Hamburg,1939: Verzweifelt sieht Marga dem Zug hinterher, mit dem ihr Jugendfreund Michael in die Ferne reist. Seit sie denken kann, ist sie in den jüdischen Klarinettisten verliebt, zahllose Stunden verbrachte sie mit ihm in den Tanzlokalen der Hamburger Swingjugend. Obwohl seine Herkunft ihn zur Emigration nach Paris zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Denn ihre Liebe ist wie ein Lied, das niemals verklingt. Doch in dessen süße Melodie mischen sich schon bald die kalten Klänge des Krieges ...
,,Hamburg,1939: Verzweifelt sieht Marga dem Zug hinterher, mit dem ihr Jugendfreund Michael in die Ferne reist. Seit sie denken kann, ist sie in den jüdischen Klarinettisten verliebt, zahllose Stunden verbrachte sie mit ihm in den Tanzlokalen der Hamburger Swingjugend. Obwohl seine Herkunft ihn zur Emigration nach Paris zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Denn ihre Liebe ist wie ein Lied, das niemals verklingt. Doch in dessen süße Melodie mischen sich schon bald die kalten Klänge des Krieges ...''
Ich hatte zugegebenermaßen keine hohen Erwartungen an dieses Buch, das inzwischen seit einem Jahr ungelesen in meinem Bücherregal liegt. Das liegt denke ich vor allem daran, dass meine bisherigen Erfahrungen mit dieser Autorin nicht sehr spannend waren. Aber dieses Buch ist wirklich, wirklich interessant. Bisher habe ich kein Buch kennengelernt das den Fokus auf Musik während dem zweiten Weltkrieg gelegt hat. Vom Stil her bin ich durch die Seiten geflogen, 500 Seiten an einem Tag ist nicht schlecht. Leider fand ich die Protagonistin sehr weinerlich, dadurch muss ich einen Stern abziehen. Das Protagonistenpaar in der Gegenwart (1999) fande ich widerrum sehr sympatisch. Jedoch fiel mir hier ein weiteres Mal auf, wie jung ich doch bin...vielleicht kann ich mir dadurch doch einige Sachen nicht vorstellen, die damals normal waren.
"Wie ein fernes Lied" ist eine der von mir am ungeduldigsten erwarteten Neuerscheinungen des Jahres 2015. Seit ich den Roman mit seinem wunderschönen Cover, das so viel Sehnsucht ausstrahlt, im Herbstprogramm des Piper Verlags entdeckt hatte, wartete ich auf dessen Erscheinungstermin. Am 10. August war es dann endlich so weit. Nach verschlingen des Romans in nur wenigen Lesestunden bleibt mir abschließend zu sagen: das warten hat sich für jede einzelne Seite des Buches gelohnt!
Es ist das Jahr 1939 als Marga ihrer Jugendliebe Michael Friedländer am Bahnhof "Adieu" sagen muss. Michael, der begnadete Klarinettist, mit dem Marga nicht nur eine gemeinsame unbeschwerte Kindheit, sondern auch die Liebe zur Musik verbindet. Für Musiker, die sich wie Marga und Michael dem Swing verschrieben haben, Musik mit neuen Melodien und fremdsprachigen Texten, geht die Zeit der Unbeschwertheit verloren, denn die Nationalsozialisten gewinnen mehr und mehr an Macht, vergraben sich in ihrem eigenen Gedanken- und Liedgut und merzen alles für sie Unbekannte und Fremdartige aus. Für Michael, der zudem Halbjude ist, eine nicht zu unterschätzende Gefahr, vor der er ins Ausland flieht.
"Marga sah ihm nach, durchbohrte mit ihren Blicken seinen schmalen Rücken und wünschte sein Herz zu treffen. [...] Und sie würde notfalls gegen alle Widrigkeiten des Schicksals, gegen Krieg und Politik um ihn kämpfen."
Marga kann ihn nicht vergessen. Sehnt sich nach niemandem so sehr, wie dem vertrauten Freund, der ihr zum Abschied ihre Liebe gestanden hat. Um ihm näher zu kommen, unterbricht sie ihr Studium an der Musikhochschule und reist mit Harry Alsens Tanzkapelle in durch deutsche Soldaten besetzte Nachbarländer, um dort zur Truppenunterhaltung zu musizieren. Kein Vergleich zu der ehemals so sorglosen Zeit in der Swingjugend Hamburgs, denn der Krieg greift mit kalter Faust um sich und droht jeden zu verschlingen, der nicht mit Hitlers Gedankengängen konform geht.
