«Ja, auf Schiffe verstehen sie sich, die Seeräuber, die Bluttrinker, die verfluchten!»
Europa im 9. Jahrhundert: An den Küsten und großen Flüssen zittern die Menschen vor den Beutezügen der Wikinger. Herward, ursprünglich selbst ein Nachfahre der Nordmänner, wächst in der Stiftssiedlung Ramsolano auf. Als er eines Tages Mutter und Schwester an die Wikinger verliert, entwickelt sich sein Widerstandsgeist von stiller Glut zu offenem Feuer. Zusammen mit dem Mönch und Chronisten Agrippa, der seine Aufmerksamkeit allzu gerne auf das schöne Geschlecht richtet, bricht er zu einem Rachefeldzug nach Haithabu auf, in die größte Wikingerstadt seiner Zeit.
Eine gefährliche Zeit, zwei Reisegefährten, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten – der zu allem entschlossene Krieger Herward und der allzu menschliche Mönch Agrippa!
ENDLICH, ein fantastischer historischer Roman ohne die typischen Frauenromanklischees!
Ich hatte das Buch für einen Euro irgendwo im Discounter gekauft und holla die Waldfee was habe ich für einen Schatz erworben! Es ist verpackt als Aufzeihnungen des Mönches Agrippa, der in seinen späten Tagen vom Helden Herward erzählt. Es werden zwei Erzählebenen dargeboten; eine in der Agrippa die Zeit kommentiert, in der er aktuell den "Herward", also seine Aufzeichnungen niederschreibt und die tatsächliche Handlung selbst. Wer gerne eine packende Geschichte liest die von einem Actionpunkt zum nächsten springt wird hiermit vermutlich nicht glücklich, denn der gute Agrippa lässt sich gewissermaßen Zeit mit seinen Schilderungen. Das alles verpackt er jedoch auf eine derart sympathische und mich packende Art und Weise, dass ich keine einzige Sekunde gelangweilt war. Das was mich an dem Buch wahrscheinlich am meisten beeindruckte ist die Authentizität. Mir wurde ein derart lebhaftes und realistisch scheinendes Bild dieser Zeit gemalt, dass ich über fast alle anderen historischen Romane jetzt nur noch die Nase rümpfen kann .. Zum einen die Sprache: altmodisch, aber nicht in dieser sperrigen Art alter Klassiker, sodass man das Buch nach ein paar Seiten aus der Hand legen möchte, sondern mit viel Witz erzählt. So findet man gut in die Zeit um das 9./10. Jh hinein. Agrippa selbst ist zwar ein Mönch, jedoch bei weitem nicht unfehlbar, wie er oft selbst betont. Die Charaktere sind allesamt echte Charaktere, keine Strohpüppchen, die der Autor hineinschreibt, um die Handlung damit in die eine oder andere Richtung zu lenken. Wieder etwas, das einem das Gefühl gibt eine Art "echtes" tagebuch zu lesen. Das Thema Religionen wird wunderbar aufgegriffen, einerseits direkt durch Dialoge verschiedener Charaktere und deren Stellungen und durch Handlungen und Taten, oft wie nebenbei geschehend und doch zeichnen sie ein wunderbares Bild davon, wie viel Widersprüche oft in Wort und Taten sprechen. Vieles davon hat immernoch Aktualität. Gleiches gilt für das Frauenbild zu der Zeit. Insgesamt gab es viele Momente, wo ich inne halten musste, weil es mich frustrierte, wie die Menschen miteinander umgingen. (Was ich im positiven Sinne meine- Authentizität und so..) Da es den Charakter eines Tatsachenberichtes hat, gibt es keinen klassischen Spannungsbogen in dem Sinne, nicht alle Fragen werden geklärt (so ist das Leben nun einmal- wobei es auch ein zweites Buch geben soll) und es gibt auch keine abartige Liebesgeschichte, die den Protagonisten auf eine Probe stellt und ähnlichen Blödsinn. Kurzum, ich hätte gerne mehr Bücher in diesem Stil!
TLDR: - altmodischer, dennoch unterhaltsamer Schreibstil - authentische Charaktere - Ansprechen diverser konfliktreicher Themen wie Religion oder Missionierung, ohne, dass eine klare Meinung des Autors durchscheint - liest sich wie ein zeitgenössischer Bericht - keine unnötigen, unplausiblen Handlungen/ Liebesgeschichten etc
- nicht empfehlenswert, wenn man geballte packende Action lesen möchte oder den Standardmittelalterroman