Buchbeschreibung (Lovelybooks)
Wenn ein einziger Kuss tödlich sein könnte – würdest du dich verlieben? Für Annie stürzt eine Welt zusammen, als ihr kleiner Bruder nach einer Operation nicht erwacht. Doch sie findet einen Weg, zu ihm zu gelangen – in ihren Träumen. Nacht für Nacht sucht sie nach ihm und bekommt dabei unerwartet Hilfe von einem Unbekannten. Annie traut ihren Augen kaum, als sich ihr neuer Mitschüler ausgerechnet als der Fremde entpuppt. Doch warum geht er ihr aus dem Weg, obwohl er sie in den Träumen fast küsst?
Meine Meinung
Der Schreibstil lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Grundsätzlich ist er klar und einfach. Einerseits gelingen wunderschöne Beschreibungen von Gefühlen und Landschaften und tolle sprachliche Bilder, andererseits las sich für mich die Geschichte immer wieder auch holprig, so dass mein Lesefluss unterbrochen wurde. Außerdem störte es mich, dass es manchmal beim Konjunktiv oder dem Plusquamperfekt Zeitenfehler gab. Das führte dazu, dass manche Sätze einfach unrund und nicht angenehm zu lesen waren. Ebenso hat mich gestört, dass es immer wieder Wortwiederholungen oder manchmal auch eine falsche Präposition gefunden wurde. Zum Beispiel habe ich gefühlte tausendmal in diesem Buch das Wort "sah" und den Satz "Ich sah um mich." (Wo mir auch "Ich sah mich um." flüssiger vorkäme.) gelesen, dabei gäbe es viele Synonyme und Umschreibungen für dieses Wort. Was mir außerdem nach einer Weile aufgefallen ist, sind diese langen, immer nach dem gleichen Muster geschriebenen Gedankenketten. Sie funktionieren meist so oder so ähnlich: "Ich dachte an X und an Y und daran, dass Z." Nach einer Weile haben mich speziell diese Wiederholungen genervt, da es auch hier wieder viele Möglichkeiten gegeben hätte, dies in andere Worte zu verpacken.
Die Personen sind eigentlich fast durchwegs sympathisch, auch wenn manche nicht wirklich greifbar waren. Ruben zum Beispiel kam mir sehr austauschbar vor und wie die Verkörperung des Bildes, das in den meisten auftaucht, wenn man an "das typische Kind" denkt. Am liebsten mochte ich Lars - und Annie, deren Gefühle ich wirklich immer nachvollziehen konnte. Es ist leicht sich mit ihr zu identifizieren, da wohl jeder, der Geschwister hat, diese besondere Form der Liebe kennt.
Lio wirkte auf mich trotz den kurzen Kapiteln aus seiner Sicht irgendwie unerreichbar. Ich konnte ihn das ganze Buch über nicht einschätzen. Bis auf Isabella schienen mir auch Annies Freunde etwas blass, auch wenn sie am Anfang kurz beschrieben wurden.
Wirklich loben möchte ich die tolle Idee der Autorin! Das Rainbowland ist ein faszinierender Ort, vor allem wohl für jene, die sich selbst immer wieder an lebhafte Träume erinnern. Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass man die anderen Welten nicht so wirklich auseinanderkennt. Es wäre schön gewesen, wenn sie wie das Rainbowland zum Beispiel durch seinen Mond durch irgendein Detail sofort zu unterscheiden gewesen wären. Bei der Beschreibung "Der dunkle Lord" musste ich zudem ständig an Harry Potter denken, aber das hat mich nicht gestört. Diese Worte sind einfach ein toller Name für einen Bösewicht, und nur weil J.K. Rowling sie ebenfalls verwendet, sollen sie nicht für alle anderen Autoren "verboten" sein. ;) Generell werden die Harry-Potter-Bücher zum Thema gemacht, was einfach automatisch immer ein Pluspunkt ist. Insgesamt jedoch bringt die Autorin viele neue Ideen ein und besonders der Prolog mit Annies Vater ist wirklich wundervoll geschrieben!
