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Drachenmahr

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Einst zwang die Glasbläserin Josefa einen mächtigen Drachen unter ihre Herrschaft und bewahrte so die Stadt Koda vor der Vernichtung. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen und noch immer halten starke Ketten das Monstrum in der Kathedrale. Die Zerrissenen Lande schotten die Stadt von der Außenwelt ab, Geister von Tausenden Erschlagener streifen auf der Suche nach Lebenden um ihre Mauern. Niemand entkommt den Albträumen, die die Kinder des Drachen säen. Als die junge Zarria zur Obristin der Drachengarde aufsteigt, wird sie zur Figur im Lügen- und Intrigenspiel der Patrizier. Doch Zarria vertraut nicht auf Schmeicheleien, sondern auf ihren Verstand, und so erkundet sie die dunklen Geheimnisse der Stadt, die zu Füßen des Drachen liegt ...

400 pages, Paperback

First published July 13, 2015

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About the author

Robert Corvus

132 books44 followers
Robert Corvus is a pen name of Bernd-Otto Robker, a German author of fantasy and science fiction.

He lives in Cologne, and also writes under the pen name Bernard Craw.

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Community Reviews

5 stars
9 (23%)
4 stars
7 (18%)
3 stars
15 (39%)
2 stars
5 (13%)
1 star
2 (5%)
Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Buchdrache.
335 reviews19 followers
June 24, 2017
Robert Corvus ist für düstere Fantasy immer zu haben – sowie für angenehme Standalones im Meer der überproportionierten, regalfüllenden Epen. Mit »Drachenmahr« tischt er einen weiteren solchen Roman auf, Magie und Action kommen hier nicht zu kurz. Und das alles vor der Kulisse eines furchterregenden Drachens!

Seit vielen Jahren liebt die Stadt Koda im Schatten der Kathedrale. Ebenjene beherbergt einen schrecklichen Drachen, zugleich Tyrann und Gefangener der Stadt. Er wird gefürchtet, doch gleichzeitig auch verehrt, denn ohne seine Magie könnte die von einem undurchdringlichen Moor umgebene und von rachsüchtigen Geistern bedrohte Stadt nicht überleben. Zarria, Gardistin der Wache, will einen Mord aufklären, wird dabei jedoch immer tiefer in den Sumpf der Intrigen der Herrschenden gezogen. Bald schon erkennt sie, dass im Zentrum des Intrigennetzes der Drache steht. Mit ihm steht und fällt alles.

Es steht Robert Corvus drauf und es ist auch Robert Corvus drin. Sein Name steht für düstere Fantasy, Action (häufig nicht gerade zimperlich) und starke Frauenfiguren – und vor allem sehr cooles Worldbuilding. Das alles wird dem Leser auch in »Drachenmahr« präsentiert.

Zarria ist eine Frau, die sich durchzusetzen weiß. Das hat sie mit vielen von Robert Corvus‘ weiblichen Hauptfiguren gemeinsam, und es ist immer wieder sehr schön zu lesen. Das weinerliche Mauerblümchen, das auf seinen Prinzen wartet, sucht man hier vergebens. Viel eher ist es hier die Dame selbst, die sich vor dem bösen Ungeheuer errettet. Frauenpower ist angesagt! Zarria weiß sich in ihrer Welt zu behaupten und stellt sich mutig allen Herausforderungen. Selbst wenn sie dafür dem Drachen direkt vor sein Maul tritt.

Das Worldbuilding war ebenso wieder einmal großartig. Die Handlung spielt die ganze Zeit in der Stadt, was gleichzeitig auch ein wenig deren Isoliertheit durch das umgebende Moor und die darin hausenden Geister wiederspiegelt. Die Besonderheit der Lage zeigt sich auch in der Wirtschaft der Stadt wieder, da sie vollkommen von der Magie des Drachen abhängig ist, der Nahrung und Rohstoffe herbeizaubern kann.

