Wir befinden uns in Nordelta, einer Gated Community im Norden von Buenos Aires. Dieser Ort existiert im Übrigen tatsächlich. Es herrscht dort ständig eine extreme Hitze, die Menschen leben in ordentlichen Reihen aufgestellten klimatisierten Häusern und alle haben einen Pool. Das Leben unterliegt strengen Richtlinien, von Tempolimit bis hin zu welchen Pflanzen im Garten gezüchtet werden dürfen. Natürlich beobachten sich die Nachbarn und melden pflichtbewusst jedes Verhalten außerhalb der Normen.
Der Leser bewegt sich in dieser Umgebung mit der Familie von Pelusa und Hector.
Pelusa ist 41 Jahre alt, hat zwei Söhne, Henny und Ignacio, wobei sie Henny mit in die Ehe gebracht hat. Sie hat Hector vor 13 Jahren kennen gelernt, bei einem Vorfall mit einer Dogge in einer Bank. Sie fühlt sich nicht wirklich wohl in Nordelta, hat z. B. Angst dass sie am bewachten Eingang abgelehnt werden könnte. Sie scheint unter Depressionen zu leiden und kann keinen Spaß an ihrem Leben und ihren Aktivitäten finden.
Hector arbeitet in der Stadt und verlässt seine sichere Umgebung somit täglich. Einmal hat die Familie in der Stadt gewohnt, daran möchte sich aber niemand mehr erinnern.
Hector hat Angstattacken, bereitet sich mental und real auf ein Leben nach einer Katastrophe vor und verbreitet damit eine ständig düstere Atmosphäre für sich und seine Familie. Hectors Freund Alvaro hat diese Einstellung wohl mit zu verantworten und treibt sie stetig voran. Doch selbst ein simpler Feueralarm übersteigt seine Möglichkeiten.
Ignacio, der gemeinsame Sohn, ist 11 Jahre alt und scheint das am meisten angepasste Familienmitglied zu sein.
Henny ist das störende Element der Familie. Er will sich partout nicht an das geregelte Leben anpassen, er wandelt nachts bewaffnet durch die Nachbarschaft, brütet böse Jungenstreiche aus, macht abscheuliche Dinge mit Tieren und fällt immer wieder so extrem auf, dass die Familie befürchten muss, wegen ihm aus der Community verwiesen zu werden.
Henny ist der Sohn, den Pelusa mit einem mysteriösen Ich-Erzähler hat. Dieser Ich-Erzähler hat mit ihr 8 Jahre in einer selbst gebauten Waldhütte in den Anden gelebt, nachdem er mit der damals schwangeren Pelusa die Zivilisation hinter sich gelassen hatte. Pelusas erster Sohn kam bei einem Angriff eines wilden Hundes ums Leben, sie selbst hat dabei ihren Daumen verloren. Der Ich-Erzähler berichtet in Nebensätzen emotionslos von diesen Ereignissen. Überhaupt scheint er mehr als gefühlskalt, kann jedoch nicht ertragen, dass Pelusa nach dieser Tragödie wochenlang weint und mischt ihr deshalb blaue Tabletten heimlich in ihre Essen. Diese helfen ihr zwar aus der Depression, doch als sie diese in ihrem Essen entdeckt, verlässt sie den Ich-Erzähler sofort, hochschwanger mit Henny. Wahrscheinlich sind diese Medikamente für Hennys körperliche Missbildungen verantwortlich, ihm fehlt ein Auge und ein Arm ist verkrüppelt, sein Knie ist nach innen gedreht. Ich denke, dass auch sein Verhalten vom Medikamentenmissbrauch seiner Mutter gefärbt ist. Seine Erziehung hat sie jedenfalls schon vor Jahren aufgegeben und denkt ihn sich besser als er ist.
In der Handlung der Geschichte entwickeln sich zwei Stränge, die verschieden auf die äußeren Umstände reagieren. Immer wieder gibt es Berichte von Randalen, Schießereien, von Einbrüchen, die sich scheinbar der abgesicherten Community nähern. Die Angaben bleiben jedoch unkonkret und man darf ihren Wahrheitsgehalt anzweifeln.
Während Pelusa mit ihrer älteren Schwester Sara an der Eröffnung eines christlichen Gemeindezentrums im Namen von Joyce Meyer, die auch tatsächlich existiert, arbeitet, an Frieden glaubt und für diesen betet, bunkert Hector Vorräte und Notstandsutensilien, sein Freund Alvaro geht sogar noch weiter und hat außerhalb einen Bunker gebaut, und Henny träumt davon, in seiner Werkstatt ein Raumschiff zu bauen. Parallel dazu beleuchtet der Ich-Erzähler die Hintergründe aus Pelusas Leben und den Aufenthalt in dieser abgelegenen Gegend in den Anden, in der er mit einem ebenso mysteriösen Gast, dem Trappist, zurück geblieben ist. Er erzählt von seinem toten Nachbarn, dem Kanadier und seiner Frau, von seinem undefinierbaren Freund Werner, von einem toten Hund in seinem Garten, merkwürdigen Besuchern… Wie viel davon ist Halluzination?
Pelusas Einstellung zu den Nachrichten in Nordelta ist wesentlich distanzierter, sie lässt sich nicht aufhetzen, zeigt sogar Verständnis für die Menschen aus ärmeren Vierteln und positioniert sich gegen ihren Mann. Hectors unkontrollierbare Angst vor einer Katastrophe und seine entsprechenden höchst übertriebenen Vorbereitungen ufern aus und führen dazu, dass Pelusa auch ihn verlässt. Als die Situation in Nordelta zu eskalieren scheint, Bäume falsch herum eingepflanzt werden, Garagen mit Erde gefüllt werden, es in der Nacht an Haustüren klingelt, Alvaro seine Sachen packt und in den Bunker auszieht, brennt bei Hector eine Sicherung durch und er beginnt, den Pool als strategischen Rückzugsort umzufunktionieren.
Pelusa zieht mit ihren Söhnen zu ihrer Schwester. Henny verschwindet in einer Nacht von dort und schlägt sich stundenlang in einer scheinbar von Rebellen besetzten Zone durch. Was aus Pelusa, ihrer Schwester und Ignacio wird, wissen wir nicht.
Glauben wir Hectors Untergangsszenarien, müssen sie bei den Aufständen umgekommen sein. Hector hingegen hat sich im umfunktionierten Pool verschanzt und beobachtet von dort misstrauisch die Vorgänge in seiner Nachbarschaft. Auch wenn es für den Leser wie ein normal ablaufendes Leben aussieht, ist Hector davon überzeugt, nur von Kriminellen und Räubern umgeben zu sein.
Der Roman endet mit den beiden Männern, dem Ich-Erzähler und Hector, die in ihrer unfassbaren Übertreibung ihrer Eigenarten Pelusas Leben bestimmt haben und beide bis zum Ende der Meinung, richtig und gut gehandelt zu haben.
Dieser Roman soll in der Zukunft spielen, aber zumindest mir erscheinen viele der beschriebenen Umstände nicht zu arg futuristisch.
Es werden die Folgen eines Lebens in einer abgeschotteten und durchorganisierten Gesellschaftsstruktur beschrieben, die die Menschen in permanenten Angstzuständen halten, ob berechtigt oder nicht interessiert nur wenige zu hinterfragen. Die Menschen, die Situationen wirken übertrieben, abstrus, und doch gefährlich realitätsnah. Weit sind wir davon nicht entfernt…