Jump to ratings and reviews
Rate this book

Stürmische Jahre: Die Manns, die Riesers, die Schwarzenbachs

Rate this book
Thomas Mann mit Familie, Franz Werfel, Annemarie Schwarzenbach, Alma Mahler – berühmte Autoren fanden vor dem Krieg in Zürich zusammen, mittendrin das heute vergessene Ehepaar Ferdinand und Marianne Rieser. Ihrem Engagement war es zu verdanken, dass das von ihnen gekaufte und privat betriebene Theater am Pfauen zu einer Heimat im Exil für viele durch den Nationalsozialismus gefährdete Schauspieler aus Deutschland wurde. Sie spielten riskante, nazikritische Stücke. In ihrer romanhaften Art erzählt Eveline Hasler von der angstvoll kreativen Anspannung damals, Schauplätze sind auch Wien, Prag und München. Ein starkes Porträt von Menschen, die mit angehaltenem Atem das Ungeheure erwarten.

222 pages, Hardcover

First published August 1, 2015

3 people are currently reading
25 people want to read

About the author

Eveline Hasler

80 books16 followers
Eveline Hasler wurde in Glarus geboren, studierte Psychologie und Geschichte in Fribourg und Paris und war einige Zeit als Lehrerin tätig. Heute lebt sie im Tessin. Sie schreibt vor allem historische Romane, aber auch Lyrik, Kinderbücher, Kolumnen, Reportagen sowie Radio- und Zeitschriftenbeiträge. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schubart-Literaturpreis, dem Meersburger Droste-Preis für Dichterinnen und dem Justinus-Kerner-Preis. 1990/91 war sie Guest Lecturer am German Department der City University in New York. Ihre Bücher wurden bisher in zwölf Sprachen übersetzt.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
10 (23%)
4 stars
18 (41%)
3 stars
11 (25%)
2 stars
4 (9%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Steffi.
1,123 reviews272 followers
October 17, 2019
Eveline Hasler als großartige Schriftstellerin zu bezeichnen, wäre sehr hoch gegriffen. Sprachlich ist das nichts Besonderes und manchmal merkt man das Montieren von recherchierten Details allzu sehr. Dennoch kann man die Bücher von Hasler nicht genug rühmen. Ihr Rezept (und das meine ich in diesem Fall nicht abwertend), ist das Erzählen von realen Biografien und historischen Ereignissen, die ein wenig (oder völlig) ins Vergessen geraten sind (ich denke da zum Beispiel an Europas erste Juristin Emily Kempin oder die Hexe Anna Göldin). Durch die romanhafte Aufbereitung, in die aber immer wieder historische Zitate sichtbar eingearbeitet werden, lernt man ungemein viel und erhält viele Anstöße, selbst weiter zu recherchieren und weiter zu lesen.

So auch hier: Ich wusste um die Bedeutung Zürichs in der Exilzeit, dass Thomas Mann hier lebte, Erika Mann ihr Kabarett Pfeffermühle betrieb. Ich wusste, dass zu den Freunden von Erika und Klaus Mann eine Annemarie Schwarzenbach gehörte. Ebenso war mir bewusst, dass der umtriebige Buchhändler und Verleger Emil Oprecht vielen Exilanten half.

Doch verdanke ich es diesem Buch, dass ich inzwischen auch weiß, dass die Familie Schwarzenbach durchaus pro-Nazi war und Annemarie damit irgendwie das schwarze Schaf der Familie. Wirklich dankbar bin ich für die Begegnung mit dem Ehepaar Rieser, das das Schauspielhaus Zürich betrieb und sich politisch sehr eindeutig gegen die Nazis positionierte – mit der Wahl der Stücke zum Beispiel oder dem Beschäftigen des Schauspielers Wolfgang Langhoff, der gerade aus dem KZ entlassen wurde (darüber hat er den Bericht Die Moorsoldaten: 13 Monate Konzentrationslager geschrieben). Während der Aufführungen kam es immer wieder zu Störungen durch die Frontisten, das Theater und seine Besucher mussten immer wieder polizeilich geschützt werden.

Frau Rieser war im Übrigen die Schwester Franz Werfels. So besuchten Franz und Alma Werfel häufig die Riesers in Zürich. Aber damit nicht genug mit den Prager Connections. Auch über Kafkas Übersetzerin Milena Jesenská erfahren wir ganz nebenbei einiges.

