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1999 Meter über dem Meer

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Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job.

Samara weiß, was sie alles nicht mehr will. Aber was sie will, das weiß Samara nicht, und sie weiß noch nicht einmal, ob das schlecht ist. Jetzt hat sie knall-orange gefärbte Haare, einen schönen alten Wagen und an jedem Ort, an dem sie ankommt, einen neuen Namen. Und aufwärts soll es gehen, also richtig nach oben, nach St. Moritz in den Schweizer Hochalpen. Da kommt ein schöner Mann her, den Samara mal kennengelernt hat. Überhaupt gibt es viele schöne und reiche Menschen in St. Moritz, sehr reiche Menschen – mittendrin Samara, die jetzt nicht mehr Samara heißt. Und keine Hochstaplerin ist, sondern erfolgreiche Künstlerin.

Aber je besser es läuft für die Frau mit den vielen Identitäten, desto deutlicher merkt Samara, dass ihr noch mehr fehlt als schrankenlose Freiheit ....

368 pages, Hardcover

Published August 28, 2026

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About the author

Caroline Wahl

6 books1,414 followers
Caroline Wahl (born 1995 in Mainz) is a German author. Her debut novel, 22 Bahnen, was published in April 2023 by DuMont Buchverlag. After her school days, she studied German studies and German literature in Tübingen and Berlin. After that and among other things, she worked as a publishing assistant of the Diogenes Verlag in Zürich. Her love of the sea led her to Northern Germany in 2022 where she worked for a communications agency in Rostock. Since the success of her debut novel, she lives as an independent author in the Hansestadt.

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1 star
15 (2%)
Displaying 1 - 30 of 89 reviews
Profile Image for Marlene Stein.
52 reviews18 followers
Read
September 6, 2026
3.5*

Je näher der Tag der Veröffentlichung rückte, desto mehr habe ich mich darauf gefreut, fast wie Weihnachten Ende August. Ich habe der Buchhändlerin das druckfrische lila-gelbe Buch förmlich aus der Hand gerissen, fand den Einband schrecklich, habe es im Auto neben mich gelegt und noch bevor ich zuhause angekommen war, ist mir der schreckliche Einband ans Herz gewachsen. Schließlich ist er themengetreu angelehnt an ein Plakat für die St Moritzer Automobilwoche 1930 und sieht ansonsten so aus, als hätte Regina Kehn ihn gemalt, und sie hat meine halbe literarische Kindheit illustriert, also natürlich wächst mir der schreckliche Einband ans Herz.

Es wurde sich ins Buch gestürzt, herausgefunden, das Samara Samara ist, Idas Freundin – wie konnte mir das vorher nicht auffallen? – und dann kam ganz viel, was ich in Büchern überhaupt nicht mag, aber bei Caro Wahl natürlich trotzdem nicht schlimm finde, weil, ja, warum eigentlich? Irgendwie kriegt sie mich einfach trotzdem. Markennennung, Fernsehsendungsnennung, Liedertitelnennung, Erwähnung echter Personen des öffentlichen Lebens (ab jetzt wohl zwengs Trennung leider keine inspirierenden Videos von Maschmeyer und Ferres in ihrem Garten mehr, schade), Erwähnung von Instagram und Beschreibung echter Influencer*innen, Nacherzählungen der Plots schlechter Bücher, etc etc.
Als Zielgruppe von Caro Wahls Büchern kann ich die beschrieben Lauffluencerinnen sofort namentlich benennen und jede Referenz exakt einordnen, all das macht das Buch brandaktuell und holt mich ab. Aber die Brandaktualität ist so atomschmelzeheiß aktuell, dass ich befürchte, das Buch wird schon in ein paar wenigen Jahren in vielen Details sehr veraltet und überholt sein, in all diesen Details kaum mehr jemanden abholen und nicht mehr so funktionieren, wie es jetzt funktioniert. Nicht jedes Buch muss zeitlos daherkommen und für die Ewigkeit geschrieben sein, aber beim Lesen drängt sich trotzdem der Gedanke auf, dass das Ganze dadurch an akuter Kurzlebigkeit zu leiden droht.

Über ein paar Logikfehler stolpert man als mitdenkende*r Leser*in im Übrigen auch, wie beispielsweise über frisurtechnische Ungereimtheiten, das stundenlang ungekühlt herumgetragene Steak (Luca hat Samara also wahrscheinlich sogar einen Dienst erwiesen) oder die magischerweise verschickten Nachrichten bei Ankunft in St. Moritz trotz ausgeschalteter mobiler Daten. Überhaupt, dass Samara mit dem am Vortag geprellten Fuß, der laut Arzt des Vertrauens ein paar Tage zur Auskurierung braucht, aus dem Allgäu in die Schweiz fahren konnte, ist erstaunlich. Vielleicht war es ja der linke Fuß? Der Kellner in St. Moritz, der mit den Berghöhen, die uneinheitlich einmal als Zahl und dann ausgeschrieben abgedruckt sind, soll ihr eine Karte bringen, obwohl sie auf der Seite davor schon eine Karte samt berghoher Preise an Tisch inspiziert hat. In St. Moritz mag sie keinen Weißwein, trank im Allgäu aber Weißweinschorle. Das wirft die unangenehme Frage auf, ob das Lektorat auch zwei Wochen krank geschrieben war und Abstand gebraucht hat, man akzeptiere es bitte?
Kein Logikfehler, aber lustig, weil nicht eindeutig ob gewollt oder Zufall: das schreckliche Lila des Einbands ist exakt das Lila von Qatar Airways, das Samara schrecklich findet.