Die Spannung kam mir leider immer wieder zu kurz, so dass ich mich stellenweise schon sehr motivieren musste, weiterzulesen. Es liest sich für mich schön nebenbei - aber es entwickelte nicht so einen Sog, der es mir etwa unmöglich gemacht hätte, den Kindle je aus der Hand zu geben. Meiner Meinung liegt dieser Mangel an Spannung vor allem an einem: An den vielen Wiederholungen der Handlung. Annie hat immer wieder fast denselben Traum, und als Leser ging mir da einfach die Neugier verloren, weil diese Träume oft bis auf kleine Unterschiede gleich verlaufen. (Hier hätte man vielleicht kürzen und zusammenfassen können und dafür das Ende ausbauen, denn da passierte dann auf einmal sehr viel und es wurde schnell und viel herumgereist.) Auch die täglichen Besuche von Annie im Krankenhaus und ihr Vorlesen wurden mir zu oft beschrieben. Die kleinen Cliffhanger am Ende mancher Kapitel gelingen oft, aber nicht immer. Manchmal wurde ein überraschendes Kapitelende erst so spät aufgelöst, dass ich schon ganz darauf vergessen hatte und dann dachte: "Ach ja, stimmt, das war ja auch noch offen."
Richtig praktisch wären kleine Überschriften oder Markierungen gewesen, die dem Leser zeigen, wo man sich überhaupt gerade befindet. Oftmals wechseln die Hauptpersonen plötzlich mitten auf einer Seite in die Traumwelt - aber das merkt man meistens erst wenn etwas Seltsames passiert und ich war deshalb immer wieder unsicher und misstrauisch, ob etwas nun real ist oder nicht. Es ging natürlich so auch, aber angenehmer wäre es anders gewesen.
Die Liebesgeschichte konnte mich nicht wirklich überzeugen, vor allem weil durch den Klappentext die Erwartung geweckt wird, dass diese intensiver thematisiert wird. Nur vereinzelt gab es Stellen, die ein bisschen Kribbeln auslösten. Ich fand, dass Lars eine bessere Chemie mit Annie hatte als Lio, aber dieses Gefühl habe ich bestimmt auch nur, weil ich Lio so schwer greifbar fand und ihn einfach nicht einschätzen konnte. Er war auch so beschäftigt damit, kryptisch zu sein, dass sein Charakter nicht gut genug zum Vorschein kam. So richtig wird sich die Liebesgeschichte wohl aber erst im nächsten Band entwickeln - das Potential ist da, denn Gefühle kann die Autorin wunderschön beschreiben, es könnte also durchaus noch romantisch werden.
Mein Fazit
Eine Fantasygeschichte, in die viele neue und gute Ideen eingearbeitet wurden, die mich jedoch leider nicht fesseln konnte. Das lag vor allem an den Wiederholungen beim Schreibstil und bei der Handlung und an manchen Figuren, die einfach nicht greifbar wurden.
Eine Geschichte für alle, die über Wiederholungen hinwegsehen können und sich für die faszinierende Welt der Träume interessieren!
Übersicht
Erzählstil: Ich-Erzähler, Präteritum;
Perspektive: aus weiblicher (Annie) und männlicher Perspektive (Lio)
positiv:
* Schreibstil glänzt manchmal mit wunderschönen Beschreibungen von Gefühlen und Landschaften und tollen sprachlichen Bildern
* Annie ist sympathisch und es ist leicht sich mit ihr zu identifizieren
* oftmals gelungene Kapitel-Cliffhanger
* viele gute, neue Ideen
negativ:
* Manche Charaktere bleiben blass oder ungreifbar
* Schreibstil beinhaltet einige Wiederholungen und Zeitenfehler
* mir fehlte die Spannung aufgrund von Wiederholungen im Plot
* Liebesgeschichte (noch?) nicht überzeugend genug
* oft nicht gleich erkennbar ob etwas in der Realität spielt, oder im Traum (dadurch entsteht Verwirrung)
Bewertung:
Idee und Inhalt: 10 /10
Ausführung: 6 /10
Schreibstil: 6 / 10
Personen: 6 /10
Protagonistin: 8 / 10
Zusatzkriterien bei diesem Buch:
Liebesgeschichte: 4 / 10
Spannung: 4 / 10
Insgesamt:
❀❀❀
Ich vergebe drei Lilien!
Ist dieses Buch Teil einer Reihe? – Ja, Band #1 der "Rainbowland"- Trilogie.
Werde ich die Fortsetzung lesen? – Noch unsicher, aber eher nicht.