Corvus gelingt es wunderbar, eine düstere, unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Die Draken, die Jungen des Drachen, sind eine allgegenwärtige Bedrohung, ebenso die Geister, die einem schon einmal den einen oder anderen Schauer bescheren können. Auch führt Zarrias Weg sie häufig in die Kanalisation der Stadt sowie in deren verfallenere Gegenden, was noch einmal die düstere Atmosphäre der Handlung unterstreicht. Wobei die Geister und das Umland der Stadt nicht selten gewisse Erinnerungen an die erste Mistborn-Trilogie von Brandon Sanderson weckten …

Tja, und dann natürlich der Drache selbst! Cool! Er ist groß, er ist toll, er ist mächtig und gefährlich, selbst in Gefangenschaft. Natürlich ist das ein riesiger Pluspunkt des Romans!

Ein paar kleine Schönheitsflecken hat das Buch allerdings. Am Ende habe ich etwas den Faden verloren, und während des Lesens kam ich auch nicht immer mit allen Charakteren mit, wer jetzt nun wer ist. Bei letzterem hilft allerdings das Glossar am Ende. Ein wenig Bauchschmerzen hatte ich auch mit dem Kult der Mönche, welcher ganz offensichtlich das Christentum ist. Am Ende des Romans werden ein paar Städte erwähnt, die ich ergoogelte: Für Ustarbad werden mir nur Ergebnisse in Verbindung mit dem Roman angezeigt und Kalai ist laut Wikipedia ein Personenname sowie eine Kommune in Angola. Aber ob das reicht, um sagen zu können, dass Koda in unserer Welt liegt? Das scheint mir zu wenig, von daher werde ich nicht ganz warm damit, dass der Roman an einem augenscheinlich fiktiven Ort spielt (wobei es laut Wikipedia in Georgien und Russland zwei Orte mit Namen Koda geben soll) und es dann nicht nur Anleihen an das Christentum gibt, sondern selbiges tatsächlich auch namentlich erwähnt wird. Das passt einfach nicht.

Trotzdem, der Roman bleibt auf jeden Fall eine Empfehlung für Fans düsterer Fantasy und Drachenliebhaber. Von beidem gibt es hier mehr als reichlich.
Profile Image for Callibso.
976 reviews19 followers
June 13, 2017
Ich hatte mir dieses Buch bei der Robert Corvus Lesung auf unserem SF Stammtisch gekauft. Es ist optisch sehr schön aufgemacht und enthält auch eine Karte.
Beim Stammtisch hatten wir "Grauwacht" besprochen, der wie Fantasy anfängt und später eine Science Fiction Erklärung bekommt. Danach habe ich "Feuer der Leere" gelesen, der eindeutig Science Fiction ist, und nun eben "Drachenmahr", der eindeutig Fantasy ist.

Aus der Perspektive einer jungen Frau bekommen wir eine Stadt vorgestellt, in deren Kathedrale seit Jahrzehnten ein Drache angekettet ist. Verschieden Partizierfamilien kämpfen in der Stadt um die Vorherrschaft und bei allem spielt der Drache eine geheimnisvolle Rolle. Es gibt auch seltsame Geister und Draken, Kinder des Drachens. Unsere Ich-Erzählerin ist am Anfang Leutnant der Stadtwache, wird später Obristin der Drachengarde und natürlich ist sie eifrig damit beschäftigt, die
Geheimnisse dieser Welt zu entschlüsseln. Dabei gibt es Verwicklungen, Gefahren und Kämpfe.

Das liest sich unterhaltsam und spannend, bleibt aber nicht nachhaltig im Gedächtnis.
Die Erzählerin fand ich nicht überzeugend: Sie nervte mich immer, wenn sie Dinge im Vorgriff auf später erzählte und dieses Stilmittel wurde viel zu oft angewandt.

In der Handlung gibt es auch eine christliche Komponente, die ich zuerst interessant fand. Wahrscheinlich habe ich durch diese Komponente das Buch zusehr auf unserer Erde verortet und hatte dann natürlich meine liebe Not mit all dem esoterischen Geister- und Drachenkram, sowie dem Wechsel zwischen Realität und Traumwelt. Die Auflösung fand ich nicht ganz schlüssig, insbesondere die Frage, wo der Drache eigentlich herkommt und woher er all die Fähigkeiten hat. (Wahrscheinlich fehlt mir hier der SF Techno-Babbel).