Apropos Samara, die als Figur seltsam blass geblieben ist, trotz neuer knalliger Frisur, Schnitt unklar. Sie wirkte eher wie eine rasch gespannte Leinwand für Caro Wahls eigene Beobachtungen und Gedanken. Auffallend viel von dem, was die öffentliche Persona Caro Wahl ausmacht, das schnelle, schlechte Autofahren, die Liebe zu fragwürdigen Getränken, das Rauchen, findet sich in Samara wieder, und so fühlt es sich häufig an, als wäre man mit Caro Wahl und nicht mit Samara unterwegs. Zumindest mit der Idee von Caro Wahl, die man hat und haben kann, wenn man irgendwann mal ein Interview mit ihr gelesen oder gehört hat und ein oder zwei Mal einen Blick auf ihren Instagram Account geworfen hat. Vielleicht ist das gewollt, um der Leser*innenschaft zu zeigen, wie schnell man sich im Generellen oder im Speziellen dazu verleiten lässt, Werk und Autor*in nicht mehr angemessen zu trennen, und in diesem Fall macht Caro Wahl das brilliant. Aber vielleicht ist das auch nicht gewollt, und Samara ist einfach eine zu uneigenständige, zu wenig ausgearbeitete Figur, die hinter der bunt leuchtenden Person der Autorin verblasst und als Projektionsfläche und Sprachrohr herhält. Die Stimmen von Samara und Caro Wahl verschwimmen beim Lesen und sind schwer, eigentlich kaum, voneinander zu trennen.

Ansonsten wimmelt es von gut aussehenden, wunderschönen und halbgottartigen Männern, was schön ist. Auch schön ist, dass Samara in St Moritz endlich verstanden wird, und anders als auf Bali überall eisgekühlten Kakao serviert bekommt. Müllermilch und eisgekühlter Kakao als Zeichen dafür, dass man an einen Ort gehört, auch wenn man permanent über die eigene Identität lügt, dass sich die Balken biegen - prima!

So wie Samara über die Autobahn und die Lebensgeschichten braust, bin ich durch die Geschichte gebraust. Und es gab natürlich auch Dinge, die ganz grandios waren, wie vor allem die charmanten, unrealistischen Dialoge.

Aber so angenehm und erfreulich durch Seiten fliegen ist, und so gut unterhalten ich war, ein bisschen an richtigem Plot, an Grund für die ganze Geschichte, hat es mir doch gemangelt. Denn das Buch übt Gesellschaftskritik an den Reichen in St. Moritz, an der Influencer- und Influencer-Vermarktungs- und Influencer-Followerschafts-Gesellschaft, und es übt sie gut. Die Gespräche mit L'Orèal oder dem Dadfluencer sind zum Buch oder doch lieber Handy aus dem Fenster werfen. Aber sich an der woken oder wahlweise (pun intended) nicht-woken superreichen Gesellschaft abzuarbeiten ist zu aktuell, zu modern, viel zu einfach, um wirklich relevant zu sein, um zu überzeugen. Und was das Buch nicht beinhaltet, was ich dringend wollte, dass es beinhaltet, ist ein etwas tiefgründigerer, herzzerreißender Schmerz wie in 22 Bahnen oder Windstärke 17. Gesellschaftskritik schön und gut, weil gut gemacht, aber ich lese Caro Wahl Bücher nicht hauptsächlich deshalb, sondern weil sie Schmerz und Trauer und Wut so klar und ehrlich beschreiben kann, und trotz all dieser Schrecken die Welt mit Schwesternschaft und Viktors und Mariannes so warm ausleuchtet, dass sie trotzdem schön ist, die Welt.
1999 Meter hatte aber keinen tiefgründigeren, herzzerreißenden Schmerz. Ein bisschen dunkle Wolken, ein bisschen Erwähnung des Wortes Einsamkeit hier und da, das wars. Selbst die Liebesgeschichte ist dieses Mal nur wie Brandenburg: auch nett.

Mein Herz sitzt hier gut unterhalten, aber unzerrissen.
Vielleicht muss ich Erwartungsmanagement betreiben, mir beim nächsten Buch nicht so viel erhoffen, oder eben nur Gesellschaftskritisches. Aber ich hoffe, dass jemand, der so wunderbar Herzzerreißendes und trotzdem Welt warm Ausleuchtendes schreiben kann, das auch wieder tun wird. Selbst wenn es länger als ein Jahr zum Schreiben benötigt und von vornherein absolut buchpreisunwürdig erscheint.
Profile Image for Ricarda.
630 reviews540 followers
September 6, 2026
Was für eine sonderbare Mischung aus Gedanken, die exakt so aus meinem eigenen Kopf stammen könnten, und Situationen, die mir (oder sonst irgendjemanden) absolut niemals je passieren würden. Für mich sehr unterhaltsam. Allerdings hat das Buch auch fast meine typischen Laktosebauchschmerzen ausgelöst mit den ganzen Milchgetränken, die hier permanent getrunken werden.
Profile Image for Rosa.
89 reviews25 followers
August 31, 2026
Als Kind wurde mir von meinen Eltern immer verboten, das Wort "schön" zu verwenden - da sie der Meinung waren, dass es im Grunde nichts ausdrückt, und dass ich mit ein wenig Überlegung immer einer Alternative habhaft werden kann, die den Bedeutungsgehalt meiner Aussage anhebt.

Caro Wahl liebt das Wort "schön" und verwendet es mit einer inflationären Lust, die mir bewusstmacht, dass es überhaupt keine schwachen oder bedeutungslosen Wörter gibt. Allgemein bin ich der Meinung, dass - trotz allem, was man so über Caro sagen kann - ihre Stimme doch möglicherweise beginnt, zur Stimme einer Generation zu werden. Sie besitzt so einen tief eigenwilligen, aberwitzigen Duktus, der es einem nur so leicht macht, blitzschnell durch die Seiten zu fliegen. Der Nachteil an ihrer sehr charakteristischen Erzählweise ist, dass all ihre Erzählerstimmen ein wenig ineinanderlaufen, und dass ich tatsächlich Schwierigkeiten hatte, vor allem Ida und Samara rotzige Art erzähltechnisch voneinander zu unterscheiden.

