183 Tage schließt sich Ianina Ilitcheva von fast allen Interaktionen weg. Kein Kontakt mit Freunden und Bekannten. Keine Anrufe. Keine E-Mails. Teine Textnachrichten. Sie begibt sich in ein soziales Exil und zieht sich zurück in ihr Inneres, neugierig, an den äußersten Rand des Alleinseins zu gelangen. Sie hat einen genauen Fahrplan, Regeln, die sie einzuhalten hat, aber trotzdem kommt alles anders als erwartet. 333 Notizen, 183 Fotografien, Selbstporträts, Illustrationen, Gedichte und Tagebucheinträge erzählen persönlich, ungebremst und ungeschönt von diesen Tagen des Rückzugs. Die Stimme der Autorin ist laut und leise, traurig und überschwänglich, poetisch und sachlich, und sie erzählt mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Sprachgewalt von den großen und kleinen Dingen des Lebens: „Meine größte Angst ist, dass mir eine Möwe auf den Kopf scheißt.“
Ich kannte Ianina grob durch meine damalige Twitter-Bubble. Das Buch wurde tausendfach gelobt und in den Himmel gehoben. Letztlich war es aber gar nicht so leicht an das Buch zu kommen (jedenfalls zu der Zeit des Kaufs) und nur durch viel Glück schaffte ich es und ich bereue nichts!
Ich fand sowohl ihr Experiment an sich als auch ihre Erfahrungen währenddessen super interessant, gerade auch weil sie als extrovertierte Person dieses Experiment startete. Da stelle ich mir es nochmal etwas schwieriger vor als es vielleicht für introvertierte Personen wäre.
Während des Experimentes bekommt man Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Diese werden auf verschiedene Arten präsentiert und zwar in Form von kurzen Notizen und Gedichten, Skizzen; Zeichnungen und auch Selbstporträts. Besonders Letztere wurden auf transparenteren Seiten gedruckt, welche irgendwie die beiden Seiten des Experimentes nochmal darstellen, aber das ist nur meine Interpretation. Durch das Zusammenspiel der einzelnen Aspekte ist das Buch generell wahnsinnig schön anzusehen. Schade fand ich, dass ich nicht alle Notizen lesen konnte, weil ich mit der Schrift (die Notizen sind handschriftlich) nicht immer klar kam, aber ehrlich gesagt bin ich, was sowas angeht, auch nicht sonderlich begabt.
Insgesamt besaß sie eine wortstarke und ehrliche Art zu schreiben und ihre Gedanken zu verschriftlichen. Dies zusammen mit einem Hauch Sarkasmus (manchmal auch mehr als ein Hauch) empfand ich als sehr erfrischend beim Lesen. Ihre Texte regen zum Nachdenken an und ich habe einiges aus dem Buch mitgenommen. (Es gab aber auch Gedichte mit denen ich nichts anfangen konnte, aber so ist das mit Kunst nun mal.)
Ianina Illitcheva möchte sich zurückziehen, 183 Tage lang, ein halbes Jahr. Keine Freunde, keine Socialmedias, keine Anrufe, keine Nachrichten – nur sie und ihre Gedanken, die sie in Form von Notizen, Bildern, Zeichnungen und Texten festhält. Wie kommt sie damit zurecht allein zu sein? Und was erlebt sie in diesen 183 Tagen?
„Warum hat mich dieses Buch angesprochen?“, das ist die erste Frage, die ich mir vorhin gestellt habe, als ich mich hier hingesessen habe um die Rezension zu schreiben. Die Antwort ist ziemlich simple, denn in erster Linie war es das wunderschöne, ausdrucksstarke Cover. Ja, ich verfalle Covern sehr gerne und gebe es auch gerne zu. Doch auch die Beschreibung hat mich sofort angesprochen, denn dieses Buch ist eindeutig anders und mal etwas ganz Neues. Zudem ist mir die Idee der kontrollierten Isolation nicht fremd, denn ich habe einmal praktisch etwas ganz ähnliches getan und war somit gespannt auf die Erfahrungen der Autorin/Künstlerin.
