Mein Name ist Artur Pepa, Pepa wie Papier. Ich nehme an, mein Erzeuger hat sich dabei etwas gedacht. Tatsächlich bin ich Dichter, auch wenn der nicht lügt, der sagt, dass ich viel mehr saufe als dichte. Schnaps und Ukraine, das gehört zusammen, Schnaps und Leben noch viel mehr. Wie Leben und Tod. Ich gehe auf die 40 zu, mein Herz ist nicht mehr das Beste, ich saufe und rauche zu viel und meine Frau Pani Roma betrügt mich mit einem Österreicher. Was mir der blöde Hund für Ärger bereitet, kannst du dir gar nicht vorstellen. Schon der Name: Karl-Joseph Zumbrunnen. Aber das schlimmste ist folgendes: Mein Erzeuger macht, was er will. Er ist ein Tyrann, und er lässt mich nie vergessen, dass er alle Fäden in der Hand hat. Er behandelt mich, als wäre ich nur ein Charakter in einem Roman, und den anderen geht es auch nicht besser. Aber hey, ganz ehrlich, da sind wir hier im Osten ganz andere Kaliber gewöhnt. Juri ist ja nur was seine Bücher angeht Kontrollfreak.
Ich wünschte, wir wären nie im „Wirtshaus „Auf dem Mond“ gelandet (doch, doch, die Anzahl der Anführungszeichen ist richtig). Jetzt wollen die mir auch noch einen Mord anhängen. Und Juri, der erzählt das alles, als wenn wir auf dem Rummel sind und in der Achterbahn fahren, als wäre das alles nur ein großer, rasanter Spaß.
Ja, wenn es um Antonytsch, unseren großen Nationaldichter, und seine Zwölf Ringe geht, dann ändert sich Juris Tonfall. Dann wird er fast lyrisch. Lemberg und Antonytsch, Antonytsch und Lemberg. Als ob es in der Ukraine keine anderen Dichter gäbe. Mich zum Beispiel…
OK, Juri ist auch nicht gerade schlecht. Er hat da Dinger drauf, um die ich ihn fast beneiden würde. Wenn ich jetzt sage, dass er bei mir abgekupfert hat, glaubt das eh keiner, denn Juri sagt dann bloß: Du bist doch nur eine Figur in meinem Buch. Aber meine wildwuchernden Assoziationsketten (was sagt Juri, damit es gebildeter klingt? „Phonetische Spielereien“!), die lass ich mir nicht klauen: „Föne für Achsel-, Scham- und Schamanenhaar“; Schafzucht/Unzucht/Eifersucht; Kränze/Kreuze/Sargdeckel; Nische/Wanne/Nirwanna; ich könnte ewig so weitermachen. Die heilige Dreieinigkeit, und darum habe ich auch gesagt: Juri, mach aus den Ringen ein Triptychon. Daran hat er sich dann gehalten und drei große Abschnitte gemacht. Bloß dass der Roman alles ist, nur nicht heilig. Wild und ausufernd erzählen, dass kann er. Überhaupt hat er mit den „Zwölf Ringen“ einen tollen Roman geschrieben, das muss der Neid ihm lassen. Und ich höre die in Deutschland und sonstwo schon fachsimpeln:
„Die Zwölf Ringe sind eine poetische Landeskunde, die die Ukraine nicht nur politisch, sondern auch literarisch näher ins Herz Europas rückt. Die „Ringe“ stehen auch für eine Betrachtungsweise, die die historische Dimension nicht aus dem Auge lässt. Egal, ob es sich um Lemberg oder das „Wirtshaus „Auf dem Mond“ handelt, Andruchowytsch sondiert erzählerisch die Geschichte, das Werden, nach dem Zwiebelprinzip. Manchmal rückt er seinem Gegenstand chronologisch-ordentlich zu Leibe, manchmal wirkt das Erzählte willkürlich und unzuverlässig wie das neue Staatsgebilde, das sich im Werden befindet und einem steten Wandel unterzogen ist.“
Klingt gebildet, aber wisst ihr was? Das Zentrum Europas, das ist die Ukraine! Schaut mal auf eine Landkarte, ihr werdet euch wundern. Und wenn erstmal mein nächster Roman rauskommt, dann werdet ihr schon sehen.