Allgemein hatte ich beim Lesen dieses Buchs manchmal das Gefühl, dass Caro selbst beinahe aus Versehen wieder in alte Tropes hineinrutscht, ehe sie sich kurz danach darauf besinnt, dass sie das eigentlich alles schon einmal ausprobiert hat. Gertrude ist zuerst einfach nur eine Allgäu-Marianne, und es scheint beinahe so, als könnte man Caros Gedanken von "ah, shit, das habe ich schon mal gebracht" quasi in der Metanarrative durchschimmern sehen, ehe sie umschwenkt und Gertrude dann doch unangenehm(er) macht - weil natürlich niemand an Marianne herankommt. Oder als Samara im Regen so unglaublich durchnässt wird, dass sie sich beinahe eine Erkältung holt - diese aber dann in letzter Sekunde abgeflacht wird, weil man sonst riskieren würde, nur als müder Abklatsch von Tildas schlimmem Fieberwahn zu enden.

Ich will damit nicht andeuten, dass Caro jetzt beim vierten Buch ideenlos ist - das glaube ich keinesfalls – nur manchmal frage ich mich, ob da nicht doch ihre liebsten Tropes jetzt bei Buch vier so durchscheinen, dass man langsam unmissverständlich versteht, was Caro gerne schreibt.

Ich habe im Vorfeld immer wieder Vergleiche mit Krachts "Faserland" gelesen - und als große Liebhaberin der deutschen Popliteratur würde ich diesem Vergleich vielleicht sogar stattgeben: genauso wie bei Kracht andauernd über Marken gesprochen und Drogen genommen und herumgereist wird, genauso passiert das hier auch in 1999 Meter über dem Meer. Nur eben fast dreißig Jahre später. Das ist interessant - und ich finde, dass Caro Wahl Christian Kracht um Nichts nachsteht. Sie hat eine kristallklare Stimme, einen sehr bösen Witz, ein vergleichsloses Talent den Duktus gewisser Gruppen, die sie parodiert auf eine köstliche Art wiederzugeben - und daher habe ich mich letzten Endes entschieden, diesem Buch eine gute Bewertung zu geben.

In meinen Augen geht es hier weniger um den Verlauf der Geschichte an sich - und welche Ansprüche eines Realismus man an sie haben möchte - sondern darum, wie Caro Wahl langsam, aber sicher für mich zu einer der deutlichsten Stimmen meiner Generation wird. Ich finde ihre Hingabe dazu, unsympathische Hauptfiguren zu schreiben, die mit absolut "cancel-würdigen" Aussagen auffallen und leider auch immer aus dem Kontext entnommen werden, sehr, sehr mutig. Ich halt sehr wenig von polierten Hauptpersonen, weil die Autorin keinesfalls Anstoß erregen möchte. Leider wird im öffentlichen Diskurs in letzter Zeit sehr oft eine unwürdige Verschmelzung von Autor:in und Erzähler:in vorgenommen, was zu Kritik führt, die ich nicht nachvollziehen kann. In dieser Hinsicht möchte ich Caro das Lob und die Anerkennung verleihen, die ihr dafür in meinen Augen gebührt - einfach aufgrund ihres Engagements, wirklich unsympathische Charaktere in die Literaturwelt zu setzen.

Ob man die Oberflächlichkeit der Figuren nun zurückweist oder sie willkommen heißt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich besticht Caro Wahl allerdings gerade damit; dass ich den Gedankengängen ihrer Protagonistinnen mit einer fassungslosen Art der Belustigung folgen kann, die mich wirklich äußerst gut unterhält.

Es gibt noch sehr viel mehr zu sagen - aber ich belasse es einmal dabei; weil ich nach ihrem vierten Buch nun wahrscheinlich vielmehr auf das Phänomen an sich als auf einzelne Instanzen ihrer literarischen Ausprägung eingehen kann und will.


**Ich hab ein gratis Exemplar von NetGalley bezogen.
Profile Image for Marlen.
44 reviews1 follower
August 31, 2026
What in the Müller Milch Werbung war das bitte?

Das Buch liest sich, wie genervt und in aller Eile auf die Tastatur gerotzt.

Das erste Viertel besteht aus privilegiertem, undankbaren Gemecker der Protagonistin und danach wird’s leider nicht besser. Eine in Selbstmitleid badende, Müller Milch saufende, impulsive Lügnerin schlängelt sich durch eine triviale & vorhersehbare Story. Ihr fliegt alles zu, während sie sich lachend und Augen verdrehend über alle Anderen erhebt. Unerträglich selbstgefällig.

Es wirkt fast so, als ob Caroline Wahl den Kritiker:innen von “Die Assistentin” beweisen will, dass sie wie die Protagonistin Samara einfach die Geilste ist und abliefern kann, worauf sie Bock hat. Hatte das Gefühl als ob das Buch aus Trotz extra schlecht geschrieben wurde.
Profile Image for Ex Libris.
125 reviews3 followers
September 6, 2026
Meine Erwartungen an 1999 Meter über dem Meer von Caroline Wahl waren zugegebenermaßen nicht besonders hoch. 22 Bahnen und Windstärke 17 fand ich damals durchaus gut, auch wenn ich beide Bücher rückblickend inzwischen deutlich kritischer sehe. Die Assistentin fand ich dagegen richtig furchtbar. Entsprechend hatte ich schon vor diesem Buch die starke Vermutung, dass Caroline Wahl und ich uns literarisch zunehmend voneinander entfernen.
Leider habe ich damit recht behalten.

Im Mittelpunkt steht Samara. Ihr Leben führt sie zunächst nach Bali, anschließend in einen Job bei einer hippen Berliner Agentur und schließlich mit ihrem alten Mercedes weiter Richtung St. Moritz. Samara weiß ziemlich genau, was sie alles nicht möchte, aber überhaupt nicht, was stattdessen kommen soll. Unterwegs beginnt sie, anderen Menschen unterschiedliche Versionen ihrer selbst zu präsentieren, erfindet Geschichten und Identitäten und findet sich schließlich in einer Welt wieder, in der Status, Geld, Kunst und Inszenierung erstaunlich nah beieinanderliegen. Diese Ausgangsidee finde ich sogar ziemlich gut.