Mir gefällt von den oben genannten Corvus Büchern "Feuer der Leere" immer noch am besten und da hoffe ich auch auf eine Fortsetzung.
Profile Image for Patrick.
24 reviews9 followers
August 24, 2015
Die Inhaltsbeschreibung klingt eigentlich ziemlich spannend – Drachen, Geister, Intrigen und Geheimnisse – Robert Corvus (ein Pseudonym des Autors Bernd Robker, der u. a. auch schon Romane zu Battletech und Das Schwarze Auge veröffentlicht hat) macht in seinem neuen Roman ein ganz großes Fass auf, doch kann das Buch auch halten, was es verspricht?

Eines vorweg: "Drachenmahr" ist ein netter und kurzweiliger Roman mit ein paar schönen Ideen, den Fantasy-Fans sicher nicht schlecht finden werden. Ich hatte ihn auch recht schnell durch, aber sowohl während als auch nach dem Lesen taten sich ein paar Ecken und Kanten auf, die das Lesevergnügen etwas trübten. Zur Geschichte selbst verrät der Klappentext ja schon genug, weshalb ich hier nur auf meine Kritikpunkte eingehen möchte.
Hauptcharakter ist die junge Frau Zarria, welche die Handlung in der Ich-Perspektive erzählt. Hierbei liegt leider auch eine Schwachstelle des Schreibstils: Stets klärt Zarria den Leser über all ihre Gedanken und Beweggründe für alle ihre Aktionen auf, was in vielen Fällen etwas übertrieben und langweilig wirkt, da uns so alles quasi vorgekaut wird und er kaum noch selbst nachdenken muss - zudem wird Zarria damit ein offenes Buch für den Leser, der nichts mehr an ihrem Charakter interpretieren und sich selbst ein eigenes Bild von ihr machen kann. Zum anderen stören diese Erklärungen oftmals auch den Handlungsfluss, wenn Zarria beispielsweise mitten in einem Kampf zwischen zwei Schlägen anfängt, über ihre Gedanken zu reflektieren. Aus ansonsten vielleicht spannenden Situationen wird somit ein zerrissener Flickenteppich von Handlungen und Gedankengängen. Zudem hat Zarria die nervige Angewohnheit, immer wieder Vorausdeutungen im Sinne von "Hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon dies und das gewusst, hätte ich jenes getan" auszusprechen, die keinerlei Nutzen für den Leser haben und so zusätzlich den Erzählfluss stören und nichts zur Handlung beitragen.
Die Geschichte selbst ist recht schön erzählt, aber wird zum Ende hin zunehmend konfus, wenn plötzlich das Christentum Eingang in die ansonsten fantastische Welt findet, was leider später überhaupt nicht mehr kommentiert wird. Natürlich muss man dem Leser nicht alle Fragen beantworten, aber hier wäre dann doch etwas mehr Exposition schön gewesen, um zumindest eine Ahnung zu haben, was sich der Autor dabei gedacht hat. Hier wurde viel Potential verschenkt, der Handlung noch eine besondere Wendung zu geben. So aber bleibt man am Ende mit der Frage zurück, ob das Geschehen vielleicht in einer fiktiven Zukunft auf der Erde spielen soll oder ob der Autor nur eine christliche Heilsbotschaft in einem Fantasy-Roman verpacken wollte.

