Das Buch "Philosophie" aus der Reihe "Abenteuer Denken" des Würzburger Verlages Arena Verlag ist ein Sachbuch für Jugendliche und führt den Leser in die Philosophie ein. Die Einführung erfolgt indem elementare Fragen bearbeitet werden. Dabei bietet der Autor für jede Frage mehrere Antworten und fordert den Leser jedesmal auf, selber darüber nachzudenken.
Das von Stephen Law verfasste Werk hat um die 250 Seiten und ist in acht Kapitel unterteilt, die von einer Einleitung und einem Glossar umfasst sind. Jedes Kapitel ist in einfachen verständlichen Worten geschrieben und hat zur Auflockerung mehrere teils lustige Zeichnungen und als herausragendes klassisches Stilmittel platonische Dialoge. Je ein Kapitel befasst sich mit je einer Hauptfrage: "Was ist real?", "Woher wissen wir, dass die Welt nicht virtuell ist?", "Wo ist das Ich?", "Ist es unrecht, sich von Fleisch zu ernähren?", "Kann man zweimal in denselben Fluss springen?", "Woher kommen die Begriffe 'richtig' und 'falsch'?", "Was ist Geist?" und "Gibt es einen Geist?" .
Am Inhalt des Buches ist wenig zu kritisieren, im Gegenteil! Das Buch sieht Pluto als Planeten an. ALS RICHTIGEN PLANETEN! Große Liebe für Stephen Law! Leider ist dafür mehr am Objekt selber zu kritisieren. Die Seiten sind sehr dick und erfordern eine große dauerhafte Kraftanstrengung um sie so auseinanderzudrücken, dass man sie lesen kann. Das ist schade.
Die Reihe "Abenteuer Denken" hat noch andere Themen, die wenn diese so umgesetzt sind, wie "Philosophie" durchaus Wert sind, näher angesehen zu werden.
Platon! Immer wieder Platon! Wie sehr er mit seinen Ideen die letzten Jahrtausende geprägt hat, wird so unterschätzt! Die Mehrdimensionentheorie ist ähnlich Platons Höhlengleichnis: Wir können nur unsere Raumzeit wahrnehmen und sind damit wie die Höhlenbewohner, die den auf die Höhlenwand geworfenen Schatten als die Realität ansehen, obwohl es da draußen einen mehrdimensionalen Raum gibt, der diesen Schatten erst wirft. "Himmel", "Gott", Platon ruft grinsend "Erster!". Die Seelenfrage beantwortet Platon ganz locker mit einem Wort: Ideen.
Platons Höhlengleichnis findet sich auch heute immer wieder:
1) Der Mensch, der immer nur im Internet ist, kreiert seine eigene Schattenwelt, die eigentliche Realität, da draußen, sieht er aber nicht.
2) Der Mensch, dem es genügt in Filmen, Büchern und in Träumen Erlebnisse zu erfahren, die er zwar sehen, lesen und denken kann, aber diese doch nie selbst erlebt.
Eine wichtige Frage des Buches ist die Herkunft der Moral. Ist Moral objektiv? Von Gott gegeben? Oder kommt sie aus uns selbst? Ich vertrete die Meinung, dass Moral aus uns selbst entsteht und als allgemeingültig angesehen wird, sobald eine kritische Masse dieselbe Moral hat. Moral ist kein objektiver Begriff sondern ein Wert, der durch Sozialisation geschaffen wird und sich damit im Laufe der Zeit ändern kann. Murphy tötet, weil er seine eigene Moral hat, eine Moral, bei der das Töten von Menschen ihm genausowenig was ausmacht, wie für uns das Töten von Schweinen für ein Schnitzel mit Pommes. Murphy hat dabei die von der Gesellschaft vermittelte Moral überwunden, der beobachtende Autor aber nicht. Damit sieht der Autor das Töten eines Menschens unter den moralischen Gesichtspunkten, die ihm von der Gesellschaft vermittelt wurden. Murphy hingegen hat diese abgelegt und seine eigene Moral gefunden. Die Fragestellung im Buch zur Moral ist deshalb so bedauerlich, weil kurz zuvor über das Töten von Tieren gesprochen wurde. Unsere Geselleschaft akzeptiert zwar das Töten von Menschen nicht, aber sehr wohl von Tieren für die Produktion von Nahrungsmitteln. Obwohl es Gruppen der Gesellschaft gibt, die auch das Töten von Tieren nicht akzeptieren. Damit kann aber das Töten nicht objektiv falsch sein, sondern ist ein aus der Mehrheit der Menschen einer Gruppe in die Gruppe übernommenes Moraltum.
Das Buch fragt auch weiterhin, wer daran schuld ist, wenn jemand leidet. Ist es einfach Schicksal? Gottes Schuld? Es ist Ihre Schuld, werter Leser! Einem hungernden Menschen können Sie jederzeit Essen geben. Warum machen Sie das nicht? Einer verängstigten Familie mit finanziellen Sorgen können Sie jederzeit die Sorgen nehmen. Warum machen Sie das nicht? Einem Menschen mit Liebeskummer können Sie jederzeit Ihre Aufmerksamkeit anbieten. Warum machen Sie das nicht? Einem todkranken Kind können Sie jederzeit beistehen. Warum machen Sie das nicht? Krebs, HIV und andere unheilbare Krankheiten müssen nicht für immer unheilbar bleiben. Früher gab es viel mehr Krankheiten, bei denen der Mensch schulterzuckend sagte, man können nichts tun. Dann aber kamen Menschen und taten was! Warum machen Sie das nicht? Werden Sie Arzt! Ändern Sie das System! Retten Sie Menschen aus Seenot! Seien Sie für andere da!
Obwohl es ein Jugendsachbuch ist, ist es durchaus auch für Erwachsene unterhaltsam und anregend. Es ist bei Weitem nicht so langatmig und mühsam wortklauberisch zu lesen, wie manche Originaltexte, sodass beim Leser erst überhaupt keine Möglichkeit zur Frustration beim Verständnis der Fragen aufkommen kann. Auch wer vor Populärphilosophie eher zurückschreckt, ist mit diesem Buch gut bedient. Es ist ein Einsteigerbuch für alle, das viele Themen anspricht und dem Leser ausreichend Argumente für eigene Diskussionen gibt als auch genügend Sprungbretter anbietet um eigenen Gedanken nachzugehen. Fragen nach dem Ich, den Umgang mit Lebewesen, des Sinns des Lebens, also Fragen, die alle beschäftigt, werden angesprochen und eventuell schon für manche ausreichend bearbeitet. Wer mit der Philosophie liebäugelt, sich aber bisher nicht getraut hat, macht mit diesem Buch keinen Fehler.