Ein Schriftsteller und eine Fotografin tun sich zusammen. Die Fotografin macht jeden Tag ein Foto. Egal von was, egal von wem, egal wo. Bis Mitternacht hat der Schriftsteller dann Zeit, einen Text zu dem Foto zu schreiben und damit den Tag einzufangen. Ein ganzes Jahr lang.
Die Fotos sind Portraits, Stillleben, Landschafts- und Momentaufnahmen, die sich in Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten verwandeln. Sie sind eine Reise zu Fuß, mit dem Auto und dem Motorrad. Es geht in die Nachbarschaft und nach Berlin, aber auch quer durch Deutschland. Klar, direkt und in Schwarz-Weiß haben die Fotografin und der Schriftsteller die Zeit in Augenblicken festgehalten. Entstanden ist ein Dialog zwischen zwei Menschen, zwischen Wort und Bild. Der erste Teil dieses Projekts liegt nun als Buch vor. Ein Gedichtband, ein Tagebuch und die Einladung auf eine Reise mit den beiden durch den Sommer.
Zoran Drvenkar was born in Križevci in Croatia in 1967 and moved to Berlin with his parents at the age of three. He has been a writer since 1989, and his novels, poems, plays and short stories have won him numerous awards and prizes. Zoran Drvenkar currently still lives in Berlin.
In 2004 he wrote the childrens book Die Kurzhosengang under the pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois.
Ein unglaublich tolles Buch mit vielen wunderschönen Gedichten, von denen manche mir persönlich direkt aus dem Herzen gesprochen haben. Ganz, ganz toll. In Kombination mit tollen Fotografien von einer Fotografin namens Corinna bestückt. Die Geschichte hinter dem Buch ist besonders toll, denn die Fotografin hat dem Autoren ein Jahr lang jeden Tag ein Foto geschickt, dass sie an dem jeweiligen Tag geschossen hat und er musste bis Mitternacht dazu ein Gedicht schreiben. Bei diesem Projekt sind vier Bücher entstanden, die nach Jahreszeiten eingeteilt wurden. Dieses hier startet im Sommer. Leider wurden die anderen drei Bücher bisher nicht verlegt, was mich unglaublich traurig macht, denn ich hätte sie mir womöglich alle geholt. Auch für Nicht-Lyrikfans kann ich dieses Buch sehr empfehlen, da es wirklich nichts mit klassischen Gedichten zu tun hat. Der Autor schafft hier mit Worten etwas ganz Eigenes und Wunderbares und es sind wirklich kleine Geschichten. Ich habe dieses Buch an zwei Tagen durchgelesen, obwohl ich selbst kein großer Gedichtefan bin. Aber das hier hat mich wirklich begeistert. Ein ganz tolles Werk, das mal wieder zeigt, wie viel man aus Worten eigentlich machen kann und dass man manchmal gar nicht viele davon braucht, um ganz Großes auszudrücken! (:
Ich bin seit jeher ein großer Fan von Gedichten und habe besonders in den vergangenen Jahren so manchen Gedichtband gelesen. Ich bin durch Zufall auf diesen wundervollen Gedicht- und Bildband gestoßen und wusste sofort, dass es sich hierbei um etwas ganz besonderes handelt. Besonders gut gefällt mir das Konzept, durch das diese wundervollen Fotos und Gedichte entstanden sind: Eine Fotografin schießt jeden Tag ein Foto von einem Motiv ihrer Wahl und schickt es einem Autor, der dann bis Mitternacht des selbigen Tages Zeit hat ein Gedicht zum Foto zu verfassen. Manchmal spinnen diese Gedichte eine eigene Geschichte rund um das Foto und manchmal sind sie eine detaillierte Beschreibung dieser wundervollen Momentaufnahme. Dabei sind wundervolle Gedichte entstanden, die berühren und zum Nachdenken anregen. Gedichte, die nur so vor Gefühlen überlaufen und dennoch manchmal ganz simpel daherkommen. Die Fotos selbst sind wunderschöne Momentaufnahmen, die voller Bildgewalt stecken und deren Wirkung sich durch die dazugehörigen Gedichte perfektioniert. Dieses Buch ist so echt, wie das Leben selbst und man muss es erleben, um meine Begeisterung dafür nachvollziehen zu können.
Mein Fazit "Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln" von Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg wird nicht nur für Fotografie- und Gedichtliebhaber begeistern, sondern alle, die sich darauf einlassen. Diese Komposition aus Bild und Text ist wahrlich das Beste, was ich jemals zwischen zwei Buchdeckeln entdecken durfte. Sie ist echt, intensiv, manchmal traurig und dann wieder wunderschön. Diese Komposition ist wie das Leben selbst.
Ein Jahr lang pro Tag ein Bild und am selben Tag ein Gedicht dazu - das war die kreative Vorgabe für dieses Buch, das allerdings vorerst einmal nur den Sommer und Frühherbst abdeckt, weitere Bände werden wohl noch folgen.
Die Bilder sind schwarz-weiß, teils sehr spezielle Aufnahmen, die viel Spielraum lassen für die lyrische Ebene - aber leider nur teils. Manche Aufnahmen erscheinen sehr beliebig und leider auch ein bisschen uninspiriert. Nicht jeder Tag lieferte offensichtlich gleich gutes Material...
Dasselbe gilt für die Gedichte. Leider merkt man manchen von ihnen an, dass sie in Eile zu einem Bild passend verfasst werden mussten (wenn z.B. in einer Zeile eines Liebesgedichts plötzlich ein Stier auftaucht, völlig unmotiviert und wohl nur, weil auf dem Bild dazu die Statue eines Stiers abgelichtet wurde!). Auch hier lieferte offenbar nicht jeder Tag gleich gutes Material...
Drvenkars Lyrik finde ich da am schönsten, wo sie kurz und schlicht ist und in einfachen Worten das Potential eines Bildes unterstreicht, dem Bild auch oft noch eine weitere Ebene öffnet. Zwei der Texte sind auch eher Kürzestprosa denn Lyrik, aber hier spielt Drvenkar seine Stärke aus: Gerade diese Vignetten sind nämlich besonders gut gelungen und stimmungsvoll. Es hat wohl einen Grund, warum der Mann nicht für seine Lyrik, sondern für seine Romane bekannt ist - er ist einfach ein fabelhafter Erzähler!
Dieses Jahr möchte ich jeden Tag mindestens ein Gedicht lesen. Mit dieser Sammlung fange ich an und finde, dass mein Vorhaben sehr gut zum Konzept dieses Buches passt: Jeden Tag für ein Jahr wurde ein Gedicht von Zoran Drvenkar passend zu einer Fotografie von Corinna Bernburg verfasst. Eine ziemlich coole Idee!