Wer hier allerdings einen detaillierten Erfahrungsbericht erhofft, ist eindeutig falsch. Vielmehr findet man in diesem Buch eine Ansammlung von poetischen, direkten und oft auch sarkastischen Gedanken wieder, die während der 183 Tage als kurze Notizen und Gedichten, ausdrucksstarke Skizzen und Zeichnungen, längere Gedankengänge und auch Bilder (in Form von transparenten Seiten) festgehalten wurden. Als ich mir das Buch das erste Mal ansah, dachte ich auch, dass es sicherlich ein kurzer Spaß wird, da 256 Seiten ja wirklich nicht viel sind, vor allem, weil diese ja nicht komplett gefüllt sind wie bei einem normalen Roman. Doch eigentlich habe ich noch länger gebraucht, da diese Stimmung, die von dem einzigartigen Schreibstil der Autorin ausging und auch die Bedeutung hinter einigen Worten selbst, mich dazu verleitet haben, weitaus langsamer und genauer zu lesen. Während des halben Jahres erlebt Ianina natürlich vieles und durchlebt auch viele Emotionen – Traurigkeit, Einsamkeit, Verwirrtheit, aber auch Fröhlichkeit und es war wirklich interessant zu sehen, wie sie diese zum Ausdruck bringt und wie sie damit umgeht, da auch zwei sehr prägende Dinge geschehen. Einige Gedanken bleiben so unkommentiert, dass sie Worte sind, die bloß etwas im Raum nachhallen, andere sind persönlicher ausgeführt und regen zum Nachdenken an und wieder andere sind locker und bringen einen zum Schmunzeln. Genau dieser Wechsel hat das Buch für mich eigentlich erst so anziehend und interessant gemacht. Und auch wenn man zwischen den Zeilen und anhand der längeren Texte einiges mitnehmen bzw. verstehen konnte, hätte ich mir doch noch ein paar Worte mehr gewünscht, was die Erkenntnisse und auch die „Wiedereingliederung“ in ihre soziale Welt nach dem Experiment angeht.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass man hier ein sehr kunstvolles Buch mit interessanten Gedanken und ausdrucksvollen Zeichnungen und zum Teil poetischen Worten findet, bei dem man auch mal die Chance hat viel zwischen den Zeilen zu lesen. Dementsprechend ist dieses Buch sehr besonders und eher etwas für Menschen, die Spaß daran haben über Worte nachzudenken und sich an schönen Illustrationen erfreuen.
Zitat Seite 95: "Freunde machen die Welt nicht kleiner, sondern größer, viel größer, unfassbar groß."
6 Monate = 26 Wochen = 183 Tage, solange möchte sich Ianina Ilitcheva einem selbstauferlegten Experiment aussetzen. Keinen geplanten Kontakt zur Außenwelt, keine Anrufe, keine Emails, kein Twitter oder andere soziale Netzwerke, es gibt aber Ausnahmen. Zwei geplante Reisen, unangekündigter Besuch und handgeschriebene Briefe sind erlaubt... Ihre Erfahrungen mit dem Alleinsein stellt sie mit Skizzen, Zeichnungen, Post-its und Texten dar.
"183 Tage" von Ianina Ilitcheva ist ein kleines Kunstwerk. Der Aufbau des Buches gefällt ganz gut, die Post-ist, die Skizzen und die Fotos vervollständigen das Geschriebene sehr gut. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und sehr ansprechend. Aber man kann es nicht so in einem weg lesen, bei einigen Stellen habe ich inne gehalten und über das Geschrieben nachgedacht. Es werden die verschiedensten Gefühle in mir geweckt, sei es lachen oder traurig sein. Mir haben ein bisschen die genaueren Einblicke in das Gefühlsleben der Autorin gefehlt. Was hat sie den ganzen Tag so allein gemacht? Woran hat sie gedacht?
Das Cover ist ein echter Hingucker, die blauen Gräser machen neugierig auf das Buch.
Fazit: Ein künstlerisch wertvolles Buch mit schönen Fotos und gemalten Bildern.
Ein wunderschön gemachtes Buch, das enttäuschend wenig substanzielle Gedanken enthält. Ich wollte es mögen - und ich habe es auch gekauft, weil es einfach (wdh) so wun-der-schön gestaltet ist - aber ein wenig mehr Sein und weniger Schein hätten ihm vielleicht gut getan. Ianina Ilitcheva begibt sich auf ein Selbstexperiment der sozialen Reduktion (von kompletter Abschottung kann keine Rede sein), welches für andere Leute eigentlich Alltag darstellt, und sogar das unterbricht sie zweimal. Dementsprechend flau bleiben ihre Erkenntnisse. Zwei funkelnde Sterne bekommt das Buch einerseits für sein fantastisches Layout und Arrangement von Text, Zeichnungen und Fotografien, andererseits für die paar wirklich poetischen Passagen, die Frau Ilitcheva gelingen (das Meer!), und die die Sprachkunst-Studentin der Angewandten durchblicken lassen. Dazwischen bleibt eine Art Langeweile-Weisheit, die am Ende der Lektüre keinen einzigartigen Gedanken ergibt.