Von diesen Punkten abgesehen aber wie gesagt eine ganz nette Geschichte, die sich recht kurzweilig lesen lässt. Darüber hinaus aber nichts Besonderes, was sie von anderer Fantasy-Kost abheben würde, daher von mir 3 von 5 Punkten.
Profile Image for Konoto.
12 reviews
December 16, 2018
Diesmal eine sehr kurze Rezension, da ich momentan nicht zu mehr in der Lage bin:
An und für sich ein super Buch, spannende und düstere Fantasygeschichte mit genialem Setting. Beim Hauptcharakter bin ich zwar nicht voll überzeugt, aber mir gefällt, dass sie eine starke Frau ist, der auch manchmal Zweifel an ihrem eigenen Handeln kommen.
Was mir allerdings wirklich Bauchschmerzen bereitet hat: im Buch wird oft auf Dinge angespielt, die noch während der Geschichte passieren werden. Als künstlerischer Kniff vollkommen ok, wenn es denn nicht so häufig vorkommen würde. Das man so oft von Robert Corvus regelrecht gespoilert wird hat mich manchmal schon fast wütend gemacht.
Dennoch ein gutes Buch, von dessen Sorte ich gerne mehr lesen würde.
Profile Image for Tenja Tales.
Author 2 books2 followers
September 13, 2020
Inhalt
Auf dem Cover ist ein Drache, der Titel beinhaltet das Wort Drache, da geht man einfach davon aus, dass es in diesem Buch um Drachen geht, oder? Leider ist das nicht ganz richtig. Natürlich kommt ein Drache in der Geschichte vor und er spielt auch eine essentielle Rolle. Doch eigentlich dreht sich die Geschichte um die junge Zarria Machon. Sie gehört zu einem der sieben hohen Häuser, die die Herrschaft über die Stadt Koda haben. Doch das Patrizier Dasein ist nichts für sie, so dass sie sich gegen den Willen ihres Vaters der Stadtwache anschließt. Als sie dann den Mord am Oberhaupt der Drachengarde aufzuklären versucht, führen sie ihre Ermittlungen durch die Lügen und Intrigen der Stadt. Die Wahrheit hat hier keinen Wert und auch die Gerechtigkeit soll zum Wohle der oberen Familien und zum Erhalt der Ordnung zurückstecken. Doch immer größere Geheimnisse werden durch Zarria gelüftet, die auch den riesigen Drachen, der in Ketten mitten in der Kathedrale liegt, sowie die alte Drachenmeisterin und die ruhelosen Geister betreffen.

Meine Meinung zu „Drachenmahr“

Der Schreibstil
Robert Corvus hat einen sehr interessanten Schreibstil. Er beschreibt die Stadt Koda ebenso anschaulich wie einzelne Kampfsequenzen. Man kann der Geschichte gut folgen und sich die Stadt Koda, sowie ihre Bewohner, ihre Träume und Albträume allesamt sehr gut vorstellen und ihren Intrigen und Machenschaften folgen. Ich hatte allerdings am Anfang ein paar Probleme den richtigen Einstieg in die Geschichte zu finden. Als Zarria jedoch ihre Ermittlungen im Mordfall aufnahm, kam Schwung in die Sache. Schnell folgte ich Corvus düsterem Schreibstil durch die Kathedrale, die Stadt und das Leidende Land.

Die Charaktere
Zarria Machon ist ein Charakter, dem man gerne durch die Geschichte folgt. Sie hat ihre Eigenheiten und Macken und ist richtig perfekt unperfekt. Ihre Weltansicht und ihr Sinn für Gerechtigkeit passen nicht in die Welt oder zumindest nicht in die Stadt, in der sie geboren wurde. Dennoch folgt sie ihren Werten und findet so mehr als nur ihren eigenen Weg. Auch die anderen Charaktere sind individuell und liebevoll gestaltet und bleiben lange im Gedächtnis.

Die Geschichte
Koda zog mich in seinen Bann und die Welt zwischen Traum und Realität begann zu verschwimmen. Ok, ganz so krass war es jetzt nicht, aber wenn du das Buch gelesen hast, wirst du den Satz verstehen. Während die Geister am Ostturm mir noch etwas fern blieben, nahm mich die Ermittlung um den Obristen direkt gefangen. Ein Geflecht aus Intrigen, Machtspielen und dunklen Geheimnissen tat sich auf, so dass es schwer wurde, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Auch das ganze Konstrukt um den Drachen, die Glasfiguren, die Träume und vieles mehr ist sehr spannend zu lesen. Robert Corvus hat damit eine völlig neue, spannende Geschichte erzählt.

