Kälte, Leere, Taubheit - anderes fühlt Lucy seit dem Tod ihrer Familie nicht mehr. In der Hoffnung, dem Schmerz zu entkommen, zieht sie zu ihrer Tante Fiona. Doch weder ihre skurrile Tante noch die Schule vermögen die Leere in ihr zu füllen. Bis Lucy auf den charismatischen und gut aussehenden Aaron trifft. Plötzlich stürmen Empfindungen auf sie ein, die sie nicht versteht und an den Rand des Wahnsinns treiben. Eines weiß Lucy jedoch Aaron ist anders. Als sie seinem Geheimnis auf die Spur kommt, gerät sie in etwas hinein, das ihr Leben vollkommen verändert …
Es war... nett. Nach dem holprigen ersten Absatz ging es eigentlich recht stark weiter. Und ich habe an sich nichts gegen eine Geschichte, die hauptsächlich durch den Charakter und weniger durch den Plot angetrieben wird. Das fand ich realistisch und gut dargestellt. Auch die Schreibe ist, bis auf ein paar Rechtschreibfehlerchen (vielleicht 5 auf 120 Seiten, das ist okay) auch recht solide und lässt sich flüssig lesen.
Allerdings sehe ich mehrere Probleme. Das große Geheimnis um Lucys Identität und wieso sie all die ungewöhnlichen Dinge sehen kann, ist zwar für Lucy eins - aber nicht für den Leser. Es steht schließlich die ganze Zeit im Buchtitel. Dadurch wirkt das, was für die Romanfigur eine wirklich große, einschneidende Erkenntnis ist, für mich eher zu einem "Ja wow, jetzt hast du es auch mal kapiert"-Moment und das ist sehr, sehr schade. Weil außerdem schon im Klappentext gespoilert wird, dass Aaron und Leander besonders sind (und ich beim Lesen auch munter vermutet habe, was für Fabelwesen sie sein könnten), ist auch dieser Aspekt der Handlung vorhersehbar und das ganze Hickhack zwischen den dreien wird dadurch eher nervig als sonstwas.
Hier würde ich der Autorin empfehlen, an Titel und Klappentext zu arbeiten. Sie verraten bei einem so kurzen Buch zu viel und nehmen der Handlung das an Spannung, was sonst rauszuholen wäre. Denn was passiert direkt am Ende von Band 1? Es gibt eine Vorschau auf Band 2. In der sofort verraten wird, wer von den Charakteren aus Band eins NOCH besonders ist. Worauf es in Band 1 keine Indikatoren gibt. Was somit also wirklich ein fetter Spoiler ist.
Dadurch verpufft das, was an sich vielleicht gar kein so übles Buch geworden wäre, denn all die wirklich spannenden Dinge weiß ich ja schon, noch bevor ich die erste Seite gelesen habe.
Gut fand ich beispielsweise die Bezeichnung. Allein das "Nephyl" lässt mich an eine ganz konkrete biblische Legende denken und es wäre durchaus spannend zu erfahren, ob das eine Rolle spielt im späteren Verlauf der Reihe. Oder die Idee, wie genau Magie funktioniert. Oder Tante Fiona als (nicht immer ganz konsequent handelnden) Charakter, sie war in ihrer Verschrobenheit durchaus herrlich. Hier sehen wir also ein Beispiel, wie die Verarbeitung eines Buches teilweise die Spannung im Buch tötet :(
Band 2 und 3 werde ich eher nicht lesen. Band 1 ist in sich abgeschlossen und auch wenn einige Geheimnisse ungelöst bleiben... es passiert so wenig, dass ich nicht das Gefühl habe, unbedingt den nächsten Band sooofort erwerben und lesen zu müssen. Tut mir leid.
Zitat: "Es sind die Momente, welche uns ausmachen und formen. Jeder Moment hat seine eigene Farbe, seinen eigenen Geschmack, seinen eigenen Klang"
Diese Worte trafen mich mitten ins Herz und ließen mich erstmal das Buch kurz weglegen. Doch ich wollte wissen, was es damit auf sich hat. Warum solche tiefgründige Gedanken ...
Es ist ungewöhnlich, dass ein Buch gleich mit so einem Paukenschlag anfängt und einem gleich die Tränen in die Augen treibt. Aber Ela schafft es mit ihrem Schreibstil einen sofort in den Bann zu ziehen. Eben hexenhaft ehrlich und anders.
Ihre Charaktere sind sehr ausdrucksstark und man fühlt sofort mit ihnen. Familie, Freundschaft und Liebe sind hier wunderbar verbunden, und mit ihrer Geschichte zum Thema sehr gut verflochten. Es hat mir viel Spaß gemacht durch die Seiten zu fliegen und eine magische Welt zu erleben.
Zitat: "Ich könnte ein Geheimnis lüften. Ihr Geheimnis. Und vielleicht auch meines?"