Henning Saalbach führt ein erfülltes Leben, er ist verheiratet und hat einen Sohn. Dann wird alles anders. Innerhalb von Sekunden zerstört ein Fremder sein Glück: Der Mann dringt in das Haus der Familie ein und tötet den sechsjährigen Marc. Seit diesem Tag ist nichts mehr, wie es war, und nur der Gedanke an Rache hält Henning am Leben. Es bleiben ihm zwölf Jahre, um sich vorzubereiten. Auf den Tag, an dem der Täter entlassen wird. Doch dann beginnt Henning zu zweifeln: Wer ist Feind, wer Freund? Wer der Täter, wer das Opfer? Und schon ist er mittendrin in einem perfiden Spiel. Einem Spiel ohne Regeln. Und es hat gerade erst begonnen.
Nur zwölf Jahre hat er bekommen, der Mörder seines Sohnes. Henning Saalbach hat den Tod des Jungen nicht verwunden. Seine Ehe ist zerbrochen und beruflich bekommt er auch nichts mehr geregelt. Und nun hat der Täter seine Strafe fast abgesessen. Zwölf Jahre hat Saalbach auf diesen Tag gewartet. Und nun ist es so weit. Saalbach will den Mörder ermorden, das ist der Plan. Aber nicht alles läuft so wie Henning Saalbach sich das gedacht hat. So schließt er zum Beispiel die Bekanntschaft mit einem etwa neunjährigen Mädchen, das von seinen Eltern nicht unbedingt gut behandelt wird, so scheint es jedenfalls.
Ist Henning Saalbach auf dem Weg ein Mörder zu werden? Begibt er sich damit nicht auf die selbe Ebene wie der Täter? Nach dem gewaltsamen Tod seines Kindes ist nichts mehr wie es war, es wird auch nicht wieder. Vielleicht gibt es mal einen guten Tag, aber sein totes Kind ist immer in seinen Gedanken. Ihn und seine Frau hat die schwere Zeit nicht zusammen geschweißt, im Gegenteil, es hat sie auseinander getrieben. Das mag ihm wohl das Recht geben, den Täter nicht zu mögen und auch diesem den Tod zu wünschen. Aber ist das ein Plan, der an den Rand der Ausführung gelangen darf?
Gerade in der heutigen Zeit, wo man den Eindruck gewinnt, dass immer mehr Leute das Recht in die eigenen Hände nehmen, ist dies ein sehr brisantes Thema. Welchen Weg soll man nehmen. Überlässt man es nicht besser der Justiz, über einen Täter zu urteilen. Und sollte man, wenn man in seiner verständlichen Fixierung auf den Mörder tatsächlich auf Hinweise stößt, nicht besser die Polizei einschalten? Es ist eine Gratwanderung, die der Autor seinen Protagonisten durchleben lässt. Mit geschickt gewählten Worten wird die Spannung immer weiter aufgebaut, um mit einem fulminanten Finale doch etwas abrupt zu enden. Man kann vielleicht nicht jeden Gedanken oder jede Handlung des Protagonisten nachvollziehen können oder gutheißen, spannende Unterhaltung bekommt man auf jeden Fall geboten.
Thriller aus Unna Henning Saalbach lebt nur noch auf den Moment hin seine Rache zu stillen. Sein Kind ist ermordet worden und bald wird der Mörder freigelassen. Die letzten zwölf Jahre sind auf den Moment hingelebt, dass er sein Kind sein Schicksal rächen kann. Ehe im Eimer, Job verloren, seine ganze Selbsachtung perdu. Er lässt sich sogar mit zwielichtigen Leuten ein, um den Moment bald auskosten zu können. Wir sind dabei und doch gerät einiges ins Wanken, ihm läuft ein Mädchen zu, er lernt eine Frau kennen, kommt man da in Schleudern? Kann man noch den Mord begehen, auch wenn der Mörder sich entschuldigt? Ich war etwas erstaunt, dass das Buch so schmal war, Thriller sind dicker Aber es hat gereicht und war doch zu wenig. Der Plot: wie lebt man weiter wenn das Kind brutal und sinnlos ermordet wird? Will man Selbstjustiz verüben, verliert man den Glauben an den Rechtsstaat? Meiner Meinung nach löst sich die Geschichte dann zu einfach und zu schnell auf.
Henning hat 12 Jahre darauf gewartet, dass der Mörder seines einzigen Sohnes aus dem Gefängnis entlassen wird. Allein die Aussicht auf Rache hält ihn am Leben, denn schon lange arbeitet er nicht mehr als Drehbuchautor, und seine Ehe ging über dem Trauma vor Jahren in die Brüche. Da tritt kurz vor seiner letzten Mission an einem kalten Novembertag ein anderes Kind in sein Leben. Die Begegnung setzt eine Reihe Ereignisse in Gang, an deren Ende Henning sich fragen muss, was er wirklich noch vom Leben erwarten kann und will.
Diesen Psychothriller sollte man nur anfangen, wenn man sich einige Stunden Zeit nehmen und ihn gleich auslesen kann. Raimon Weber liefert auf knappen 146 Seiten gut geschriebenen harten Tobak mit hoffungsvollem Ende.