was die mit einem machen. Das viele Menschen nicht einmal wissen, dass sie Depressionen haben, dass Depressionen nicht als Krankheit anerkannt werden. Von der Gesellschaft. Jana Seelig beschreibt hautnah, wie es sich anfühlt mit einer Depression zu leben. In guten wie in schlechten Zeiten. Sie beschreibt ihr Leben und wie sie es bisher erlebt hat. Wann sie erfahren und auch eingesehen hat, dass sie unter Depressionen leidet. Und dann hat sie es ins Internet geschrien und hat dafür so viel Feedback bekommen, dass hätte sie selbst am wenigsten gedacht. Jana Seelig ist ehrlich und schonungslos und macht greifbarer was für viele nicht greifbar ist. Ich habe durch dieses Buch sehr viel über mich selbst gelernt und über Depressionen und auch habe ich gelernt, dass man nicht alles über Depressionen lernen kann. Denn wie mit so vielem, ist es auch mit Depressionen so, dass sie jeder anders erlebt. Deswegen ist es auch keine Anleitung dazu, wie man besser mit Depressionen klar kommt, sondern einfach ein richtig gutes Buch, durch das man sich eventuell weniger allein fühlt.
Profile Image for Amanda.
71 reviews1 follower
February 18, 2016
Ich glaube, ich war mein ganzes Leben schon depressiv. Mal mehr mal weniger. Diagnostiziert wurde es mit 20 zu ersten Mal und seitdem zogen sich depressive (tiefst) Phasen wie ein roter Faden durch mein Leben. Mit Minusgefühle hat Jana Seelig etwas geschafft, was sonst kein Autor vorher geschafft hat: ich habe Eselsohren in Buchseiten gemacht, um nicht zu vergessen, welche ihrer Aussagen gerade wieder ins Schwarze trifft. Viele von dem, was sie in ihrer depressiven Phase beschreibt bzw die unterschiedlichen Reaktionen auf ihre Diagnose habe ich auch erlebt bzw erlebe sie noch immer. Neben der Tatsache das Jana ziemlich gut schreiben kann, kann sie auch gut nichtdepressiven zeigen, wie sich eine Depression anfühlen kann. Sie ist nicht bei jedem so, da jeder Menschen in Individuum ist und auch als solches anerkannt werden sollte, dennoch gibt es Berührungspunkte und Schemata die sich ähneln. Ich kann Minusgefühle nur jedem ans Herz legen, der sich genauer mit dem Thema auseinander setzen möchte.
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