Fazit
Bei Drachenmahr hatte ich anfangs eine Geschichte mit etwas mehr Drache erwartet. Auch der Start war ein wenig schleppend, weswegen ich wohl die eine oder andere größere Lesepause eingelegt habe. Doch dann wurde es spannend und Koda offenbarte seine düsteren Ecken und Geheimnisse. Ich wollte Zarria auf ihrem Weg zur Wahrheit und der Gerechtigkeit begleiten und das Mysterium um den Drachen lösen. Ich finde Drachenmahr ist eine absolut gelungene Geschichte, die ich jedem Fantasy-Fan empfehlen kann.
Noch mehr Infos gibt's in meiner Rezension auf weltenschmie.de.
Profile Image for Sven Fesser.
1,037 reviews12 followers
March 4, 2022
Der Roman mutet zunächst wie eine klassische Fantasystory an, entwickelt sich aber anders, als man es als Leser erwartet. Robert Corvus ist ja bekannt dafür, in seinen alleinstehenden Werken neue und interessante Ideen zu verwirklichen. Das tut er auch hier, denn ein mittelalterliches Setting inklusive eines Drachen mit dem rudimentären Überrest christlichen Glaubens sowie einer durchaus spektakulären Herkunft der gefährlichen Echse so zu verknüpfen, dass etwas ganz Neues daraus wird ist aller Ehren wert.

Dabei wäre ich aber auch schon bei meinem größten Fragezeichen zu dem Roman und auch meiner persönlichen Kritik. Der christliche Glaube, welcher beschrieben wird deutet darauf hin, dass die Geschichte im weitesten Sinne in unserer Welt spielen muss. Es wird aber nie so ganz klar, welche Zusammenhänge es hier gibt, in welcher Zeit die Geschichte spielt (es könnte ja auch die ferne Zukunft sein, in welcher die Menschheit zivilisatorisch in das Mittelalter zurückgefallen ist). Das bleibt mir alles etwas zu schwammig, auch wenn es möglicherweise genau so gewollt ist.

Nichtsdestotrotz hat mir der Roman gut gefallen, mich in eine außergewöhnliche Welt entführt und vor allem mit der Auflösung ein Stück weit überrascht.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for MeinLesezeichenBlog.
93 reviews5 followers
October 11, 2020
Ein Fantasy-Roman mit jeder Menge Potential sich in die Reihen meiner Lieblings-Fantasyromane einzufügen. Doch leider, so vielversprechend alles zunächst klang und anfing, desto luftiger waren die Aussichten. Angefangen bei der Grundidee, übergehend zu den Figuren bis hin zum World-Building – alles kam mir etwas blass, kahl und unvollständig vor. Obwohl der Roman alles hat, was er braucht, die Fantasy-Elemente (Geister, Drachen, Draken), die Figuren (vor allem Zarria als starke Frauenfigur) und die Dynamiken, die den Handlungsverlauf vorantreiben, konnte er mich leider nicht vollständig überzeugen und bleibt mir deshalb nur als mittelmäßiger Fantasyroman in Erinnerung.

Besonders gut gefallen, hat mir der Konflikt zwischen dem Drachenkult und den Mönchen, der im Romangeschehen eine wichtige Rolle einnimmt. Unnötig war es, der Religion der Mönche einen Namen zu geben und dann auch noch einen, der so stark an unsere Gesellschaft und Realität gebunden ist, dass es einen sofort aus diesem fantastischen Universum reißt und von Fantasie gar nicht mehr die Rede sein kann. Die beiden Parteien für sich und den Austausch, der sich zwischen ihnen entwickelt, fand ich sehr interessant. Der Drachenkult, die Verehrer des DRACHEN und seiner Nachkommen, den Draken, die ihr Unwesen in Koda treiben und sich an den Menschen laben – das alles ist sehr düster und erzählerisch sehr kraftvoll. Die Draken sind fleischgewordene Albträume. Ihre Beschreibung ist dem Autor sehr gut gelungen. Ein bisschen haben sie mich an die Dementoren aus Harry Potter erinnert. Aber ihr Kontext und ihre Umsetzung sind ein ganz anderer und ein bemerkenswerter noch dazu. Der DRACHEN ist dagegen etwas zu kurz gekommen und im Schatten geblieben. Er konnte vor meinem inneren Auge nicht so wirklich Gestalt annehmen, obwohl er doch eine sehr zentrale Rolle spielt. Das fand ich sehr schade.

