Proviant: 29 Kokosnüsse. Für 3 Menschen und 51 Tage. Ausgemergelt kauern die drei Freunde in einem kleinen Motorboot, als sie am 24. November 2010 schließlich gefunden werden - 1300 Kilometer entfernt vom Startpunkt ihrer Reise. Auf ihrer Heimatinsel Tokelau hatte man sie bereits für tot erklärt. Ihre Rettung geht als Wunder weltweit durch die Medien (New York Times, GQ u.a.). Doch die Jungen, 14 und 15 Jahre alt, bringen ein dunkles Geheimnis mit an Land. Auf der Suche nach ihnen reist Damaris Kofmehl rund um den Globus, stößt aber auf eine Mauer des Schweigens. Doch ausgerechnet in der Straßengang-Szene Sydneys warten Antworten auf sie.
Ok. PUH hab ich was zu dem Buch zu sagen. Zu allererst mal: ich hatte absolut keine Ahnung worum es in dem Buch gehen würde (mal abgesehen von dem, was ich mir aus dem Titel + Cover zusammenreimen konnte). Ich habe mir nicht den Rückentext durchgelesen (nicht aus irgendeinem bestimmten Grund, ich mache es generell nie) und noch nie von der Autorin gehört. Unser Schulhausmeister hat das Buch als ich noch zur Schule ging gelesen und da hab ich mir den Titel aufgeschrieben, weil ich Survival-Geschichten an sich unglaublich spannend finde.
Well. Survival hat für mich in etwa 1/3 des Buches ausgemacht. Wenn überhaupt. Im Grunde genommen hat das Buch, platt gesagt, von Gott gehandelt. So. Wenn man mich kennt weiß man, dass ich normalerweise sofort das Buch weglegen würde (ich bin Atheistin und halte auch sonst nichts vom ganzen „Schicksalskram“). Und das hätte ich auch fast. Ich musste mich teilweise durch die Seiten quälen, weil gefühlt jedes zweite Wort „Gott“ und „beten“ und „Wunder“ war. Im Endeffekt bin ich ziemlich froh mich doch durchgerungen zu haben es zu Ende zu lesen, denn die Stellen, in denen es sich ausschließlich um das „Schlamassel“ der drei Teens handelt, sind unglaublich interessant, to say the least. Ich habe Kofmehl‘s Schreibstil geliebt und konnte gar nicht aufhören zu lesen, so fesselnd hat sie die Geschichte erzählt. Obwohl die drei Jungen Fremde für mich sind, hab ich mich Ihnen so nah gefühlt als würde ich mit ihnen in diesem verdammten Dingi sitzen.
Das ist aber leider auch schon alles, was mir gefallen hat. Ernsthaft, wäre die komplette Gottes-Thematik oder wie auch immer man das nennen will weggefallen, hätte ich dem Buch locker 4 Sterne gegeben, wenn nicht sogar 5.
Was mich besonders interessieren würde, ist, wie wahr man die Geschichte nehmen darf. Ich meine, mir ist schon klar dass nur Filo, Samu & Etueni wissen, was damals wirklich passiert ist, aber - es wird ja betont, dass Kofmehl‘s einzige zuverlässige Quelle Filo war. Haben Samu & Etueni das alles so bestätigt? Kann ich mir, zumindest mit Etueni‘s erwähntem „Kontaktabbruch“ auf Facebook kaum vorstellen. „Jedes Mal wenn wir gebetet haben, hat es geregnet.“ Ja, alles klar. Ich glaube darauf brauche ich gar nicht einzugehen.
Eine Sache die mir ziemlich gegen den Strich gegangen ist, ist, wie wertend Kofmehl über die Charakter der Jungen geschrieben hat. Mir ist schon klar, dass es ihr Buch ist und sie schreiben kann was sie will - zumindest wenn die Personen fiktiv wären. Die Drei sind aber immer noch echte Menschen und haben sicher nicht darum gebeten, als „Gangster“ (mit negativer Konnotation, Filo scheint der Begriff an sich ja nichts auszumachen) und „Fast-Kannibalen“ betitelt zu werden, oder? Besonders Filo wird dargestellt als wäre er ein abgestürzter Teenie der sich auf der Straße prügelt und nichts aus sich machen will. No offense, aber es sieht nicht so aus als wüsste Kofmehl wie viel harte Arbeit, starker Willen und Hingabe hinter einem UFC Kämpfer steckt. Dass Filo mal zu den Großen gehören will ist ein wahnsinnig großes Ziel, ich für meinen Teil ziehe meinen Hut und wünsche ihm alles Glück der Welt. Auch die Sache mit Samu‘s „Kannibalismus-Moment“ hat mich ein wenig gestört. Die Jungen waren ca. 50 Tage auf dem Meer, ohne Trinken oder Nahrung - ich bin mir ziemlich sicher, dass mindestens der Hälfte der Lesern dieser Gedanke genauso durch den Kopf gegangen wäre, wenn sie in Samu‘s Schuhen gesteckt hätten. Ist das Ganze im Endeffekt nicht reiner Überlebensinstinkt gewesen? I sure think so.