Und auch Samara als unangenehme Protagonistin wäre für mich überhaupt kein Problem gewesen, im Gegenteil.
Ich weiß es sehr zu schätzen, wenn Autor*innen den Mut haben, Figuren zu schreiben, die egoistisch, überheblich, manipulativ, unsympathisch oder sogar abstoßend sind. Literatur muss mir keine Menschen präsentieren, mit denen ich gerne befreundet wäre. Lolita gehört nicht umsonst zu meinen persönlichen Top 100 Büchern: Eine moralisch abstoßende Perspektive kann literarisch unglaublich interessant sein, gerade weil sie etwas in mir auslöst, mich zwingt, meine eigene Reaktion zu hinterfragen und eine deutliche Spannung zwischen Figur, Erzählung und Leser*in erzeugt.
Mein Problem ist also nicht, dass Samara unangenehm ist.

Mein Problem ist, was das Buch meiner Wahrnehmung nach daraus macht.
Samara urteilt permanent über andere Menschen. Sie ist selbstbezogen, teilweise erstaunlich herablassend, schnell genervt und interessiert sich häufig vor allem dafür, was Situationen mit ihr selbst machen. Schon auf Bali hasst sie gefühlt alles: die Unterkunft, das Essen, die anderen Reisenden, den Ort und die gesamte Vorstellung der vermeintlichen Selbstfindungsreise. Auch später setzt sich dieses Muster fort. Sie beobachtet andere sehr genau, bewertet sie und beginnt gleichzeitig immer stärker, sich selbst neu zu erfinden.
Das könnte eine großartige Grundlage für eine böse Satire oder eine wirklich unangenehme Charakterstudie sein.
Nur hatte ich beim Lesen irgendwann nicht mehr das Gefühl, dass der Roman Samaras Verhalten ernsthaft seziert.
Stattdessen entstand bei mir eher der Eindruck, dass ihre Rücksichtslosigkeit, ihre Lügen und ihr permanentes Urteilen letztlich Ausdruck einer beneidenswerten Radikalität sein sollen: Sie weigert sich, sich anzupassen, schmeißt ihr bisheriges Leben hin, fährt einfach los, erfindet sich neu und nimmt sich die Freiheit, die sie haben möchte.

Und genau mit dieser Aussage konnte ich überhaupt nichts anfangen.
Natürlich kann man Samara anders lesen. Meine Wahrnehmung ist keine objektive Deutung des Romans. Aber bei mir entstand immer wieder der Eindruck, dass Eigenschaften, die ich an ihr ausgesprochen unangenehm fand, vom Buch nicht ausreichend hinterfragt, sondern teilweise geradezu romantisiert werden. Das macht einen entscheidenden Unterschied.

Wenn ich mehrere hundert Seiten mit einer Figur verbringe, die sich anderen Menschen gegenüber beschissen verhält, brauche ich keine Moralkeule und auch keine Strafe für diese Figur. Aber ich möchte das Gefühl haben, dass der Text weiß, was er da zeigt. Dass hinter der Hässlichkeit eine Aussage steckt. Dass meine Irritation irgendwohin führt.
Bei 1999 Meter über dem Meer fehlte mir genau das. Und dadurch fand ich Samara irgendwann nicht mehr faszinierend unangenehm, sondern einfach nur anstrengend.

Hinzu kommt ein Punkt, bei dem ich lange überlegt habe, wie ich ihn formulieren möchte: Samaras angedeutete Migrationsgeschichte.
Grundsätzlich bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass Autor*innen ausschließlich Figuren schreiben dürfen, deren Identitäten und Erfahrungen exakt ihren eigenen entsprechen. Das wäre für Literatur ziemlich fatal. Natürlich darf Caroline Wahl eine Protagonistin mit Migrationsgeschichte schreiben.
Aber wenn eine Autorin bewusst eine Perspektive außerhalb der eigenen Erfahrung wählt, interessiert mich umso mehr, warum.

Bei Samara bleibt ihre Herkunft auffällig vage. Ihr Vater, den sie „Baba“ nennt, besitzt eine Kfz-Werkstatt und im Berliner Agenturumfeld gibt es unter anderem Situationen, in denen rassistische beziehungsweise unbeholfene Zuschreibungen eine Rolle spielen. Und genau das fand ich merkwürdig. Nicht, weil eine Figur mit Migrationsgeschichte permanent über Rassismus sprechen müsste. Natürlich nicht. Menschen sind nicht ausschließlich ihre Marginalisierung und ein Roman muss daraus auch keinen Problemplot machen.
Aber hier fragte ich mich irgendwann schlicht: Warum hat Caroline Wahl diese Entscheidung überhaupt getroffen?
Wenn Samaras Migrationsgeschichte für ihre Identität bewusst keine zentrale Rolle spielen soll, ist das grundsätzlich legitim. Gleichzeitig werden aber sehr wohl rassistische beziehungsweise merkwürdig „woke“ Kommentare anderer Figuren eingebaut. Dadurch wird ihre Herkunft punktuell markiert, ohne dass ich den Eindruck hatte, dass der Roman daraus wirklich etwas entwickelt.
Bei mir hinterließ das eher das Gefühl eines zusätzlichen Charaktermerkmals, das Samara etwas spezifischer oder zeitgemäßer machen soll.
Und das fand ich gerade deshalb unangenehm, weil Wahl selbst vor Erscheinen des Romans offenbar bereits damit rechnete, dafür kritisiert zu werden, als Autorin ohne eigene Migrationsgeschichte diese Perspektive zu wählen. Wenn man eine solche Entscheidung so bewusst trifft, hätte ich mir umso mehr gewünscht, dass sie für die Figur auch wirklich etwas bedeutet.

Aber auch abseits davon hat mich der Roman schlicht nicht überzeugt.
Caroline Wahls inzwischen sehr erkennbarer Stil ist wieder da: kurze Beobachtungen, gegenwärtige Umgangssprache, Marken, Popkultur, Social-Media-Welt, Essen und Getränke, attraktive Menschen und eine Erzählstimme, die sehr nah an ihrer Protagonistin bleibt. Samara arbeitet zunächst in einer Influencer-Agentur, fährt in ihrem Mercedes durch Deutschland und landet schließlich in der extrem wohlhabenden Welt von St. Moritz, wo sie sich als Künstlerin inszeniert.
Ich kann sehen, warum das für andere funktioniert.