Koda ist eine von ihrem Umland isolierte Stadt. Man erfährt so gut wie gar nichts über das Land, benachbarte Städte usw. Die Isoliertheit der Stadt ist ein wichtiges Motiv und einer der Hauptantriebe der Handlung. Daran ist auch nichts auszusetzen. Allerdings existiert nichts in einer Blase allein, sondern immer in Relation zu etwas anderem. Und dass dieses Andere vollständig ignoriert wird, bis es plötzlich auf den letzten paar Seiten auftaucht und als etwas Selbstverständlich hingestellt wird, finde ich nicht sehr überzeugend.

Die Geschichte wird aus Zarrias Perspektive geschildert. Man erhält auf diese Weise Einblicke in ihre Gedanken. Das war nicht immer von Vorteil, denn Zarria stellt sich manchmal nicht nur wirklich blöd an, sondern macht auch ständig Andeutungen und Anspielungen auf zukünftige Ereignisse der Handlung, vor allem auf wichtige Wendepunkte der Erzählung (à la “Noch konnte ich nicht ahnen/wissen, dass…”), dass es, als es dann so weit war, überhaupt keine Überraschung mehr darstellte. Diese Art und Weise der Erzählung nimmt sehr viel Spannung und Tempo raus und stilistisch war es irgendwie nicht die feine Art.

Trotz ihrer Schwächen, gefiel mir an Zarria ihre Starrsinnigkeit und Unabhängigkeit. Auch ihr Widerstreben sich von anderen Machthabern als Puppe für fremde Machenschaften missbrauchen zu lassen und ihr hartgesottener Charakter, machten sie mir direkt sympathisch. Vieles an ihr ist mir dennoch ein Rätsel geblieben (und das trotz Ich-Perspektive und ständigen inneren Monologen).

Über Josefa, Zarrias schlimmste und stärkste Widersacherin, hätte ich gerne viel mehr erfahren. Das was man als Leser/Leserin erfährt, wird am Ende sehr komprimiert dargestellt. Man hatte gar keine Zeit, sie und ihre Beweggründe kennenzulernen, geschweige denn sie zu verstehen und sie als “Bösewicht” zu akzeptieren.

Die Romantik hielt sich glücklicherweise in Grenzen. Allerdings fand ich sie dennoch etwas unnötig, weil sie nur dazu diente, Zarria an sich und ihren Taten zweifeln zu lassen. Die Liebesbeziehung nahm die Rolle eines schlechten Gewissens ein. Das hätte man mMn auch anders (ganz ohne Romantik) lösen können.

Das Ende hat mich sehr überrascht – nicht weil es besonders gut war, sondern weil es überhaupt nicht zum Rest der Geschichte passte. Es ist sehr konfus und es geschieht alles ganz schnell. Ich hatte das Gefühl, dass auf so wenig Seiten wie möglich, so viel wie nur nötig passieren sollte. Außerdem war das Ende viel zu versöhnlich und hoffnungsvoll für eine so düstere und brutale Geschichte.

Mein Fazit
Man merkt leider, dass es sich bei “Drachenmahr” um einen ‘dünnen’ Einteiler handelt. Vor allem das World-Building und der Handlungsverlauf leiden darunter. Und trotz aller Kritik muss ich sagen, dass mich der Roman sehr gut unterhalten und in seinen Bann gezogen hat. Das ist vor allem dem DRACHEN, der Draken und den Geistern geschuldet, die in ihrem Zusammenspiel eine gewisse Sogwirkung entfaltet haben. Und obwohl es mein erster Roman von Robert Corvus war und er mich nicht ganz von sich überzeugen konnte, werde ich in Zukunft dennoch zu weiteren Büchern von Robert Corvus greifen. “Drachenmahr”: eine gute Ablenkung für Zwischendurch.
Profile Image for Nadjab.
2,222 reviews
September 3, 2015
Erste Sätze
Das Mädchen sang, aber noch nicht einmal die vier Män­­­ner, die hinter ihm die Truhe die endlos erscheinende Treppe nach oben schleppten, verstanden sein Lied. Der donnernde Wasserfall übertönte die kindliche Stimme. Zehn Meter über ihnen brach er aus dem Fels, sechzig Meter tiefer traf er mit solcher Wucht auf, dass er die Treppe auf ihrer gesamten Länge mit Sprühnebel bedeckte, wenn der Wind aus Osten kam.


