Cosmo ist charmant, witzig und einfühlsam - aber auch labil und unberechenbar. Er ist Borderliner. Ärztliche Hilfe lehnt er ab; stattdessen hat er seinen Mitbewohner und besten Freund Johannes zu seinem "Erlöser" erklärt. Der ist mit der Aufgabe, die Folgeschäden seiner Exzesse zu beheben, zunehmend überfordert. Seine Gesundheit ist angeschlagen, sein Studium leidet unter der ständigen Anspannung. Doch Cosmos Empathie und sein unbefangener Charme machen es Johannes immer wieder unmöglich, klare Grenzen zu setzen. Als er sich in eine Kommilitonin verliebt und Cosmo bei seiner ersten Vernissage überraschende Erfolge feiert, gerät das wackelige Gleichgewicht der Freundschaft in Gefahr - und Johannes bezahlt dafür beinahe mit seinem Leben.
hab‘s in 33 stunden durchgelesen. es ist ein paar minuten vor halb vier nachts, ich bin dehydriert und verwirrt und habe kopfschmerzen. wer bin ich, was mache ich jetzt mit meinem leben? muss das jetzt erstmal sacken lassen. wenn mir ein geistreiches review einfällt, editiere ich den quark hier nochmal.
edit (16.10.2025): vorab: BITTE, falls jemand das buch gelesen hat und sich mit mir austauschen will, BITTE schreib mir (insta: m1ka61_). okay. puh. seit nem anderthalben Monat bin ich jetzt durch. noch immer weiß ich nicht ganz, was ich dazu sagen soll. seit meiner diagnose habe ich nach einem identifikationscharakter für meine krankheit gesucht. gefunden habe ich… das? dieses buch kriegt von mir keine sterne, weil ich beim besten willen (beim ALLER BESTEN WILLEN) nicht sagen kann, ob dieses buch gut oder schlecht war. ich glaube, das hier wird weniger eine rezension für das buch als eine diskussion mit mir selbst; na ja, sei‘s drum. wo fangen wir an? von vorne. ich habe dieses buch gekauft, als ich in einer ziemlichen episode gesteckt habe und geldausgeben als coping mechanism nutzen wollte, und weil ich eben auch auf der suche nach identifikation war. ich habe die rezensionen auf mehreren plattformen studiert und die meisten waren positiv, sowohl von betroffenen als auch von angehörigen. da dachte ich mir, klar, das ist ein guter grund zum kaufen. also los. und dann habe ich zum ersten mal seit monaten, vllt seit JAHREN wieder ein buch verschlungen, weil ich nicht aufhören konnte zu lesen. ich habe es konsumiert wie ein abhängiger eine droge, ich sags ehrlich, hätte ich mir das buch intravenös geben können, hätte ich es vllt getan (und vllt würde ich es auch immer noch tun). ich war vom ersten moment an hooked. der schreibstil ist SUPER. gott, ich wünschte ich würde so schreiben. der humor ist genau meiner, trocken, makaber, schlägt manchmal über die stränge. dann die realisation, hey, das ist relatable. scheiße. auch dafür ein pluspunkt, wenn auch einer, der wehtut. und dann der ganze mist mit folgendem themenschwerpunkt: was darf kunst? daran habe ich viel zu lange gesessen, ohne eine antwort zu finden. tage danach war ich gedanklich nur bei diesem buch, weil es mir ein riesiges rätsel gestellt hat; was darf kunst ohne bzw mit nur unzureichender kritischer einordnung? da wäre zum beispiel die frage nach den triggerwarnungen. ich glaube, jeder der sich schon mal ein bisschen mit borderline auseinandergesetzt hat, weiß: das ist heavy shit. da gibt es ne menge potentielle trigger, die damit kommen. deswegen wundert sich auch keiner, dass das buch dinge wie svv, s*izid usw thematisiert und stärker darauf eingeht. trotzdem gab es einige stellen, für die ich mir definitiv eine triggerwarnung oder zumindest eine inhaltswarnung gewünscht hätte, denn dafür war ich definitiv NICHT prepared, und ich bin eigentlich nicht leicht durch bücher zu triggern. die nächste frage: was ist durch krankheit zu entschuldigen? darf ich den anspruch stellen, dass das buch kritisch(er) mit dem fremgefährdenden verhalten des borderline-betroffenen umgeht? vor allem, wenn man bedenkt, dass es aus der sicht von johannes geschrieben ist, eines charakters in einer hochgradig dysfunktionalen beziehung, der realistischerweise natürlich eine total verzerrte wahrnehmung von eben diesem fremdgefährdenden verhalten seines besten freundes cosmo hat. es macht total sinn, dass johannes den blick dafür nicht hat, welche aktionen von cosmo noch mit der krankheit zu „entschuldigen“ sind und welche eben nicht (ähem, hust, verprügeln seiner MINDERJÄHRIGEN partnerin, hust). trotzdem- gefühlt hat da keiner der charaktere wirklich ein