Wahl hat definitiv ein Gespür dafür, bestimmte Milieus und eine bestimmte Form gegenwärtiger Sprache abzubilden. An einigen Stellen funktioniert die Satire auf Influencer-, Agentur- und Luxuswelten durchaus. Nur war mir das inzwischen zu wenig. Zu oft hatte ich das Gefühl, dass Dinge bereits dadurch als gesellschaftliche Beobachtung gelten, dass sie sehr konkret genannt werden. Eine bestimmte Marke. Ein bestimmter Berliner Ort. Ein bestimmtes Getränk. Eine bestimmte Art von Menschen. Luxus, Kunstbetrieb, Instagram-Ästhetik, Reichtum. Ich sehe das alles.
Aber ich möchte irgendwann auch wissen: Und jetzt?

Gerade die Welt der Superreichen in St. Moritz hätte enormes satirisches Potenzial. Eine Hochstaplerin, die in ein Milieu eindringt, dessen gesamte Existenz ohnehin auf Status, Geld und Inszenierung basiert, ist eigentlich eine großartige Idee. Wo beginnt dort überhaupt die Hochstapelei? Ist Samara wirklich unehrlicher als Menschen, deren ganzes Leben aus Selbstvermarktung besteht? Was bedeutet Authentizität in einer Welt, in der jeder eine Version seiner selbst verkauft? Davon hätte ich gerne viel mehr bekommen. Stattdessen blieb mir vieles zu sehr an Samaras persönlichem Selbstfindungstrip hängen.

Auch die romantische Ebene hat meine Begeisterung nicht gerade gesteigert. Fritzi, der Samara schließlich den Weg nach St. Moritz eröffnet, wird vor allem als ausgesprochen schön und begehrenswert etabliert. Für mich fügte sich das leider ziemlich nahtlos in ein Buch ein, das immer wieder so tut, als würde es Oberflächen kritisch betrachten, während es selbst erstaunlich fasziniert von ihnen wirkt.

Das ist vielleicht der größte Widerspruch, den ich beim Lesen empfunden habe: 1999 Meter über dem Meer möchte für mich wie eine Geschichte über Oberflächlichkeit, Selbstinszenierung, soziale Rollen und die Suche nach etwas Echtem wirken. Gleichzeitig fand ich das Buch selbst unglaublich oberflächlich.

Es gibt Dunkelheit in Samara. Einsamkeit. Orientierungslosigkeit. Angst. Die Frage danach, wer sie eigentlich sein möchte. Aber selbst diese Aspekte haben mich emotional kaum erreicht. Statt einer wirklich widersprüchlichen, psychologisch faszinierenden Frau sah ich irgendwann hauptsächlich eine Protagonistin, die Menschen scheiße findet, Dinge scheiße findet, sich selbst gelegentlich scheiße findet und dann einfach weiterfährt. Das war mir zu wenig.

Vielleicht hätte ich das alles noch interessanter gefunden, wenn die Geschichte radikaler gewesen wäre.
Lasst Samara wirklich furchtbar sein.
Lasst sie manipulieren, lügen, Menschen ausnutzen und sich moralisch immer weiter von uns entfernen.
Aber dann macht etwas daraus.
Gebt mir eine Geschichte, die mich darüber nachdenken lässt, warum ich dieser Frau trotzdem folgen möchte. Eine Satire, die richtig wehtut. Eine Charakterstudie, bei der ich mich ertappt fühle. Irgendeine Aussage über Klasse, Privilegien, Sehnsucht, Identität oder Selbstinszenierung, die über „Man muss sein Leben eben selbst in die Hand nehmen“ hinausgeht.

Denn gerade diese Idee stößt mir bei Samaras Geschichte unangenehm auf.
Freiheit ist eben nicht nur die Freiheit, jederzeit weiterzufahren und sich neu zu erfinden. Freiheit hat auch damit zu tun, wie das eigene Verhalten andere Menschen betrifft. Und dass ich nach diesem Roman eher das Gefühl hatte, Samaras Egoismus werde als Konsequenz oder Selbstbestimmung verkauft, hat mich wesentlich stärker gestört als Samaras Egoismus selbst.

Es gab durchaus Stellen, die ich lesen konnte, ohne mich permanent zu ärgern. Ich erkenne an, dass Wahl eine sehr spezifische Erzählstimme besitzt und zeitgenössische Milieus schnell erfassen kann. Die Grundidee der Hochstaplerin in St. Moritz hätte ich in einem anderen Roman wahrscheinlich sogar großartig gefunden. Aber die Summe hat für mich überhaupt nicht funktioniert.

Und nach Die Assistentin und jetzt 1999 Meter über dem Meer glaube ich auch nicht mehr, dass ich einfach noch auf das nächste Caroline-Wahl-Buch warten muss, das mich wieder überzeugt. Definitiv mein letztes Buch der Autorin.
Profile Image for Tabitha Anna Teufel.
55 reviews4 followers
August 30, 2026
Mein derzeitiger, noch unbestimmt lange anhaltender Aufenthalt am Fuße des Masterarbeit-Bergs (mindestens 1999 Meter hoch), umzingelt zwischen Autonomieästhetik, Wiederauferstehung der Autorin und digitale Autorschaftsinszenierung mit gelben Leitern auf Instagram macht mich vermutlich genau nicht zur richtigen Person, dieses Buch angemessen distanziert zu rezensieren. So viel sei mal vorweggeschickt. Und eigentlich hat sowieso @Marlene Stein schon alles gesagt, was ich denke, nur in besser, also auf rüber zu ihrer Rezension!

Man stelle sich vor, man ist Autorin und muss sich den ganzen Tag allerlei darüber anhören, was man in seinen bisherigen Werken wie, wie ästhetisch gelungen, wie vermeintlich richtig und falsch gemacht hat. Was kann man tun? Zum Beispiel zu einem neuen, vierten Roman ansetzen, sich imaginativ auf einen Berg schwingen und von dort aus dann alles aufgreifen und parodieren und subvertieren, was einem von da unten so alles an eisblauen Augen, eskapistischer Liebe und aneignenden Motiven zugerufen wird. Wenn man diesen vierten Roman dann auf diese Weise liest, "1999 Meter über dem Meer" als "1999 Varianten, im fiktiven Freispiel Realität zu kommentieren", dann geht dieses Buch für mich auf. Nur vielleicht, so viel Fazit gleich zu Beginn, um den Preis des fiktiven Freispiels an sich.

