Es ist nicht die Heizung, wenn es im Haus «zum Eisernen Zeit» im schweizerischen Münsterburg in den Wänden klopft. Die drei jungen Rechtsanwälte, die als «Trockenwohner» in die nicht geheuere Dachwohnung ziehen, scheinen die Wiedergänger eher anzuziehen, als sie zu vertreiben. Das beginnt mit dem Freiherrn von Sax und seiner tödlichen Schädelwunde – sie ist bis heute an der erhaltenen Mumie zu besichtigen –, aber mit ihm endet es nicht, und nicht einmal mit dem «Gespenst des Kommunismus» und den bösen Geistern des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine Mitgift des Herrn von Sax spukt freilich durch alle Kapitel dieses die berühmteste Minnehandschrift des Mittelalters, die er als Kriegsbeute mitgehen ließ. Diese Handschrift lebt. Wer sie öffnet, wird mit Haut und Haar hineingezogen. Das gilt auch für dieses Buch. Mit Figuren wie von Fellini und einer labyrinthischen Architektur bereitet uns der Roman ein aufregendes, mitunter abgründiges Leseerlebnis. Wer den Sehnsüchten, Liebesgeschichten, Plänen und Karrieren von Muschgs Figuren nachforscht und dabei die dünne Wand zwischen den Lebenden und Toten durchstößt, begegnet der Frage, die beide Seiten die nach dem gelebten und dem ungelebten Leben. Spannend, hoch erotisch und visionä das Leseabenteuer einer Geisterbeschwörung.
Ein rotes Anwaltskollektiv übernimmt 68 Teile eines alten Gemäuers, in dem es spuken soll, macht seinen Marsch durch die Institutionen und wird gemeinsam alt. Dieser Roman ist bevölkert von - teils sehr skurrilen Fanny Moser - realen wie fiktionalen Charakteren. Allein der Namensgeber Johann Philipp von Hohensax aber auch die zweite wichtige reale Figur Fanny Moser fordern zum Nachschlagen und weiterlesen auf. Allerdings überlädt Muschg das Werk mit zu vielen Themen. Heimatlosigkeit über das Leben von Ausländern in der Schweiz über Transsexuelle, Inzest, künstliche Intelligenz, Geister, Finanzkrise usw. werden auf interessante Art angerissen aber nie wirksam zu Ende gedacht. Zugleich kommt kein Thema voran. die Figuren altern oder werden auf merkwürdige Weise ermordet (was nie aufgeklärt wird - es ist kein Krimi) aber der Autor kann nicht von ihnen lassen. Insgesamt ein Werk voll interessanter Einfälle aber schlecht umgesetzt.