ding draus gemacht. klar war es ein schock für johannes, klar weiß der durchschnittliche leser grob dass das nicht okay ist- es ließ trotzdem einen unguten nachgeschmack zurück, denn es wurde, wie so viele dinge, meiner meinung nach nicht wirklich ausreichend aufgearbeitet. denn auch wenn johannes nicht allwissend ist und auch nicht so dargestellt werden muss, macht es mir sorgen, dass menschen die nicht so viel ahnung vom krankheitsbild borderline haben dieses buch lesen und das bild bekommen, dass es ganz normal ist, dass sich borderliner so verhalten- denn das ist es nicht. das ist weder den betroffenen gegenüber gerecht (schließlich sind wir kein monolith und haben schon genug mit stereotypen zu kämpfen, die durch solche bücher auch nicht unbedingt besser werden), noch den angehörigen (die sich auf keinen fall seelische oder körperliche gewalt gefallen lassen sollen, nur weil das gegenüber krank ist). dieses verhalten sollte doch zur rechenschaft gezogen werden. oder nicht? mit cosmo habe ich mich deshalb auch schwer getan. denn er ist so schrecklich nachvollziehbar, er ist opfer seiner umstände, seiner geschichte und seines schmerzes, aber er ist auch ein täter, in vielerlei hinsicht. solche charaktere muss es in der literatur auch geben. und da ist der punkt, wo ich am meisten mit mir kämpfe- darf es sie auch alleinstehend geben, ohne dass den leser:innen deutlich vorgekaut werden muss, dass es höchst problematisches verhalten ist? darf man darauf vertrauen, dass die leser:innen dazu in der lage sind, das für sich selbst kritisch betrachten zu können? maße ich mir gerade an, dass ausgerechnet ICH dazu in der lage bin, zu sagen, wann etwas grob fahrlässig geschrieben wurde und wann nicht? ich zermattere mir noch immer den kopf wie bekloppt. immerhin haben sogar betroffene in den rezensionen gesagt, dass sie bestätigen können, dass das buch eine gute und realistische darstellung von borderline ist. warum also stößt mir das alles so sauer auf? ich war doch selbst vor ein paar zeilen noch der meinung, es sei nachvollziehbar, und eigentlich bin ich das auch noch. ist es ja auch. und das schlimmste? vermutlich gibt es auf all das keine eindeutige antwort. vllt können viele sachen auf einmal wahr sein; es ist ein gutes buch, aber es ist auch ein beschissenes buch. es hat mich unglaublich frustriert und wütend gemacht, weil es an vielen stellen potential gehabt hätte, das es nicht genutzt hat. es hat mich in eine halbe identitätskrise gestürzt und mich an meiner sanity zweifeln lassen. nicht nur das, auch an meinen moralvorstellungen. oder an denen von allen rezensent:innen. oder beides. es hat mir gezeigt, dass ich noch lesen kann, dass bücher noch etwas in mir auslösen. es hat mich zum ersten mal in meinem leben dazu veranlasst, mir stellen im text zu markieren (eigentlich schreibe ich nicht in bücher). es hat mir einen echt schmerzhaften spiegel direkt in die fresse gehalten, ich habe parallelen gefunden über die ich fast täglich nachdenke, und ich finde auch ständig neue. es hat mir worte für dinge gegeben, deren anwesenheit ich mir vorher nicht mal bewusst war. es ist schrödingers borderline-darstellung. es ist so feinfühlig, gelungen und verdammt realistisch, und gleichzeitig so weit am ziel vorbei, dass ich schreien und mir die haare ausreißen möchte. ich versuche jetzt, damit abzuschließen. und damit meine ich, ich suche weiterhin nach identifikationsfiguren. natürlich.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Zusammen mit Johannes wird man in eine Welt voller Probleme, Drogen und Verletzungen gezogen aus der man es kaum raus schafft, im wahren Sinne des Worts. Der Autor beschreibt gekonnt die kältesten tagen, die lebendigsten Schmetterlinge und den größten Hunger, sodass sogar der eigene Magen anfängt zu knurren.
Die Freundschaft der zwei Protagonisten ist perfekt rübergebracht. Man kann leicht mitlesen und muss kein Wort erst nachschlagen, um es zu verstehen. Es besteht eine großartige Spannung im ganzen Buch, obwohl ich es schade finde das man manche Szenen schon voraussehen kann, aber ich vermute dies wollte der Autor sogar vermitteln. Mein Einziger Mängel ist tatsächlich das leicht offene ende. Bis heute wünsche ich mir ein zweiter Teil, der zeigt wie es mit den Protagonisten weiter geht und wie es ihnen mittlerweile geht.
Aber alles in einem, ein fantastisches Buch das zum Nachdenken anregt! Daher 4/5⭐