Die Schrift gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Die Herausforderung an die Gedächtnisleistung in Kulturen ohne Schrift wird mit der Entwicklung von Schrift abgelöt durch neue, revolutionäre Möglichkeiten, Wissen zu speichern und weiterzugeben. Aber wer entwickelt, wer nutzt diese neuen Möglichkeiten? Welche Funktion erfüllt die Schrift und wie verändert sie das Zusammenleben der Menschen? Ob Wortschreibung oder Lautschrift, Harald Haarmann schildert knapp und anschaulich, welche unterschiedlichen Schriftsysteme sich seit den ersten bildlichen Vorstufen vor 7000 Jahren entwickelt haben und wie unser Alphabet entstanden ist. Dabei bietet er einen faszinierenden Einblick in die Kulturgeschichte der Menschheit und das Leben in längst untergegangenen Hochkulturen.
Harald Haarmann (born 1946) is a German linguist and cultural scientist who lives and works in Finland. Haarmann studied general linguistics, various philological disciplines and prehistory at the universities of Hamburg, Bonn, Coimbra and Bangor. Haarmann is the author of more than 40 books in German, English, Spanish, Hungarian, Bulgarian, Japanese, Chinese, Korean, and nearly 200 articles and essays in ten languages.
In diesem, interessanten und aufschlußreichen, schmalen Band, skizziert der renomierte Sprachwissenschaftler über die Geschichte der Schrift, eine Technologie, die sich der Mensch geschaffen hat, um Informationen für den Wiedergebrauch zu konservieren, eine der wichtigsten Kulturtechniken der Menschheit. Für Haarmann gilt es als erwiesen, dass die Schrift zuerst im sog. Alteuropa bzw. der Donauzivilisation im Donautal entwickelt wurde, ca. um 5500 v.Chr., also ca. 2000 Jahre bevor in Mesopotanien die Keilschrift entwickelt wurde. Anhand tausender beschrifteter Keramiken, die wohl sakralen Zwecken dienten, die zwischen 5500 und 3200 v.Chr. benützt wurde, deutet Haarman dieses abrupte Verschwinden der Donau-Schrift duch das Eindringen der Steppen-Nomaden (Indogermanen) in den Donauraum, diese friedliche matriarchische Gesellschaft wurde danach durch die patriarchischen Indogermanen assimiliert und die Schrift verschwand danach. Doch diese Thesen werden noch von der offiziellen Geschichtswissenschaft nicht anerkannt, doch im Laufe der letzten Jahre fand man immer mehr Relikte, die diese These stützen. Interessant ist, dass das Linear A, die Schrift der Minoer auf Kreta, auffällige Ähnlichkeiten mit der Alteuropäschen Schrift hat, Haarman belegt das durch Übersichtstafeln in seinem Buch....
Eins vorweg; ich bin auf dem Gebiet der Schrift mit null Vorkenntnissen in die Lektüre gegangen. Ich fand den Überblick sehr gelungen und gut leserlich + verständlich. Auf außereuropäische Schriften wurde ebenfalls eingegangen und eine Einordnung der Wichtigkeit der Schrift am Ende hat das Büchlein toll abgerundet. Ich bin sehr zufrieden!
An sich ein hochinteressantes Thema, nur verwendet der Autor immer mal wieder dem Laien unbekannte bildungssprachliche Begriffe, die weder durch Fußnote oder Glossar erklärt werden, was Verständnis und Lesefluss der Lektüre unangenehm hemmt.