Wie liest man ein Buch, das so spannend und wundervoll zugleich ist, dass man unbedingt wissen möchte, wie es endet und sich gleichermaßen wünscht, dass man die finale Seite nie erreichen wird? Eine Zwickmühle, der mich Micaela Jary schonungslos ausgesetzt hat.
"Lange verdrängte Bilder stiegen unerwartet in ihr auf. Von johlenden Männern in Uniformen, die alte Leute schlugen, vom Mob, der leichtfertig den Parolen irgendwelcher Politiker folgte und den eigenen Missmut an hilflosen Menschen ausließ. Ihr war es in ihrem bisherigen, bald einundzwanzigjährigen Leben immer gelungen, sich der Nähe der Partei und ihren willfährigen Handlungen zu entziehen. [...] Und auch, weil sie als Swinggirl andere Wertvorstellungen besaß, als die meisten Mitglieder der Hitlerjugend."
Was man durch den Klappentext und auch meine Inhaltsangabe nicht erfährt: im Jahr 1999 gibt es eine junge Musikerin, die irgendwie in Verbindung mit den uns bekannten Musikern Marga, Michael und Harry Alsen steht. Aber in welcher? Ein Geheimnis, das Micaela Jary bis aufs Blut ausreizt und den Leser so mit jeder Faser ans Buch fesselt. Geschickt eingesetzte Wechsel der zeitlichen Ebenen und Spannungsbögen, die am Ende der Kapitel immer wieder in die Höhe schnellen, sind der Grund dafür, dass ich "Wie ein fernes Lied" verschlungen habe. Geschickt verpackt in geschichtliche Aspekte, die für mich Neuland waren und mich teils schockiert haben, denn mir waren wohl Hitlers Greueltaten bewusst, aber nicht auf welchem kulturellen bzw. musikalisch kulturellen Vormarsch sich Deutschland vor einsetzen des Zweiten Weltkriegs befand, der nicht nur viele Menschen zerstörte, sondern eben auch einen Wandel in Richtung Moderne blockierte und damit sicher auch Mauern um eine kulturell-musikalische Veränderung baute, die erst lange nach Kriegsende zum einstürzen gebracht werden konnten.
Warum konnte ich mich eben diesen spannenden und informativen Handlungen nicht einfach mitreißen lassen und das Buch in einem durchlesen? Schuld sind Micaela und Marga. Die Autorin, da sie - wie Leser des im letzten Jahr erschienen "Das Haus am Alsterufer" wissen - eine so wunderschöne Atmosphäre schaffen kann, dass der Leser mühelos für einige Lesestunden in die Vergangenheit reist und von dort kaum wieder zurückkehren kann, auch wenn diese von so schrecklichen Ereignissen wie dem Krieg belastet wird. In "Wie ein fernes Lied" ist es die Musik des Jahrzehnts, zu der Micaela Jary durch eigene Erlebnisse und familiäre Verbundenheit eine ganz besondere Beziehung hat, die den Leser durch Klänge von Freiheit und Widerstand, von Mut und dem Wunsch sich nicht unterkriegen zu lassen, ganz besonders einnimmt und nicht mehr gehen lässt.
"'Swing heil, Girls!', rief der junge Soldat, der eben noch als Bassist auf der Bühne gestanden hatte.
Ja und dann ist da noch Marga. Die wundervolle, manchmal etwas blauäugige, aber immer um ihre Ziele kämpfende Marga, die so voller lebendiger Sehnsucht ist, dass ich sie im eigenen Herz spüren konnte. Marga, mit der ich gehofft, gebangt und gekämpft habe und die ganz am Ende genau das bekommt, was ich mir während der viel zu schnell vorüberziehenden 544 Seiten, immer für sie gewünscht habe.
