Die Idee, man könne einander verstehen, beruht auf der Vorstellung, die besagt, dass die «richtige» Bedeutung einer Botschaft irgendwo vorhanden ist und nur gefunden werden muss. Diese Ansicht ist falsch. Die Theorie der Embodied Communication Es gibt keine fixe Bedeutung einer Botschaft, die verstanden werden kann. Es gibt lediglich das gemeinsam erzeugte Gefühl der Einigung auf eine Sprachgestalt, die aber aus der Interaktion spontan und neu entsteht und die nicht von Anfang an vorhanden ist. Die Psychologen Maja Storch und Wolfgang Tschacher liefern endlich eine neue Kommunikationstheorie, die dem Stand der modernen Forschung entspricht – und konkret umsetzbar ist. Die Autoren haben ein Buch geschrieben, das gut verstanden und das sofort im ganz normalen Alltag verwendet werden kann. Neben einem Teil zur Theorie der Embodied Communication bietet das neue Buch von Maja Storch und Wolfgang Tschacher einen ausführlichen Praxis- und Workshopteil. Lesende finden im Praxisteil eine Auswahl an Alltagssituationen, in denen kommunikative Fertigkeiten wünschenswert, ja gefordert sind. Die Methoden, die die Autoren vorschlagen, sind allesamt so angelegt, dass sie sich für das authentische und spontane Handeln in einer Live-Situation eignen. Am Ende dieses Buches haben die Autoren einen Workshopteil platziert, der sich an Personen richtet, die selber Kommunikationskurse geben und über einzelne Methoden vertiefende Information wünschen.
Ich habe mir hieraus das "Pizza-Modell" mitgenommen und das Konzept des "strategischen Pizza-Werfens". Das ist es aber dann auch fast. Viel grundsätzlich Richtiges zur Ablehnung alter Kommunikations-Kanal-Sender-Empfänger-Botschafts-Modelle in den ersten Kapiteln, was für mich aber nicht neu war. Eine sehr schmale Vorstellung von "Embodiment". Eine seltsame Abwesenheit von Bedürfnisorientierung oder anderen Konzepten, die zum Beispiel in der GFK stecken. Zum Teil für mich sehr merkwürdige oder problematische Beispiele (Gaslighting). Tonfall und Präsentationsstil war auch nicht meiner.
Ich habe in meinem Leben schon das ein oder andere Kommunikationsseminar gesehen. Und wenn man dann das 4-Ohren-Modell zum 5. Mal hört, fragt man sich, ob es nicht auch was anderes gibt.
Das Buch hat mich angesprochen, weil es die gängigen Modelle weitestgehend ablehnt und einen ganzheitlichen Anspruch an Kommunikation hat. Zentrale Aussage ist dabei, dass es die eine richtige Bedeutung einer Nachricht nicht gibt. Das viele Aspekte in die Deutung von Kommunikation einbezogen werden müssen. Viel Wert wird dabei auf den Aufbau einer gemeinsamen Kommunikationssituation aller Gesprächsteilnehmer gelegt.
Ich mag den Ansatz und habe im Buch viele Aussagen gefunden, mit denen ich mich gerne noch weiter beschäftigen würde. Am Ende ist mir das Buch aber zu schwammig und zu verstockt geblieben. Der Vorteil der "alten", traditionellen Modelle ist, dass weitestgehend bekannt sind und zumindest in Grundzügen angewendet werden können. Mir blieb die Praxistauglichkeit einfach zu weit zurück. Es ist schwierig auf kaum 180 Seiten darzulegen, dass das Althergebrachte nicht funktioniert - und dann umgehend eine neue Lösung zu erarbeiten.
Im Endeffekt hat mich die Art und Weise der Aufbereitung weit weniger angesprochen als der Inhalt des Buchs. Leider habe ich keinen Zugriff auf weitere Bücher der Autorin. Ich vermute, dass sie ihre Theorie weiterentwickelt hat. Im Endeffekt handelt es sich um ein interessantes Buch mit einigen Denkanstössen, dass bei der konkreten Ausgestaltung dann aber nicht so punktet. Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit dem Buch beschäftigen.