Es ist eine literaturwissenschaftliche Todsünde (Barthes dreht sich gerade im Grab um I guess), aber ich habe immer Caroline Wahl und nie Samara Berge (halb) erklimmen und Autobahnen entlang rasen sehen. Vielleicht ist es das ein Masterarbeits-Tunnel-Phänomen (Wahls Gesicht blinkt mir derzeit 24/7, gern auch im Schlaf oder auf Zeitungs-Titelseiten in diversen Grazer Hausfluren entgegen), aber vielleicht hätte auch geholfen, zu lesen, wer Samara denn vor ihrer schwindelerregenden Hochstapler-Karriere war. Wovor sie wegrennt, wen sie zurücklässt. Vielleicht am meisten: Was sie reut. Vielleicht ist Reue wichtig, um einer Figur zu glauben, dass es sie gibt. Samara hatte keine – nicht vor ihren Eltern, die ihr ein Auto schenken und zum Dank plötzlich nichts mehr von ihr hören, nicht vor der konsternierten Sabine und der belogenen Ärztin (na toll Samara, dafür glauben die dann irgendwann den echten Charlottes nichts mehr!) und der ominösen Bald nicht mehr-Partnerin Fritzis.
Während sich also Samaras gelegentlich auftretende Gefühle mit ein paar Schlagworten Raum begnügen müssen (Einsamkeit! Dunkelheit! Ich bin baff!), füllt sich der Rest der Figuren-Kontur mit a) Inhaltswiedergaben und Rezensionen zu anderen Büchern im Umfang eines intertextuellen Silvester-Feuerwerks (und wer hat schon Lust, am Neujahrsmorgen alle Prätext-Raketen-Reste einzeln aufzusammeln und nach ihrem Mehrwert für den Post-Text zu befragen?) und b) ihren Beobachtungen zur Influencer-, Meerverschmutzungs-, Pseudoumweltbewusstseins- und Reichtumsabsurdität-Gegenwart. Und keine Frage, diese Kommentare waren messerscharf beobachtet, aber als Kolumne von Caroline Wahl hätten sie für mich besser abgeschnitten als so, als in Samaras Mund gelegte Worte, Energydrinks gegen Müllermilch ausgetauscht und los geht's. Ich will überhaupt nicht sagen, dass Wahl als Autorin das nicht darf – es ist für mich nur im Hinblick auf die Lebendigkeit einer Figur und damit auf ein immersives, ästhetisches Leseerlebnis einfach nicht gelungen.

Dann war ich auch einfach oft verwirrt von – Diagnose von Marlene und mir – Logikfehlern: Wie kann ein verstauchter Knöchel nach der Entlassung keinmal mehr weh tun? Und welche Wunder vollbringt Samaras Handy, wenn trotz ausgeschaltetem Roaming stetig kostenschonend Nachrichten vom schönen Mann hereinflattern? (Ein Schritt zu weit in Konstanz und man weiß: die Realität ist härter)
All in all kann Caroline Wahl für mich immer noch schreiben und verzaubern und zum Lachen bringen, aber dieses Buch hätte für mich gebraucht: mehr Zeit zum Wachsen, mehr Sorgfalt beim Zurückschneiden und Pfade schlagen, weniger provokatives Ringen mit dem echten Jetzt, um dann den alpinen Wald vor lauter Bäumen trotzdem noch zu sehen und zu spüren, als stünden man beim Lesen wirklich darin.


Profile Image for miri.
34 reviews
September 2, 2026
Caro Wahl lesen bisschen wie Müllermich trinken, ah ne Quatsch, wie ein kleines Stück Schokolade essen, das ist süß (diesmal war es auch sehr lustig) und ein kleiner schneller Boost. Das war Spaß ohne großes nachdenken und glaube wenn man die Bücher mit nem kleinen Augenzwinkern liest (wie sie gefühlt für mich auch geschrieben sind?) und einfach den Ritt / die Fahrt in diesem Fall genießt, dann ist das immer wieder so ne kleine schöne Leseerfahrung, ne gute Auszeit ohne viel Kopf machen. Wer aber Wahl liest und Goethe erwartet, wird wie immer enttäuscht werden, lel.
Profile Image for luisa.
751 reviews2 followers
September 1, 2026
... 😬

2.75 - je mehr ich drüber nachdenke desto genervter bin ich davon
2 reviews
September 5, 2026
„Mulan sieht nicht aus wie eine Disney-prinzessin. Sie ist dick und klein, hat etwas Alter- und Geschlechtsloses wie so ein Troll.“
Leider beobachte ich seit 22 Bahnen einen kontinuierlichen Abfall der stilistischen und inhaltlichen Qualität Wahls Bücher. Dass sie bereits auf Seite 15 zu einer Personenbeschreibung greift, die absolut abwertend ist (wieso veröffentlicht man als scheinbar politisch engagierte Person einen Roman, der Geschlechtslosigkeit negativ konnotiert?) rückt nicht nur das Buch, sondern auch die Autorin für mich in ein schlechtes Licht. Schade.
Profile Image for Manuel.
81 reviews19 followers
September 9, 2026
Solide. Es hat mir mehr Spaß gemacht, als das letzte Buch von Caroline Wahl.
Die Protagonistin erlebt stellenweise lustige Episoden und hat einen guten Humor.
Zwischendurch kann man auch mal abgelenkt sein und nicht richtig zuhören und verpasst nichts Wichtiges. Am Schluss zieht es sich etwas.
4 reviews
August 28, 2026
Meine einzige Frage lautet: harmonieren lavendel und taupe wohl gut für ein Raumkonzept?
Profile Image for Julia.
29 reviews5 followers
August 31, 2026
Habe jetzt große Lust auf einen iced white cacao
Profile Image for Dilara Dilek.
40 reviews2 followers
September 7, 2026
Ich sag’s direkt: Für mich ist „1999 Meter über dem Meer“ Caroline Wahls bisher bestes Buch. Und wahrscheinlich auch ihr lustigstes.