Dieses Buch machte mich aufgrund seines Klappentextes sehr neugierig. Ich habe bisher noch kein Buch der Autorin gelesen, lese aber sehr gerne historische Romane oder Bücher, deren Handlung zur Zeit des Nationalsozialismus spielt. Meistens handeln diese Bücher von Insassen der Konzentrationslager und dies ist durchaus wichtig, denn diese schlimmen Ereignisse sollten nicht in Vergessenheit geraten. Hier jedoch interessierte mich vor allem, dass dieser Roman diese Zeit aus einer ganz anderen Perspektive beleuchtete. Auch das das Thema Liebe eine große Rolle einnimmt sprach mich vor allem als Frau an. Die Autorin machte hier wirklich auf eine eindrucksvolle Weise darauf aufmerksam, wie sich selbst in den Bereich der Musik der Nationalsozialismus auswirkte. Ich habe daran ehrlich gesagt noch nie gedacht. Natürlich war mir bewusst, dass das Leben der Bürger in vielen Bereichen eingeschränkt war, aber das selbst bestimmte Musikrichtungen einer strengen Regelung unterworfen waren, wurde mir erst hier richtig bewusst. Die Handlung spielt auf zwei Ebenen. Einmal in der Zeit des Dritten Reiches und einmal 1999. Da sich diese regelmäßig abwechselten wurde es beim Lesen nie langweilig. Die Handlung der beiden Zeiten ist auf mehr als interessante Weise miteinander verbunden und der Leser taucht in der Handlung vollkommen ab. Ich wurde gefesselt von dem Verlangen zu erfahren, wie sich alles auflösen wird. Marga ist eine wunderbar realistische Hauptprotagonistin auch wenn sie mir in manchen Sachen etwas naiv erschien. Sie wirkte oft egoistisch auf mich und doch trägt sie soviel Liebe in sich, dass es mich wirklich berührte. Michael, ihre Jugendliebe, war mir weniger sympathisch. Natürlich ist er in einer mehr als heiklen Situation und ich verstehe durchaus, dass er an sein Überleben denken musste, aber ein wenig mehr Emotionalität hätte ihm sicher nicht geschadet. Micaela Jary hat eine wunderbar spannende Art uns das Schicksal dieser beiden Figuren näher zu bringen. Ihr Schreibstil ist angenehm zu lesen und die Handlung entblättert sich dem Leser in ihrer ganzen Pracht. Sie hat eine wunderbare Art dem Leser die Hürden und Ängste dieser Zeit eindringlich näher zu bringen. Ich habe diesen Roman verschlungen und war am Ende mehr als gerührt. Ein großartiges Buch über die schlimmste Zeit unserer Geschichte und Liebe.
Es beginnt mit einem Abschied. Die junge Marga, Jazz-Sängerin, verabschiedet ihren Schwarm, ihre große Liebe Michael, einen Klarinettisten am Bahnhof Hamburg. Er geht mit seiner Band auf Gastspieltour in die Schweiz. Es ist das Jahr 1939 und Michael ist Jude. Marga ahnt, dass er aus Angst vor Anfeindungen und Verboten der Nazis nicht mehr nach Deutschland zurückkommen wird.
Ist es ein Abschied für immer? Marga, nun selbst auf Tour zur Truppenbetreuung in Dänemark , will ihn nicht vergessen, ihn nicht aufgeben und macht sich auf die Suche …
Micaela Jary schildert diese Liebesgeschichte, diese Suche nach dem verlorenen Glück über viele Jahre vor dem Hintergrund des Naziterrors und des Krieges in Europa.
Dabei hat mich die Autorin buchstäblich von der ersten Seite fest im Griff. Sie erzählt ihre gut auf zwei Zeitebenen konstruierte Geschichte fließend und sehr spannend. Die Charaktere sind detailreich auskolorierte und wirken daher sehr lebendig. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen junger Swingmusiker der 40er Jahre werden kenntnisreich und hervorragend recherchiert dargestellt. So gelingt es ihr spielend, das Lesepublikum über 550 Seiten zu fesseln und sehr gut zu unterhalten.
„Wie ein fernes Lied“ nennt Micaela Jary - Schriftstellerin, Journalistin, Tochter des legendären Filmkomponisten Michael Jary – ihren Roman. Es gelingt ihr eindrucksvoll, uns dieses Lied, diese Geschichte ganz nahe zu bringen und nicht so schnell zu vergessen.
Anzumerken bleibt noch die schöne Gestaltung des Buches, das auch ein ausführliches Namensregister, und ein Nachwort zur Recherchearbeit der Autorin enthält. Außerdem gibt es einen link zur Piper-Verlagsseite:
Hier gibt es Swingsongs des Kammertanzorchesters Michael Jary. Diese gar nicht mehr fernen Lieder höre ich gerade während ich schreibe. Alles in allem also ein äußerst gelungenes Lese- und Hörerlebnis!