Franz Grillparzer: Libussa. Trauerspiel in fünf Aufzügen Entstanden zwischen 1825 und 1848. Erstdruck: Stuttgart (Cotta) 1872. Uraufführung am 21. 1. 1874 in Wien. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2015. Textgrundlage ist die Ausgabe: Franz Grillparzer: Sämtliche Werke. Ausgewählte Briefe, Gespräche, Berichte. Herausgegeben von Peter Frank und Karl Pörnbacher, München: Hanser, [1960-1965]. Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Alexandre Cabanel, Jiftachs Tochter, 1879. Gesetzt aus Minion Pro, 11 pt.
Franz Seraphicus Grillparzer was an Austrian writer who emerged primarily as a playwright. Because of the identity-creating use of his works, especially after 1945, he is also referred to as the Austrian national poet.
Die Legende von der Gründung der Stadt Prag und die Libussa-Saga werden in Grillparzers Trauerspiel miteinander verbunden. Wie dabei der Übergang von einem mystisch-matriarchalischen zu einem geschichtlich-patriarchalischen Zeitalter die Liebesbeziehung ins Ungleichgewicht führt, ist Teil der finalen Tragödie. Grillparzer stellt Libussas kommunistische Utopie und Primislaus' kapitalistisches Weltbild kontrastiv in Szene und zeigt anhand der Stadtgründung Prags, inwieweit das patriarchale Säkulum der staatlichen Ordnung ein neues Zeitalter der Technik und Wirtschaft einleitet. Libussa und ihre Schwestern werden darin allerdings keinen Platz finden und verschwinden von der Szene. Das Magische und Idyllische finden keinen Platz in dieser Leistungsgesellschaft mehr.