Dieses Buch ist Satire mit Ansage – laut, überspitzt, teilweise komplett absurd und vor allem: in your face. Die reiche Oberschicht? Bekommt ihr Fett weg. Influencer? Natürlich. Start-up-Bros? Selbstverständlich. Berliner Prenzlauer-Berg-Bubble? Ihr seid auch dran. 😭 Eigentlich ist hier niemand sicher und genau DAS hat mir so unglaublich viel Spaß gemacht.

Unsere Protagonistin ist dabei… nun ja: crazy, but in the best possible way. Sie ist chaotisch, drüber, teilweise völlig unberechenbar und definitiv keine Figur, die dafür geschrieben wurde, dass man jede ihrer Entscheidungen gutheißt. Aber Gott, ist sie unterhaltsam. Ich habe ihre Gedanken und Beobachtungen wirklich verschlungen und musste so oft laut lachen.

Und genau deshalb finde ich auch manche Diskussionen rund um das Buch etwas schwierig – zum Beispiel die Kritik daran, dass die Protagonistin ständig Müllermilch trinkt, obwohl die Marke aufgrund der politischen Kontakte des Unternehmenschefs stark kritisiert wurde. Vielleicht soll uns das aber auch einfach… etwas über diese Figur erzählen? Eine Romanfigur muss schließlich nicht die moralischen und politischen Überzeugungen ihrer Autorin verkörpern. Caroline Wahl ist nicht ihre Protagonistin – und ihre Protagonistin ist ganz offensichtlich sowieso nicht als moralischer Kompass dieses Romans angelegt.

Für mich funktioniert „1999 Meter über dem Meer“ gerade deshalb so gut, weil Caroline Wahl nicht versucht, ihre Gesellschaftskritik irgendwie subtil zwischen den Zeilen zu verstecken. Sie hält uns die Absurditäten bestimmter Milieus einfach direkt vors Gesicht.

Bissig, absurd, gesellschaftskritisch und wahnsinnig unterhaltsam. Ich hatte SO viel Spaß beim Lesen und hätte ehrlich nicht gedacht, dass nach ihren bisherigen Büchern ausgerechnet dieses hier mein neuer Caroline-Wahl-Favorit wird.

Caro Wahl, you did it again – und für mich diesmal besser denn je. 🫶🏼
Profile Image for Dimitrij.
195 reviews62 followers
September 4, 2026
Новый роман Каролине Валь — внезапно очень смешная сатира. Главная героиня Самара точно знает, чего она не хочет. Например, искать себя на Бали в душном климате среди надоедливых азиатов и приставучих американцев. Или жить в Берлине с соседями-веганами, которые нагло требуют не жарить мясо на общей кухне. Или работать в «модном» агентстве в районе Митте — таком же скучном, как и любая другая рабочая рутина. Решив сбежать от привычных рамок, она берет больничный по выгоранию, блокирует начальницу, досрочно разрывает жилищный контракт, перекрашивает волосы в ярко-оранжевый цвет, садится в старый автомобиль и отправляется на юг.

В каждом новом городе Самара меняет имена, изобретая для себя свежую биографию, литрами глушит шоколадное молоко Müllermilch (хотя сама же себе напоминает, что бренд увяз в скандалах) и на ходу выдумывает биографии прохожим. Её конечная цель — швейцарский курорт Санкт-Мориц, расположенный высоко в Альпах, в 1900 метрах над уровнем моря. Там живут очень богатые и красивые люди, а также мужчина, с которым она однажды познакомилась на вечеринке в Берлине, и который пригласил ее в гости. Оказавшись среди швейцарской элиты, авантюристка Самара выдает себя за успешную художницу. Она без зазрения совести достает дорогой фотоаппарат и заявляет местным мажорам, что она — успешная концептуальная художница в эре отказа от соцсетей. Те, естественно, тут же отдают ей стены под выставку на своей вечеринке, а с мужчиной, кажется, может завязаться роман.

Вся эта пародия на «высший свет» и «поиск себя» попадает ровно в нерв поколения, которое не знает, чего хочет, но очень хочет красиво жить. Написано легко, сочно и с зубодробительной иронией, а также целиком в настоящем времени от первого лица — живо и никакого претеритума; неудивительно, что она так хорошо заходит.
Profile Image for Klaus Mo.
51 reviews
September 1, 2026
Nun ist er raus, der neue Caro Wahl-Roman. Habe ihn vielleicht viel zu schnell „verschlungen“, und das bedeutet, er hat mich am Ende doch gepackt.
Die Passagen in Bali, Berlin und anfangs auch in St.Moritz waren ziemlich unerträglich, der Umgang und das Umfeld der Protagonistin Samara. Das war natürlich nicht zufällig so, denn diese Fallhöhe spürt auch Samara und will weiterziehen oder einfach nur allein sein.
Auch die wiederkehrenden „dunklen Wolken“, die Samara die Energie nehmen und orientierungslos machen, sind selbstverständlich kein Lesevergnügen.
Und umso bizarrer, dass sie in St. Moritz mit ihren eigenen Mitteln (Stichwort „Hochstaplerin“) mehr Stabilität findet.
Die „Beziehung“ zu Fritzi: natürlich auch kompliziert.
Die Dialoge und die seltsame schrittweise Annäherung und Entfernung der beiden: humorvoll, sehr authentisch (was ich in Wahls Büchern immer wieder empfinde) und vielleicht auch realistisch und ehrlich.
Das Buch hat gewiss keine Längen und liest sich flüssig in einem Rutsch.
Lesevergnügen bestimmt nur teilweise, je nach Geschmack und Bereitschaft, die unangenehmen Momente zu erdulden und als notwendig zu verstehen.
Kein Roman wie die bisherigen, daher eine Weiterentwicklung von Caro Wahls Schreibkunst.
Profile Image for Rosa.
743 reviews45 followers
September 7, 2026
First things first: ich bin sehr froh, dass das Hörbuch dieses Mal nicht von der Autorin gelesen wurde. Mochte die Sprecherin sehr gerne (bis auf ihren nicht gelungenen Vorarlberger Dialekt 😅)
Die Geschichte an sich hat mich am Anfang sehr gut internal tent, auch wenn Samara von Anfang bis Ende eine absolut unsympathische Protagonistin war. Wo mich das Buch verloren hat, war dann mit der ganzen Fritzi Storyline. Die fand ich leider einfach nur anstrengend und langweilig .
Profile Image for Sofia.
3 reviews3 followers
September 7, 2026
Mit ziemlich niedrigen Erwartungen gestartet und dann von der absurden Leichtigkeit überrascht worden.
Unerwartet unterhaltsam - trotz allem, was man über das Buch diskutieren kann.
4,5🌟
29 reviews
August 30, 2026
Langwiilig; d Protagonistin isch mega unsympathisch... sie lügt immer wieder ohni Grund. Die letschte ca. 50 Siite efach chli überfloge, da ich froh gsi bi wenns fertig isch.
Ha denkt ich gib de Autorin nach "die Assistentin" (woni au so langwilig gfunde ha) nomal e Chance, will ich 22 Bahnen und Windstärke 17 so guet gfunde ha aber irgendwie bringt sies minnere Meinig efach nüme ane so gueti Büecher z schriibe lol.
Profile Image for Josi.
61 reviews2 followers
Did Not Finish
August 31, 2026
*abgebrochen*
Anfang gelesen, für sehr sehr unnötig empfunden, ich war sauer darüber - like, wenn du nicht in Bali sein willst, dann geh halt da nicht hin und beschreibe Menschen, die dort um ihren Lebensunterhalt kämpfen nicht so komisch.
Profile Image for leonie schw.
96 reviews
September 6, 2026
can we go back to windstärke 17 please, weil was war das??? manno