Klappentext
Einst zwang die Glasbläserin Josefa einen mächtigen Drachen unter ihre Herrschaft und bewahrte so die Stadt vor der Vernichtung. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen und noch immer halten starke Ketten das Monstrum in der Kathedrale. Tausende Tote aus dem großen Krieg streifen als Geister durch das Leidende Land, das die Stadt umgibt. Niemand kann sie verlassen, niemand entkommt den Alpträumen, die die Kinder des Drachen säen. Als die junge Zarria den Mord am Obristen der Drachengarde untersucht, wird sie zur Figur im Lügen- und Intrigenspiel der Patrizier. Doch Zarria vertraut nicht auf Schmeicheleien, sondern auf ihren Verstand, und so erkundet sie die dunklen Geheimnisse der Stadt, die zu Füßen des Drachen liegt...


Meine Meinung
Das Buch ist bis auf dem Prolog, der aus der Sicht eines auktorialen Erzählers geschrieben ist, aus Ich-Perspektive geschrieben. Die Ich-Erzählerin ist Zarria Machon.
Zarria ist Mitglied des Hauses Machon, einem Haus, das sehr an Ansehen und Mitgliedern in den letzten Jahren verloren hat und von einer jungen Matriarchin geführt wird. Sie sollte eigentlich jung heiraten, aber sie hat sich für den Weg der Stadtwache entschieden. Mittlerweile ist sie Obristin, allerdings haben die anderen Mitglieder ihrer Einheit keinen Respekt vor ihr, da sie Patrizierin ist und sehr jung ist. Dadurch sind viele der Meinung, sie hätte den Posten nur bekommen, weil sie zu einem der sieben hohen Häuse gehört und ihr Onkel Pedro der Leiter der Stadtwache ist. Sie muss sich also nicht nur als befehlshabende Offizierin behaupten, sondern auch noch in den Intrigen der Häuser stellen. Gefangen zwischen zwei Leben muss sie nicht nur versuchen sich selbst zu finden, sondern möchte auch den Glauben an die Gerechtigkeit bewahren und verwirklichen, der in einer Welt, die in zwei Klassen geteilt wird, schwierig wird. Sie ist idealistisch und mutig, um für das Richtige einzustehen. Sie ist sehr zielstrebig und entwickelt sich im Laufe des Buches weiter. Sie wird stärker und wächst in ihrer Führungsrolle. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und fand ihre Handlungen und Gedanken nachvollziehbar.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in einer Stadt namens Koda, wo ein Drache in einer Kathedrale gefesselt von der Drachenmeisterin Josefa beherrscht wird. Sie hat damals den Drachen gezähmt, um die Stadt mittels ihm und der Draken und der Gespenster vor dem Feind zu schützen. Seitdem war es friedlich in der Stadt. Josefa ist außerdem eine Adlige und gehört einem der sieben hohen Häuser an. Neben den Adligen gibt es noch Schützlinge der Häuser und andere arme Bevölkerung. Damit hat der Autor eine interessante Ausgangssituation und Welt geschaffen, die hauptsächlich in einer Stadt spielt. Man lernt die Stadt, die Religion und die Kultur in dem Buch nach und nach kennen. Das Buch ist dramatisch, actionreich, interessant, spannend und emotional. Ich brauchte zwar etwas, um in die Geschichte zu kommen, was aber auch daran liegt, dass die Welt des Autors so komplex ist. Dann konnte es mich aber fesseln und mitreißen. Es gibt einige überraschende Wendungen und Entwicklungen innerhalb des Buches. Der Schreibstil des Autors war angenehm und flüssig zu lesen.


Bewertung
Das Buch bietet eine tolle High-Fantasy-Geschichte mit einer interessanten Idee und einer starken, außergewöhnlichen Protagonistin, die einen starken Glauben an die Gerechtigkeit hat. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen und es hat mich fast komplett überzeugen können, daher gibt es von mir

4,5 von 5 Würmchen
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