Ich habe das kurze Drama von Gerhart Hauptmann nur zögerlich in die Hand genommen. Der Grund lag sicher in meiner schulischen Erfahrung mit seinem naturalistischem Werk zum Weberaufstand.
Damals als Schüler habe ich mich mit den Mundarten in dem Weberwerk etwas schwer getan und wähnte ähnliches.
Zwar spielt das Mundartliche eine gewisse, aber nur untergeordnete Rolle.
Letztlich steht von Anfang bis Ende die Beziehung zwischen Vater und Sohn Kramer im Blickpunkt, in zweiter Instanz deren Verhältnis zur Kunst und Empfindsamkeit, in dritter Instanz die Beziehung zwischen dem Sohn (Arnold Kramer), Quantmeyer und deren gemeinsamen Schwarm Liese Bänsch.
Das Werk versucht sich mit wenigen Pinselstrichen in auffallender Charakterisierung vor eher trister Kulisse; und alles, was Licht in das Leben zu bringen scheint (Kunst, Liebe, Frauen), wendet sich unaufhaltsam in das Tragische, welches dann wirklich und befreiend im Tode endend für Erlösung sorgt.
So weit, so klassisch.
Die Besonderheit liegt für mich in dem Werk in der Kürze und dem scheinbar einfachen, natürlichen Umgang mit der Erzählung. Sie wuchert nicht, keine der Rollen neigt zu überbordenden Pathos und der einzige Charakter, der das durchgehend andeutet, heißt dann auch noch Lachmann und scheint ein Gescheiterter zu sein.
Gebrochen wird diese naturalistische Lesart des Ganzen nur im Endmonolog von Vater Kramer.
In dieser kurzen, beiläufigen, aber doch ungewöhnlich scharfen Charakterisierung der wenigen Rollen dieses Dramas liegt die große Stärke, aber auch die große Schwäche des Dramas.
So deutlich es seinen Handlungshintergrund und die Rollen per se offenbart, so sehr lässt es wahrscheinlich viele Leser, die sich nicht in die Tiefe des Werkes eindenken wollen, außen vor und berührt nicht. Dazu ist es zu tastend, zu oberflächlich und zu wenig tiefgehend.
Wer sich aber den Charakteren öffnen mag, der findet manches von Interesse und psychologischer Tiefe, die das Werk an sich lesbar und empfehlenswert macht.
Der Leser sollte nur ein Gespür für die Untertöne und das Ruhige haben, welches gleichwohl nicht weniger tragisch ist als das Feuerwerk manch anderer Dramen.