anstrengend und oberflächlich leider, schade. über den schreibstil konnte ich manchmal schmunzeln, aber viel geholfen hat das nicht
45 reviews
August 31, 2026
Eine noch bessere Review hat @Marlene Stein geschrieben. :)

Ich wurde gut unterhalten, sehr gut sogar teilweise. Samara, die Protagonistin und Freundin von Ida aus den ersten beiden Büchern von Caroline Wahl, ist bitterböse, witzig, irritierend gut darin zu lügen und doch auch sympathisch, weil sie kein schwarz weiß -Charakter ist, der einem durch und durch sympathisch ist, sie trinkt z.B. Müllermilch, obwohl sie um die Sympathien des Gründers zur AFD weiß.

Sie meckert sehr viel, ist oft überheblich, aber auch zugänglich, interessant und reflektiert (oft erst rückwirkend). Viele Nebencharaktere würden sehr überzeichnet dargestellt, z. b. Von der Agentur oder ihre Mitbewohnerin Luca in Berlin, aber ich bin mir sicher, dass das genauso gewollt war. Es liest sich fast wie eine Satire.

Die Story ist meiner Meinung nach ziemlich vorhersehbar, es gibt ein paar Logikfehler (vielleicht hatte das Lektorat zu wenig Zeit?) und die ständigen Produktnennungen waren etwas nervig, aber ich habe das Hörbuch dennoch gerne gehört.
Profile Image for Carolin.
171 reviews1 follower
September 6, 2026
3,5 ⭐️
Das Buch liest sich super flüssig – kurzweilig, an manchen Stellen richtig amüsant; insgesamt ein sehr entspannter Read, auch wenn es mich nicht durchgehend gefesselt hat.

Samara ist als Hauptfigur schön gespalten angelegt: Sie lügt wie gedruckt, geradezu pathologisch, und ich war zum Teil wirklich genervt unf richtig sauer. Gleichzeitig war es teils auch amüsant und ich war einfach fassungslos, wie gut sie mit all ihren Stories durchkommt – genau diese Ambivalenz macht sie interessant, auch wenn sie nicht gerade sympathisch ist.

Die vielen Marken-/Film- und Seriennennungen fand ich stellenweise witzig, aber in ein paar Jahren könnte dies ziemlich angestaubt wirken.

Und wie schon einige vor mir: Ich hab beim Lesen weniger Samara als Caroline Wahl selbst gehört. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber es nimmt der Figur ein Stück weit ihre eigene Stimme. Fans von Caro werden sich jedoch freuen!
Profile Image for Kristin Wilmimausi.
2 reviews
September 5, 2026
Im Gegensatz zu den vorherigen drei Büchern von Caroline Wahl hat mich dieses neue Buch nicht abgeholt. Es plätschert ewig lang vor sich hin; die Handlung besteht daraus, dass Samira Leute anlügt und Geschichten über sich erfindet. Zum Ende hin bekommt die Handlung etwas Schwung, aber das reißt das Buch für mich nicht mehr raus.
Profile Image for Veronica Obenauer.
29 reviews3 followers
September 3, 2026
20h lange produktplatzierung, jaja pop literatur bla. gehört um über aktuelle literatur mitreden zu können, caro wahl ist leider immer noch keine (22) bahn(-en)brechende autorin aber ne sehr erfolgreiche provokateurin und markenvertreterin und 1a influencerin. stärkster moment war, als die protagonistin das erste mal ovo nach müllermilch psychose probiert, sonst leider sehr mediocre geschirrabspül-hörbuch.
Profile Image for Caroline.
64 reviews
September 2, 2026
Hat mich leider nicht gekriegt. Irgendwie ziemlich flach und uninteressant und langsam finde ich den Schreibstil etwas ausgelutscht. Hat mich insgesamt an einen Til Schweiger Film erinnert. Süss, lustig-awkward, aber auch irgendwie bisschen nervig. Die Männer werden außerdem nur auf ihr Äußeres reduziert. Soll das irgendwie feministisch sein? Finde es eher langweilig. Generell haben die Charaktere kaum Persönlichkeit, sondern zeichnen sich nur durch Dialoge und ihr Äusseres aus. Caroline Wahls vorherigen drei Bücher fand ich alle toll, aber dieses hier kann ich leider nicht weiterempfehlen.

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