Jeder, der sich für Exilgeschichten oder Züricher Kulturgeschichte interessiert, oder für eine Mischung aus Künstlerbiografien, Klatsch und historischem Hintergrund (und dabei beim Stil auch mal Abstriche machen kann), sollte dieses Buch lesen.
Profile Image for Johanna Berger.
124 reviews5 followers
January 16, 2025
„Wie erfasst man, auch nur annähernd, diese verunsichernden, stürmischen Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg?“, fragt sich Eveline Hasler. Sie macht die „Themen der Zeit dingfest an drei Familiennamen: die Manns, die Riesers, die Schwarzenbachs“ (Nachbemerkung E.H.).
Zwischen den Familien gibt es viele Querverbindungen. Hasler hat viele Zeitzeugnisse und insbesondere eine Dissertation über Rieser und das Zürcher Schauspielhaus als Grundlage benutzt, um einen Roman über diese Zeit in der Schweiz zu schreiben. Sie setzt wörtliche Zitate in den Text, wo es ihr nötig erscheint, erfindet rund um die agierenden historischen Personen Dialoge und Szenen, die ein lebendiges Panorama der entsetzlichen Jahre bieten.

Im Mittelpunkt steht das Schauspielhaus Zürich, der Direktor Ferdinand Rieser, seine Frau Marianne, Malerin, Schauspielerin, Theaterautorin und Schwester Franz Werfels. Ihre Persönlichkeit hat es Hasler besonders angetan. Drum herum Thomas, Erika und Klaus Mann, die reiche, nazifreundliche Familie Schwarzenbach und deren Tochter Annemarie, eine unglückliche Weltreisende, Schriftstellerin und Freundin der Mann-Kinder.

Ferdinand Rieser ist eigentlich Weinhändler, kauft nach der Hochzeit mit Marianne das Theater am Pfauen und spielt dort unter dem Einfluss seiner Frau zunehmend moderne und zeitkritische Stücke. Als 1933 viele Schauspieler aus Deutschland fliehen müssen, engagiert er die Verfolgten. Den Schauspieler Wolfgang Langhoff holt er 1934 nach dessen Entlassung aus dem KZ im Kofferraum seines Wagens in die Schweiz, bezahlt ihm Ärzte und ein neues Gebiss, da die Nazis Langhoff die Zähne ausgeschlagen hatten. Thomas Mann geht gern ins Schauspielhaus, auch wenn er nicht mit allen Stücken einverstanden ist und sich ärgert, dass er seine Eintrittskarten ab 1936 bezahlen muss („das ärgerliche Verhalten des Schauspielhauses in Dingen der Kartenbewilligung“). Gewaltsame Proteste gegen Rieser und sein Theater formieren sich unter den sogenannten Frontisten, die auch Erika Manns „Pfeffermühle“ im Visier haben. James Schwarzenbach ist einer der Aufrührer der Krawalle rund um das Kabarett und das Theater.

Hasler erzählt aber nicht nur vom bedrohten Theater, sondern auch von Freunden und Verwandten der Familie Rieser. Von den Eltern Werfel, die vor den Nazis aus Prag zu ihrer Tochter in die Schweiz fliehen und nach einem Selbstmordversuch des alten Werfel von den Riesers ausgerechnet ins vermeintlich sichere Vichy gebracht werden. Von Franz Werfel und seiner blindwütig antisemitischen Frau Alma Mahler-Werfel, die selbst noch als Naziverfolgte und vor ihrer angeheirateten jüdischen Verwandtschaft im Schweizer Exil antisemitische Tiraden loslässt. Von Annemarie Schwarzenbach, die ihre Unruhe auch nicht durch viele Weltreisen besänftigen kann und sich wie ihr Freund Klaus Mann durch Drogen zugrunde richtet. Vom Theaterdirektor Rieser, der sich in der Schweiz zunehmend unwohl fühlt, sein Theater 1938 aufgibt, mit der Familie nach Amerika auswandert und kurz nach der Rückkehr 1947 stirbt.

Ein Zeitbild der dreißiger Jahre in der Schweiz. Sehr empfehlenswert für Freunde der Kulturgeschichte!
Displaying 1 - 2 of 2 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.